"Es ist nicht alles Gott was glänzt" - Kreuz & Quer vom 14.7.13, 2. Mose 32,1-6

Das ist eine unglaubliche Geschichte, die wir eben gehört haben. Man muss ja bedenken, was vorausgegangen war.
Blenden wir zurück, was nur wenige Wochen vorher die Israeliten erlebten. Da hatte Gott an ihnen ein Wunder getan. Die Israeliten flohen vor dem ägyptischen Pharao und seinen Soldaten. Doch sie waren in der Falle. Vor ihnen das Meer, hinter ihnen die Verfolger. Auswegloser geht's nicht. Doch da teilte sich das Meer, durch ein Wunder Gottes. Die Israeliten konnten trockenen Fußes hindurch. Die Ägypter ertranken in der zurückkehrenden Flut. Die Israeliten waren gerettet!
Alle hatten das Versprechen Gottes handgreiflich erlebt: "Ich bin der Herr, dein Gott! Ich will für euch da sein!" Deshalb nahm er den Israeliten das Versprechen ab: Du sollst keine anderen Götter haben neben mir! Aber nur wenige Wochen später haben sie dieses Versprechen gebrochen. Mose war auf dem Berg Sinai verschwunden und lässt ziemlich lange Zeit auf sich warten. Da wird den Israeliten das Warten zu lang. Sie gießen sich aus Gold einen Gott mit einem Kalbskopf.
Dem göttlichen Wunder der Errettung folgt das menschliche Wunder der Undankbarkeit. Das klingt nach einer Art BSE, einer Art Rinderwahnsinn.
Aber wir sollten nicht vorschnell von oben herab urteilen. Was die Israeliten vor dreieinhalb tausend Jahren taten, kann uns im 21. Jahrhundert auch passieren. Da kann ein Mensch mit dem lebendigen Gott Eindrückliches erlebt haben: Gebetserhörungen, ein sichtbares Eingreifen Gottes, Vergebung, doch schon kurze Zeit später verfällt er falschen Göttern.
Das Problem der Israeliten war: Sie konnten nicht warten. Mose war seit Tagen, ja seit Wochen schon weg, verschwunden auf dem Berg Sinai. Wo steckt er nur? Ist er verschollen? Kommt er vielleicht nie wieder zurück? Sicher, Gott hat einmal geholfen. Aber jetzt, jetzt sind wir doch wieder allein, von Gott in Stich gelassen!
Wissen wir nicht alle, wie schwer das Warten sein kann? Nicht nur kleine Kinder tun sich damit hart, - etwa beim Warten auf Weihnachten -, auch Jugendliche und Erwachsene können oft so ungeduldig sein, auch was das Verhältnis zu Gott anbelangt. Da hilft Gott nicht sofort oder nicht so, wie man es sich vorgestellt hat. Und dann kommt die Frage in einem hoch: Meint es Gott wirklich gut mit mir? Oder habe ich mir Gott viel zu streng und zu eng vorgestellt? Vielleicht ist er ja ganz anders? Was soll er dagegen haben, wenn ich mir auch einmal etwas gönne?
Die Israeliten wurden ja nicht gottlos. Sie stellten sich Gott nur anders vor, nicht so fern, nicht so heilig sondern nah und menschlich. Und der fromme Aaron, der oberste Priester der Israeliten, half ihnen auch noch.
Die Israeliten wollten den lebendigen Gott in das Bild eines Stieres einfangen. In der damaligen Zeit war so ein Stier das Sinnbild der Kraft und der Stärke. Sie wollten also einen starken Beschützergott, der gleichzeitig sehr bequem sein musste, Er sollte nicht in Frage stellen. Deshalb konnten die Israeliten den Tanz um das Goldene Kalb veranstalten, d. h. ihren Trieben und Leidenschaften freien Lauf lassen und eine große Orgie feiern.
So kann man sich Gott heute noch vorstellen. Er muss mächtig und stark sein, uns helfen und schützen. - Wehe, wenn er's nicht tut!
