"Je su(i)s Diener!" - Kreuz & Quer vom 02.04.2015, Johannes 13,1-15

Mit bestimmten Arbeiten wir so unsere Schwierigkeiten, die einen mehr, die anderen weniger. Das ist die Arbeit, die irgendwie mit Dreck zu tun hat, die Drecksarbeit. Geschirr spülen, Klo putzen, Fußböden wischen, Müll entsorgen. In der Regel ruft da keiner: Wunderbar, dass ich diese Arbeit machen darf! Wir ziehen lieber andere Tätigkeiten vor: Fürs Studium lernen, Spiele wie am Computer oder am Handy zocken oder für seine Schönheit etwas tun. Wir haben es ja eben in dieser Szene gesehen. Und der diese Arbeit mehr oder weniger freiwillig, vielleicht aus Gutmütigkeit tut, kommt so leicht wie ein Sklave der anderen vor. Kein Wunder, dass solche Menschen diese Arbeit nicht lieben, und sie, wenn es geht, auch hinschmeißen, und die dazu nötige Arbeitskleidung - wie diese Hausfrauenschürze.
Die hab nun ich. Sie gehört auch mir.
Ich habe einmal in meiner alten Gemeinde in Hartmannshof zu Weihnachten von den Frauen des Frauenkreises diese Schürze zu Weihnachten geschenkt bekommen - nicht ohne Hintersinn. Bei einem Frauenfrühstückstreffen in einer anderen Gemeinde sahen meine Damen, wie der Herrn Pfarrer mit einer umgebundenen Schürze Kaffee einschenkte. Davon waren sie sehr angetan. Als ich das erfuhr, sagte ich: Das lass ich mir nicht nehmen - wenn bei uns einmal ein Frauenfrühstückstreffen stattfindet, dann schenke ich auch mit Kaffee ein. Und prompt bekam ich die entsprechende Schürze zu Weihnachten geschenkt.
Ich muss natürlich noch erzählen, dass ich mein Versprechen selbstverständlich gehalten habe! Im folgenden Herbst fand in meiner Gemeinde ein Frauenfrühstückstreffen statt und ich servierte den Kaffee - mit eben dieser Schürze.
Also schon ein Pfarrer erregt mit einer Hausfrauenschürze eine gewisse Aufmerksamkeit. Noch ungewöhnlicher ist der Herr Jesus mit der Hausfrauenschürze. Und doch legt er sie sich vor dem Abendmahl an, um seinen Jüngern die Füße zu waschen. Wir kennen vielleicht diese Geschichte:
(vorlesen)
Wir kennen ja das Sprichwort: "Kleider machen Leute" und denken da etwa mit Schmunzeln an die Geschichte vom Hauptmann zu Köpenick. Da trägt ein armer Schuster die Uniform eines preußischen Offiziers, und sofort stehen alle im Berlin um das Jahr 1900 vor ihm stramm. Durch den Eindruck, den seine Uniform machte, war es ihm ein Leichtes, die Kasse des Köpenicker Rathauses zu plündern.
"Kleider machen Leute", nach diesem Motto handelt auch Jesus Allerdings zieht er in unserer Geschichte keine Königskleider an. Das hätte er machen können. Denn er war der wahre König der Juden, ja noch mehr: Der Sohn Gottes. Sondern er bindet sich die Hausfrauenschürze um. Das ist ganz so seine Art. Denn Jesus ist einer geworden, der Lasten trägt, sich verachteten Kranken zuwendet und den Schmutz der Menschen abwäscht. Er sagt von sich selbst: "Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, dass sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele." Der Vater hatte ihm alles in seine Hände gegeben. Und er benutzt diese Hände dazu, um seinen Jüngern die Füße zu waschen. Seine Allmacht benutzt er zur Selbsthingabe.
Warum nur, kann man sich fragen? Die Antwort kann ich in ein Wort zusammenfassen: Liebe. Es ist Liebe, die ihn zu diesem Handeln veranlasst hat. Die Geschichte von der Fußwaschung ist nur eine kleine Szene im Leben von Jesus. Von den vier Evangelisten erzählt sie nur Johannes. Er hat gemerkt: Diese Geschichte zeigt die besondere Art der Liebe Jesu.
