Life - just a game? - Kreuz & Quer vom 15.1.06; Markus 8,36

Hinweis: Den Film "Chasing the wind", der im Kreuz & Quer-Gottesdienst verkürzt gezeigt wurde, kannst du hier in voller Länge ansehen!

Liebe Gemeinde!

Am Ende des Filmes ("Chasing the wind") war ein Bibelvers eingeblendet. Ich lese ihn euch noch einmal vor: Jesus Christus spricht: "Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nehme an seiner Seele Schaden." (Markus 8,36)

Diese Welt, von der Jesus hier spricht, kann schon sehr faszinierend und aufregend sein. Es gibt Sportarten, die einem den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen lässt, wie Snowboarden, Surfen, Bunjee-Jumping. Wir haben ja im Film Einiges dazu gesehen. Manches muss sicher cool sein, wenn man es beherrscht, wie auf Skiern über den Schnee gleiten oder auf dem Surfbrett über das Wasser. Ich kann's leider nicht. Anderes ist eher halsbrecherisch und verrückt, wie auf Skiern an einem Auto angehängt über den Asphalt brettern oder auf einem Steilhang auf Skiern einen doppelten Salto schlagen. Da riskiert man für den ultimativen Kick Kopf und Kragen und liegt am Ende zerschmettert im Schnee wie wir es eben gesehen haben.

Gegen Spaß und Freude ist ja nichts einzuwenden. Aber wenn das alles im Leben gewesen ist, dann war es hohl und leer gewesen.

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich eine Lebensphilosophie breitgemacht, die etwa so lautet: "Nur nichts anbrennen lassen! Alles mitnehmen, was das Leben so bietet! Man muss das Leben genießen, herausholen, was herauszuholen geht!"

Von allen Seiten wird diese Lebensphilosophie uns eingehämmert - von der Werbung, von der Wirtschaft, von der großen Masse und vielen berühmten und scheinbar glücklichen Menschen.

Für Millionen von Menschen ist Vergnügen das höchste Lebensziel geworden. Ob es ihnen bewusst ist oder nicht: An erster Stelle steht der uneingeschränkte Lebensgenuss. Bei vielen Kindern und Jugendlichen kann man es vielleicht am deutlichsten beobachten: Nur noch das kommt an, was möglichst schnell und mühelos Spaß bereitet. Wo man sich - wie in der Schule oder in der Freizeit - plagen oder anstrengen muss, das hat schnell seine Reiz verloren oder findet von vornherein kein Interesse.

Manche Denker, wie zum Beispiel schon vor Jahren der Philosoph Herbert Marcuse, träumten von einer Gesellschaft, in der jeder nach seiner Lust und Neigung leben kann. Dann, so meinte er, seien alle Menschen glücklich und zufrieden. Aber das ist ein großer Irrtum.

Die Millionenschar von seelisch und auch körperlich kaputten Menschen, die nach diesem Prinzip gelebt haben, widerlegt diese Meinung. Der Psychiater Viktor Frankl kam aufgrund seiner jahrzehntelangen psychoanalytischen Praxis zu dem Ergebnis: Je mehr es einem Menschen im Leben um die Lust geht, desto mehr vergeht sie einem auch, so wie einem Sand, den ich krampfhaft in meiner Faust zu halten versuche, umso schneller zwischen den Fingern zerrinnt. Der sicherste Weg in die Lustlosigkeit und Frustration ist das Streben nach Lust. Im Streben nach Vergnügen findet der Mensch nicht das, was ihn eigentlich befriedigt. Er wird dabei im Gegenteil todunglücklich.

Wer nur im Jetzt lebt, wird das Jetzt nicht überleben. Wenn jemand sein Leben heute rücksichtslos und uneingeschränkt genießen will, wird sich selbst um das Leben bringen.

