Mein Fest - Kreuz & Quer vom 01.04.10; Lukas 14, 17

Liebe Gemeinde!

Diesen Satz sagten Diener eines Mannes, der ein großes Fest vorbereitet hatte. Alles war fertig. Der Raum, in dem die Feier stattfinden sollte, war schön hergerichtet. Die Tische waren festlich gedeckt. Kerzen, Teller, Besteck, Gläser, alles war da. Das Essen musste nur noch aus der Küche herübergetragen und die Getränke eingeschenkt werden. Alles war sorgfältig, liebevoll, eben perfekt vorbereitet. Es fehlte nur noch eines: Die Gäste.
Sie wussten um das Fest aber noch nicht um den genauen Zeitpunkt. Deshalb schickte der Gastgeber noch einmal seine Diener los, um die Gäste an die Einladung zu erinnern. So war es damals durchaus üblich.
So wie in dieser Geschichte lädt uns auch Gott ein, immer wieder und heute im Besonderen.
Gott lädt zu einem großen Festbankett ein. Nicht unser Magen soll dabei satt werden, aber unsere Seele. Gott serviert uns keinen ungenießbaren Fraß, schenkt uns keine bunt schillernde Giftbrühe ein und reicht uns keine magere Wassersuppe, bei wir nachher hungriger sind wie vorher. Bei allen Weltanschauungen und Philosophien, die sich die Menschen zusammengebraut haben, wird deiner Seele speiübel, oder sie bleibt hungrig oder wird vergiftet. Bei Gott kommt deine Seele zur Ruhe. Sie wird satt.
Gott möchte, dass auch du satt wirst durch sein Wort und sein Abendmahl. Deshalb lädt er uns auch ein, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Er schickt uns seine Boten und lässt uns ausrichten: „Kommt, es ist alles bereit! Ihr braucht euch nur an den gedeckten Tisch zu setzen!“
Auch diese Abendmahlsfeier heute ist eine persönliche Einladung Gottes zu einem Fest, einem eigentlich unmöglichen Fest. Gott ist im Himmel und wir auf der Erde. Wie sollten wir da zusammen ein Fest feiern können? Doch beim Abendmahl öffnet Gott gewissermaßen seinen Himmel. Wir sehen ihn deshalb nicht. Aber wir können beim Abendmahl etwas mit der unsichtbaren Welt Gottes erfahren. Wir sind beim Abendmahl nicht alleine. Gott selber und Jesus sind da, mit seinen Engeln und wohl auch so manchen Gläubigen, die schon in seinem Reich sind.
Gott lädt zu Tisch. Es ist es ein großer Tisch, an dem alle Platz finden. Niemand muss befürchten, dass für ihn kein Stuhl mehr frei ist. Platzmangel gibt es bei Gott nicht.
Und es ist ein runder Tisch, bei dem es kein Oben und kein Unten gibt. Hier ist niemand bevorzugt und niemand benachteiligt. Standesunterschiede sind Gott fremd. Im übrigen sind es alles Ehrenplätze, weil kein einziger der Gäste einen Platz am Tisch des Herrn verdient.
Und schließlich ist es ein gedeckter Tisch, an dem alle satt werden können. Denn so hat es der Tischherr ausdrücklich versprochen: „Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Gott ist kein Gastgeber, der mit leeren Händen dasteht. Er schenkt dir alles, was deiner Seele gut tut. Das ist Geborgenheit, Zuversicht, oft wunderbare Hilfen, Führung in schwierigen Lebensabschnitten, die Gewissheit seiner Liebe, die nie aufhört, auch nicht nach dem Tod, und vor allen Dingen Vergebung und Befreiung von Sünde und Schuld.
Keiner braucht Bedenken zu haben, dass er bei diesem Festmahl leer ausgeht. Es ist alles da, was du für ein gesegnetes und sinnvolles Leben brauchst. Quälen dich Ängste oder Zukunftssorgen? Es ist für dich neuer Mut und Zuversicht da. Brauchst du Vergebung deiner Sünden? Sie liegt für dich bereit. Sehnst du dich nach neuer Liebe zu Gott? Er gibt sie dir jetzt. Bist du traurig und niedergeschlagen? Gott möchte dir jetzt wieder neue Freude schenken.
In den ersten Jahrhunderten der Kirche wurde das Abendmahl mit einem Medikament verglichen. Hinter dieser Formulierung steckt wohl folgende Erfahrung, die schon so manche Christen gemacht haben: Sie gingen krank zum Abendmahl und waren danach wieder gesund. Im Abendmahl gibt uns Gott nicht nur Heil sondern als Zusatzgeschenk auch manchmal Heilung. Wir können Gott nicht zwingen, dass er uns bei einer Abendmahlsfeier von Krankheiten wieder gesund macht. Aber wir dürfen mit seinen heilenden Kräften rechnen.
