Mit vollem Einsatz - Kreuz & Quer vom 31.01.10; 1. Korinther 9,24-27

Liebe Gemeinde!

Es gibt unzählige Bilder und Vergleiche für das Leben. Der Komiker Hape Kerkeling sang einmal: „Das ganze Leben ist ein Quiz, und wir sind nur die Kandidaten.“ Doch Paulus schreibt hier: Das Leben ist kein Quiz, es ist kein Spiel. Es ähnelt eher einem sportlichen Wettkampf.
Die eher Unsportlichen unter uns möchte ich jetzt beruhigen: Es kommt im Leben nicht auf sportliche Spitzenleistungen an, auch wenn einem in der Regel es gut tut, wenn ich mich körperlich ertüchtige. Paulus geht es um etwas anderes.
Der Apostel gebraucht hier ein Bild, das alle seine Leser verstanden. Die Stadt Korinth war für die Isthmischen Spiele, die unseren olympischen Spielen vergleichbar waren, weltberühmt. Es fanden mehrere Wettkämpfe statt wie Laufen oder Boxen. Die Sieger bekamen einen Kranz aus Holunder später aus Fichtenzweigen und natürlich Beifall, Ruhm, Ehre und auch Geschenke. Einmal bei den Isthmischen Spielen gewinnen, war der Traum eines jeden Athleten. Aber dafür musste man schon etwas tun. Man musste hart trainieren, oft jahrelang auf manches Angenehme im Leben verzichten. Man musste beim entscheidenden Wettkampf topfit und konzentriert sein und sich auch noch an die Wettkampfregeln halten, um nicht disqualifiziert zu werden. Daran hat sich bis heute im Sport ja nichts geändert.
Das ist wie gesagt ein Bild, das Paulus gebraucht. Er will damit sagen: Wer als Christ leben will, muss sich auch an bestimmte Verhaltensmaßregeln halten, wenn er am Ende seines Lebens zu den Siegern und nicht zu den Verlierern gehören will.
Viele meinen heute: Am Ende unseres Lebens gehören wir alle zu den Verlierern. Denn mit dem Tod sei alles aus. Aber das ist ein großer Irrtum. Ich verlasse mich hinsichtlich der Frage, was nach dem Tode kommt, auf Jesus. Er ist von den Toten auferstanden und somit ein Experte in Sachen ewiges Leben. Er war tot und ist wieder lebendig geworden und hat uns nicht darüber im unklaren gelassen, wie es nach dem Tod weitergeht. Es gibt nach seinen Aussagen entweder ewiges Leben oder den ewigen Tod, Himmel oder Hölle.
Das Ziel eines Christen kann nur der Himmel, das ewige Zusammensein mit Jesus, sein. Dagegen hat wohl keiner etwas einzuwenden. Denn dorthin, in den Himmel, möchte sicher jeder hinein. Es gibt kein erstrebenswerteres Ziel. In Gottes neuer Welt gibt es kein Leid, keine Schmerzen, keine Krankheit, keinen Tod, keinen Hass und keinen Krieg, keine verschmutzte Umwelt und keine verhungerten Kinder. Es kann nichts Wunderbareres geben, als in dieser Welt der absoluten Schönheit, der Liebe, des Friedens und der Freude zu leben. Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen ist nichts dagegen. Es gibt auch kein wichtigeres Ziel. Es hat Vorrang vor dem Beruf und vor der Familie, vor allen Hobbys, vor Ruhm, Ehre und Geld. Wenn dieses Ziel mir wirklich wichtig geworden ist, dann kann ich nicht sagen: Erst kommt alles andere und dann vielleicht Gott. Sondern dann will ich alles daransetzen, dass ich in der Ewigkeit einmal mit dabei bin.
