"variabel" - Kreuz & Quer vom 28.3.13 Johannes 18,(28-36) 37-38

"Gekreuzigt unter Pontius Pilatus". Wir alle kennen diese Worte aus dem Glaubensbekenntnis, haben sie selber schon gesprochen, vielleicht schon hunderte male im Gottesdienst. Pilatus war der römische Statthalter der Provinz Judäa. Er gehörte zu den Mächtigsten seiner Zeit. Er war ein Vertreter des damals mächtigsten Reiches: des römischen Weltreiches. Pilatus hatte auch das Recht, in seinem Machtbereich Menschen zum Tode zu verurteilen.
Deshalb bringen die jüdischen Führer Jesus zu Pilatus. Sie hätten Jesus wie wenig später den Christen Stephanus als Gotteslästerer steinigen können. Aber das reichte ihnen nicht aus. Sie wollten, dass er am Kreuz stirbt. Alle sollen sehen, wie elendiglich Jesus stirbt. Und so kam es ja auch. Pilatus hat Jesus, wie wir wissen, zum Tode verurteilt, obwohl er von seiner Unschuld überzeugt war. Er wollte es sich nicht mit den Juden verderben.
Vorher hat er Jesus verhört. Ich habe vorhin einen Teil dieses Verhöres vorgelesen. Es endet mit den Worten des Pilatus: "Was ist Wahrheit?" Dieser Satz klingt wie eine Frage. Aber es ist keine. Sondern es ist eine Feststellung. Mit dem Begriff "Wahrheit" kann Pilatus nichts anfangen. Achselzuckend steht er vor diesem Wort "Wahrheit".
"Was ist Wahrheit?" Denker aller Zeiten haben sich über diese Frage den Kopf zerbrochen. Wir sehen dazu einen kurzen Film.
Video!
Habt ihr jetzt eine Antwort auf die Frage: "Was ist Wahrheit?" Ich vermute eher nicht. Weit verbreitet ist die Ansicht: Es gibt keine absolute Wahrheit. Keiner kann sagen, seine Weltanschauung ist die richtige. Wahrheit ist das, was mir als Wahrheit erscheint. Für einen anderen kann das ganz anders sein. Und wehe einer sagt: Was ich sage, ist die Wahrheit! Dann kann es ihm so ergehen, wie wir es in dem folgenden Mini-Anspiel sehen.

Anspiel!

Das kann doch nicht sein, dass jemand meint: Ich sehe die Welt so, wie sie wirklich ist! Das kann doch nicht sein, dass jemand sagt: Ich sehe die Welt nicht gefiltert sondern ohne Brille! Das ist doch Anmaßung!
So denkt auch Pilatus. Und viele Menschen denken so wie er, bis auf den heutigen Tag. Sie meinen: Es gibt ja so viele Meinungen, die sich als Wahrheit ausgeben. Woher soll ich denn wissen, was stimmt? Wahr ist für sie, was sie sehen und anfassen können. Wahr ist für sie die Welt, in der sie leben: das Geld, das sie haben - oder nicht, ihr Handy oder ihr Smartphone, die Stars, die so coole Musik machen, meine Kumpels und Freunde, meine Familie. All das ist für sie wahr, weil sie es sehen können. Eine andere Welt gibt es für sie nicht oder hat für sie keine Bedeutung.
"Mein Reich ist nicht von dieser Welt", sagt Jesus hier zu Pilatus. Aber diese andere Welt, von der er hier spricht, ist vielen Menschen fremd. Religion, die sich mit dieser Welt beschäftigt, ist ihnen egal. Entweder sie glauben an gar nichts, wie sie meinen, weder an Gott noch an eine andere jenseitige Welt. Oder es interessiert es sie nicht sonderlich.
Religion ist dem Durchschnittsjugendlichen ziemlich wurst. Eine typische Meinung steht in der Studie "Jugend und Religion": "Die einen sagen Buddha, die anderen sagen Manitu, die dritten sagen Gott, und die vierten sagen Trallala." D.h. über Gott kann man so denken, wie man will, und überhaupt ist es völlig wurst, was man glaubt. Und außerdem: Das was der christliche Glaube wirklich sagt, wissen viele Menschen heute gar nicht mehr.
