Mission: Possible - Kreuz & Quer vom 23.07.06; Jona 1-2

Liebe Gemeinde!

Zugegeben, den eingespielten Film haben wir schon einmal in einem Kreuz und Quer Gottesdienst gezeigt. Aber das Ganze ist schon sechs Jahre her und er passt sehr gut zu der Geschichte, die wir jetzt hören werden. In ihr geht es um einen Mann, der auch auf der Flucht ist, auf der Flucht vor Gott. Doch Gott holt ihn ein und es kommt zu einem unüberbietbaren Showdown.
Wir hören Jona Kapitel 1 und Kapitel 2, Vers 1 und 11.
(Predigttext vorlesen)
"Mission Impossible" heißt ein äußerst erfolgreicher Agentenfilm aus dem Jahr 1996, so erfolgreich, dass er zwei Fortsetzungen fand. In die Filmgeschichte ging die Szene ein, in der Tom Cruise zusammen mit einer Agentencrew in das hoch gesicherte CIA-Hauptquartier einbrach, um dort eine Liste mit wichtigen Daten zu entwenden. Eine unmögliche Aufgabe, eine "Mission Impossible", aber Tom Cruise schafft es natürlich.
Jona soll nun nach Ninive, in die Hauptstadt der Feinde seines Volkes. Auch er hat einen unmöglichen Auftrag. Er soll als Feind und Ausländer dort predigen, nicht: "Gott hat euch lieb und so." sondern "Gott ist zornig über euch und hat vor, euch zu bestrafen, weil ihr so böse seid." Mission Impossible. Um so einen Auftrag würde sich wohl niemand reißen, ich nicht, ihr nicht und auch Jona nicht.
Doch es handelt sich um einen Auftrag von Gott. Gott redete damals mit Jona. Und wenn Gott mit einem Menschen spricht, dann ist es ratsam, zu gehorchen, nicht nur deshalb, weil es etwas auf die Socken gibt, wenn man nicht gehorcht, sondern auch, weil er einen nicht überfordert, weil er nichts Unmögliches zumutet. Was er sagt, dass können wir schaffen, - "Mission Possible" -, ja noch viel mehr, das tut uns gut. Jona, der vor Gott flieht, das war bestimmt kein glücklicher Mensch.
"Mach dich auf!" sagte Gott damals zu Jona. Wie, das steht nicht da, ob durch eine innere Gewissheit, ob durch eine Stimme, die er von außen hörte. Auf jeden Fall ist es wahr: Gott redet, bis auf den heutigen Tag. Vielleicht sagt nun mancher: "Wo denn, wann denn, wie denn? Ich habe noch nie seine Stimme gehört!" Wenn das bei dir der Fall ist, dann liegt das nicht an Gott. Dann ist das deine Schuld. Denn Gott hat mit dir schon geredet, in jeder biblischen Geschichte, die du gehört hast, in jedem Bibelwort, das du gelesen hast. Und das Phantastische, fast Ungeheuerliche ist: Gott redet auch jetzt mit dir, in diesem Gottesdienst, in dieser Predigt. Ich bin nicht Gott. Aber ich habe den Auftrag zu predigen von Gott einmal bekommen. Ich dachte, wie der Prophet Jeremia: "Ich doch nicht! Ich bin zu jung! Ich kann nicht predigen!" Doch Gott redete zu mir, dem damals 19jährigen, durch das Wort aus Jeremia 1 Vers 7: "Sage nicht: ‚Ich bin zu jung', sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete." Eigentlich auch so eine "Mission Impossible". Gott will durch Menschen zu einem reden. Aber er will es so. Und es funktioniert. Gott redet durch Menschen, auch heute abend hier in dieser Kirche. Und es wiederholt sich der Ruf Gottes an Jona auch bei dir: "Mach dich auf! Mach dich auf die Socken und bleib nicht hocken in einem Leben ohne Gott!" Ich nehme an, du glaubst an Gott, sonst wärest du ja nicht hier. Es wird dir auch wichtig sein, von ihm etwas zu hören. Und viele unter euch haben schon etwas mit Gott erlebt. Aber frage dich einmal: Wie wichtig ist er dir denn? Lebst du auch nach seinem Willen, nach seinen Geboten? Wie verbringst du denn deinen Alltag? Spielt da Gott die Hauptrolle oder nur eine bescheidene Nebenrolle, wenn überhaupt eine? Und wie gehst du mit deinen Mitmenschen um, mit deinen Eltern, Geschwistern, Kindern, Lehrern, Vorgesetzten, Kollegen, Freunden und Unsympathischen?