Bevor ich an einem Wettkampf teilnehme, muss ich mich erst einmal anmelden, bei der Wettkampfleitung. Ich kann mich nicht einfach an die Startlinie hinstellen und mitlaufen. Im Christsein ist es genauso. Christen sind wir nicht dadurch, dass wir in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen sind. Christen sind wir auch nicht dadurch, dass wir als Kinder getauft wurden. Christen sind wir erst, wenn wir den Entschluss gefasst haben: „Ja, Herr Jesus, ich will bei dir mitmachen. Ich will dir gehören. Ich will dir gehorchen. Ich will dir nachfolgen. Ich will auch das ewige Leben haben, das du mir versprochen hast.“
Melde dich doch bei Jesus an, wenn du es noch nicht getan hast! Allerdings musst du bereit sein, dir zunächst von ihm eine Niederlage beibringen zu lassen. Dir muss klar werden, dass du das ewige Leben nicht durch deine frommen Leistungen verdienen kannst. Jesus will dein Cheftrainer sein, aber nicht weil er gemerkt hat, um welch wunderbares Talent es sich bei dir handelt. Ganz im Gegenteil. Er will dich haben, weil er weiß, dass du überhaupt keine Siegereigenschaften hast, dass du keine Chance hast, das große Ziel der Ewigkeit aus eigener Kraft zu erreichen. Denn vor ihm bist du ein Sünder, ein Mensch der aufgrund seiner Taten, seiner Worte und Gedanken nicht vor Gott bestehen kann. Deshalb will Jesus dir seine Vergebung und seine Liebe schenken. Er will dir auch seine Kraft geben, damit du einmal an das große Ziel der Ewigkeit gelangen kannst.
Und dann, wenn einer bei Jesus angefangen hat, geht es los, - hoffentlich! Wer an der Startlinie stehen bleibt oder unterwegs schlapp macht, der kommt nicht ans Ziel. Das ist allen Lebensbereichen so. Wer als Sportler Erfolge erzielen will, der muss trainieren. Daran führt kein Weg vorbei. Wer als Klavierspieler ein Virtuose sein möchte, dem bleibt nichts anderes übrig, als immer wieder seine Fingerübungen und Etüden zu machen, - und wenn sie ihm zum Hals heraushängen. Wer Freunde haben möchte, der muss Beziehungen eingehen und pflegen. Das kostet Zeit. Auch im Christsein gilt das Sprichwort: „Ohne Fleiß kein Preis!“ Wer ein Christ sein will und doch weiterhin nach dem Motto leben will: „Ich lebe weiter so, wie ich es für richtig halte. Ich mache nur das, wozu ich Lust habe“, der wird nicht an das Ziel der Ewigkeit kommen. Unmöglich. Christsein hat, wie Paulus hier schreibt, etwas mit Enthaltsamkeit zu tun. Keine Angst, diese Form von Askese hat nichts mit Schweinebraten oder Erdbeerkuchen zu tun. Das alles darfst du weiterhin essen, - wenn es dir schmeckt.
Gott will nur, dass du das aufgibst, was dir nicht gut tut und dich kaputt macht, weil es dich von ihm wegführt. Jesus verlangt von uns eine totale Absage an die Sünde. Was ist nun Sünde? Manche Fromme verstehen unter Sünde in erster Linie drei Punkte: Das Rauchen, das Sich Betrinken und Sex vor und außerhalb der Ehe. Das sind Erscheinungsformen der Sünde. Aber Sünde ist etwas viel Tiefergehendes. Das griechische Wort für Sünde „hamartia“, bedeutet Zielverfehlung. Wir sündigen immer dann, wenn wir uns eigene Ziele stecken und eigene Wege gehen. Sünde, das ist in erster Linie Dickköpfigkeit und Eigensinn, die Meinung, alles besser zu wissen als die anderen und vor allen Dingen als Gott. Die Sünde unseres Lebens besteht darin, dass wir eigentlich ganz gut auch ohne Gott auskommen, dass wir nur unser Leben führen, ohne ihn zu fragen, ob das, was wir tun, auch richtig ist. Gott will, dass wir die Sünde konsequent ablegen, dass uns nichts wichtiger wird als sein Wille für unser Leben. Wer das nicht will, der soll das Christsein lieber bleiben lassen.