Es fehlen schon mal die grundlegenden Kenntnisse. Wer kennt noch die 10 Gebote, alle, meine ich? Wer kann noch das Glaubensbekenntnis? Wer weiß, dass "Golgatha" keine Zahnpastamarke ist sondern der Hügel vor den Toren Jerusalems, auf dem Jesus für die Sünden der Menschen gestorben ist?
Und dann hört man auch noch überall, sogar in kirchlichen Kreisen: "Dieser Absolutheitsanspruch des Christentums, dass nur Jesus allein recht haben soll, und er allein rettet - der muss aufhören!" Viele, auch kirchliche Leute, denken heute: Ist doch egal, was ich glaube. Wir glauben doch alle an den gleichen Gott.
Es wird auch heute noch geglaubt. Denn ohne Glaube an irgend etwas kann kein Mensch leben. Auch viele, die aus der Kirche ausgetreten sind, glauben noch an Gott oder an ein "höheres Wesen". Nur, es ist ein selbstgebastelter Glaube, einer, der nach ein paar Jahren wieder anders aussehen kann.
Und vielleicht sitzen viele unter uns, die sich auch fragen: Warum soll denn gerade der christliche Glaube recht haben, allein recht haben? Gibt es nicht viele Gründe, die dagegen sprechen? Christen, auch Pfarrer haben oft jämmerlich versagt. Viele sagen: "Von der Kirche habe ich die Nase voll. Ich habe schon viel zu viel schlechte Erfahrungen mit ihr gemacht!"
Wir müssen unterscheiden zwischen der Sache, dem Christentum, und den Personen, die diese Sache vertreten, den Christen. Wenn Christen das Christentum schlecht vertreten, dann muss das nicht unbedingt gegen die Sache sprechen! Fußballspielen z.B. muss ja nichts Schlechtes sein, auch wenn es Viele gibt, die miserabel spielen. Das liegt ja dann an den Spielern und nicht am Spiel selbst.
Nun haben aber viele Menschen gerade mit den christlichen Inhalten Schwierigkeiten. Jeden Sonntag im Gottesdienst sprechen wir im Glaubensbekenntnis von der Schöpfung, der Jungfrauengeburt, der Auferstehung und der Wiederkunft Jesu Christi, vom Heiligen Geist und vom ewigen Leben. Viele fragen sich: Kann man denn als moderner Mensch all das noch glauben?
Ich versteh das. So mit 16 hatte ich eine Phase in meinem Leben, wo ich alles anzweifelte, auch den christlichen Glauben. Da hat es in mir diskutiert. Ich brauchte keinen Diskussionspartner. Die verschiedenen Gedanken kamen schon von selber. Ein Zweifel nach dem anderen kam. Ich versuchte ihn zu widerlegen. Dann kam schon der nächste Zweifel. Es war fast zum Verrücktwerden. Denn ich bekam diese Gedanken nicht mehr los.
Sogar schon Kinder können zweifeln wie die Erwachsenen, wenn sie die Zweifel ihrer Eltern oder Lehrer hören. Aber andererseits kann man als Erwachsener naturwissenschaftlich sehr gebildet und sehr klug sein und doch wie ein Kind glauben. Denn Glauben ist keine Gehirnakrobatik sondern eine Sache des Vertrauens. Ich soll ja nicht bestimmte, seltsame Dinge glauben, die meinem Verstand überhaupt nicht einleuchten. Sondern ich darf einer Person vertrauen. Und diese Person ist Jesus Christus.
Nur durch Jesus können wir Gott kennenlernen, wie er wirklich ist. Er selbst hat diesen Anspruch aufgestellt. Er selbst hat von sich gesagt: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Entweder stelle ich mich diesem Anspruch oder ich weiche ihm aus. Eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.
