"VOLL VERTRAUEN" - Kreuz & Quer vom 24.01.2021, Matthäus 8,5-13

Gebet

Es gibt schon ausgefallene Aktionen. Eine heißt zum Beispiel ?Trust Fall Challenge?. Verschiedene Leute lassen sich vor Menschen nach hinten fallen, in der Hoffnung von ihnen aufgefangen zu werden. Vorher rufen sie laut: ?I trust you!?, also ?Ich vertraue dir!? Natürlich wird das Ganze gefilmt und ins Internet gestellt. Wir sehen dazu einige Szenen.



Video

Alsw ich das Video das erste Mal gesehen habe, habe ich natürlich auch gelacht, aber auch gedacht: Der arme junge Mann! Er schreit ?I trust you!? lässt sich immer wieder todesmutig nach hinten fallen. Aber er wird in den wenigsten Fällen aufgefangen. Oft guckten die Leute nur mehr oder weniger entgeistert oder gar belustigt, wie da jemand plötzlich nach hinten umkippt. Wenigstens zum Schluss sieht man, wie er tatsächlich aufgefangen wird.

Vertrauen hat tatsächlich etwas mit sich fallen lassen zu tun, in der Hoffnung, dass mich jemand auffängt. Doch wem kann ich vertrauen? Kinder vertrauen ihren Vätern oder Müttern, wenn sie sich etwa von einem Sofa, einem Stuhl oder einer Mauer in die Hände ihrer Eltern fallen lassen. Sie vertrauen darauf: Der Papa oder die Mama fangen mich schon auf.

Menschen aller Zeiten haben Jesus vertraut. Und ihr Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Sie haben sich gewissermaßen in seine Hände fallen lassen. Und er fing sie auf. Wir hören die Geschichte eines solchen Mannes. Sie steht im Matthäusevangelium, Kapitel 8, Vers 5 bis 13.

(vorlesen)

Dieser römische Offizier hat selbst Jesus zum Staunen gebracht. So einen Glauben, so sagt er über diesen Zenturio, hat er bei keinem anderen Menschen in Israel angetroffen. Was war dieser römische Offizier überhaupt für ein Mensch? Ein Auslandseinsatz hatte ihn nach Kapernaum in Israel gebracht. Dort befehligte er etwa 100 Soldaten, die in einer kleinen Kaserne in der Nähe dieses jüdischen Ortes untergebracht waren. Er muss ein großzügiger Mensch mit einem weiten Herzen gewesen sein. Er spendete einen beträchtlichen Teil seines Vermögens für den Neubau einer jüdischen Synagoge. Vermutlich war er vom Glauben der Juden beeindruckt und glaubte selber an ihren Gott.

Sein Diener wurde schwerkrank. Der Offizier kümmerte sich rührend um diesen jungen Mann. Er tat alles, wirklich alles, damit er wieder gesundwerden konnte. Das war nicht selbstverständlich. Diener, also Sklaven galten bei den Römern nicht viel. Sie zählten nicht als Menschen, sondern als Gegenstände. Aber nicht bei jenem Offizier. Für ihn war sein Sklave ein kranker Mensch, der eine ordentliche Behandlung verdiente.

Dann kommt es zu einem Zusammentreffen mit Jesus. Der Römer erhofft sich von dem jüdischen Rabbi Heilung seines Dieners. Ja, er rechnet fest damit. Wie kam er zu diesem Glauben?

Kapernaum war ein Zentrum des Wirkens von Jesus. Zeitweilig lebte er dort. Viele, viele seiner Wunder geschahen in Kapernaum, auch viele Krankenheilungen. Der römische Offizier hatte sicher zumindest davon gehört. Man kann davon ausgehen, dass er etliche Leute kannte, die krank waren und die Jesus wieder gesundgemacht hatte. Vielleicht hatte er das eine oder andere Wunder hautnah miterlebt. Dem Zenturio war klar: Dieser Jesus hatte besondere Fähigkeiten. Ja, er war ein besonderer Mensch, de stärker war als die Macht der Krankheit. So entstand sein Glaube. Er hörte von Wundern und erlebte sie selber mit.

