Sex oder Liebe?

Kreuz & Quer vom 19.01.03

Manche, so habe ich es in den letzten Tagen gehört, sind heute besonders gespannt, was ich zu diesem Thema "Sex oder Liebe?" zu sagen habe. Vielleicht ist es auch für den einen oder anderen das erste mal, daß er in einem Gottesdienst etwas über dieses Thema hört. Aber es spricht nichts dagegen, daß man offen über Liebe und Sexualität redet, zumal die Bibel das auch sehr offen tut. Man lese nur das Hohelied der Bibel im Alten Testament. Die Bibel ist nicht lust- und leibfeindlich. Nur, es ist sehr wichtig, wie man über das Thema "Sexualität und Liebe" redet. Der Ton macht die Musik.

Leider wird heute oft in einer unguten Art und Weise über Sex geredet oder geschrieben oder gesendet.

Längst hat man entdeckt, daß man mit Sex eine Menge Geld machen kann. So arbeitet man in der Werbebranche ja ganz bewußt mit sexuellen Signalen, weil man hofft, daß sich das Produkt dadurch besser verkauft. Deshalb findet sich in nahezu jeder Illustrierten ein Artikel, der irgendwie mit Sex zu tun hat. Deshalb werden wir bis zum Erbrechen über sexuelle Abartigkeiten in sogenannten Fernsehreportagen oder Gerichtssendungen informiert.

Die Pornobranche macht buchstäblich ein Schweine - Geld. In den USA wurden im Jahr 2001 10.000 Pornos gedreht. Und die Pornoindustrie machte einen Umsatz von 4 Milliarden Dollar. Hinter der sexuellen Freizügigkeit stecken also auch massive geschäftliche Interessen.

Liebe und Sex ist ein Spiel ohne Grenzen geworden. Der Ort für die Sexualität ist schon längst nicht nur das eheliche Schlafzimmer. Ganz im Gegenteil. Laut "bravo" geschieht „das erste Mal“ auf Klassenfahrten in Skihütten oder in der Bude eines Teenagers. Man ist in der Regel zwischen 15 und 17, und es soll angeblich meistens sehr schön gewesen sein, ein Gefühl, als hätte man Schmetterlinge im Bauch, was auch immer das heißen mag. Allerdings glaube ich, daß bei diesen Berichten kräftig geflunkert wird.

Auf dem Gebiet der Sexualität ist heute alles erlaubt, was gefällt. Entscheidend ist nur, ob es Spaß macht. Fragt sich nur, wie lange!

Man kann Liebe und Sex durchaus mit einem Spiel vergleichen. Aber man stelle sich ein Spiel vor, bei dem man die Spielanleitung nicht beachtet. Da kommt es früher oder später zum Chaos. Und das ist genau der Grund, warum es auf dem Gebiet der Sexualität so viel Elend und Durcheinander gibt. Jeder bastelt sich seine eigenen Spielregeln zusammen, die aber mit dem Spiel der Liebe nichts mehr zu tun haben. Es gibt in Deutschland inzwischen Millionen sexuelle Frühinvalide, die mit 20 Jahren schon keinen Mut mehr zu einer festen Beziehung haben, geschweige denn zu Ehe und Familie. Nur ein par Beispiele: Da wird ein Mädchen, das in vielen Freundschaften enttäuscht wurde, depressiv. Eine andere wird aus Liebeskummer magersüchtig. Eine dritte flüchtet sich in Drogen, weil ihre Sehnsucht nach einer dauerhaften Beziehung immer wieder enttäuscht wurde.

Immer mehr Ehen gehen kaputt und werden geschieden, weil immer mehr Menschen die Spielregeln im Zusammenleben zwischen Mann und Frau nicht mehr beachten oder vielleicht gar nicht mehr kennen.

Denn viele fragen ja tatsächlich: Gibt's denn überhaupt Spielregeln in puncto Sex und Liebe? Muß die nicht jeder selbst festlegen?

