"Ich weiss nicht was ich will" - Kreuz & Quer vom 27.01.13, Psalm 37,5

Liebe Gemeinde!

 

Bei einer Tasse Kaffee machte ich mir erste Gedanken zu diesem Predigttext. "Was soll ich nur sagen?" fragte ich Gott im Gebet. Auch wenn der Predigttext nur ein kurzes Bibelwort ist, so gäbe er doch Stoff für viele Predigten ab. Als Antwort fiel mir sofort der Predigttext ein: "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen." Mit dieser Einleitung sind wir eigentlich schon mittendrin im Thema. Das Leben besteht ja aus einer Vielzahl von Entscheidungen, heute mehr denn je. Es gibt kluge Leute, die behaupten, der Mensch von heute müsse in einer Woche mehr Entscheidungen treffen als einer, der vor ein paar hundert Jahren gelebt hat. Das ist sicher was Wahres dran. Früher war Vieles festgelegt. Es war klar, dass der Sohn den Beruf des Vaters ausübt, dass die Eltern den Ehepartner raussuchten und dass man in der Regel in der Region lebte, in der man geboren wurde. Sonntags ging man in die Kirche. Und wenn man Probleme hatte, dann betete man. Heute ist das alles anders. Allein beim alltäglichen Einkauf kann ich zwischen duzenden Brot- und Wurstsorten wählen und abends zwischen hundert Fernsehkanälen, zwischen unzähligen Internetseiten, einem Kino- oder einem Restaurantbesuch, zwischen einem Gespräch mit einem Freund oder einem Buch. Für junge Leute gibt unzählige Ausbildungsangebote, so viele, dass sie nach dem Schulabschluss oft nicht wissen, was sie machen sollen. Und wenn ich eine Berufsausbildung abgeschlossen habe, ist längst nicht klar, dass ich den Beruf mein Leben lang ausübe. Die Zeiten sind längst vorbei, in denen Mama und Papa bestimmten: "Du heiratest den Michel, und du die Gretel!" Wir haben die freie Partnerwahl. Die einen suchen sich forsch einen Partner und dann nach kurzer Zeit den nächsten und dann wieder den nächsten. Andere suchen ihr Leben lang nach dem "Mr. Perfect" oder der "Msr. Right", ohne sie zu finden. Die dritten trauen sich nicht zu suchen oder sind traurig, dass keiner sie auswählt. Und wenn ich einen Partner gefunden und ihn geheiratet habe, kann es sein, dass mich nach ein paar Jahren wieder scheiden lasse und einen neuen Partner suche. Wer Probleme hat, der faltet nicht automatisch die Hände und betet oder sucht Trost in einer Kirche, sondern der geht vielleicht zum Arzt oder zum Psychologen oder zum Kartenleger oder hört sich eine CD mit meditativer Musik an. Wir leben, so der Schweizer Wissenschaftler Peter Gross , eben in einer "Multioptionsgesellschaft", in der es für alle möglichen Lebenslagen eben viele Optionen, also Entscheidungsmöglichkeiten gibt. Auch wenn ich eine Predigt über das Wort "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen" vorbereite, habe ich viele Möglichkeiten. Ich kann nachlesen, was diese oder jene Theologen zu der Stelle geschrieben haben, ich kann die über 800.000 Seiten im Internet anschauen, die es zu diesem Psalmwort gibt und bin dann verwirrter wie vorher. Oder aber ich bete: "Herr, hilf du mir, lenke du meine Gedanken und meine Vorbereitungen!" Vielleicht denkt jetzt jemand: "Ich muss mir nicht lange überlegen, was ich zu tun habe. Alles geht seinen gewohnten Gang und das vielleicht schon seit Jahren oder Jahrzehnten." Da ist vieles schon festgelegt und man weiß, was man will. Oder andere sagen: Ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass ich viel entscheiden kann. Da gibt es Dinge, die bestimmen mein Leben, ob ich nun will oder nicht, wie bestimmte Krankheiten, der Verlust eines lieben Menschen oder