Aber ansonsten soll er uns bitteschön in Ruhe lassen. Er darf uns nicht in die Quere kommen bei unserem Umgang mit Geld, Macht, unserem Jähzorn, unserer Bequemlichkeit, unserer Angst und unserem Hass. Einem solchem Gott gegenüber kann man sich fromm verhalten, zu ihm beten und in sein Haus gehen, aber man darf so bleiben, wie man ist.
Und offizielle Vertreter der Kirche können wie Aaron so ein Gottesbild verstärken. Gott ist doch die Liebe, so beruhigen sie falsch. Er will, dass wir uns selbst verwirklichen. Was soll denn daran so schlimm sein?
Doch Gott will uns nicht nur ein bisschen. Er will uns ganz und gar. Nur so kann unser Leben gelingen. Wer dies nicht tut, der verfällt wie die Israeliten dem Götzendienst. Früher oder später dient er anderen Göttern.
Natürlich sind es keine Götter mit Kalbsköpfen mehr. Der "Tanz um das goldene Kalb" ist ja sprichwörtlich geworden. Gemeint ist das Streben nach Geld und Wohlstand oder Statussymbolen wie dem neuesten Handy oder Smartphone, nach neuen Markenklamotten oder Schuhen oder dem neuesten Auto. Das Streben nach materiellen Dingen kann das Herz eines jeden, auch eines glaubenden Christen besetzen.
Dann gibt es auch den "Tanz um das goldene Schwein". Damit meine ich die Verehrung des Götzen "Sex". Die Sexualität ist eine großartige Gabe Gottes. Aber losgelöst von seinem Willen wird sie zum Götzen. Gott hat einen Rahmen für die Sexualität gesteckt. Das ist die Ehe. Aus gutem Grunde. Denn bei der Eheschließung habe ich ja versprochen, meinen Partner ein Leben lang treu zu sein. In der Ehe kann ich mich dem anderen vorbehaltlos öffnen, ohne Angst haben zu müssen, das der andere mich verlässt. Aber wem Gott nicht mehr der Mittelpunkt seines Lebens ist, dem wird dieser Rahmen zu eng.
Wieso warten bis zur Ehe? So fragen Viele. Das macht doch eh keiner mehr. In den Kino- und Fernsehfilmen wird es uns vorgemacht: Man kennt sich gerade ein paar Stunden oder Tage und hüpft gemeinsam ins Bett. Mit Liebe hat das nichts zu tun, sondern mit Ungeduld, mit nicht warten können, mit Egoismus. Wahre Liebe wartet. Möchte mit dem anderen ein Leben lang zusammen sein, nicht nur ein paar süße Stunden. Möchte in der Geborgenheit der Ehe mit ihm zusammen sein und sich dort erst ihm ganz öffnen.
Ähnlich ist es mit dem Pornokonsum. Wo Gott nicht mehr im Mittelpunkt meines Lebens steht, das wird mein Leben hohl und leer. Und in den Stunden, in denen ich diese Leere besonders spüre, wenn ich einsam oder frustriert bin, da erliege ich der Gier nach erregenden Bildern und Filmen - mit den entsprechenden Folgen.
Ebenso verhält es sich mit dem Götzen "Vergnügen". Wenn die Leidenschaft und die Begeisterung für den lebendigen Gott fehlt, dann suche ich es bei etwas anderem, das mir Vergnügen bereiten soll: Partys, Computerspielen, Alkohol, Fußball.
Damit man mich nicht falsch versteht: Gott ist kein Feind des Vergnügens. Ganz im Gegenteil. Er will, dass wir uns unseres Lebens freuen und es auch genießen. Aber genau aus diesem Grund möchte er, dass wir all das, was uns Vergnügen bereiten kann, nicht vergötzen, nicht wichtiger als ihn nehmen. Das befriedigt uns nicht. Deshalb wollen wir immer mehr von diesen Dingen, bis sie uns abhängig, süchtig machen.
Sei dankbar, wenn du vieles im Überfluss besitzt. Aber häng dein Herz nicht daran. Verlier es nicht an die Schätze dieser Welt.

