Kreuz und Quer vom 17.7.05 - Gott - nicht zu fassen

Liebe Gemeinde!

Gott hat viele Namen. Da gibt es den "Notnagel-Gott". Gut, dass es ihn gibt. Denn dann kann man ihn holen, wenn man ihn braucht. Aber noch besser ist es, wenn man ihn nicht nötig hat. Denn aus seinem Leben möchte man Gott doch lieber raushalten. Da stört er nur.

Dann gibt es den "Milchstraßen-Gott", denn ein "höheres Wesen" muss es ja wohl geben. Aber er hat mit unserem Leben nichts zu tun. Teilnahmslos sitzt er auf "Wolke 7" und ist am Leben der Menschen nicht ein bisschen interessiert.

Es gibt den "Märchenbuch-Gott", von dem man denkt: "Es war einmal ein Gott...". Aber einen Gott, der soviel Ungerechtigkeit in der Welt zulässt, den kann es nicht geben, so meint man.

Manche glauben an den "Oberlehrer-Gott". Für alles Schlimme, was man tut, gibt es Strafen. Und für jede gute Tat schreibt er eine gute Note ins himmlische Notenbuch. Es wäre doch gelacht, so meint man, wenn man die Aufnahmeprüfung fürs ewige Leben nicht schaffen würde. Dabei steht das Urteil über uns Menschen schon längst fest und für jeden Ehrlichen auch: Gesamtnote ungenügend.

Dann gibt es den "Kopfnicker-Gott", der zu allem, was wir tun, Ja und Amen sagt. So eine Gottesvorstellung ist sehr bequem. Man kann tun und lassen, was man will. Schließlich kommen wir doch alle in den Himmel hinein.

Der Kopfnicker-Gott" hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem "Opa-Gott", der im Schaukelstuhl sitzt, milde lächelt und beide Augen zudrückt, wenn seine Kinder wieder einmal Unfug treiben. Manche buchstabieren das Wort "Gott" ja so: Guter Opa Total Taub.

Dann gibt es den "Philosophen-Gott", den Gott der Intellektuellen und Gelehrten. Sie reden von Transzendenz und Immanenz, leere Worte, die mit unserem Leben nichts zu tun haben.

Und schließlich gibt es noch den "Bastel-Gott". Man strickt sich wie bei einem Flickenteppich "seinen Gott" zusammen, so wie er einem gefällt. Man stellt sich sein persönliches "Gottes-Menü" zusammen. So ein Menü kann zum Beispiel enthalten: Eine Portion Esoterik, eine Prise Zen-Meditation, ein paar Kräuter aus dem Garten der Astrologie, eine Würzmischung Aberglauben und ein wenig Christentum zum Abschmecken.

Es geht heutzutage im Glauben, - so der Trendforscher Horx, - immer weniger um die Frage, was wahr ist, sondern was hilft. "Gut ist, was mir nützt.", lautet das Glaubenbekenntnis unserer Zeit. Aber hier protestiert die Bibel scharf. Es geht ihr um die Wahrheit Gottes.

Ich habe schon oft mit Menschen über ihre Gottesbilder und das, was die Bibel über Gott sagt, diskutiert. Dabei machte ich fast immer zwei Feststellungen: Erstens kam bei den Diskussionen nichts heraus. Denn wenn das, was die Bibel über Gott sagt, die Wahrheit ist, - und es ist die Wahrheit, - dann kann man sich diesen Tatsachen nur stellen und nicht über sie diskutieren. Und zweitens wurden viele Zweifel und Einwände gegen den Gott der Bibel vorgebracht. Aber diese Zweifel stellten sich meistens als Vorwände heraus. Denn die selbst gebastelten Gottesbilder sind in der Regel alle sehr bequem. Der Gott der Bibel erhebt einen Anspruch auf unser Leben und will es verändern. Die selbst gemachten Götter nicken alle mit dem Kopf und lassen uns in Ruhe. Sie bestätigen unser Denken und Leben und stellen es nicht in Frage.