Füße waschen ist die Aufgabe eines Sklaven. Ja noch viel mehr: So einen Dienst macht ein Sklave, der in der Rangordnung ganz unten steht. Den Dreck anderer abwaschen machte nur einer, der selber der letzte Dreck war. Genau das tat Jesus. Kein Wunder, dass Jesus protestierte: "Das kannst du doch nicht tun! Das ist doch unter deiner Würde."
Doch Jesus gibt ihm zu verstehen: Genau das werde ich tun. Denn das ist meine Aufgabe: Untersten Sklavendienst verrichten, den Dreck der anderen entfernen, ja selbst als Dreck behandelt zu werden.
Es geht hier also nicht bloß ums Füßewaschen. Es geht um mehr. Es geht um das, was ein paar Stunden später geschah. Am nächsten Tag, am Karfreitag, floss nicht Wasser sondern Blut, das Blut von Jesus. Dieses Blut ist für uns vergossen worden, so heißt es in den Abendmahlsworten. Jesus starb am Kreuz, für unsere Sünde und Schuld, damit uns vergeben werden kann. Sein Blut, das heißt sein Sterben am Kreuz, hat reinigende Wirkung. Es macht uns rein von aller Sünde.
Jesus hat sich freiwillig wie der letzte Dreck behandeln lassen. Er ließ sich verhöhnen, anspucken, foltern und ans Kreuz schlagen. Stellvertretend für uns, damit uns unsere Sünde vergeben werden kann.
Liebe ist ein großes Wort und es kann Vieles bedeuten. Es ist mehr als Sympathie, mehr als romantische Gefühle. Liebe bedeutet in erster Linie helfen, dienen, auch wenn es mir etwas kostet. Jesus ging in seiner Liebe so weit, dass er sogar sein Leben opferte.
Diese Liebe gilt jedem Menschen. Sie schließt niemanden aus. Man kann sich von ihr nur selber ausschließen. Jesus wusch jedem seiner Jünger die Füße, sogar dem Judas, der ihn später verriet. Auch diesen Verräter liebte Jesus. Aber Judas wollte von dieser Liebe nichts wissen.
Diese Liebe gilt auch dir und mir ganz persönlich. Die ganze Fußwaschungsszene muss wohl recht lange gedauert haben. Jeder einzelne Jünger kam ja besonders und einzeln an die Reihe. Und das ist wichtig!
(Wer heute in der Wirtschaft etwas gelten will, muss weltweit, global denken. Ein Konzern, der kein "global player" ist, dem gehört sicher nicht die Zukunft. Nun, Jesus hat auch eine globale Strategie verfolgt. Als er am Kreuz hing, starb er für die ganze Welt. Das Neue Testament ist voll von solchen Aussagen über diese globale Strategie. "So sehr hat Gott die Welt die Welt geliebt, dass er seine eingeborenen Sohn gab..."Die Welt! Und bei Paulus lesen wir: "Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber" Auch hier geht es um die Welt!
Aber nun ist es doch so: Unser kleines, persönliches Alltagsleben betrifft uns mehr als die weltweiten Angelegenheiten. Es ist ja schön, dass Gott die Welt geliebt hat, aber wo betrifft das mich ganz persönlich?
Da kann uns die Geschichte von der Fußwaschung wichtig werden. Jedem Jünger wäscht der Herr Jesus einzeln die Füße und trocknet sie ihnen ab. Es ist , als ob uns Jesus mit dieser Geschichte sagen will: "Ich meine doch dich! Ich will dir dienen mit meiner großen Macht und Liebe. Für dich hänge ich am Kreuz. Für deine speziellen Nöte stehe ich zur Verfügung. )
Aber jetzt nimm diese Liebe jetzt auch für dich ganz persönlich!
Und tu's ihm auch nach. Bitt darum, dass du es auch kannst, mit seiner Liebe. In einem Lied heißt es: "Lehre mich zu lieben; Herr für andre da zu sein. Schenk mir deine Geduld. Ich schaff's niemals allein.