Natürlich ist das eine ungeheuerliche Aussage, die Jesus hier macht. Da zerbrechen sich Menschen jahrtausendelang den Kopf über die Frage, ob und wer und wie Gott ist. Und da behauptet der Handwerkersohn Jesus aus Palästina: "Alles vergebliche Liebesmühe! Du kannst nicht mehr über Gott wissen, als was du über mich weißt. Wer mich sieht, sieht Gott!" Noch anstößiger wird diese Behauptung, wenn wir an sein Ende denken. Man nagelte ihn an ein Kreuz, wo er unter furchtbaren Qualen und Schmerzen starb. Unvorstellbar zunächst: Der Sohn Gottes endet wie ein Verbrecher. Das kann doch nicht sein! Was für ein furchtbares Ende! Und doch: Was für ein wunderbares Ende! Als man ihn an das Kreuz hinhängt, spuckt er nicht Gift und Galle gegen seine Feinde. Er betet sogar für sie. Und dann tröstet er noch einen Mörder, der mit ihm am Kreuz hängt.
Die Art und Weise wie einer stirbt, zeigt uns auch etwas über das Wesen eines Menschen. Und bei Jesus sehen wir am Kreuz nur Liebe und nochmals Liebe, nur Vergebung und nochmals Vergebung. So ist Jesus und so ist Gott.
Wer Gott finden will, der muss ihn am Kreuz auf dem Hügel Golgatha suchen. Sein Leib wurde dort hochgezogen, dass ihn auch der Kleinste sehen kann. Seine Hände wurden ausgespannt, dass ihn auch der Fernste erreichen kann. Jesus wurde getötet, dass auch der Ärmste merken kann: Ich darf leben. Er gab alles für mich, sein ganzes Leben. Deshalb hat es nichts mit Fanatismus zu tun, wenn ich auch ganz und gar mit ihm leben will. Jesus will mein ganzes Leben, nicht bloß ein halbes. Wir hören dazu ein Lied.
Ende 1. Teil
Was ist Wahrheit? So fragte einst Pilatus. Wir haben vorhin gehört: Wahrheit ist kein abstrakter Begriff, keine philosophische Aussage oder ein kirchlicher Lehrsatz. Sondern diese Wahrheit hat Hände, die Kinder gestreichelt hat und Leprakranke berührt und geheilt hat. Sie hat Füße, die durch ganz Palästina gelaufen sind, um den Willen Gottes zu tun. Sie hat einen Mund, der Worte sagte, die niemand anders vorher sagte, Worte des ewigen Lebens, wie Petrus es ausdrückte. Diese Wahrheit hat ein liebendes Herz, das auch für dich geschlagen hat und auch für dich aufgehört zu schlagen - am Kreuz auf dem Hügel Golgatha. Diese Wahrheit ist eine Person und heißt Jesus Christus.
Jeder, der bereit ist, sich auf ihn einzulassen, wird erfahren, dass Jesus die Wahrheit ist, die sein Leben trägt. Das ist mit dem Satz gemeint, den Jesus zu Pilatus sagte: "Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme."
Einer, der Jesus und seinen Aussagen ablehnt, wird nie erleben, ob sein Anspruch, der Sohn Gottes zu sein, stimmt. Ebenso gilt das für die, die sagen: Ich weiß nicht, ob das mit Jesus stimmt." Und die auch meinen: "Das kann auch gar nicht wissen. Kann sein, kann nicht sein." Agnostiker nennt man solche Leute. Solche Menschen können ihr Leben lang fragen und zweifeln - und erfahren nie die Liebe Jesu.
Doch ein ehrlich Suchender wird Jesus finden. Denn er akzeptiert das, was er über den Menschen sagt, also auch über ihn. Er ist wie ein guter Arzt.