Wirklich ehrliche Zweifler und Gottsucher sind wohl selten. Und doch gibt es sie. Von einem solchen kritischen Kopf haben wir eben in unserem Predigttext gehört. Es ist der Jünger Thomas.

Dieser Mann hat Mut besessen. Er hat seine Zweifel und Fragen offen ausgesprochen. Jeder, der in der Schule war oder noch ist, kennt ja diese Situation. Der Lehrer erklärt etwas und stellt dann die übliche Frage: "Verstanden?" Alle nicken, auch wenn so manchem nicht alles klar war. Aber keiner will zugeben, nicht alles verstanden zu haben.

In einer ähnlichen Situation, in der scheinbar alles klar ist, wagt Thomas eine Frage zu stellen: "Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst, und wie können wir den Weg wissen?" Auf diese Frage antwortet Jesus: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Jesus hätte dieses wichtige Wort nicht gesagt, wenn nicht ein zweifelnder Mensch sich den Mut genommen hätte, eine scheinbar dumme Frage zu stellen.

Die Szene geht noch weiter. Jesus fährt weiter: "Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen." Wieder scheint Jesus davon auszugehen, dass für die Jünger alles klar ist, Und wieder gibt sich einer nicht zufrieden, sondern redet dagegen. Philippus bittet: "Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns." Jesus spricht zu ihm: "So lange bin ich bei euch, und du kennst mich nicht, Philippus? Wer mich sieht, der sieht den Vater."

Eine ungeheuerliche Aussage, die einen eigentlich umhauen muss. Da zerbrechen sich Menschen jahrtausendelang den Kopf über die Frage, wer und wie Gott ist. Und so fast nebenbei in einem Gespräch erklärt einer: Du brauchst nur mich anzusehen, dann siehst du Gott.

Mit Jesus ist das Ende aller Gottesvorstellungen gekommen. Der Mensch braucht sich überhaupt nicht Gott vorzustellen. Denn in Jesus stellt er sich vor. Durch seine eigenen Überlegungen und Gedanken kann der Mensch Gott nicht erkennen. Dabei kommen nur menschliche Vorstellungen über Gott zustande.

Seitdem Jesus in diese Welt gekommen ist, ist Gott erfahrbar. Er ist nicht abwesend, aber er ist verborgen. Man muss sich schon auf die Suche machen, ihn zu finden. Er ist da, aber er will entdeckt werden.

Wie geschieht das, dass wir Gottes Nähe entdecken, dass der verborgene Gott mitten in unserem Leben erfahrbar wird? Grundsätzlich gilt für alle Erfahrung: Das, was ich erfahren will, bestimmt immer auch den Weg, auf dem ich es erfahre. Ich kann diesen Erfahrungsweg nicht eigenmächtig festlegen. Beispiel: Wenn Sie einen Film "erfahren" wollen, müssen sie ins Kino gehen oder den entsprechenden Fernsehkanal wählen. Sie können nicht die Filmrolle mit bloßem Auge Bild für Bild durchsehen wollen. Den Duft eines Parfüms erfahre ich nur im Riechen - nicht im Lesen der Verpackungsaufschrift. Wenn Sie beim Kauf einer CD herauskriegen wollen, ob Sie eher die Musik von Johann Sebastian Bach oder von Andrew Lloyd Webber mögen , müssen Sie sich die CDs von beiden anhören. Es wäre absurd, in die beiden Scheiben einmal kräftig reinzubeißen, um herauszubekommen, welche Musik einem "besser schmeckt". Also: Der Gegenstand, den ich erfahren will, gibt mir den Erfahrungsweg immer vor. Bei Gott ist das nicht anders. Wir können ihm den Weg nicht vorschreiben, auf dem wir ihm begegnen möchten. Das ist immer wieder die Vermessenheit menschlicher Religiosität, dass sie die Spielregeln von Gotteserfahrung selbst festlegen will. Gott spielt da nicht mit. Wir müssen uns, wenn wir denn wirklich Erfahrungen mit Gott selbst machen wollen, auf die Art und Weise einlassen, in der Gott sich uns Menschen zeigen und für uns erfahrbar werden will.