Wir hören dieses Lied.
2. Teil
Lass dir diese Liebe Jesu gefallen! Mach das wirklich! Denn das ist nicht selbstverständlich, dass sich jemand diese Liebe Jesu gefallen lässt.
Denken wir an Petrus. Es gefiel ihm zuerst ganz und gar nicht, dass Jesus ihm die Füße waschen wollte. Das war ihm zu peinlich. Jesus war doch der, zu dem er aufsah, der sein Herr war. Drei Jahre etwa waren sie zusammen. Und immer wieder ließ Jesus etwas von der Wahrheit aufblitzen, dass er alle Macht im Himmel und auf der Erde hatte. Er konnte Stürme zum Schweigen bringen. Er konnte Unheilbare heilen. Er konnte sogar Tote wieder zum Leben erwecken. Jesus war der, der er zu sein beanspruchte: Der Sohn des allmächtigen Gottes, der Himmel und Erde durch sein Wort geschaffen hatte. Und dieser sollte ihm, dem Petrus, die Füße waschen? Unmöglich! Das geht nicht!
Doch Jesus macht ihm klar: Diesen Sklavendienst musst du dir gefallen lassen. Sonst gehörst du nicht zu mir. Sei nicht zu stolz, dir von mir die Füße waschen zu lassen! Das Gleiche gilt auch für uns, für dich und mich: Sei nicht zu stolz, dir deine Sünden vergeben zu lassen. Wenn er uns schon den Schmutz - nicht von den Füßen sondern von der Seele - abwaschen will, dann dürfen und sollen wir es auch gefallen lassen.
Oder willst du Jesus beleidigen, indem du sagst: Nein danke, ich bin schon sauber! Willst du wirklich mit einem ungewaschenen Gewissen herumlaufen, mit einer schmutzigen Seele, die von unserer Sünde und Schuld dreckig geworden ist? Ich möchte es nicht. Der Sohn Gottes will uns reinwaschen. Nun nehmen wir ihn doch auch in Anspruch! Und seien wir nicht so stolz, wie jener Bettler, von dem eine Geschichte erzählt:
Ein Maler sucht ein Modell für sein Bild „Die Rückkehr des verlorenen Sohnes.“ Es sollte möglichst verkommen und heruntergekommen aussehen, eben wie der verlorene Sohn, der von seinem Vater wie aufgenommen wird, und der ihm auf seinem Bild noch fehlt. Endlich fand er einen Bettler, der seinen Vorstellungen entsprach, in abgerissenen Kleidern, schmutzig und mit langen ungepflegten Haaren. Der Maler wird mit ihm schnell handelseinig. Am nächsten Tag soll der Bettler bei ihm Modell stehen. So, wie er ist, soll er kommen. Er bekommt auch einen kleinen Vorschuss für seine Dienste. Doch welche Enttäuschung für den Maler, als der Bettler zur vereinbarten Zeit bei ihm auftaucht. Die gestern noch so verkommene Gestalt war nicht wiederzuerkennen. Neu eingekleidet, mit geschnittenen Haaren, frisch rasiert und gewaschen stand der Bettler vor der Haustür. So konnte ihn der Maler nicht gebrauchen. Und er schickte ihn wieder weg.
Genauso falsch kann man auch mit der Einladung Jesu, zu ihm zu kommen, umgehen. Er möchte, dass wir so, wie wir sind, zu ihm kommen. Aber wir hätten es lieber anders. Wir möchten nicht als Sünder zu ihm kommen, sondern lieber gewissermaßen geschniegelt und gebügelt, als solche, die doch noch irgendwelche Vorzüge aufzuweisen haben. Doch so kann uns Jesus nicht gebrauchen.
Das macht ja gerade befreiendes und unverkrampftes Christsein aus, dass ich so wie ich bin zu Jesus kommen darf. Ich muss ihm nichts vormachen, nicht den Gerechten und Selbstlosen markieren, der ich gar nicht bin. Ich muss keine fromme Rolle spielen. Sondern ich darf gewissermaßen den ganzen Sack mit meiner Sünde und Schuld vor ihn bringen und ausschütten. Der ganze Müll meiner Seele ist dann nicht mehr mein Problem. Er ist für ihn nun verantwortlich und will ihn für mich entsorgen.
