"Sorry"

Liebe junge Freunde!

Ein Tag im Leben des Ego N. Kein besonderer Tag, ein Tag wie jeder andere. Ego N. verhält sich an diesem Tag so, wie er sich an vielen anderen Tagen verhalten hat. Er bricht an einem Tag wieder einmal sämtliche 10 Gebote. Genauer gesagt, er schafft es in exakt neun Stunden und 2 Minuten, von 7 Uhr 28 bis 16 Uhr 30. Natürlich kann man wie Ego N. reden: "Na und? ES ist doch mein Leben. Das geht doch niemanden etwas an." Falsch! Einen geht es sehr wohl etwas an. Das ist Gott. Denn er hat es dir gegeben inklusive Gebrauchsanweisung. Das sind seine 10 Gebote. Und wer sich an diese Gebrauchsanweisung nicht hält, der macht sein Leben kaputt. Der zerstört auch die Beziehung zu Gott und seinem Mitmenschen. Ego N., das ist kein fürchterlicher Schwerverbrecher. Ego heißt ich, und N. steht für Normalverbraucher. Ego N. hält uns allen einen Spiegel vor. Nicht dem, der neben dir sitzt, nicht dem, der heute abend zu hause geblieben ist, sondern dir und mir.

Vor Gott sind wir alle gleich schuldig. So schrieb es auch der Apostel Paulus an die Römer im 2. Kapitel: (Vers 1 bis 6 nach der "Hoffnung für alle" vorlesen) Ihr wißt vielleicht, daß im Dritten Reich Menschen wegen ihres Glaubens oder ihrer politischen Einstellung verfolgt wurden. Auch Pfarrer. Und so mußte eines Tages ein Pfarrer zur Geheimen Staatspolizei, der Stasi des 3. Reiches. Er mußte in einem Raum warten, in dem lauter Aktenschränke standen. In den Schränken stapelten sich die Aktenbündel zu Bergen. Aus jeder Akte hing eine Zunge heraus, auf denen Namen standen: Meier, Schulze, Müller. Aus lauter Langeweile begann er die Namen zu lesen. Plötzlich entdeckte er seinen Namen, seine Akte. Mit einem Schlage waren die Aktenschränke nicht mehr langweilig. Er stand geradezu zitternd vor ihnen: Seine Akte! Genauso kann es uns mit den Bibelworten gehen, die wir eben gehört haben. Sie sind langweilig, wenn wir uns nicht betroffen fühlen. Doch sie werden auf einmal hochinteressant, wenn wir merken: Es geht ja um meine Akte! Mein Fall wird hier verhandelt! Es geht um mich, um meine Schuld und um mein Angebot zur Hilfe.

Wenn Gott redet, auch heute abend, meint er immer dich, nicht den Nachbarn, der neben dir sitzt, nicht den, der heute nicht in den Gottesdienst gegangen ist, weil er etwas anderes vorhatte. Sondern du bist angesprochen. Du bist gemeint. Es geht um deine Schuld, und um deine Hilfe. Auf unsere Schuld wollen wir nicht gerne angesprochen werden. Und wenn wir sie nicht leugnen können, dann gebrauchen wir gerne einen Trick, sie doch wieder los zu bekommen: Wir entschuldigen uns, versuchen uns irgendwie rauszureden. Wir sagen "Sorry!" und meinen damit: "Eigentlich kann ich nichts dafür! Auf dem Gebiet der Entschuldigungen wird der einfallsloseste Mensch zum phantasievollsten Dichter. An Ausreden haben wir einen unerschöpflichen Vorrat. Da macht z.B. ein Vorgesetzter einen Untergebenen mit Worten fertig, oder ein Lehrer seine Schüler, oder ein Vater seine Kinder, und dann entschuldigt er sich: "Das waren meine Nerven!"