Und wie kann ich nun Gott erfahren? Wenn ich auf seine Stimme in der Bibel höre. Wer das tut, dem wird Gott begegnen.

Und nun bitte ich Sie, dass sie noch einmal genau auf das Wort hören, das Jesus von sich sagte: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich." Der Weg zu Gott führt also über Jesus. Er zeigt nicht nur den Weg zu Gott Er ist der Weg zu Gott.

Den Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen möchte ich an einer Geschichte verdeutlichen. Jemand wollte in einer Stadt einen Bekannten besuchen. Er hatte ihm den Weg ausführlich beschrieben. Aber er hatte sich trotzdem total verfahren. Schließlich hielt er an einer Tankstelle und erkundigte sich nach dem Weg. Während er dort nachfragte, hörte ein junger Mann der etwas umständlichen Erklärung zu und bot dem Suchenden an: "Ich muss in diese Richtung fahren. Es ist zwar für mich ein kleiner Umweg; aber ich werde vorausfahren und Sie zu dem Haus Ihres Bekannten bringen." So geschah es auch. Der Mann folgte dem, der ihm vorausfuhr, einfach und kam in kurzer Zeit zu seinem Ziel, zum Haus seines Bekannten, an.

Jesus erklärte uns nicht den Weg zu Gott Er selber ging ihn, damit wir auch einmal am Ende unseres Lebens bei Gott ankommen. Dieser Weg zu Gott war für uns notwendig. Aber für Jesus war er ein Umweg, nicht nur ein kleiner sondern ein riesiger, der ihn selber zunächst von Gott wegführte.

In Jesus kam Gott zu den Menschen herab. Er nahm Menschengestalt an. Er wurde sichtbar und betastbar. Aber er wird auch angreifbar und verletzbar. Jesus erniedrigte sich so sehr, dass er sich an ein Kreuz annageln ließ, um dort unter furchtbaren Qualen und Schmerzen zu sterben. Da am Kreuz starb Gott in Jesus. Für jeden von uns. Da gab Gott buchstäblich sein letztes Hemd für seine Menschen. Für unsere Sünde. Für alles Versagen. Für alle Lieblosigkeit. Für alle Gemeinheit. Für alle Selbstsucht.

Da, am Kreuz sehen wir das wahre Gesicht Gottes: es ist das Gesicht des leidenden Jesus. Des Jesus, der da für uns die Hölle durchmachte. Damit wir, du und ich, die Hölle nicht erleben müssen. Am Kreuz, - da starb Jesus stellvertretend für uns.

Dieser Jesus am Kreuz ist die Wahrheit Gottes. Jeder wird diese Wahrheit erkennen, der sie ehrlich sucht und vor allen Dingen sich selbst ehrlich gegenüber ist. Diese Wahrheit ist nichts für stolze Menschen, die nach dem Motto leben: Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Sie ist unverständlich für jemand, der meint, im Großen und Ganzen bin ich schon Ordnung, muss Gott mit mir schon zufrieden sein. Die Botschaft von dem gekreuzigten Sohn Gottes ist nicht bequem und schmeichelhaft. Sie zeigt dem Menschen seine wahre Lage vor Gott. Sie ist so schlimm, dass der Sohn Gottes sterben musste, um sie zu ändern. Gott hat keine anderen Weg wählen können. Und diese Lage ist so hoffnungslos, dass ein anderer - stellvertretend für uns - uns auch ihr heraushelfen muss. Die Botschaft vom Kreuz macht Schluss mit allen Selbsterlösungsversuchen des Menschen.

Gott am Kreuz erkennen kann nur der, der die ganze Tiefe seiner Schuld erkannt hat, der gemerkt hat: So wie ich bin, kann ich nicht vor Gott bestehen. Wer sein Leben lang Gott im gekreuzigten Jesus nicht gefunden hat, ist in der Regel sich selbst gegenüber nicht ehrlich. Der hält sich selbst für einen braven, anständigen Christen, der keine Gnade braucht.