Mach's doch heute so, bei der Beichte und beim Abendmahl. Lass dir dort die vergebende Liebe Jesu schenken. Sie wird dein Leben ganz und gar verändern. So wie Jesus uns behandelt hat, so sollen und können wir auch mit unseren Mitmenschen umgehen.

Auch ihnen sollen wir die Füße waschen, das heißt ihnen dienen. Waschen heißt, den Körper vom Schmutz zu befreien. Es richtet sich gegen den Dreck und nicht gegen den Menschen. D.h. man kann schon den Dreck eines Menschen sehen. Aber wir sollen nie vergessen, dass wir nicht dazu sind, um auf die Dreckflecken der anderen zu deuten, sondern um sie abzuwaschen. D.h. ihnen zu vergeben, ihnen zu helfen, beizustehen, eben ihnen zu dienen.
Die Füße zu waschen, gefällt uns meist nicht so sehr. Wir würden viel lieber oben anfangen. Den anderen den Kopf zu waschen anstatt die Füße machen wir viel lieber. Doch das geht nur, wenn wir uns über den anderen stellen, uns für viel besser vorkommen als er und uns deshalb auch gedrängt fühlen, ihm einmal unsere Meinung zu sagen. Das ist der Ausdruck unseres Hochmutes, der lieber andere hart be- und verurteilt, als ihnen gegenüber sich barmherzig zu verhalten.
Den anderen die Füße waschen kann nur einer, der sich unter den anderen stellt, auch wenn er noch so hochgestellt und einflussreich ist.
Ich denke da an Abraham Lincoln. Er war ein berühmter amerikanischer Präsident, der in einem blutigen Bürgerkrieg die Sklaverei abschaffte. Gleichzeitig war er Christ und ein trotz seiner hohen Stellung sehr demütiger Mensch
Eines Tages war er mit einer vornehmen Dame unterwegs. Sie begegneten einem ärmlich gekleideten Afroamerikaner. Dieser tritt auf Lincoln zu und verbeugt sich vor ihm als Zeichen seiner Ehrfurcht vor ihm. Schließlich hatte er ihm ja seine Freiheit zu verdanken. Da verbeugte sich Lincoln noch viel tiefer vor ihm. Die Frau zeigte sich nach dieser Begegnung sehr befremdet und fragt ihn, warum wer sich denn so tief, ja noch viel tiefer vor diesem armen Mann verbeugt habe. Lincoln antwortete: "Dieser Mann hat sich vor mir verbeugt, obwohl er arm und ungebildet war. Er wusste, was sich gehört. Ich bin viel gebildeter wie er und möchte mich auch nicht ungehörig benehmen und jedem Menschen Respekt erweisen, der mir begegnet."
Barmherzig sein, einem gewissermaßen die Füße waschen, kann ganz verschieden aussehen. In der Regel sind das unscheinbare Dinge, Dinge, die keiner gerne tut, die aber gemacht werden müssen: Abspülen, Mülleimer raustragen, für andere Einkaufen gehen, Babysitten, Oma und Opa besuchen, Kranke besuchen, einem anderen helfen, wenn er in Not ist. Manche unter uns machen dies ja auch, zum Beispiel jeden Mittwoch in einem Bayreuther Krankenhaus Patienten Glaubenslieder singen. Weil sie selber Liebe von Jesus bekommen haben, wollen sie sie an andere weitergeben, an die, die es besonders nötig haben. Ganz praktische Dinge also, oft Kleinigkeiten, die keine Schlagzeilen machen. Die aber gut tun, so wie es den Jüngern auch gut tat, als Jesus ihnen den Staub von den Füßen abwusch. Kleinigkeiten, die das Leben eines anderen erst schön machen. Denn das braucht doch jeder: Liebe, die Liebe Jesu. Enthalte diese Liebe dem anderen nicht vor! Du brauchst diese Liebe doch auch, und der andere erst recht.

Amen

© 2015 Dieter Opitz