Das klingt hart, ich weiß. Und man kann sich auch fragen: Wie schaff ich es nur, mich nach dem Willen Gottes zu richten? Bin ich da nicht hoffnungslos überfordert? Folgendes Bild kann uns da weiterhelfen: Man kann das Leben mit einem Langstreckenlauf vergleichen. Doch bei diesem Lauf sind wir nicht alleine, wie alle Spitzensportler. Sie haben einen guten Trainer, der den Trainingsplan festlegt, der kritisch beobachtet, korrigiert und motiviert. Oftmals holt erst ein guter Trainer aus einem begabten Sportler das heraus, was in ihm steckt.
Wir haben auch einen Trainer, der uns seine guten Anweisungen gibt. Das ist Jesus. Es ist für unser Christsein entscheidend wichtig, seine Anweisungen zu hören. Deshalb brauchen wir die Bibel, in der Jesus persönlich zu uns reden kann. Deshalb brauchen wir auch Gottesdienste, in denen wir Gottes Wort hören können, brauchen auch oftmals einen Mentor, einen Seelsorger, der uns gute Ratschläge für ein persönlich abgestimmtes Trainingsprogramm geben kann. Wenn ich großzügig auf diese Trainingselemente des Christseins verzichte, nicht in der Bibel lese, keinen Gottesdienst besuche, nie einen Seelsorger um Rat bitte oder um seine Fürbitte, muss ich mich nicht wundern, wenn ich unterwegs schlapp mache und keine Lust mehr habe, den Langstreckenlauf des Glaubens weiterzulaufen. Ich brauche mich auch nicht bei Gott zu beschweren, dass er mir so ein schweres „Pensum“ zumutet. Unser Christsein wäre oftmals leichter, wenn wir auf die guten Anweisungen unseres „Trainers“ besser hören würden.
Und noch etwas Wichtiges: Keiner muss alleine trainieren. Das Trainingsprogramm Gottes ist zwar individuell auf uns abgestimmt. Aber Gott stellt uns immer auch in eine Gruppe von Menschen, die wir das Ziel unseres Lebens, die Ewigkeit, erreichen sollen. Das ist die Gemeinschaft der Glaubenden, von der das Glaubensbekenntnis spricht. Andere Christen verfügen über einen anderen Erfahrungsschatz wie wir selber. Wir können von ihren Erfahrungen, ihren Siegen und auch Niederlagen, lernen. Sie können für uns beten. Oft nur, wenn wir uns in einem Gottesdienst wie heute umschauen und sehen: „Wir sind nicht alleine. Es gibt viele, die wie ich Christen sein wollen“, können wir neuen Mut für unseren Glauben bekommen. Auch wenn andere „Trainingspartner“ ihre Eigenheiten, Macken und Fehler haben, uns auch weh tun und verletzen können, schätze die Gemeinschaft der Glaubenden nicht gering! Du hast ja auch deine Fehler! Und andere brauchen auch dich, damit du ihnen weiterhelfen kannst. Gemeinsam glauben, da kann Christsein richtig Freude machen. Es soll für uns keine Qual sein, auch wenn es natürlich auch manchmal hart sein kann und wir uns auch quälen müssen.
Gott will keinen frommen Krampf. Der kommt nur daher, wenn wir unser Trainingsprogramm selber festlegen, ohne Absprache mit unserem Trainer Jesus, und im Alleingang ohne andere Mitglaubenden. Dann kann ein frommes Leistungsdenken einen beherrschen. Je mehr ich für Jesus tue, so meint man, desto lieber hat er mich. Man meint, sich den Himmel durch fromme Leistungen verdienen zu können wie jene Krankenschwester, die sagte: „Jede freiwillige Nachtwache ist ein neuer Edelstein in meiner himmlischen Krone.“ Man schielt auf Anerkennung bei anderen Christen und handelt nicht aus Liebe zu Jesus. Alles frommer Krampf.
Der Kampf des Glaubens sieht anders aus. Du musst ihn nicht aus eigener Kraft führen. Jesus hilft dir, er steht dir bei, er gibt dir schließlich den Sieg, auch wenn du noch nichts davon siehst, auch wenn wir, wie es in einem Lied heißt, wir noch tief im Kampfe stehen, oder wenn wir gar noch am Boden liegen.