eines Arbeitsplatzes, oder mein schlechter Schulabschluss, mit dem ich auf dem Arbeitsmarkt keine Chancen habe. Aber auch da habe ich die Möglichkeit, mich zu entscheiden, wie ich mit so eine Lage umgehe. Ich muss mich immer entscheiden: Wenn ich den Eindruck habe, das Leben steht mir offen und es gibt 1000 Möglichkeiten, mich zu entscheiden. Und wenn ich meine, gar nichts mehr zu entscheiden zu haben sondern ich mit meiner Krankheit oder Arbeitslosigkeit oder meinem Alleinsein fertig werden muss. Eine der schlechtesten Entscheidungen ist, mir Sorgen zu machen. Sorgen helfen nicht weiter. Sie machen mich unglücklich, bringen mich um den Schlaf, können mich sogar krank machen. Sorgen lösen keine Probleme sondern vergrößern sie nur. Sie können aus einer Mücke einen Elefanten machen. Sorgen machen mich unruhig. Und Unruhe verhindert ein klares und vernünftiges Denken, das zu hilfreichen Entscheidungen führt. Es ist auch nicht die beste Entscheidung, mich allein auf meinen Verstand zu verlassen. Logisch und vernünftig denken können, ist zwar eine Gabe Gottes. Aber mein Verstand hat auch seine Grenzen. Er kann etwas übersehen, was für eine Entscheidung wichtig gewesen wäre. Auch sehr kluge Köpfe können sehr dumme Entscheidungen treffen, vor allen Dingen, wenn sie sich überschätzen. Da sitzen drei Passagiere in einem Kleinflugzeug, der Papst, ein Nobelpreisträger und ein Rucksacktourist. Da fallen die Motoren aus. Das Flugzeug droht abzustürzen. Der Pilot hat sich mit seinem Schleudersitz schon gerettet. Für die übrigen drei sind noch zwei Fallschirme da. Der Nobelpreisträger sagt: "Ich bin der klügste Kopf Europas. Ich muss überleben." Er schnappt sich einen Fallschirm und springt ab. Der Papst sagt nun zu dem jungen Touristen: "Nimm du den Fallschirm. Du bist jung, ich bin ein alter Mann." "Nicht nötig", sagt der junge Mann, "der klügste Kopf Europas hat meinen Rucksack genommen." In der Bibel steht bei den Sprüchen Salomos: "Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und verlass dich nicht auf deinen Verstand." Gott kann dir helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Er kann dir unter vielen Möglichkeiten die richtige zeigen. Wenn du ihm vertraust, kann er dir einen guten Weg weisen. Die Lebenswege mit Gott gehen, sich von ihm führen zu lassen, wie geht das eigentlich? Gott kann dir tatsächlich Klarheit in Entscheidungen geben. Daran gibt es für mich keinen Zweifel. Ich habe oft genug in meinem Leben erfahren, das Gott mich in bestimmten Entscheidungen geleitet hat. Gott führt dich durchs Leben, aber nur, wenn du geführt werden willst. Und das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Ganz im Gegenteil. Denn jeder Mensch will von Natur aus sein Leben selber gestalten, das tun, was er für richtig hält. Gott spielt da in seinen Entscheidungen keine Rolle, sondern nur die eigenen Überlegungen oder das, was andere mir raten. Damit sich das ändert, muss etwas Grundsätzliches an einem Menschen geschehen, an jedem Menschen. Er muss erkennen, dass so ein Leben gottlos ist, dass er eben ohne Gott gelebt hat und dass diese Gottlosigkeit die Ursache für die vielen Fehlentscheidungen in seinem Leben ist. Dazu gehört all das, was die Bibel Sünde nennt, wie Neid, Eifersucht, Hass, Diebstahl, Lieblosigkeit, Egoismus, Unfreundlichkeit und vieles, vieles andere mehr. Doch dann darf er glauben, dass ihm Gott all diese Sünden vergeben und sein Leben verändern will. Es muss bei einem Menschen eine entscheidende Lebenswende passieren, dass ich zum einen mein gottloses