Ende 1. Teil: Lied: "Schatz im Himmel"

Nun stehen wir selber vor der Frage: Worauf gründen wir unser Leben? Ist es wirklich der unverfügbare Gott der Bibel oder ist es das scheinbar sichere Geld, der Wohlstand, Sex, die Sucht nach Vergnügen, Reisen, Sport? Oder ist es ein selbstgemachter Gott, ein Bild von einem Gott, wie wir uns ihn vorstellen?
Wie können wir unsere persönlichen Götzen entlarven? Ich möchte uns allen ein paar Fragen stellen, die uns helfen können, sie in unserem Leben zu entdecken. Erste Frage: Wie sieht es mit deinen Tagträumen aus? Woran denkst du, wenn du dich nicht besonders konzentrieren musst? Gibt es Lieblingsgedanken, denen du gerne nachhängst, wie der Traum vom Erfolg im Beruf, von einem bestimmten Menschen oder sexuelle Phantasien? Zweite Frage: Wofür gibst du dein Geld aus? Genauer gesagt: Wofür gibst du zuviel Geld aus? Wo musst du aufpassen, dass nicht schon wieder Geld in eine bestimmte Richtung fließt? Ich kenne jemanden, dessen Wohnung steht voller Computer. Trotzdem muss er sich immer wieder neuere Modelle kaufen. Es gibt Menschen, die den ganzen Schrank voller Kleider haben und nächste Woche trotzdem wieder eine Tüte voller Klamotten von H&M nach hause schleppen. Rechnungen, Kontoauszüge können deine Persönlichkeit besser widerspiegeln als so mancher psychologische Test.
Dritte Frage: Wie gehst du mit deinen unerhörten Gebeten um? Akzeptierst du ein "Nein" Gottes oder bist du sauer auf ihn, weil er dir nicht gibt, was du willst? Dann ist das ein Zeichen dafür, dass du einem Götzen dienst, den du unbedingt haben willst.
Vierte und letzte Frage: Wie sehen deine heftigsten Gefühle aus? Wann bist du besonders wütend oder traurig? Wer mit Zorn zu kämpfen hat, kann sich fragen, ob es da etwas gibt, was ihm zu wichtig geworden ist und was er um jeden Preis haben möchte. Das Gleiche gilt für Gefühle der Niedergeschlagenheit.
Der nächste Punkt, der uns beschäftigen soll, ist die Frage: Wie kann ich diese Götzen loswerden? Was nicht hilft ist Selbstmitleid: "Ich schaff es nicht, diese Götzen in meinem Leben loszulassen!" Oder Verharmlosung: "Das ist doch nicht so schlimm, was ich tue. Andere machen es ja auch und sind Christen."
Was uns hilft, ist eine radikale Entschlossenheit zur Buße, zur Umkehr zu dem lebendigen Gott. Wichtig ist ein ehrliches Bekenntnis vor Gott oder einem Seelsorger, keine beschönigenden Worte sondern ehrliche Reue und die Bitte um Vergebung. Gott wird sie dir geben. Du darfst immer zu ihm kommen und er stößt dich nicht weg, nie. So hat Jesus einmal einer Ehebrecherin vergeben. Er verurteilte sie nicht sondern vergab ihre Schuld. Aber dann kam der wichtige Satz: "Gehe hin und sündige in Zukunft nicht mehr!"
Einen ähnlichen Ratschlag möchte ich heute auch geben: Gib deinen Götzen keinen Raum mehr in deinem Leben. Mach einen radikalen Schnitt, sonst wirst du sie nicht los.
Mose ließ das Goldene Kalb zerstören, zu Pulver zermalmen, und die Israeliten musste es mit Wasser vermischt trinken. Der Apostel Paulus predigte einmal in der Großstadt Ephesus. Viele bekehrten sich zu dem lebendigen Gott und verbrannten ihre Zauberbücher. Als Jugendlicher warf ich eine Reihe von Büchern weg, von denen ich wusste, die sollen nicht mehr in meinem Regal stehen.