Ich bin mir sicher: Für jeden gilt dieses: "Mach dich auf! Komm heraus aus einem Leben, das sich nur um sich selber dreht, und nicht um Gott und deinen Mitmenschen."
Das heißt ganz konkret: Gib dich schuldig! Und bekenne deine Schuld vor Gott oder einem Seelsorger, und lasse dir im Namen Jesu die Vergebung zusprechen. Dann darfst du glauben: Nichts steht mehr zwischen dir und Gott. Er gibt dir die Kraft, das zu tun, was er will, und er lässt dich dann nicht allein. Sondern er geht mit dir.
Gott hat auch für dich seine Aufträge, so wie damals für Jona, ob sie klein sind oder groß, ob du für deine Mutter einmal einkaufen sollst oder ob du eine Jungschar leiten oder in die Mission gehen sollst. Gott will dich immer an seinen Aufgaben beteiligen. Und gerade, wenn du denkst: Was soll denn Gott gerade mit mir anfangen? Ich bin doch zu jung, oder zu alt, oder zu ungeschickt, zu schüchtern oder zu schlecht! Gerade dann will er mit er vielleicht etwas ganz Besonderes anfangen. Martin Luther hat einmal gesagt: "Niemand lasse den Glauben fahren, dass Gott gerade durch ihn eine große Tat tun will."
Denken wir an Jona. Der war ja auch nicht gerade der folgsamste und bravste Bote Gottes. Ganz im Gegenteil. Er war dickköpfig und eigensinnig. Er hatte einfach keine Lust, den Willen Gottes zu tun. Typisch Jona. Typisch Mensch. Vielleicht kennt ihr das ja auch: Eigentlich weiß man ganz genau, was Gott von einem haben will, vielleicht seine Stille Zeit halten, anstatt früh morgens im Bett zu schnarchen, einen Menschen zu helfen, anstatt Fernsehen zu schauen, sich für Jesus einzusetzen, anstatt nur fromm zu genießen. Ich kenne es jedenfalls. Zu manchem Dienst habe ich keine Lust gehabt, weil er mir zur unpassenden Zeit kam oder einfach unbequem war. Was mir in solchen Situationen oft geholfen hat, war der Gedanke: Ich mag manchmal keine Lust haben, aber Gott hat Lust. Er hat immer Lust, wenn es darum geht, anderen Menschen zu helfen. Er hat Freude daran, wenn wir seinen Willen tun.
Jona läuft vor Gott weg - und läuft ihm gerade in die Arme. Jona hat es sich in seiner Dickschädeligkeit in den Kopf gesetzt, nicht nach Ninive zu gehen. Aber Gott ist noch sturer und hartnäckiger im Verfolgen seiner Ziele. Jona soll nach Ninive. Um dieses Ziel zu erreichen, greift Gott nach absolut ungewöhnlichen Mitteln.
Jona soll nach Osten. Aber er flieht in die absolut entgegengesetzte Richtung, nach Westen. Auf einem Schiff meint er, fern von Gott zu sein. Aber das ist natürlich ein Irrtum. Gott reist mit. Er geht auch mit an Bord. Keiner wird Gott los und wenn er sich noch so sehr bemüht. Der Schöpfer bleibt seinem Geschöpf auf den Fersen. Gott schickt einen Sturm, und durch ein Losverfahren bekommen die abergläubischen Matrosen heraus, wer die Ursache des Unwetters ist. Jona "outet" sich: "Ich bin schuld daran, dass es euch so schlecht geht. Denn ich bin von Gott geflohen. Werft mich über Bord. Dann hört der Sturm auf."