Leben erkenne und zum anderen glaube, dass Gott gerade so einen Sünder wie mich und dich lieb hat, vergibt und mir die Einsicht gibt, dass es Beste für mich ist, wenn er nun und nicht mehr ich selber mein Leben bestimme. Diese Grundentscheidung muss bei jedem gefallen sein, die Grundentscheidung: Ich möchte nun nicht mehr selber mein Leben bestimmen, sondern Gott soll es bestimmen. Wenn das passiert ist, dann habe ich ein bestimmtes Ziel vor Augen. Dieses Ziel ist die Ewigkeit Gottes. Und nun kann ich mir bei jeder wichtigen Entscheidung in meinem Leben die Frage stellen: Verhilft mein Handeln dazu, dass ich dieses Ziel erreiche oder führt es mich weiter weg? Eine wichtige Orientierungshilfe für solche Entscheidungen sind die 10 Gebote. Wenn ich meinen Lebensweg mit einer Autobahn vergleiche, dann sind die 10 Gebote wie Leitplanken. Sie wollen mich davor bewahren, von dem rechten Weg abzukommen. Da gibt es zum Beispiel das Gebot "Du sollst nicht töten!" Wenn jemand ungewollt schwanger wird, ist dieses Gebot eine wichtige Orientierungshilfe. Kurzfristig gesehen ist es einfacher, das Kind abzutreiben. Langfristig gesehen bringt einen so eine Entscheidung dem Ziel der Ewigkeit nicht näher, im Gegenteil. Denn ich töte ja ein ungeborenes Leben und mache mich schuldig. Oder da gibt es das Gebot "Du sollst nicht ehebrechen!" Gemeint ist: Sex ist für die Ehe vorgesehen. Kurzfristig gesehen mag es Spaß machen, als unverheirateter junger Mensch mit einem Jungen oder einem Mädchen ins Bett zu gehen, aber vom langfristigen Ziel der Ewigkeit entferne ich mich durch so ein Verhalten. So können dir Gebote Gottes in vielen Situationen Klarheit darüber geben, was der Wille Gottes ist und was nicht. Wer sein Leben mit Gott führen will, der kann auch Gott fragen, wie er denn nun in bestimmten Entscheidungen handeln soll. Das heißt er kann beten. Er kann sich an den wenden, der durch die grundsätzliche Lebenswende, die die Bibel Wiedergeburt nennt, sein Begleiter geworden ist. Kennt ihr folgende Situation? Ihr geht spazieren. Da hält ein Auto am Straßenrand. Jemand kurbelt die Scheibe runter und fragt dich: „Wissen Sie, wo die und die Straße ist?“ Du runzelst die Stirn und antwortest: „Da sind Sie leider ganz falsch. Sie müssen erst einmal wenden. Dann die nächste rechts, bei der 2. Ampel links, dann wieder links, dann bei der 3. – oder ist es die 4. Ampel? – halbrechts, bis Sie zu einem Kreisverkehr kommen. Und dort müssen Sie Richtung... Und dort fragen Sie am besten noch einmal.“ Wie wir alle wissen, findet so ein ortsunkundiger Autofahrer sein Ziel nie. Am allerbesten wäre es, wenn Du ins Auto mit einsteigst und den Fahrer lotsen würdest. Genau das geschieht, wenn einer mit Gott leben will. Dann steigt Jesus gewissermaßen in unser Auto ein. Wir fahren zwar, aber er gibt die Richtung an. Er kennt den Weg, der zu unserem Ziel, die Ewigkeit führt, ganz genau. Und wir können ihn fragen, wie wir diesem Ziel näher kommen. Wir müssen nur auf seine Antworten hören. Achthaben auf Jesus, auf seine Winke und Wegweisungen achten, das geht nur im persönlichen Gespräch mit ihm, im Gebet. Wenn wir uns immer wieder mit ihm in Verbindung setzen, ihn bitten uns seine Wege zu weisen, nur dann kommen wir Richtung Ziel vorwärts. Nur dann kann er uns führen, wie etwa durch einen Menschen, den er uns in den Weg stellt und der uns weiterhilft. Durch einen Seelsorger, der uns als erfahrener Christ gute Ratschläge geben kann und mit uns betet. Oder durch bestimmte Fügungen, also bestimmte Situationen, die Gott eintreten