Nein. Es gibt nicht nur für Maschinen sondern erst recht für Menschen bestimmte "Betriebsanleitungen". Wenn ich mich großzügig darüber hinwegsetze, dann funktioniert etwas nicht oder es wird kaputt gemacht.

Gott als "Konstrukteur" und Erfinder" des Menschen hat nun auch in der Bibel einige klare Anweisungen zum Thema Liebe und Sex gemacht. Er hat dies nicht gemacht, um uns den Spaß zu verderben, sondern im Gegenteil, um uns Freude zu schenken.

Das erste, was zu diesem Thema zu sagen ist: Gott ist für den Sex und für die Liebe. Die Alternative, Sex oder Liebe gibt es für ihn nicht. Für ihn gehören Sex und Liebe zusammen. Sex ohne Liebe ist nur Egoismus. Und Liebe zwischen Mann und Frau ohne Sex ist in der Regel unnormal. Gott liebt das Leben und den Menschen. Sonst hätte er nicht so viel Phantasie entwickelt, um dich und mich zu schaffen. Bei ihm gibt es keine Massenproduktion. Jeder Mensch ist eine Sonderanfertigung aus Gottes Hand.

Der leidenschaftlichste Beweis seiner Liebe ist die Sendung seines Sohnes, und daß er ihn für uns sterben ließ. Der harte Weg zum Kreuz geschah aus Liebe zu dir. Jesus ließ sich festnageln für dich, für deine Lieblosigkeit, für deine Maßlosigkeit, einfach für alles, was in deinem Leben nicht recht ist.

Gott liebt dich so, wie er dich geschaffen hat, auch mit deiner krummen Nase, auch mit deinen Plattfüßen, deinen dicken Beinen und deinen Pickeln im Gesicht. Er will dich auch als Mann und Frau. Es ist verkehrt, wenn junge Mädchen ihre Entwicklung zur Frau ablehnen, ihren Körper verachten, ja hassen und jedes Gramm Fett auf den Hüften als zuviel empfinden. Eine verrückt gewordene Schlankheitskultur hat da viele Opfer gefunden. Gott liebt dich auch mit ein paar Pfund zuviel - und die meisten Menschen tun dies übrigens auch. Gott will auch, daß du die Sexualität als Teil deines Menschseins bejahst. Er will dir damit Freude bereiten.

Deshalb hat Gott auch einen Rahmen geschaffen, innerhalb dessen Liebe und Sex ihre Erfüllung finden. Dieser Rahmen ist die Ehe. Die Ehe ist keine Erfindung von sexualfeindlichen Spießern. Nein, sie ist das von Gott geschaffene verbindliche Modell für das Zusammenleben von Mann und Frau. Er will nicht Sex vor oder neben der Ehe. Deshalb sind vor Gott Sexspiele unter Jugendlichen, wechselnde Partnerbeziehungen, die Ehe vor der Ehe oder die Ehe ohne Trauschein nicht recht.

Gott hat uns diese klaren Regeln wie gesagt gegeben, um uns glücklich zu machen. Interessant ist für mich folgende Untersuchung, von der ich gelesen habe: Das glücklichste Sexualleben führten nicht die Menschen, die ihre Triebe auslebten, die auch einen kleinen Seitensprung riskierten, sondern Ehepaare, die beide an Jesus glaubten, die bis zur Ehe mit dem Sex gewartet haben und auch ihrem Partner treu blieben. Eine britische Studie unter 10.000 Frauen ergab, daß Paare ohne Trauschein weniger harmonisch miteinander umgingen, weniger treu wären und ungesunder lebten als verheiratete Paare. Wer sich nach Gottes Geboten richtet, der ist also kein Trottel, der sich allerlei entgehen läßt. Ganz im Gegenteil. Er kriegt mehr als der, der sofort alles haben will.

Die Erfüllung von Liebe und Sex sieht Gott also in der Ehe. In dieser Aussage sehen manche ein Problem. Von der Geschlechtsreife des Menschen bis zur Ehe vergehen ja in der Regel ein paar Jährchen. Und manch einer heiratet erst, wenn er nur noch ein paar Haare auf dem Kopf hat. Alles braucht eben seine Zeit. Und Gott will auch, daß du dir Zeit läßt für den Sex und für die Ehe, daß du auch das Warten lernst.