Überleg dir, wo Ähnliches in deinem Leben geschehen muss: Wo du wegwerfen musst, vielleicht bestimmte DVDS oder CDs, wo du etwas auf deinem PC löschen musst oder wo du bestimmte Situationen meiden, ja fliehen musst.
Die Bibel erzählt uns von Joseph, einem gutaussehenden jungen Mann. Die Frau seines Vorgesetzten wollte ihn verführen. Joseph haute ab, so schnell er konnte. Warum wohl? Weil er der Versuchung nicht widerstanden hätte.
Du meinst, du kannst das nicht tun? Doch, du kannst, zwar nicht aus deiner eigenen Kraft, aber mit der Kraft, die du bei der Vergebung deiner Sünden erfahren hast. Da bist du ja der bedingungslosen Liebe Jesu begegnet. Und wenn du sie erlebt hast, dann wirst du auch merken, dass in deinem Leben etwas anders geworden ist. Ein neuer Wille ist in dir, eine neue Lust, das zu tun, was Jesus will. Es wird dir ein inneres Bedürfnis, mit ihm zu reden, das zu hören, was er dir zu sagen hat und dich danach auch zu richten.
Ich kann es nur von mir so sagen und spreche sicher im Namen vieler hier in diesem Raum: Es ist mir eine Lust, ein Christ zu sein und keine Qual. Er hat mich so oft mit seiner Liebe überschüttet und überrascht, dass ich ihm mein Leben lang dafür danken und ihm dienen möchte.
Halt dir immer wieder diese wunderbare Liebe Jesu vor Augen. Danke immer wieder für das, was er für dich getan hat: für deine erhörten Gebete, für die Wunder, die du in deinem Leben schon erlebt hast, vor allen Dingen auch für das Wunder eines neuen Lebens mit Jesus, für die Vergebung, die du erfahren hast. Lass deine Gedanken immer wieder um ihn kreisen, um seine Liebe, seine Kraft, seine Gegenwart. Dann wirst du dich auch immer wieder über das freuen, was er für dich getan hat. Das ist auch der Weg, wie die falschen Götter ihre Anziehungskraft verlieren. Je faszinierender du Jesus findest, desto weniger faszinierend sind für dich deine Götzen. Je mehr du ihm Raum in deinem Leben gibst, desto weniger Raum ist für die falschen Götter da. Je mehr du ihn liebst, desto mehr hasst du die Sünde.
Die Macht der Liebe Jesu verändert dich. Das gilt schon für die Liebe zu einem Menschen. Einen jungen Mann bringt sie dazu, am Sonntag Nachmittag aufs Fußballspielen zu verzichten und statt dessen mit ihr händchenhaltend in der Eremitage spazieren zu gehen. Eine junge Frau liest freiwillig einen Schmöker, den sie vorher nie aufgeschlagen hätte, nur weil er von diesem Buch begeistert ist.
Genau so ist es auch mit Jesus. Wer ihn gefunden hat, der tut aus Liebe zu ihm lauter Dinge, die er sich vorher nicht hat träumen lassen. Er lässt von ihm sein ganzes Leben umkrempeln. Auf manches, was er vorher leidenschaftlich gern getan hat, verzichtet er auf einmal. Es gefällt ihm gar nicht mehr. Und anderes, was ihm bisher öde und langweilig erschien, beginnt er mit Eifer zu tun. Er verhält sich, so sagt Jesus einmal"...wie ein Kaufmann, der auf der Suche nach kostbaren Perlen ist. Er entdeckt eine Perle von unschätzbaren Wert. Deshalb verkauft er alles, was er hat, um sie zu besitzen." (Matthäus 13,45f)
Die Liebe zu den falschen Götzen ruiniert dein Leben, lässt dich unerfüllt und unzufrieden. Die Liebe zu Jesus dagegen macht es heil, erfüllt und glücklich. Deshalb höre so oft du kannst von dieser Liebe in den Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen, lies von ihr jeden Tag in der Bibel, denke an sie jede Stunde und danke für sie. Tu das, und du wirst ein anderer Mensch dabei.


Amen 
 

© 2013 Dieter Opitz