Kreuz und Quer - Alles anders als alle annehmen

23. Mai 2004 - 2. Korinther 5,17; Römer 12,2

Liebe Gemeinde!



Was sehen Sie? Zwei Linien, die obere etwas kürzer, die untere etwas länger, werden Sie sagen. Doch der Schein trügt. Beide Linien sind gleich lang. Sie können mir glauben. Ich habe es selber nachgemessen. Dies ist ein harmloses Beispiel dafür, wie uns unsere Sinneseindrücke täuschen können, genauer gesagt, wie wir manipuliert werden können. Denn beide Linien sind ja bewusst so angeordnet, dass sie verschieden lang erscheinen müssen.

Wir alle sind einer weniger harmlosen Art der Manipulation ausgesetzt, Tag für Tag. Ich spreche von der Manipulation durch die Medien. Sie geschieht in jeder Tageszeitung, die wir lesen, und in jeder Tagesschau, die wir sehen. Haben Sie sich als Kind auch gefragt, warum jeden Tag gerade so viel passiert, dass es in eine Zeitung hineinpasst oder in die Viertelstunde einer Tagesschau?

Als Erwachsene wissen wir die Antwort: natürlich passiert jeden Tag viel mehr, als in eine Tageszeitung oder in eine Viertelstunde Tagesschau hineinpasst. Aber die Redakteure wählen aus, was für sie wichtig ist oder unwichtig. Sport zum Beispiel ist für sie ungeheuer wichtig. Vor allen Dingen am Samstag. Da besteht nämlich fast die Hälfte der Tagesschau aus Fußballnachrichten von der Bundesliga. Kirche dagegen ist sehr unwichtig. Sie wird in den Medien kaum erwähnt. Der FC Bayern München allein wird in den Medien häufiger erwähnt als alle Kirchen zusammen. Dadurch wird dem Zuschauer vermittelt: Ein Fußballverein ist wichtiger als der christliche Glaube. Auch die scheinbar neutrale Tagesschau manipuliert also. Ein anderes Beispiel: Seit einigen Jahren ist der islamische Gottesbegriff "Allah" aus dem Sprachgebrauch der Nachrichtensendungen verschwunden. Jetzt spricht nicht nur der Papst oder ein evangelischer Kirchenführer von "Gott" sondern auch ein muslimischer Regierungschef oder Terrorist. Die Absicht ist klar: Es soll das trügerische Bild vermittelt werden, Christentum und Islam sprächen vom gleichen Gott.

Der Fernsehkonsum ist innerhalb der letzten 10 Jahre von 158 Minuten pro Tag im Jahr 1992 auf 203 im letzten Jahr gestiegen. Fast dreieinhalb Stunden täglich sitzt ein Durchschnittsbürger täglich vor der Glotze. Dass das Spuren beim Zuschauer hinterlassen muss, ist klar. Der Sender Premiere verkauft ein 24 Stunden Abo für die Sendung "Big Brother". Immerhin 40.000 Abonnenten verfolgen das Schicksal der "Big Brother" Bewohner und richten sich zum Teil in ihrem Tagesablauf nach dem Geschehen auf dem Bildschirm. Unzählige Werbespots, Videoclips, Daily Soaps, aber auch anspruchsvolle Zeitungsberichte und Bücher bestimmen unser Bild von der Wirklichkeit, beeinflussen unsere Einstellung zu Religion, Moral und Mode.

Natürlich lassen wir uns auch ganz gerne manipulieren. Nur das, was uns gefällt, kommt auch bei uns an. Deshalb geben sich die Verantwortlichen in Medien und Wirtschaft auch ungeheuer viel Mühe, herauszubekommen, was uns bewegt und interessiert, was gerade in der Luft liegt. Und wer es als erster schafft, einen neuen Trend zu erkennen und zu vermarkten, kann damit eine Menge Geld verdienen. Nicht nur das, was von außen uns beeinflusst, manipuliert uns, sondern auch, was aus uns herauskommt, unsere Triebe und Sehnsüchte. Wir nehmen die Wirklichkeit also sehr gefiltert wahr. Das ist für uns wahr, was die Medien uns einbläuen, was wir von unseren Mitmenschen hören, oder was uns unser eigenes Ich einflüstert. Für fast die Hälfte der Deutschen sieht die Wirklichkeit so aus, dass es keinen Gott gibt. Das ist der Einfluss des Kommunismus und des Materialismus der letzten Jahrzehnte, das ist auch unser Wunschdenken, dass wir es ganz gerne hätten, wenn es keinen Gott gäbe, der über unser Leben zu bestimmen hat. Die zehn Gebote haben nur noch zum Teil Geltung. Am meisten Anerkennung findet noch das Gebot "Du sollst nicht töten!" Aber alle anderen Gebote werden nicht mehr so genau genommen. Ein bisschen lügen, betrügen, die Ehe brechen, Sex ohne Liebe und Treue, das macht doch heute jeder. Zumindest seht man es jeden Tag so im Fernsehen, machen es uns die Promis vor. Und uns selber gefällt es auch, so zu leben. Das dritte Gebot, "Du sollst den Feiertag heiligen!" ist am unbekanntesten und unbeliebtesten. Dahinter steckt die Meinung: "Mit meinem Leben muss ich schließlich selber klar kommen. Dazu brauche ich keine Bibel und keinen Gottesdienst."

