Kreuz & Quer vom 7.7.2002 - "Alles wird neu" zu Offb. 21, 1-8

Eine Großtante ermahnt ihren neunjährigen Neffen: „Wenn du bös bist, kommst du in die Hölle. Wenn du lieb bist, kommst du in den Himmel.“ Darauf fragt der Junge: „Und wie muss ich sein, dass ich ins Kino darf?“

Natürlich muss man darüber lachen oder schmunzeln, wenn da ein Neunjähriger so unverblümt sein Interesse bekundet. In den Himmel zu kommen ist ja ganz schön und gut, aber ins Kino zu gehen, das ist mir wichtiger.

Sieht die Interessenlage bei Teenagern und Erwachsenen so viel anders aus? Bestimmt nicht. Wenn wir mal so unsere Interessen- und Wunschliste durchgehen – steht da irgendwo drauf: wichtigster Wunsch: ich will in den Himmel kommen? Wenn dieser Wunsch überhaupt bei uns vorhanden ist, wo steht er dann auf unserer Liste? Irdendwo in der Mitte oder gar am Ende? Eher suchen wir den Himmel auf Erden, ob es jetzt eine Urlaubsreise nach Bibione, Thailand oder auf die Malediven ist, ein dicker Mercedes, ein Glas Bier oder einfach die Ruhe vor den anderen. Sartre hat ja einmal gesagt. "Die Hölle, das sind die anderen."

Es gibt ein Buch mit dem Titel: „Brave Mädchen kommen in den Himmel. Böse Mädchen kommen überall hin.“ Hinter dieser flapsig-frechen Formulierung steht die Anschauung: Früher kam es darauf an, fromm und brav zu sein, um in den Himmel zu kommen. Und mit dieser Einstellung hat man die Frauen klein gehalten, damit sie nicht gegen die dominierende Männerwelt aufbegehren. Aber heute lösen wir uns von solchen überkommenen Vorstellungen wie Himmel und Hölle, wir konzentrieren uns lieber auf unser Leben jetzt hier auf dieser Erde, auf unsere Karriere, unseren Erfolg, unser Vergnügen. Wieso sollen wir uns auf einen Himmel im Jenseits vertrösten lassen, wenn wir es uns auf dieser Erde schon himmlisch schön einrichten können?

Der Teufel besucht einen Filmproduzenten in Hollywood und macht ihm ein Angebot: „Ich werde dafür sorgen, dass du der erfolgreichste Filmmagnat der Welt wirst. Du wirst der reichste Mann Amerikas sein, die größten Stars werden in deinen Filmen spielen, die besten Regisseure werden vor deiner Türe Schlange stehen, die Kinos in aller Welt werden sich um deine Filme reißen. Du musst mir dafür nur deine Seele verkaufen.“

„Abgemacht“, sagt der Filmproduzent, „aber wo ist der Haken?“

So ein Witz kann natürlich nur in unserer Zeit entstehen, in der die Hölle als keine Wirklichkeit mehr empfunden wird. Einen Himmel mag`s ja vielleicht noch geben. Das glaubt immer noch eine Mehrheit in unserem Volk. Es ist ja auch eine beruhigende Vorstellung, dass man nach dem Tod dann im Himmel landet. Aber eine Hölle? Das ist für viele unvorstellbar.

Wir haben uns ganz bequem im Diesseits eingerichtet. Und da brauchen wir gar nicht auf die Gottesleugner und Atheisten herabschauen. Auch die Kirche hat beim Trend zur Diesseitigkeit mitgemacht. Diesseitige Themen beherrschen die Predigtlandschaft. Diesseitige Höllengemälde, die es ja zweifellos gibt, werden vor Augen gestellt. Wir haben Angst vor der Hölle auf Erden, Angst vor Krieg und Umweltzerstörung, Angst vor Terroranschlägen und schlimmen Krankheiten. Aber haben wir schon einmal darüber nachgedacht, ob wir wirklich einmal einen Platz in Gottes Reich haben werden?

Auch der Horizont von Christen kann entsetzlich eng sein. Manchmal reicht er gar nicht mehr über den eigenen Bauchnabel hinaus. Interessant ist dann nur noch das eigene seelische und körperliche Wohlergehen. Was einen beunruhigt sind die unsicheren Zukunftsaussichten, aber nicht mehr die eigene Sünde. Man sehnt sich nach der Ruhe im Urlaub und der Sonne Spaniens – aber nicht mehr nach der Ruhe im Reich Gottes. Und nicht mehr nach der Sonne und dem Glanz, der dort von Jesus ausgeht. Manchen wir uns nichts vor: Der Trend zur totalen Diesseitigkeit hat auch vor den Christen nicht halt gemacht!

Aber wenn den Christen diese Zielvorgabe, die ewige Gottesstadt im Himmel, die uns in unserem Text so anschaulich beschrieben wurde, nicht mehr vor Augen ist, dann fehlt unserem Leben das Entscheidende, dann fehlt das Feuer, die Leidenschaft, die Farbe im Christsein. Dann ist unser Leben letztlich öde und leer.

Da wohnte ein Paar in einem wunderschönen neuen Haus. Es fehlte an nichts, weder an einer supermodernen Kücheneinrichtung noch an einem großzügigen Wohnzimmer. Alles nagelneu. Aber die Bewohner waren todunglücklich, denn sie hatten einander nichts mehr zu sagen, ihre Beziehung war kaputt. So ein Ehepaar habe ich einmal besucht. Jahrelang hatten sie auf ihr Traumziel, das eigene Haus, hingearbeitet. Er und sie haben gerackert und geschuftet, Überstunden gemacht, und endlich war das Haus fertig, die Familie eingezogen – und kurz darauf reichten sie die Scheidung ein, denn sie hatten einander nichts mehr zu sagen. Das schönste Haus kann einen Menschen nicht glücklich machen, wenn man das Haus in der Ewigkeit aus dem Blickwinkel verloren hat.