So fing es auch mit meinem Glauben an Jesus an. Das erste Mal in meinem Leben hörte ich im Konfirmandenunterricht von Wundern, die Jesus getan hat. Unser Pfarrer erzählte glaubwürdig davon und vor allen Dingen, dass er diese Wunder selber erlebt hatte. Dieser Mann erzählte uns keine Märchen. Er log uns nicht an. Wieso sollte er? Diese erzählten Wunder haben mich sehr beeindruckt. Und ich beschloss, selber auch an diesen Jesus, von dem uns Konfirmanden erzählt wurde, zu glauben. Mit dem Ergebnis: Auch ich erlebte in Laufe meines Lebens viele, viele Wunder.

Mach es doch auch so! Der Glaube an Jesus ist keine seltsame, unsichere Sache für Menschen mit einem etwas beschränkten Verstand. Sondern er beruht auf Tatsachen, die viele glaubwürdige Menschen erlebt haben. Wer nicht an Wunder glaubt, der ist kein Realist.

Ein Missionar unterhielt sich mit einem heidnischen König. Und der Missionar macht ihm den christlichen Glauben mit den Worten schmackhaft: ?Ihr werdet Wunder erleben, die alle wahr sind!? Genauso wie dieser Missionar möchte auch ich jedem unter euch den christlichen Glauben so schmackhaft machen. Wenn du an Jesus glaubst und ihm vertraust, wirst du handfeste Wunder erleben.

Ich habe von vielen Wundern Gottes mit meinen eigenen Ohren gehört, habe von unzähligen gelesen und selber welche erlebt. Wir hören jetzt Erlebnisse von zwei jungen Leute, Erlebnisse, die sie mit Jesus gemacht haben.



Erzählungen: Tobias Lochner

Hannah Zapf



Zurück zu unserer Geschichte. Was war das Besondere am Glauben des römischen Offiziers? Es sind zwei Punkte. Er hatte zum einen kein Anspruchsdenken. Er dachte nicht: Ich bin eigentlich ein ganz guter Mensch. Ich habe eine ganze Menge Geld für diese jüdische Synagoge gespendet, ich als Römer, ich als Vertreter der Besatzungsmacht. Dann habe ich auch meinen Sklaven nicht wie ein Stück Dreck behandelt, sondern wie einen Menschen. Und außerdem schätze ich als Heide dich, Jesus, sehr hoch. Deshalb kannst du als Gegenleistung sicher mir auch etwas Gutes tun. Das habe ich doch verdient.

So in etwa denken sicher viele Menschen. Sie meinen: Der Glaube an Gott ist so eine Art Deal. Ich verhalte mich anständig und gut. Und dafür kann mir Gott doch auch Gutes tun. Und wenn dieser Deal nicht funktioniert, dann sind sie bitter enttäuscht und wollen vom Glauben nichts mehr wissen. Da sagen sie in etwa: Da habe ich doch so viel Gutes getan und so viel gebetet. Und Gott hat mir nicht geholfen! Sie haben eines nicht begriffen: Ich habe keinen Anspruch auf Gottes Hilfe.

Der römische Zenturio hatte dies begriffen. Er sagt zu Jesus: Ich habe es nicht verdient, dass er zu mir in mein Haus kommt. Wer bin ich denn schon im Vergleich zu ihm?

Er hat gemerkt: Dieser Jesus und ich passen überhaupt nicht zusammen. Wir sind grundverschieden, so wie Feuer und Wasser. Diesem Römer wird so manches klar gewesen sein wie: Er ist gut, ich bin böse. Er ist lieb, ich bin oft so lieblos, er ist freundlich, ich bin oft so unfreundlich. Er ist geduldig, ich bin oft so ungeduldig, werde leicht wütend und schreie dann immer gleich herum. Er ist so hilfsbereit, und ich denke oft nur an mich und bin gar nicht gefällig. Er ist so friedlich, und ich streite mich gleich mit allen herum. Nein, Jesus und ich passen nicht zusammen. Der kann doch nicht in mein Haus!

Dieser Römer hatte die richtige Einstellung. Hast du sie auch schon?