lässt, so dass wir wissen, wie unser Lebensweg weitergeht. Oder durch ein bestimmtes Bibelwort, das uns einfällt oder das uns während einer Predigt, bei der Bibellese oder bei einer Abendmahlsfeier wichtig wird. Sicher müssen wir darauf achten, ein Bibelwort nicht wie ein Orakel zu benutzen. Aber es ist Erfahrung von vielen Christen, dass das Wort Gottes einen oft klar führt. Ganz allgemein kann man sagen: Wer nur von Jesus geführt werden will, der wird auch geführt. Das ist eine Sache des Vertrauens. Bei meiner Berufsentscheidung, bei meinen Stellenwechseln, bei vielen persönlichen Entscheidungen haben solche Bibelworte eine wichtige Rolle gespielt. Manchmal war so Gott so gnädig, dass ich solche Worte zwei oder dreimal hintereinander hörte oder las und mir wichtig wurden. Das war für dann wie ein liebevoller Stupser von Gott: "Jetzt glaube doch endlich dieses Wort und handle entsprechend!" Denn nur wenn wir den Anweisungen Gottes gehorsam sind, ihm wirklich unsere Wege anbefehlen, kommen wir dem Ziel der Ewigkeit näher. Leider tun wir das nicht immer. Manchmal haben wir genau das Gegenteil getan, sind gewissermaßen in die falsche Richtung gefahren. Da hilft nur eines: Bei der nächsten Gelegenheit umkehren, das heißt Buße tun, nicht jammern und andere, Gott und die Welt gewissermaßen für unsere Lage verantwortlich machen, sondern sich selber schuldig geben und um Vergebung bitten. Darauf wartet auch Jesus. Und er freut sich, wenn wir es tun und dann in Zukunft besser acht geben. Gott führt, auch wenn man manchmal nichts davon sieht. Es scheint in unserem Leben nichts vorwärtszugehen. Vergleichbar sind solche Situationen mit einem Stau auf der Autobahn. Eben noch ging es flott vorwärts. Aber auf einmal taucht vor uns eine Kolonne von stehenden Autos auf. Wir müssen bremsen und stehen im Stau. Aufregen hilft nichts. Wir müssen warten, bis der Stau sich wieder aufgelöst hat. Wer auf der Autobahn des Lebens mit Jesus unterwegs ist, kann auch in solche Situationen hineinkommen. Eben noch in voller Fahrt, dann auf einmal ausgebremst, durch eine Krankheit, eine Zeit der Arbeitslosigkeit oder der Ungewissheit, wie es in meinem Leben weitergehen soll. Dann bleibt uns nichts anderes übrig als uns in Geduld zu üben – und im Gottvertrauen. Wenn wir in einer bestimmten Lage nicht wissen wie es weitergeht, können wir uns die Worte aus dem Psalm 37 Vers 5 zu eigen machen: "…Er wird's wohl machen." Wer das tut, in dessen Leben kommt immer eine große Gelassenheit und die Macht der Sorge muss weichen. Ich denke an die Woche vor Weihnachten, die naturgemäß für Pfarrer eine arbeitsintensive ist. Früh morgens wollte ich mir Sorgen machen, wie ich das, was ich mir vorgenommen hatte, schaffen sollte. Da fiel mein Blick auf die Tageslosung der Herrnhuter Brüdergemeine aus dem Psalm 127. Dann las ich den Text im Zusammenhang. Dort stand: "Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht, und hernach lange sitzet und esset euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er's im Schlaf." Das war für mich ein klarer Hinweis: Arbeite nicht bis in die Nacht hinein. Mach rechtzeitig Feierabend. Gott hilft dir schon. Ich wurde viel ruhiger und musste danach auch noch lachen: Denn ich hatte aus Versehen die Losung für den nächsten Tag gelesen. Aber ich brauchte die Hilfe eben heute schon! Das dürfen wir glauben: Gott redet mit uns, wie auch immer - und zwar rechtzeitig! Gott greift ein - ebenfalls rechtzeitig. Deshalb können wir gar nicht früh genug anfangen, ihm zu vertrauen!Amen 
 

© 2013 Dieter Opitz