Durch Ungeduld kann man sich eine Menge verderben, gerade auf dem Gebiet des Geschlechtlichen.

Vielleicht hat es das schon gegeben:

Daß ein Kind vor einer Knospe sitzt und wartet. Die Mutter hat gesagt, daß da bald eine Blume blühen wird. Und das Kind wartet einen Tag. Dann noch einen zweiten. Schließlich wird es von der Neugierde gepackt und macht sich ans Werk. "Vielleicht wächst die Blüte schneller, wenn ich ihr ein bißchen helfe!" Dann beginnt es, die Knospe auszuwickeln. Blütenteile fallen auf die Erde. Wo aber ist die Blüte? Schließlich ist alles ausgewickelt. Aber da ist keine Blüte. Da ist nur der kahle Stengel. Und das Kind begreift langsam: Was sich selbst entwickeln muß, darf von mir nicht ausgewickelt werden.

Das aber hat es schon oft gegeben:

Daß ein junger Mann ein Mädchen kennenlernt. Und wartet. Er wartet eine kleine Zeit und noch eine zweite. Schließlich wird er von der Ungeduld gepackt und macht sich ans Werk. "Vielleicht kommt die Liebe schneller, wenn ich ein bißchen nachhelfe!" Und schon beginnt er das Mädchen auszuwickeln.

Aber Liebe braucht Zeit. Wer auswickelt, läßt sich von der Ungeduld treiben. Ungeduld aber ist ein Feind der Liebe. Wer liebt, kann warten.

Und wer nicht wartet, der liebt auch nicht, so wie jene jungen Männer, die ihre Freundin drängen, mit ihnen ins Bett zu gehen. Oft mit Erfolg. Denn 70 Prozent der Mädchen geben an, nur deshalb mit ihrem Freund geschlafen zu haben, weil er ihr gedroht habe, sie sonst zu verlassen.

Wenn du als Mädchen in so eine Lage kommst, erpreßt zu werden, kann ich dir nur raten, diesen Freund gehen zu lassen. Denn er liebt dich nicht, sondern möchte nur etwas von dir. Lieber keinen Freund als so einen.

Und was, wenn es schon passiert ist? Teste deinen Freund doch einmal, ob er dich auch noch liebt, wenn du nicht mit ihm schläfst!

Es ist kein Unglück, wenn du mit 17 noch keinen festen Freund oder auch Freundin hast. Die Jugend ist eine Zeit, wo ich eigentlich genug mit mir selber zu tun habe und solche Fragen wie "Was bin ich?" "Was kann ich?" "Welchen Beruf kann ich ergreifen?" beantworten muß. Das alles kostet Zeit und Kraft. Wieso will ich mir da die Verantwortung für eine verfrühte Freundschaft aufbürden? Sicher widerspricht das dem Trend, alles immer schneller, früher und möglichst sofort haben zu müssen. Aber ist so eine Entwicklung gut?

Nun gut, man kann in einen unreifen Apfel beißen, wenn man will. Aber besser schmeckt der Bissen, wenn man wartet, bis der Apfel reif ist.

Es braucht eben Zeit, um mit der Sexualität klar zu kommen, Ein falscher Weg, um sie zu bewältigen, ist sicher auch die Selbstbefriedigung. Sie kann zur Sucht werden und damit zu einer ständigen Einübung in den Egoismus. Manche Jugendzeitschriften versuchen einem weiszumachen, es handle sich um einen lustvollen Umgang mit dem eigenen Körper. In der Regel aber suchen Jugendliche einen Ersatz für mangelnde Lebensfreude.

Leichter durchkommen auf diesem Gebiet wird einer, der aufreizende Bilder in Zeitschriften, Internet oder Pornos nicht anschaut.