Ein guter Arzt macht ja seinem Patienten nichts vor. Wenn einer mit einem Raucherhusten zu ihm kommt, dann sagt er nicht: „Ist nicht so schlimm. Lutschen Sie ein paar Hustenbonbons, dann wird das schon wieder.“ Sondern er sagt in etwa: „Hören Sie mit dem Rauchen auf. Sie spielen sonst mit Ihrem Leben.“
Auch Jesus macht uns nichts vor. In seinen Reden sagt er ganz klar, was uns von Gott trennt. Das nennt er „Sünde“. Er nennt Ehebruch Ehebruch und nicht einen kleinen Seitensprung. Er erklärte, dass wir mit unseren gehässigen und gemeinen Worten in Gottes Augen Menschen töten. Er sagte, dass Betrug Betrug und nicht notwendige Geschäftspraxis ist. Er zeigte, dass man fromm sein kann und meint es damit doch nicht ernst. Das Leben kann sich weiterhin um einen selber drehen und nicht um Gott, auch wenn man jeden Sonntag in die Kirche geht.
Mag sein, dass Jesus nach unseren Vorstellungen unhöflich war, und dass es uns nicht gefällt, was er uns über uns zu sagen hat. Aber so handelt eben ein rechter Arzt. Der verschweigt uns ja auch nicht die Wahrheit, nur weil er nett und freundlich sein möchte. So ein Arzt wäre ein Scharlatan und Betrüger. Er würde uns an unserer Krankheit zugrunde gehen lassen. Ein rechter Arzt handelt anders. Er stellt die richtige Diagnose und richtet die Behandlung danach ein. Er kann uns nicht nach dem Munde reden.
Wer aus der Wahrheit ist, wer ehrlich ist, das muss sagen: "Ja, das stimmt. Ich bin ein Sünder. Aber was kann ich nun tun?" Die einfache Antwort lautet: Glaube an Jesus. Vertraue dein Leben ihm an. Nimm ihm das ab, dass er dir deine Sünden vergeben will. Das tut er ganz gewiss. So haben es viele Christen, auch ich, erleben dürfen.
Du meinst: Du kannst das nicht glauben? Oh doch, du kannst! Stellen wir uns einmal folgende Situation vor: Das Haus, in dem du lebst, brennt. Du bist im 1. Stock. Der Weg durchs Treppenhaus nach unten ist dir durch die Flammen verwehrt. Du gehst an Fenster und hörst unten die Stimme eines Feuerwehrmannes: "Springen Sie nach unten! Es wird Ihnen nichts passieren! Unten ist für Sie ein Sprungtuch ausgebreitet. Sie werden sicher aufgefangen!" Was wirst du tun? Du kannst denken: Das glaub ich nicht! Und bleibst im Zimmer. Du kannst auch sagen: "Stimmt das jetzt wirklich mit dem Sprungtuch? Lügt mich der Feuerwehrmann an? Oder leide ich an einer Halluzination und da unten steht gar keiner?"
Ich nehme an, du wirst etwas ganz anderes tun: Nämlich all deinen Mut zusammennehmen und springen. Denn du hast ja nichts zu verlieren. Nach unten springen ist deine einzige Chance.
Wenn nun jemand gemerkt hat, dass er ein Sünder ist und Vergebung braucht, dann wird er doch aufhorchen, wenn er davon hört, dass es das wirklich gibt: Vergebung aller seiner Sünden, wenn er an Jesus glaubt. "Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme", sagt Jesus. Und er wird dann auch diesen Schritt wagen, den Schritt des Glaubens. Heute abend haben wir alle die beste Gelegenheit dazu. Wir feiern heute das Abendmahl. Da möchte Jesus mit seiner Liebe, mit seiner Vergebung in dein Leben kommen. Auch wenn du nicht verstehst, wie das passieren soll. Aber es wird passieren, wenn du es glaubst.
Vor dem Abendmahl begehen wir die Beichte. Das heißt, da kannst du in einem stillen Gebet Jesus das sagen, wofür du Vergebung brauchst. Ich werde dann allen im Namen Jesu die Vergebung zusprechen und euch fragen, ob ihr glaubt, dass diese Vergebung Gottes Vergebung ist. Wenn du dann "Ja" sagst, darfst du wirklich glauben, dass dir deine Sünden vergeben sind.
Das ist ein wunderbares Angebot. Nimm es doch an! Du kannst nichts dabei verlieren, außer deine Sünden. Und du kannst alles gewinnen: Vergebung und ein ewiges Leben.

Amen 
 

© 2013 Dieter Opitz