All das, was ich hier an Meinungen und Einstellungen aufgezählt habe, erscheint der Mehrheit in unserem Volk einleuchtend und wahr zu sein. Christsein scheint "out" zu sein, veraltet, auf dem absteigendem Ast. Aber was kommt statt dessen? Irgendwelche Moralvorstellungen und Weltanschauungen, die alle eines gemeinsam haben: Sie vergehen sehr schnell, manchmal schneller als man denkt.

In Berlin stand einmal ein 19 Meter hohes Lenindenkmal, bestimmt für den Begründer des Sowjetkommunismus. Es war aus Granit und schien für die Ewigkeit bestimmt. Aber die Stadtväter Berlins ließen es für viel Geld zerlegen. Die Trümmer liegen jetzt in einer Kiesgrube. Jedes Denkmal fällt einmal. Auch die Götzen unserer Zeit werden einmal ihren Einfluss verlieren. Jeder Modetrend ist einmal Vergangenheit!

In den sechs Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte kamen und vergingen Zivilisationen und Kulturen. Auch Weltreiche sind aufgestiegen und wieder versunken. Herrscher kamen und gingen. Weltanschauungen breiteten sich aus und gerieten wieder in Vergessenheit. Der Kommunismus trat mit dem Anspruch an, die ganze Welt zu beherrschen. Doch jetzt hat er längst wieder abgewirtschaftet.

Wir geben uns supermodern und werfen alte Moralvorstellungen, alte Wirtschaftsordnungen, alte Gesellschaftsordnungen wie Familie und Ehe über Bord. Doch das Neue hat auch nicht lange Gültigkeit. Was heute gilt, ist morgen schon veraltet. Ein Computer oder ein Handy, das fünf Jahre alt ist, gehört in ein Museum. Eine Ehe, die länger als 10 Jahre dauert, wird vielleicht in schon nächster Zukunft zur Ausnahme gehören. In dem Wirbel der Veränderungen brauchen wir einen festen Halt. Was zählt denn noch? Was bleibt denn? Es ist das Wort Gottes.

Wir brauchen deshalb keine Wendehälse sein, die sich sofort einem neuen Trend anpassen. Wer ein Wendehals ist, kann kein Rückgrat haben. Was wir brauchen, sind Wendeherzen, die sich ganz Gott und seinem Wort zuwenden.

Jörg Swoboda, der Liedermacher aus der ehemaligen DDR sang schon Jahre vor der Wende: "Bleiben wird nur, wer auf Gottes Wort steht, dem sichersten Standpunkt der Welt" Prophetische Worte. Denn ein paar Jahre später brach das DDR-Regime zusammen.

Was wir brauchen, ist, dass wir uns von dem beeinflussen lassen, der uns unser Leben gab: von Gott. Sein Wort gibt uns Halt, es zeigt uns die rechten Maßstäbe für unser Tun, unser Reden und Denken. Es macht uns frei, dass wir nicht in der Masse mitschwimmen müssen sondern gibt uns auch die Kraft, dass wir das tun können, was wir als richtig erkannt haben.

Aber nun müssen wir schon genau hinschauen, was die Bibel uns sagt: Wir sollen keine neue, eben christliche Weltanschauung übernehmen. Es geht im Christsein nicht darum, dass wir uns einer neuen Gruppe, eben den Christen anschließen und deren Verhaltensweisen übernehmen. Denn dann bin ich ja auch manipuliert, wenn ich ein angepasster Christ bin, der sich nur so verhält, weil es ein Pfarrer oder ein christlicher Leiter für richtig hält, eben fromm manipuliert.

Der Apostel Paulus sagt es anders: "Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur," das heißt eine neue Schöpfung, ein neuer Mensch, "das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden." In Christus sehe ich die Welt mit anderen Augen, sehe ich sie, wie sie wirklich ist, sehe vor allen Dingen, wie Gott mich sieht, als einen Menschen, den er liebt und für den er da sein will.

In Christus sein bedeutet, in seinem Wirkungsbereich zu sein, sich ihm öffnen, seinem Geist Raum schaffen, in sein Wort hineinwachsen, durch das Beten Gemeinschaft mit ihm haben. Dann kommt Neues in unser Leben hinein. Da zieht Liebe zu Gott, zu seinem Wort, seinem Willen und zu unseren Mitmenschen ein.