Es ist kaum zu glauben, welche Sätze dieser dickköpfige Prophet von sich gegeben hat. Da hat er doch zugegeben, dass er Gott ungehorsam war und hätte nun Gelegenheit, seinen Gott um Hilfe anzurufen, zu bereuen, Buße zu tun und versprechen, nach Ninive zu gehen. Aber was macht dieser Kerl? Aussteigen will er. Lieber sterben als umkehren!
So ist der Mensch. Lieber hat er die Hölle auf Erden oder fährt zur Hölle, als Gott zu gehorchen. Schließlich geschieht, was Jona will. Die Matrosen wollen zwar Jona nicht umbringen. Doch der Sturm lässt nicht nach. Und die Seeleute werfen den ungehorsamen Propheten doch über Bord.
Jona versinkt in den Fluten und hat mit seinem Leben abgeschlossen. Hoffnungsloser kann eine Lage nicht sein. Aber Gott greift ein. Bei ihm gibt es kein Unmöglich. Für den, der an Jesus glaubt, gibt es keine hoffnungslosen Lagen.
Ich denke daran, wie ich als kleiner Junge einmal fast ertrunken wäre. Ich ging den Flusslauf des Roten Mains entlang. Das Wasser war nur knietief. Doch plötzlich verlor ich den Boden unter den Füßen. Ich schrie noch um Hilfe. Dann war ich unter Wasser. Schwimmen konnte ich nicht. Und meine Kameraden, die mit mir unterwegs waren, konnten mir auch nicht helfen. Jetzt ist es aus, schoss es mir durch den Kopf und dachte in dem Moment an Gott. Der schickte zwar keinen großen Fisch wie bei Jona. Aber er ließ mich ganz ruhig werden. Ich geriet nicht in Panik, schluckte nicht Wasser, wurde nicht ohnmächtig. Sondern ich ließ mich einfach von der Strömung treiben, bis ich wieder Grund unter die Füße bekam, wieder auftauchen konnte und alleine aus dem Roten Main herausmarschierte.
Jona war dem Tode ganz nahe. Doch er wachte aus dem Schlaf seiner Gottesferne wieder auf. Er rief Gott in seiner Angst an - und er antwortete ihm. Aber wie! Gott schickte einen großen Fisch, der den Jona in seinen Magen einsaugte.
Diese Geschichte klingt wie ein Märchen und ist auch der Anlass von so manchem Spott geworden. Ein Mann zum Beispiel machte sich über einen Jungen lustig, der an die Geschichte von Jona und dem großen Fisch glaubte. "Wie soll denn so etwa möglich sein?" fragte er ihn. "Das weiß ich auch nicht. Aber wenn ich im Himmel bin, werde ich Jona fragen," antwortete der Junge. "Und wenn Jona in der Hölle ist?" "Ja dann können Sie ihn selber fragen."
Eine Erklärung für diese Geschichte habe ich auch nicht. Ich weiß nur, dass Gott viele Dinge tut, die ich nicht verstehe. Gott schafft ein ganzes Weltall aus dem Nichts und einen kompletten Menschen aus einer befruchteten Eizelle, die kleiner ist als ein Stecknadelkopf. Was ist dagegen so ein Fisch? Eine Kleinigkeit.
Gott schickt dem Jona nicht das, was er verdient hätte: einen Haifisch, der ihn genüsslich bis auf die Knochen abgenagt hätte, sondern einen großen Fisch mit einem genügend großen Maul und Schlund, dass er den Propheten bequem hinunterschlucken konnte. Keine sehr angenehme Lage. Aber Jona erkennt: Diese Situation ist ein Eingreifen Gottes. Er hat mein Leben gerettet.