Für viele der Abendmahlsgäste ist der Bibelspruch das Wichtigste, den sie nach dem Empfang von Brot und Wein hören. So ein Spruch kann tatsächlich Mut zum Glauben machen. Aber man sollte ihn nicht als Orakel missbrauchen. Ich bin kein Wahrsager, der einer Gruppe, die da vorne beim Altar zum Empfang des Abendmahls steht, die Zukunft vorhersagt. Sondern so ein Bibelspruch dient dazu, dass das nochmals unterstrichen wird, was man beim Abendmahl schon geschenkt bekommen hat. Ein hilfreicher Tipp von mir: Schränke Gott beim Abendmahl nicht auf so einen kleinen Bibelspruch ein. Gott hat dir viel mehr zu schenken. Es gelten dir alle Sprüche, die ich vorn am Altar spreche. Es gelten dir alle Verheißungen, die in der Bibel stehen. Gott will auf jeden Fall, dass du froh von Abendmahl weggehst, weil für dich, auch und gerade für dich, Gnade da ist, und nicht, dass du dich grämst, weil du keinen bestimmten Spruch „bekommen“ hast.
Es ist kein ärmliches sondern ein reichliches Festmahl, das dir Gott anzubieten hat. Und du darfst dabei sein. Darfst dir alles nehmen, was du brauchst.
Gott will uns auch in der Ewigkeit bei sich haben. Dort in seinem Reich dürfen wir immer bei ihm sein. Wir dürfen sichtbare Gemeinschaft mit ihm haben. Das ist das Größte, worauf ich mich freue: Dass ich einmal Jesus sehen und mit ihm reden darf. Jetzt schon, in diesem Leben und heute in diesem Abendmahl dürfen wir etwas von diesem Reich spüren. Nach dem Tod dürfen wir es in seiner ganzen Pracht und in seinem ganzen Glanz sehen.
Gott lädt uns ein, an seinem Reich teilzuhaben. Er lädt uns nicht ein, weil wir es verdient haben. Wir haben keinen Anspruch auf diese Einladung. Es ist seine Gnade, sein Geschenk, dass er dazu einlädt.
Und wo liegt der Haken bei dieser Einladung? Es gibt keinen. In den letzten Wochen wurden im Raum Bayreuth Briefe verschickt, in denen stand, dass der Empfänger 10.000 Euro gewonnen habe. Aber es war nur eine ganz fiese Werbung für eine Kaffeefahrt, bei der man tüchtig irgendwelche Gegenstände einkaufen sollte. Im Internet stößt man manchmal auf eine Werbung mit etwa folgenden Inhalt: „Gerade Sie haben gewonnen. Das ist kein Witz. Klicken Sie hier, und Sie haben gewonnen.“ Ich hab’ noch nie geklickt, weil ich mir sicher bin, dass diese Werbung nur ein Lockmittel für etwas anderes ist.
Gott verfolgt keine Hintergedanken, wenn er uns zu sich einlädt. Sondern er will uns mit seiner Nähe ganz einfach beschenken, nicht weil er sich uns aufdrängen will, was wir gar nicht brauchen sondern weil er uns etwas schenken will, was wir gar nicht bezahlen können, das ist eben seine Nähe, seine Vergebung, seine Liebe, die uns in Jesus entgegenkommt.
Jesus selber kommt in diesem Abendmahl zu uns, ja in uns hinein. Es haben sich viele kluge Köpfe den Kopf darüber zerbrochen, wie dies möglich ist und haben tiefsinnige Überlegungen angestellt. Aber du brauchst kein Gehirnakrobat zu sein, um das Abendmahl empfangen zu können. Brot schmeckt ja auch nicht nur dem, der es chemisch analysieren kann. Sondern du brauchst nur den Worten Jesu zu vertrauen, dass er selber im Abendmahl zu dir kommt, auch wenn du es nicht verstehst.
„Nehmt und esst, nehmt und trinkt!“ hat Jesus beim Abendmahl zu seinen Jüngern gesagt. Mehr brauchen wir nicht zu tun, als zu kommen und zu nehmen.
Jeder darf kommen. Keine Voraussetzung ist nötig. Wir dürfen kommen, wer immer wir sind, ob reich oder arm, ob jung oder alt, ob krank oder gesund, ob von Menschen hoch angesehen oder wenig beachtet. Jedem gilt Gottes Einladung.
Die Juden erzählen sich folgende Geschichte: Ein Jude lädt einen anderen zur Hochzeit ein und sagt: „Weißt du überhaupt, wo ich wohne? Nein? Dann pass auf: Ich wohne in der Webergasse 11, da gehst du in den Hof und im Hinterhaus die Treppe hoch bis zum zweiten Stock. Dann gehst du den Gang bis ganz hinten, auf der rechten Seite, die vorletzte Türe – da wohne ich. Da klopfst du dann kräftig mit dem Fuß an die Türe.“ „Wieso mit dem Fuß?“ „Na, du wirst doch wohl nicht mit leeren Händen kommen.“
Beim Abendmahl ist es genau umgedreht. Wir sollen mit leeren Händen kommen. Wir brauchen keine guten Taten mitbringen, keine frommen Gedanken sondern nur unsere Schuld.