Damals gab es viele Fromme, die sich viel besser in der Bibel auskannten als der römische Hauptmann. Aber sie hielten sich für brave, rechte Leute. Deshalb konnten sie mit Jesus nichts anfangen. Und Jesus konnte mit ihnen nichts anfangen. Diese Frommen, sagt Jesus hier in unserer Geschichte, werden nicht in den Himmel hineinkommen. Sondern nur Sünder, wie der Hauptmann zu Kapernaum, das heißt Menschen, die sich als Sünder erkannt haben. Denn nur die brauchen Jesus, dass er ihnen ihre Sünden vergibt.

?Ich bin?s nicht wert!? Mit diesen Worten wendet sich also der römische Offizier an Jesus und bittet ihn um Hilfe. Jesus staunt. ?So einen großen Glauben habe ich bisher nicht gefunden.? sagt er. Nur wer klein von sich denkt, ist nicht weit von dem Glauben, den Jesus groß nennt. Denn nur er kann von ihm, dem Sohn Gottes, alles erwarten. Und er wird ihm auch alles, was er für dieses und das ewige Leben braucht, geben. So durfte es auch der römische Offizier von Kapernaum erleben: Sein Diener wurde von Jesus geheilt.

Und wir können noch etwas von dem Hauptmann lernen: Er glaubt wirklich, dass Jesus ihm helfen kann. Er traut es Jesus zu, dass er seinen Diener heilt, wenn er nur ein Wort spricht, wenn er nur sagt: "Dein Diener ist gesund."

Er ist ein Soldat, und er weiß, da gibt's welche, die befehlen, so wie er, und da gibt's welche, die müssen gehorchen, wie seine Untergebenen. Er war ja ein Hauptmann, ein römischer Zenturio, dem etwa hundert Soldaten gehorchen mussten. Wenn er sagte: Jetzt marschieren wir die ganze Nacht durch, dann mussten die das machen. Oder wenn er sagte: Morgen früh greifen wir den Feind an, dann mussten sie auch gehorchen. So ist das eben beim Militär.

Und so muss es bei diesem Jesus auch sein, denkt er. Der ist ja noch mächtiger als ich, der kann sogar Kranke heilen. Das kann ich nicht. Wenn der also zu der Krankheit sagt: Verschwinde! Dann muss die gehorchen. Dann muss die wirklich verschwinden. Ganz einfache Sache. Nur wir machen es mit dem Glauben oft so kompliziert. Wir haben zwar oft von Wundern gehört, aber wenn's drauf ankommt, glauben wir doch nicht, dass Jesus sie tun kann.

Wir sind oft, wie es in einem Lied heißt ?taub für seinen Trost und blind für seine Hilfe?. Wir hören dieses Lied: ?Hilf mir Herr!?

Das können wir ja tun, wenn wir meinen, keinen Glauben zu haben: Um glauben bitten!

Wir lassen uns oft so schnell Angst einjagen. Aber mitten in deiner Angst ist doch Jesus da, um dir zu helfen.

Meine Frau und ich haben einmal für kurze Zeit das Haus verlassen. Unsere Kinder waren noch recht klein, und wir sagten ihnen, wir gehen nur schnell nach nebenan, zur Organistin, die im Nachbarhaus wohnte. Nach einer halben Stunde vielleicht kamen wir zurück und fanden unsere Kinder weinend unter dem Tisch vor. Sie hatten das Licht ausgemacht und hatten nun Angst bekommen. Deshalb verkrochen sie sich unter dem Tisch. Auf die Idee, dass man das Licht ja wieder anmachen konnte, kamen sie vor lauter Angst nicht.

Wir lachen vielleicht. Aber wir machen es ja oft genau so. Wir lassen uns so schnell Angst einjagen. Und vor lauter Angst vergessen wir gewissermaßen das Licht anzumachen, das heißt zu dem zu gehen, der uns die Angst nehmen kann. Das ist Jesus.

Wir rechnen nur mit dem, was wir sehen, was uns quält und Angst macht. Aber wir rechnen nicht mit Jesus, mit seinem Eingreifen, mit seiner Hilfe. Da sind wir zum Beispiel in einer schlimmen Lage, oder denken nur, wir kommen vielleicht in eine schlimme Lage und dann haben wir Angst, oft furchtbare Angst. Was wird da wieder auf mich zukommen! Was wird mir da wieder passieren! Und vergessen ganz, dass doch Jesus viel mächtiger ist als all das, was uns beunruhigen will. Der muss nur ein Wort sagen: Angst, hau ab! Und schon verschwindet sie. Er sagt auch zu uns: Hab doch keine Angst! Ich bin doch bei dir! Ich habe doch alle Macht, auch in deinem Leben.