Es ist häufig so: Gott muss mich erst wie Jona in die Tiefe stürzen, damit ich ihn erkenne. Es kann eine äußere Katastrophe sein oder eine tiefe seelische Krise. Und auf einmal geht mir auf, welche Abgründe ich in meinem Herzen habe, wie viel Hochmut, Eigensinn, Gottlosigkeit, Egoismus. Es ist keine sehr schöne aber eine wichtige Erfahrung, dass man erkennt, wie man ist. Denn dann lernt man auch das Schreien um Hilfe, das Schreien zu Gott. Wenn ich ganz unten bin, dann kann mir aufgehen: Ich brauche Gott, brauche seine Gnade, seine Vergebung, seine Liebe, sonst ist mein Leben sinnlos, sonst gehe ich verloren und komme in die Hölle.
Wer dies gemerkt hat, der braucht nur noch eines tun, damit ihm geholfen ist: Gott danken, dass er ihm auch wirklich hilft, vergibt und aus der Not, in der er steckt, herausholt. So machte es auch Jona. In der Dunkelheit, in der Meerestiefe, aber doch schon geborgen und eingehüllt in der Liebe Gottes, fängt er an. Gott zu loben und zu danken.
Dieses Singen hält wohl der Fisch nicht mehr aus. Hab du mal einen Propheten im Bauch, der drei Tage lang singt! Also, dem Fisch wird es kotzübel und spuckt den Jona aus, nicht ins Meer sondern an Land.
Gott hat nun für uns ein noch größeres Wunder getan als an Jona. Jesus greift einmal diese Geschichte von dem ungehorsamen Propheten auf und vergleicht sein Schicksal mit dem des Jona. So wie Jona in den Bauch eines Fisches soll er in den Bauch der Erde sein und dann wieder herauskommen. Es ist klar, was Jesus mit dieser geheimnisvoll klingenden Andeutung meint. Jesus starb und ist dann wieder auferstanden. Jona meinte, sterben zu müssen, damit die Leute auf dem Schiff leben können. Jesus starb tatsächlich, damit wir alle leben können, das ewige Leben haben können.
Jona wusste von diesem Retter und Heiland Jesus Christus noch nichts. Aber wir haben von ihm gehört. Er ist die Antwort Gottes auf unsere Schuld, auf unseren Ungehorsam: Sie heißt: Ich hab dich lieb. Komm doch zu mir. Ich vergebe dir. Trau mir doch zu, dass ich dein Leben recht gestalten werde. Ich meine es nur gut mit dir. Renne deshalb nicht weg von Gott sondern komm zu ihm und tu das, was er von dir haben will.
Gott will mit dir so umgehen, wie ein Gitarrenspieler mit eine Saite seiner Gitarre. Diese lag neben der Gitarre und wollte sich nicht einspannen lassen, womöglich noch neben die brummige Bassseite rechts und die eintönige d-Saite links. Sie wollte ihre Freiheit genießen. Aber mit der Zeit wurde es der Saite langweilig und öde. Immer so sinnlos daliegen und so einsam und unbeachtet sein. Der Gitarrenspieler erkannte die heimliche Sehnsucht seiner Gitarre und sprach ihr gut zu: "Wenn du wüsstest, was für herrliche Musik in dir steckt!" Ganz behutsam spannte er sie ein, immer ein wenig mehr, bis sie ihre Tonlage gefunden hatte. Dann begann er zu spielen. Wunderbar erklang die Musik und machte dem Gitarrenspieler und vielen anderen Zuhörern große Freude.
So will Gott auch unser Leben zum Klingen bringen, uns in sein Handeln einspannen. Nicht um uns unglücklich zu machen, sondern um unser Leben sinnvoll zu machen, um für ihn zu leben, sowie mit anderen und für andere.
Wie das nun konkret bei Jona aussah, davon haben wir heute noch nichts gehört. Das soll Gegenstand einer anderen Predigt sein, im November, beim nächsten Kreuz und Quer Gottesdienst. Also "Mission Possible" 2.

Amen

© 2006 Dieter Opitz