Oder da mißbraucht in Bayreuth ein Chef seine Auszubildende und erklärt dann: Diese Praktiken gehören zum Ausbildungsvertrag dazu. Sehr beliebt ist das Schuldverschiebespiel. Erfunden haben es Adam und Eva im Paradies. Gott fragt die beiden: "Warum habt ihr von der verbotenen Frucht gegessen?" Adam sagt: "Die Eva war dran schuld. Sie hat mir von der Frucht gegeben!!" Und Eva erwidert: "Nicht ich bin schuld. Die Schlange hat mich verführt!" Und so reden sich bis auf den heutigen Tag Menschen heraus: "Nicht ich bin dran schuld! Sondern die Verhältnisse! Meine Erbanlagen! Meine Eltern! Ein Geschehen, das sich bestimmt jeden Tag tausend mal wiederholt: Jemand bittet einen anderen um einen Gefallen. Der Betreffende verspricht, es zu tun, aber er macht es dann doch nicht. Als Entschuldigung kommt dann meist: "Ich habe es vergessen!" Aber müßte nicht - in den meisten Fällen zumindest- die ehrliche Antwort lauten: "Ich habe es nicht gemacht, weil es mir nicht wichtig genug war."?

Da sagt ein Schüler zum Lehrer: "Ich habe meine Hausaufgabe vergessen!" Der Lehrer: "Tut es dir wenigstens leid, daß du sie vergessen hast?" Darauf der Schüler treuherzig: "Wenn ich ehrlich bin, Herr Lehrer. Ich habe es gerne vergessen!" Was mir wichtig ist, vergesse ich in der Regel ja nicht. Wer Ferien oder Urlaub hat, wird dann ganz bestimmt nicht am nächsten Morgen in die Schule oder in den Betrieb gehen und dann sagen: "Ich habe ganz vergessen, daß ich frei habe!" Niemand kann sich auch falsch beruhigen mit der Aussage: "Alles nicht so schlimm. Gott ist doch Liebe. So genau wird er es schon nicht nehmen. Und außerdem bin doch getauft und konfirmiert und halte mich zur Kirche." Wer so redet, teilt Falschgeld aus. Ein Fünfmarkstück, das nur auf einer Seite geprägt ist, ist Falschgeld. Die Rede von der Liebe Gottes ohne die Aussage von seinem Gericht und seinem Zorn ist Falschgeld. Und wer solchen Reden glaubt, wird getäuscht. Gott ist heilig und gerecht. Gott wird richten, auch wenn es uns nicht paßt und gefällt. Das war die Erkenntnis aller Männer und Frauen der Bibel, auch des Neuen Testaments. Auch Jesus, Paulus und Petrus sprechen vom Tag der Abrechnung Gottes. Dann läßt sich Gott nicht mit Entschuldigungsformeln abspeisen. Er rechnet mit Ergebnissen. Was ein Mensch getan hat, zählt. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, steht in der Bibel. Bei Gott zählen einmal nicht unsere Entschuldigungen sondern Fakten.

Aber noch leben wir ja, noch hat Gott Geduld mit uns. Daß wir leben, noch leben, ist ja nicht selbstverständlich, sondern ein Zeichen der Liebe Gottes zu uns. Wir hätten ja schon alle längst umkommen können, bei einer Krankheit oder einem Unfall. Ich selbst war als kleiner Junge dem Tode nahe. Beinahe wäre ich im Roten Main ertrunken. Diese Geschichte erzählte ich einmal meinen Konfirmanden. Ich fragte sie, ob sie nicht etwas ähnliches zu erzählen hätten. Nach kurzem Zögern erzählte fast jeder, wie er als Kind gerade noch einmal mit dem Leben davongekommen war oder vor einem großen Unglück bewahrt blieb. Viele unter uns könnten sicher Ähnliches erzählen, und wenn nicht, dann hat Gott sie behütet, ohne daß sie etwas davon gemerkt haben.

Auch mit der ganzen Menschheit hätte Gott Schluß machen können. Ein Atomkrieg hätte unsere Welt verwüsten und sie unbewohnbar machen können. Wir verpesten die Luft durch Abgase, holzen die Tropenwälder ab, vergiften das Wasser, sind für das Ozonloch verantwortlich, - und trotzdem leben wir noch, haben wir noch sauberes Trinkwasser, Luft zum atmen. Trotzdem geht es uns noch oft unverschämt gut. Gott hätte schon längst mit der Menschheit Schluß machen können. Aber er wollte es nicht. Er wollte, daß auch du noch geboren wurdest, sein Wort hörst, darauf eingehst und einmal zu ihm in sein Reich kommst. Gott ist geduldig, viel geduldiger als ein Mensch es sein kann. Man kann nur staunen, daß Gott seiner Menschheit und auch dir und mir immer wieder neue Chancen gegeben hat. Diese Geduld will uns zu Buße, zur Umkehr führen, aus allem Trott herausholen. Du kannst gottlos dahintrotten, wenn du denkst: "Ich lebe so, wie ich will. Ich lasse mir von niemanden etwas reinreden!" Oder falschfromm, wenn du redest:"Ich bin doch schon auf dem rechten Weg. Wieso sollte ich umkehren?" Das Ergebnis von solchem Dahintrotten ist immer Schrott. Wir haben es alle nötig, jeden Tag zu Gott umzukehren. Und wir können froh sein, daß wir zu Gott umkehren dürfen. Denken wir an den verlorenen Sohn. Wie froh war er, als er endlich wieder beim Vater war. Dieser warf ihn nicht hinaus, machte ihm keine Vorwürfe sondern nahm ihn in seine Arme. So ist Gott!