Aber wenn ein Mensch, der unter seiner Sünde und Schuld leidet, davon hört, dass es einen gibt, der ihm alle seine Lasten abnehmen will, dann wird er hellhörig. Denn das heißt ja: Das Leben kann täglich neu beginnen. Wir müssen nicht mehr unsere Ketten von Schuld herumschleppen, müssen unser böses Gewissen nicht mehr betäuben. Wir können frei werden von unseren Abhängigkeiten und Süchten.

Wenn ich soweit bin, dass ich bei diesen Worten aufhorche, fehlt nur noch ein wenig, Gott zu erkennen. Dann fehlt nur noch der Schritt des Glaubens, des Vertrauens.

Wer Gott vertraut, dass er ihm um Jesu willen alles vergibt und ihn die Kraft zu einem neuen Leben schenkt, der wird die Wahrheit dieser Botschaft erfahren. Der wird spüren, dass Gott in sein Leben hineinkommt, und ihm eine andere Richtung gibt. Dann wird er merken, dass Jesus wirklich der Sohn Gottes ist und dass nur der, der sich ihm anvertraut hat, erst richtig lebt. ER ist das Leben.

Wer an Jesus glaubt, hat nun einen Heiland. Ich scheue mich nicht, dieses altmodisch klingende Wort für Jesus zu gebrauchen. "Heiland", das gibt genau das wieder, was er ist, einer, der alles in meinem Leben heil machen kann. Und das heißt schon etwas. Denn was kann in einem Leben nicht alles kaputtgehen. Es können mir liebe Menschen sterben. Da kann er mich mit seinem Wort trösten. Ich kann in ausweglose Lagen kommen. Da kann er mir neuen Mut geben und mir helfen. Deshalb brauche ich nicht verrückt spielen und vor Angst durchdrehen, weil ich weiß, dass Er immer bei mir ist. Und was hat die Sünde nicht schon in unserem und in dem Leben anderer kaputtgemacht! Wer könnte da nicht ein Lied davon singen?! Aber da ist es doch wunderbar, dass wir an einen glauben dürfen, der uns unsere Schuld abnehmen will, dadurch, dass er zu uns spricht: "Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben!" Das heißt ja, wir dürfen unbelastet von unserer Vergangenheit in der Gegenwart leben und ohne Angst in die Zukunft blicken. Denn ich brauche mich doch nicht zu fürchten, wenn ich weiß, dass Gott auf meiner Seite steht!

Jesus ist der Heiland, derer, die ihm vertrauen. Dies gilt auch dann, wenn der letzte "Kaputtmacher" in unserem Leben auf uns zutritt. Das ist der Tod. Er wird unseren Leib gänzlich vernichten. Es bleibt einmal nichts mehr von ihm übrig, ob man mit 18 oder mit 80 stirbt. Eine grausige Vorstellung! Aber trotzdem darf ich mich an das Wort Jesu halten: "Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt." Auch der Tod kann mich nicht von der Liebe Gottes trennen. Sondern ich darf bei ihm in der Ewigkeit leben und werde dort einen neuen Körper besitzen, der nicht mehr von Krankheit, Alter und Tod geplagt werden kann. Sicher, diese Zukunftsaussichten klingen phantastisch, wie frommer Science-Fiction. Aber einer, der einmal in seinem Leben die Wahrheit der Worte Jesu erfahren hat, der nimmt ihm auch das Versprechen des ewigen Lebens ab.

Es gibt Leute, die sagen: Gott interessiert mich nicht. Was hat er schon für mich getan? Er hat mehr getan für uns als jeder andere Mensch. Er ist am Kreuz für dich elendiglich gestorben, damit er dir das alles schenken kann, was ich oben gerade aufgezählt habe. Und zwar heute und nicht erst nach dem zweiten Schlaganfall. Dann kann es nämlich zu spät sein. Gott möchte uns heute dieses Leben schenken, das sich lohnt. Wir dürfen es heute nehmen.


Amen

© 2005 by Dieter Opitz