Das Lernen im Umgang mit der Sexualität und der Liebe hört natürlich nicht mit Beginn der Ehe auf. Auch da muß man sich einüben in Geduld, Rücksichtnahme und Zartgefühl. Es ist also falsch, wenn einer meint, in der Ehe ist das alles erlaubt, was vorher verboten war. Wer einen Führerschein erworben hat, kann auch nicht wie ein Verrückter durch die Gegend brausen, sondern er muß sich auch an die Verkehrsregeln halten.

All das, was Gott zum Thema Sex und Liebe zu sagen hat, in eine Predigt von 20 Minuten zu quetschen, ist natürlich unmöglich. Man könnte stundenlang darüber reden. Mehr als ein paar Trampelpfade durch den Dschungel der Liebe kann ich euch jetzt nicht zeigen. Deshalb habe ich eine Bitte an euch: Wer noch Fragen zu diesem Thema hat, der soll sie bitte stellen. Man kann mich gerne nach dem Gottesdienst deshalb ansprechen. Ich möchte auch den Jüngeren unter uns ein Buch empfehlen, das ich auch zur Vorbereitung für diese Predigt verwendet habe: "Zwischen 10 und 15" von Eberhard Mühlan.

Und noch etwas anderes, noch wichtigeres: Habt auch einmal den Mut, das auszusprechen, was euch auf diesem Gebiet belastet, was euch Not macht, wo ihr schuldig geworden seid, und wo euch vielleicht andere verletzt haben. Quält euch nicht alleine damit ab. Sondern kommt zu einem Seelsorger, der euch im Namen Jesu Christi helfen oder zumindest für euch beten und Schuld vergeben kann, Manche wagen diesen Schritt nicht, weil sie sich überlegen: Was denkt der dann von mir, wenn ich ihm das alles sage, was ich falsch gemacht habe? Die Antwort kann von meiner Seite nur lauten: Ich denke von einem solchen Menschen nur das Beste. Er wird von mir mit Hochachtung behandelt, wenn er den Mut hat, allen Müll der Seele auszupacken. Und ich kann ihm nur das zuspreche, wovon ich selber tagtäglich lebe: die Barmherzigkeit, die Vergebung und die Liebe Gottes.

Wie ist denn Jesus mit den Menschen umgegangen, die auf dem Gebiet des Sexuellen die Spielregeln Gottes mißachtet haben? Mit besonderer Liebe, mit viel Takt- und Zartgefühl. Denn es handelt sich ja um Menschen, die Liebe gesucht haben - an der falschen Stelle allerdings. Und er will ihnen zeigen, wo sie die Liebe finden können, die sie letztlich gesucht haben: bei ihm allein. Bei ihm finden wir Vergebung und Liebe ohne Grenzen. Diese Liebe kapituliert vor keinem, sondern sie wendet sich ihm zu, wenn er nur etwas von ihr wissen will. Diese Liebe hört niemals auf und gibt niemals auf. Komme immer wieder mit den Lasten deiner Schuld zu Jesus. Du darfst glauben, daß er dich nie verachtet sondern dich immer neu annimmt, dir hilft und dir auch die Kraft gibt, anders zu werden.

Jeder darf es glauben: Ich bin geliebt, geliebt von Jesus ! Nimm doch diese Liebe für dich in Anspruch! Sie ist kein Betrug, so wie menschliche Zuneigung oftmals nicht echt ist. Sie wird dich nie enttäuschen!

Wo gibt es denn das auf dieser Welt, daß ich bedingungslos angenommen werde, wer ich auch bin? In der Regel muß ich doch irgendeine Qualität vorweisen, um geliebt zu werden. Aber zu Jesus darf jeder kommen, ohne Vorbedingung. Denn er hat gesagt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Wir dürfen zu ihm kommen, und wir dürfen uns von ihm beschenken lassen mit seiner Liebe. Diese Liebe ist nicht nur ein frommes Wort, sondern sie ist spürbar erfahrbar in der Vergebung.

Jesus liebt mich, das heißt: Es gibt auf jeden Fall einen, dem bin ich etwas wert, der kümmert sich um mich. Auch wenn alles um mich herum sinnlos erscheint, auch wenn ich vielleicht niemand mehr habe, der mich liebt: Jesus bleibt bei mir.

Amen