Glaube mir: Für dich sind Siege bereit, keine Niederlagen. Überlass es nur Jesus, wie er dich führt. Vielleicht noch durch viele, viele Niederlagen. Aber sie sind nur ein Durchgangsstadium, vielleicht tiefe Täler, an deren Ende Licht ist. Am Ende steht für dich Sieg bereit! Das glaube nur fest, auch wenn du es bisher anders erlebt hast. Das verspricht er dir, jedem von uns. „Siehe, ich mache alles neu“, hat Jesus einmal gesagt. Meinst du, Jesus lügt? Meinst du, er steht nicht zu seinem Wort? Bestimmt nicht!
Auch für dich ist ein „Siegespreis“ bereit, wie Paulus hier schreibt. Bei Sportwettbewerben bekommt nur einer so einen Preis, eine Medaille oder einen Cup. Bei dem Lauf mit dem Ziel „Ewigkeit“ ist das anders.
Ein Ereignis bei den Olympischen Spielen 1972 in München kann uns da zum Gleichnis werden. Es gab die erste Goldmedaille für Deutschland. Die strahlende Siegerin stand zwischen ihren Rivalinnen auf dem Siegertreppchen, aber eine Stufe höher als sie. Nur eine Stufe, aber dieser kleine Unterschied bedeutete Sieg und Niederlage. Als die Nationalhymne angestimmt wurde, zog die Siegerin ihre beiden Konkurrentinnen auf dem Silber- und Bronzetreppchen zu sich hinauf auf das Goldtreppchen.
Kampf im Reich Gottes heißt: Es gibt nicht nur einen Sieger, sondern viele. Die Goldmedaille hat eh nur einer verdient, das ist Christus. Doch er zieht uns auf sein „Goldtreppchen“ hoch zu sich. Lass es nur zu, das heißt, glaube ihm, dass er es tut!
Und denke immer wieder an das Ziel des Glaubens, vor allen Dingen dann, wenn es schwer wird. Manchmal kommt einem der „Dauerlauf des Glaubens“ nicht wie eine harmlose Joggingstrecke vor, sondern wie jener „Ultramarathon“ in Südafrika: Er ist 90 Kilometer lang, 56 Kilometer bergauf, 25 bergab und ein paar Kilometer flach. 10 Kilometer vor dem Ziel kommt ein 2 Kilometer langer Aufstieg, bis zu 14 Prozent Steigung. Nach 80 Kilometern, also 2 Marathonläufen. Was gibt einem Läufer die Energie, nach einem derart anspruchsvollen Lauf so einen Berg zu überwinden? Es ist nur das Wissen um das „Dahinter“. Hinter dem Berg ist das Ziel nicht mehr weit. Nur dieser Gedanke mobilisiert seine letzten Reserven.
Ein Läufer aus Deutschland schaffte diesen „Berg der Leiden“. Unvergesslich für ihn der Einlauf ins Ziel. Schon einen Kilometer vor dem Stadion, wo sich der Zieleinlauf befindet, hört der Läufer die Massen jubeln. Es ist eine begeisterte Menge, die jeden Läufer, der ins Stadion kommt, überschwänglich feiert. „Here is Hans Heidelberger, Germany – well done!“ hört er den Stadionsprecher unter dem Beifall tausender Zuschauer. Mit letzten Energien winkt er den Zuschauern zu und verteilt ein paar Handküsse. So läuft er seine Ehrenrunde in diesem Stadion, bevor er die Ziellinie überquert. „Noch heute“, so schreibt er, „spüre ich die Gänsehaut, wenn ich an diesen mitreißenden Empfang denke.“
Jesus wird an der Ziellinie auch deines Lebens stehen. Du willst doch nicht vorher aufgeben und diesen Augenblick verpassen wollen! Er wird dir den Schweiß abwischen. Du wirst doch nicht sagen: Ich mag nicht mehr! Alle Mühen des Laufes werden hinter dir liegen. Er wird dich herzlich begrüßen und zu dir sagen: „Herzlich willkommen, gut gelaufen!“ Du wirst doch nicht denken: „Schön wär’s! Das schaff ich eh nie!“? Sondern trau es Jesus zu! Gib nicht auf! Lauf, damit du den Siegespreis, das ewige Leben empfängst!

Amen

© 2010 Dieter Opitz