Denken wir an die, wie man sagt, beste weiße Blues-Sängerin aller Zeiten, Janis Joplin. Ihr Lebensmotto war zu Beginn des Filmes eingeblendet: "Love hard, live fast, die young." Das heißt liebe intensiv, lebe schnell und stirb jung. Ein Motto, das viel verspricht, wenig hält und zum Schluss alles nimmt. Janis wurde das Opfer ihres exzessiven Lebensstils und starb mit 27 Jahren nach einer überdosis Heroin.

Auch Freddie Mercury, Sänger der Popgruppe "Queen", wollte sein Leben in vollen Zügen genießen. Ein Freund von ihm sagte: "Freddie zündete seine Lebenskerze nicht nur an beiden Enden sondern auch in der Mitte an." Er starb vor einigen Jahr an Aids.

Ein Leben, das nach dem Lustprinzip geführt wird, wird nicht nur mich sondern auch andere unglücklich machen. Ein Mensch, dem es nur um das eigene Vergnügen geht, wird zum Egoisten. Die Menschen um ihn herum sind nur noch Mittel zu seiner Bedürfnisbefriedigung.

In vielen Freundschaften und Beziehungen zwischen Mädchen und Jungen, Mann und Frau, spricht man von Liebe und meint doch nur das eigene Ich. Die eigene Lust wird mehr wert als der Mensch. Aber Lust, die nur Selbstzweck ist, schlägt irgendwann um in Ekel. Denn so ein Leben, das sich nur um die eigene Achse dreht, ist sinnlos. Ein Leben, in dem meine Mitmenschen und vor allen Dingen auch Gott keine Rolle spielen, ist sinnlos.

Nach Gott fragen viele Menschen nicht. Sie leben nach der Devise: "Was bringt mir ein Leben mit Gott? Ohne ihn lebt's sich doch viel bequemer." Auch die drei junge Männer aus unserem Film dachten so, als der Bergführer ihnen erzählte, wie er Gott fand. "Cool für ihn, aber nichts für uns."

Du denkst vielleicht: "Zu denen gehöre ich nicht. Sonst wäre ich ja nicht hier." Aber prüfe dich einmal, wie dein Leben in Wirklichkeit aussieht. Steht da wirklich Gott im Mittelpunkt deines Lebens oder noch dein eigenes Ich? Welchen Stellwert hat für dich zum Beispiel Gottes Wort? Liest du überhaupt in der Bibel? Liest du regelmäßig? Wie wichtig ist für dich der Gottesdienst? Kommst du, wenn du Lust hast, wenn du gerade nichts anderes vorhast und ansonsten planst du dein Wochenende so, wie du es für richtig hältst?

Und hat das auch, was du hier hörst, Konsequenzen für dein Leben? Oder handelst du nach dem Motto: In mein Privatleben lasse ich mir von niemandem hereinreden? Wenn du zum eine Urlaubsreise vorhast oder eine berufliche Entscheidung ansteht oder eine Freundschaft schließt oder in der Freizeit etwas vorhast: Machst du dann das, was du für richtig hältst oder betest du auch einmal um Klarheit darüber, was Gott eigentlich will? Wer seine Entscheidungen im Alltag ohne Gott trifft, der lebt auch ohne Gott, der lebt so, wie er es für richtig hält, der lebt letzten Endes auch nach dem Lustprinzip.

Hat ein Leben mit Gott nun nichts mit Lust oder Spaß zu tun? So eine Aussage wäre gewiss falsch. Die Bibel fordert uns dazu auf: "Habe deine Lust an dem Herrn!" Und sie preist den glücklich, der Lust hat am Gesetz des Herrn. Ein Leben mit Gott hat also auch etwas mit Lust und Freude zu tun, nichts mit Verkrampftheit, freudloser Pflichterfüllung und langweiligen Gottesdiensten. Aber falsch wäre es nun zu sagen, Gott und Jesus sind dazu da, um mir Lust und Lebensfreude zu geben. Gott bietet dir in erster Linie ein sinnvolles Leben an. Und wer den Sinn seines Lebens erfüllt, der wird auch immer wieder von tiefer Freude und tiefem Glück erfüllt sein. Wer den Willen Gottes tut, dem wird auch - als Nebenprodukt gewissermaßen - Freude geschenkt werden.