In einem Lied heißt es: "Er hat das ganze Erdreich geschaffen, alles ist ihm untertan." Alles ist ihm untertan, d.h. alles muss ihm gehorchen: das Wetter, Menschen, vor denen du Angst hast, deine Krankheit, deine Zukunft, auch deine Sünde und Schuld, unter der du vielleicht leidest. Jesus ist viel mächtiger.

Er ist doch Sieger, Sieger über alles, was uns quälen will. Wenn wir ihm glauben, dann geschieht auch etwas. Dann greift er ein. Ganz bestimmt. Glaub doch, dass er dich nicht im Stich lässt. Dann hilft er dir auch. Vielleicht nicht immer so, wie du es dir vorstellst oder, wann du es willst. Aber er greift ein. Ganz gewiss.

Alles muss Jesus gehorchen: Menschen, vor denen du Angst hast, deine Krankheit, deine Zukunft, auch deine Sünde und Schuld, unter der du vielleicht leidest. Jesus ist viel mächtiger.

Von dem darfst du viel erwarten. Sollst du sogar. Denn er möchte dir in deinem Leben helfen, beistehen, dir auch durch sein Wort Wege zeigen, die du in deinem Leben gehen kannst, dich auch korrigieren und zu einer Persönlichkeit von Format machen. Mit ihm soll dein Leben nicht klein und mickrig, sondern groß werden. Deshalb darfst du auch von ihm Großes erwarten. Einen großen Gott darfst du um Großes bitten, nicht nur um Kleines.

Du meinst vielleicht: Das ist schwierig zu glauben? So ein Glaube ist eine Sache des Vertrauens. Dazu möchte ich euch Mut machen.

Zu dem englischen Prediger Spurgeon kam einmal ein Mann. Der klagte auch: "Ich kann nicht richtig glauben!" Spurgeon stellte einen Jungen, der in seinem Garten spielte, auf eine ziemlich hohe Steinsäule und forderte ihn auf: "Spring herab, mir in die Arme!" Der Junge traute sich nicht, sondern rutschte langsam herunter, wobei er ziemlich zerschunden unten ankam. Dann nahm Spurgeon eine zweiten Jungen und machte es ebenso. Dieser sprang ohne zu zögern herunter - in die Arme des Predigers. "Haben Sie den Unterschied gesehen?" fragte er darauf den Besucher. "Der erste Junge war ein fremdes Kind, der zweite aber mein eigener Sohn.!"

Weil der Junge seinen Vater kannte und ihm vertraute, sprang er in seine Arme. Und genauso dürfen wir es doch mit Jesus machen. Wir können ihm völlig vertrauen, ihm kompromisslos gehorsam sein. Wir können ihm gewissermaßen in die Arme springen. Was soll uns dabei denn Schlimmes passieren? Er ist doch zu uns wie ein Vater, der uns gewiss nicht fallen lässt. Er fängt dich auf. Bei ihm bist du in den allerbesten Händen. So steht das immer wieder in der Bibel. So hat es Jesus versprochen. Er lügt nicht. Auf ihn und seine Zusagen können wir uns absolut verlassen.

Ein alter Seemann erzählt: "Als junger Matrose hatte ich Angst, wenn ich Sternschnuppen sah. Ich dachte: Wenn einer von den Sternen runterfällt, die auf meiner Karte sind, was dann? Nun bin ich über 20 Jahre zur See gefahren. Auf allen Meeren habe ich Sternschnuppen fallen sehen. Noch nie ist aber ein Stern gefallen, der auf der Karte steht. Das, wonach wir steuern müssen, hält und steht fest."

So sind auch die Versprechen von Jesus. Sie sind keine Sternschnuppen. Sondern sie sind Sterne, nach denen wir unser Leben ausrichten können. Wenn du das tust, fährst du immer gut im Leben. Ich möchte dir deshalb einen guten Ratschlag geben: Wag' es Jesus zu vertrauen, absolut zu vertrauen.

Amen

© 2021 Dieter Opitz