Er wartet auf uns, daß wir uns endlich auf den Weg machen und wieder zu ihm zurückkehren, wo wir Zuhause sind. Und er freut sich, wenn wir wieder bei ihm sind, bei der Quelle des Lebens. Es ist sicher unangenehm, wenn wir erkennen, daß wir Gott aus den Augen verloren haben und unsere eigenen Wege gegangen sind. Aber es ist heilsam. Sonst würden wir nicht zu Gott umkehren. Zu Gott umkehren, das ist ein großes Angebot. Zu Gott umkehren, das heißt zu ihm zu kommen und alles von ihm erwarten. Wer zu Gott umkehrt, der braucht nichts vorzuweisen an guten Taten. Das kann er auch nicht. Er braucht nur mit dem Bekenntnis seiner Schuld zu kommen. Und dann will Gott keine guten Vorsätze von mir, keine Versprechen wie: "Von nun an wird alles besser mit mir. Ich will diese und jene Sünde lassen." Nein, dann will er unsere Bitte: "Gib du mir, was ich brauche. Schenke mir die Vergebung meiner Sünden. Gib mir einen Neuanfang mit dir. Und verändere du mich." Und er will unser Vertrauen, daß er uns das wirklich gibt, worum wir ihn bitten.

Denken wir wieder an den verlorenen Sohn. Er konnte seinem Vater nichts aus der Fremde mitbringen. Ganz im Gegenteil. Das Erbe seines Vaters hatte er verjubelt. Mit leeren Händen mußte er zu seinem Vater zurück. Aber dieser füllte sie ihm. Er bekam alles wieder geschenkt, was er verloren hatte. Seine Lumpen durfte er ablegen. Dafür durfte er einen neuen Anzug anziehen. Das waren keine Klamotten, die Papa sowieso zur nächsten Altkleidersammlung gegeben hätte, sondern der teuerste Anzug im Haus. Man zog ihm Schuhe an und gab ihm einen Siegelring. Das war Papas Kreditkarte. Der verlorene Sohn konnte wieder im Namen seines Vaters Geld ausgeben. Und feierte man ein rauschendes Fest wie für einen Ehrengast. Der verlorene Sohn muß sich wie im Traum vorgekommen sein. Soviel unverdiente Liebe ist auch nicht zu begreifen.

So ist Gott Wenn wir zu ihm mit dem Bekenntnis unserer Schuld kommen und mit der Bitte um Vergebung und um einen Neuanfang, will er uns mit seinen Gaben überschütten. Er wird uns viel mehr Gutes tun, als wir es uns erwartet haben. Denn es gefällt Gott, wenn wir so zu ihm umkehren. Zu Gott umkehren, das ist keine kümmerliche sondern eine großartige Sache. Da werden wir nicht traurig sondern froh, da werden wir nicht eingeengt sondern da werden wir frei.

Der schönste Weg ist deshalb der Weg nach hause, zu Gott, unserm Vater. Er wartet schon darauf, daß wir zu ihm kommen, auch heute in der Beichte und im Abendmahl. Und wenn du etwas Besonderes auf dem Herzen hast, womit du alleine nicht fertig wirst, irgendeine Schuld oder ein Problem, dann sprich mich nachher an. Wir gehen dann miteinander in mein Amtszimmer, sprechen miteinander und beten miteinander. Schleppe keine Last mit nach hause. Du darfst sie heute los werden.

Amen

(c) Dieter Opitz, Bayreuth