Wir dürfen kommen, wie wir sind, mit Schuld beladen, mit Fehlern und mit Schwächen. Keiner ist für Gottes Einladung zu unwürdig. Bei Jesus gilt: Wir dürfen kommen, wie wir sind, aber wir sollen nicht bleiben, wie wir sind.
Der Theologieprofessor Helmut Thielicke schreibt in einer Predigt: „Man darf so kommen, wie man ist, auch als ganz armer, als ganz sündiger, als ganz liebensunwerter Mensch, der nicht begreifen kann, was Gott an ihm findet. Er findet auch in der Tat nichts an ihm, aber macht etwas aus ihm: er macht ihn zu seinem lieben Kind.“
Es ist schon eine saubere Tischgesellschaft, die Gott bei seiner Feier um sich versammelt. Die Gemeinde Jesu ist keine anständige sondern eher eine anstößige Gesellschaft. Bei Matthäus lesen wir: „Viele Zöllner und Sünder saßen zu Tisch mit Jesus.“ Die Gemeinde Jesu ist eine Gemeinschaft von Menschen mit einem lumpigen Herzen. Denn Jesus lädt stets Menschen ein, die keinen moralischen Ansprüchen genügen, die Dreck am Stecken haben, deren Versagen „offen auf dem Tisch liegt“, die alles andere sind als „wohlanständige Leute“. Die Gemeinde Jesu Christi ist eben keine Aktiengesellschaft, bei der man durch fromme Einsätze - sprich Spenden oder gute Taten - auf einen reichen Gewinn im Jenseits spekulieren kann. Sondern sie ist eine Tischgesellschaft, die von dem lebt, was der Gastgeber ihnen schenkt.
Jetzt ist nur noch eines zu tun: So schnell wie möglich die Plätze einzunehmen, die Gott für einen reserviert hat. Natürlich kann jetzt einer sagen: “Habe ich ja schon längst getan! Ich bin ja hier!“ Die Tatsache, dass einer einen Platz in einer Kirche eingenommen hat, beweist noch gar nichts. Selbst die Tatsache, dass einer zum Abendmahl kommt, Brot und Wein zu sich nimmt, heißt noch nichts. Man kann auch an der Festtafel Gottes sitzen und nimmt doch nicht am Festmahl teil. Man sitzt vor vollen Tischen und schlägt doch nicht rein. Lieber packt man sein mitgebrachtes Vesperbrot aus, um es zu essen und denkt sich: „Ich habe es gar nicht nötig, mich von diesem großartigen Essen zu bedienen. Ich werde auch so satt!“
Ohne Bild gesprochen: Es kann sich einer zu fein für Jesu Tischgesellschaft vorkommen. Lieber ernährt er sich von seiner Anständigkeit, Christlichkeit und seinen guten Taten, als dass er Jesu Liebe und Vergebung in Anspruch nimmt. Er geht vielleicht sogar zum Abendmahl und braucht doch keine Vergebung sondern tut es nur, weil es halt zum Christsein irgendwie dazugehört. Und schließt sich damit vom Besten und Kostbarsten aus, was je auf den Tisch seines Lebens kommen kann. Nämlich von der Liebe Gottes.
Brauchen wir nicht alle, auch wenn wir meinen, schon satt zu sein, d.h. wenn wir fromm und anständig sind, den Zuspruch der Vergebung Gottes? Es ist doch keiner unter uns besser als der andere! Wir alle, ich auch, haben die Gebote Gottes in Gedanken, Worten und Werken übertreten. Und du auch. Wer anderer Meinung ist, belügt sich selber!
Niemand ist so, wie er nach dem Willen Gottes sein soll. Keiner ist frei von Schuld. Sollten wir dann nicht alle an der Tischgesellschaft teilnehmen, zu der Jesus uns einlädt? Von ihm her ist alles bereit, für uns vorbereitet, was wir für ein sinnvolles Leben und für eine Ewigkeit brauchen. Ein riesiger Gabentisch ist für uns bereit, auf dem alles liegt, was uns fehlt. Was wir an Frieden, Trost, Kraft, Freude, Hilfe, Geborgenheit und vielem anderen brauchen, dürfen wir uns dort nehmen.
Jesus hat versprochen: „Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.“ Wenn du dich danach sehnst, dass in deinem Leben dein Verhältnis zu Gott und den Mitmenschen recht wird, dann wird das Gott auch geben. Dem verspricht er: „Sei getrost! Deine Sünden sind dir vergeben.“ Dem streicht er seine ganze gottwidrige Vergangenheit aus. Den spricht er frei von aller Schuld. Den verändert er auch im Lauf seines Lebens. Den macht er frei von allen unguten Charaktereigenschaften, von allen üblen Angewohnheiten, den macht er frei von der Macht der Sünde.

Amen

© 2010 Dieter Opitz