Ich denke an Andreas Schmaranzer, der auch in dem Video mitspielte, das wir eben gesehen haben. Christlich und wohlbehütet wuchs er am Hallstädter See in österreich. Gott, schön und gut. Natürlich gab es ihn. Aber das Christentum erschien ihm tödlich langweilig. Sein Leben spielte sich beim Windsurfen und Snowboarden ab. D a s war wirklich aufregend! Es interessierte ihn nur eins: schneller, besser, höher, weiter, wilder und verrückter zu fahren bei Flachwasser, im Fluss oder in der Brandung, im Geröll, im Tiefschnee oder am Asphalt. Es war ihm egal wo! Hauptsache es machte Spaß und es ging ans Limit! Zusammen mit seinem Bruder setzte er seine verrückten Ideen um. Wir haben es ja im Video gesehen. Mit 14 Jahren, während einer Predigt, merkte er, dass er so nicht weiterleben kann. Obwohl er nicht alles von der Predigt verstand, begriff er eins: Jesus Christus will mich an seiner Hand nehmen. So versprach er IHM in einem Gebet, dass auch er an seiner Hand leben will. Er hatte aber noch keine Ahnung, was das eigentlich bedeutete. Zu diesem Zeitpunkt zweifelte er noch sehr stark, ob dieser Jesus ihn wirklich zufriedener machen könnte, als sein begehrenswerter Lifestyle als Surfer und Snowbaorder. Er hatte noch überhaupt keine Ahnung wozu Gott fähig ist. Einige Jahre lang lebte er in zwei Welten: in der christlichen und in seiner eigenen. Er war nicht besonders glücklich, und wusste auch, dass Jesus traurig über ihn war, denn oft schämte er sich sogar für IHN. Jesus hatte viel Geduld mit ihm. Eines Tages, 5 Jahre nach der ersten Begegnung mit Ihm, wurde Andreas total herausgefordert. Er las in der Bibel:

So auch jeder unter euch, der sich nicht lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein Jünger sein! überlegt es euch vorher gut, ob ihr wirklich bereit seid, alles für mich aufzugeben und mir nachzufolgen! (Lukas 14,33)

Diese Worte trafen ihn. Er wollte sein Jünger sein, aber was wäre, wenn er dafür sein Liebstes - das Surfen aufgeben müsste? Er wusste, dass er nicht beides haben konnte: seinen bisherigen Lebensstil u n d ihm gleichzeitig nachfolgen! Andreas musste sich entscheiden.

So vertraute er Jesus diesmal ganz, und gab ihm sein Leben mit allem was dazugehörte: Sogar sein Surfzeug verkaufte bzw. verschenkte er, sein bestes Snowboard brach ihm auch ab, sein Geld, seine Zeit und Talente sollten von nun an auch für IHN eingesetzt werden. Er kapitulierte sozusagen vor den Worten des Herrn. Ganz neu glaubte er an Jesus, der für seine Schuld am Kreuz gestorben war.

Durch diesen Glauben an Jesus wurde er frei und glücklich, wie er es noch nie vorher war. Denn er durfte durch seine Gnade verstehen, dass es einen Platz in der Mitte seines Herzens gab, der nicht mit Adrenalin, Fun und Action zu füllen war, sondern nur mit einem: nämlich mit einer lebendigen Person, mit Jesus Christus! Und Ihm nachzufolgen bedeutet wahres Leben, anhaltende Freude und Frieden zu finden. ER allein ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. ER allein ist der Grund, warum das Leben mehr als ein chasing the wind, -ein Versuch den Wind einzufangen- sein kann.