Für mich ist das immer wieder ungeheuer befreiend, wenn ich darüber nachdenke, was Gott von mir verlangt. Ich muss nichts tun, ich darf etwas sein. Ich darf in Christus sein.

Wer in ferne Länder fliegen will, der muss das nicht selber tun. Er muss nicht, vielleicht noch bepackt mit vielen Koffern, sich auf ein Hochhaus stellen oder noch höher auf irgendeinen Fernsehturm, sich herabstürzen und mit den Armen das Wedeln anfangen. Ich muss nicht weiter ausführen, wie dieses Experiment enden wird. Sondern ich werde zum Flughafen fahren, meine Koffer aufgeben, mich ins Flugzeug setzen und mich in ferne Länder fliegen lassen.

Auch bei Christus darf ich das Gepäck meiner Vergangenheit abgeben, ich darf mir meine Schuld von ihm vergeben lassen, ich darf "in ihn einsteigen", das heißt mein Leben ihm anvertrauen. Wenn ich ihm alles überlasse, die Schuld, die Sorge um meine Zukunft, die Sorge darüber, was die anderen nun über mich denken, dann kann es mir leicht ums Herz werden, dann werde ich wirklich ein anderer Mensch, der das gerne tut, was Gott von ihm will. Sicher bin ich dann kein fehlerfreies Wesen. Christen sind keine perfekten Menschen. Aber sie können nach Fehlern immer wieder neu anfangen, können Gott um Vergebung bitten und darauf vertrauen, dass er ihr Leben schon noch neu macht.

Er macht dich fähig, ein Leben nach seinen Maßstäben zu führen, und das heißt schon etwas. Denn dies bedeutet ein Leben gegen manche starke Trends zu führen, gegen den Strom. Ich weiß nicht, ob jemand unter uns schon einmal versucht hat, zum Beispiel in einem Wildwasserkanal gegen den Strom zu schwimmen. Es ist sehr schwer und kostet viel Kraft. Dann müsste man eine Forelle sein, die mühelos gegen die Strömung schwimmen kann.

Die Welt, in der wir leben, ist von einer "Strömung" des Bösen durchzogen. Die meisten Menschen lassen sich wie abgestorbenes Laub von dieser Strömung treiben: Sie betrügen und hassen im Großen und Kleinen, tun, was ihnen Spaß macht, ohne sich viel dabei zu denken.

Wenn aber jemand anfängt, Jesus zu vertrauen und ihm zu folgen, dann schenkt Gott ihm neues Leben. Er wird dann fähig, gegen diese Strömung zu schwimmen -wie die Forellen. Er muss nicht mehr lügen, er kann zur Wahrheit, auch zu seinen Fehlern stehen, denn er weiß, dass Gott ihn angenommen hat und liebt. Er hat es nicht mehr nötig, sich auf Kosten anderer zu amüsieren, ihnen eins auszuwischen, nur um sich selbst aufzuwerten, denn er weiß, dass er wertvoll ist für Gott.

Um ihn herum ist noch die alte "Strömung", nichts hat sich verändert - zu hause, in der Schule und im Beruf, aber in ihm selbst ist vieles anders geworden: Er lebt mit Jesus, und damit hat ein neuer Lebensstil begonnen, über den manche sich vielleicht lustig machen, von dem andere aber angezogen und angeregt werden, selbst Jesus und das neue Leben zu suchen.

Auch du kannst sicher sein, dass du nicht alleine bleibst, wenn du mit Jesus gegen den Strom schwimmst. Es gibt viele Menschen, auch immer noch viele junge Leute, die anders sein wollen wie die Masse, weil sie etwas gefunden haben, das ihrem Leben einen Sinn gibt, den Einen, dem nachzufolgen sich lohnt: Jesus Christus.


Vielen Menschen mag der christliche Glaube wie die Zeichnung dieser Frau vorkommen: alt und unattraktiv. Aber wer "in Jesus" drin ist, der merkt, dass er den Glauben mit falschen Augen gesehen hat. Er nimmt ihn andersherum wahr, wie dieses Bild. Und siehe, eine hübsche Prinzessin kommt zum Vorschein:

Wer in Christus ist, der braucht keine Angst zu haben, "out" zu sein. Bei Jesus bist du immer "in", das heißt immer mittendrin in einem wunderbaren, faszinierenden und abwechslungsreichen Leben. Wer sich ihm zur Verfügung stellt, der wird immer neu merken, dass sein Leben eine Kette von Wundern wird, von Hilfen, Führungen und Schutz. Denn Jesus ist ihm immer ganz nahe.


Amen

© by Dieter Opitz