Da folgte also einer Jesus nach, mit allen Konsequenzen und merkte dabei, dass dabei nicht unglücklich und unfrei wurde, ganz im Gegenteil. Wie macht man das nun: Jesus nachfolgen? Sollen wir versuchen, uns Jesus als Vorbild zu nehmen, auch so zu leben wie er, ganz für Gott und seinen Mitmenschen? Wenn wir das probieren, werden wir feststellen, dass das nicht klappt. Denn unser Wesen ist eben nicht von Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen geprägt. Wir können uns nur immer zwingen und zusammennehmen, so zu leben, wie Gott es will. Aber es geschieht nicht mit Lust und Liebe. So ein Christsein kannst du vergessen. Das ist selbstgemacht und unecht.

Wir können Jesus nicht nachahmen. Aber er kann uns das schenken, was er hat, sein ganzes Wesen, das von Liebe bestimmt war. Es ist eine Liebe, die so groß und stark war, dass er am Kreuz unsere Schuld, unsere Lieblosigkeit, unser selbstsüchtiges Streben nach Lust und Vergnügen, alle Habgier, alle Gleichgültigkeit gegenüber Gott, alle Lustlosigkeit gegenüber seinem Wort, eben einfach alle Schuld auf sich nahm, die ein Mensch getan hat, die auch du getan hast. Sie liegt nun, seitdem Jesus am Kreuz gestorben ist, auf ihn, nicht mehr auf dir. Du brauchst es nur zu glauben, ihm zu vertrauen, dass dies auch wirklich stimmt.

Und noch etwas anderes ist am Kreuz geschehen. Seit diesem Geschehen schenkt Gott jedem die Gesinnung seines Sohnes, seinen Heiligen Geist, seine Liebe, seine Freundlichkeit, seine Freude. Gott bietet dir ein unglaubliches Tauschgeschäft an: Er nimmt deine Sünde und Schuld und gibt dir dafür ein neues Leben.

Das klingt phantastisch, aber es ist wahr: Gott schenkt uns alles, was wir zu einem sinnerfüllten Leben brauchen. Du brauchst nur der vergebenden Liebe Jesu Glauben zu schenken, brauchst sie nur in dein Leben hineinzunehmen. Wer dies tut, für den wird auch etwas anders. Da ist ein neuer Wille da, eine neue Lust, nun das zu tun, was Gott von mir haben möchte. Es wird mir auch ein inneres Bedürfnis, zu beten, mit Gott zu reden und sein Wort zu hören. Das muss mir keiner erst befehlen. Ich möchte nun keine Gelegenheit verpassen, wo ich etwas von seiner Liebe zu mir hören kann.

Ein Christ kennt sicher auch noch Lustlosigkeit und Freudlosigkeit, wenn es darum geht, den Willen Gottes zu erfüllen. Es kann einer reich beschenkt mit der Liebe Gottes von einem Gottesdienst nach hause gehen. Aber am nächsten morgen ist doch wieder das Alte da, dass ich keine Lust habe, mit Gott zu reden, sein Wort zu lesen und seinen Willen zu tun. Das ist ganz normal. Denn der Glaube ist nicht nur etwas für eine Stunde und für einen Tag. Er muss jeden Tag neu vollzogen werden. Auch entgegen den Gefühlen muss immer wieder neu geglaubt werden. Das neue Leben ist in mir. Die egoistische Lust ist vergeben. Sie hat für mich keine Bedeutung mehr. Wenn du das immer wieder tust, ohne nachzulassen, also immer wieder glaubst. Dann wird auch das neue Leben dich immer mehr bestimmen.

Vergiss nur nie: Jeden Tag neu steht für dich das Geschenk der vergebenden und erneuernden Liebe Jesu für dich bereit. Vergiss nicht, es immer neu abzuholen.

Amen

© 2005 Dieter Opitz