Der Schriftsteller Emile Zola war schon zu seinen Lebzeiten ein berühmter und gefeierter Mann. Der Kirche und dem Glauben war er völlig entfremdet. Er hasste das Christentum. Aber er war auch ein Mann ohne Hoffnung auf ein ewiges Leben. Es wundert einen nicht, dass er furchtbare Angst vor dem Sterben hatte. Er schrieb einmal: „Der Gedanke an den Tod ist schrecklich. Zuweilen springe ich des Nachts mit beiden Füßen aus dem Bett und stehe einen Augenblick in unbegreiflicher Furcht da.“ In einem Leben ohne Hoffnung auf die Ewigkeit lauert im Hintergrund immer die Angst.

Ganz anders ist es, wenn ich glaube, dass ich nach meinem Tod bei Jesus sein werde in seinem Reich, im Himmel. Es ist ja ein wunderbares Ziel, vor dem ich mich nicht fürchten muß, sondern auf das ich mich freuen darf.

Der Himmel ist ein Land von unendlicher Schönheit und Vollkommenheit, voller Licht und Farben. Johannes, der das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, geschrieben hat, hat diese Welt in einer Vision gesehen. Und er beschreibt sie mit Worten, die unsere Vorstellungskraft sprengen. Wer kann sich das schon vorstellen: eine Stadt, die 2400 km lang, breit und hoch ist? Die Mauern aus Edelsteinen, die Tore aus Perlen, die Straßen aus purem Gold? Das sind alles Bilder, die den Glanz und die wunderbare Herrlichkeit des Himmelreiches ausdrücken sollen., Bilder, die das Unsagbare aussagen wollen. Bilder für die Kostbarkeit und Freude des Himmels. Wir wollen uns durch diese Bilder nicht zu tiefsinnigen Spekulationen führen lassen. Vielmehr wollen wir uns auf eine wunderbare Zukunft freuen:

In der neuen Welt Gottes wird es keine Tränen mehr geben, denn Gott selber wird alle Tränen trocknen. Alles, was unser Leben auf der Erde schwer und bedrückend macht, ist weg. Es wird keine Kriege mehr geben, kein Sterben, kein Leid, keine Ungerechtigkeit, keinen Hunger, keine Krankheiten, keine Angst, keine Sorgen, keinen Frust, keine Enttäuschungen und unerfüllten Wünsche und Sehnsüchte. Es wird also keine Arztpraxen geben, keine Apotheken und Krankenhäuser. Auch die Waffen werden für immer schweigen. Es gibt keine Amokläufe mehr, keine explodierenden Bomben und Minenfelder. Da ist aller innerer und äußerer Hunger gestillt.

Der Grund für diese tiefe Geborgenheit und Zufriedenheit ist: dann ist die Trennung von Gott beendet, denn Gott selber wird mitten unter den Menschen wohnen. V. 3 „Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“

Dann ist Gott nicht mehr der ferne Gott, der unverständliche und unbegreifliche, sondern dann ist Gott uns ganz nahe!

Die tiefste Ursache aller Unruhe und Friedlosigkeit unseres Herzens ist die Gottesferne, in der wir so oft leben. Die ist dann zu Ende, wenn wir in Gottes neuer Welt angekommen sind.

Aber die alles entscheidende Frage ist: Werden wir einmal dort sein? Wer kommt denn überhaupt in den Himmel hinein? Kommen wirklich nur brave Mädchen in den Himmel? Wie es im Buchtitel gesagt wird und wie es Großtanten ihren neunjährigen Neffen erzählen?

Nein, es ist total anders!

Als vor ein paar Jahren Zita, die letzte Habsburger Kaiserin starb, vollzog sich auch bei ihr das alte Beerdigungszeremoniell für die Habsburger. An irgendeiner Stelle kommt es zu einem Zwiegespräch, das ungefähr folgendermaßen lautet: „Wer begehrt Einlass?“ also Einlass in die Ewigkeit. Antwort: „Zita, die Kaiserin von Österreich.“ „Die kennen wir nicht.“ Dann werden sämtliche Titel von ihr aufgezählt. Wieder die Antwort: „Die kennen wir nicht.“ Schließlich heißt es: „Es kommt Zita, eine arme Sünderin.“ „Die kennen wir!“

Einlass ins Reich Gottes finden nur Menschen, die sich selber als Sünder erkannt haben, die gemerkt haben: an mir ist nichts Gutes, ich bin um und um verkehrt. Sie sind aber darüber nicht gleichgültig hinweggegangen, sie sind darüber nicht verzweifelt, sondern haben sich von Jesus ihre Sünden vergeben lassen. Deshalb lautet die entscheidende Ewigkeitsfrage: Kennen wir Jesus?

Es war auf einem Hauptverbandsplatz im letzten Krieg. Ein Sanitäter war der bekannte Pfarrer Kemner. Rings um ihn nur sterbende Kameraden. Er kam zu einem Unteroffizier, der im Sterben lag. Kemner fragt ihn: „Sollen wir beten?“ Er bekommt zur Antwort: „Nein, ich kenne Jesus – aber die andern – geh zu ihnen!“

Es gibt nur eine Frage, die über die Ewigkeit entscheidet: „Kennst du Jesus?“

Es spielt keine Rolle, ob ich mir das Jenseits in allen Einzelheiten richtig vorstellen kann. Entscheidend ist die Gewissheit: Ich habe Vergebung meiner Sünden durch Jesus Christus! So fängt das Christentum an, dass ich glaube: um Jesu willen bin ich Gottes geliebtes Kind! Wie gesagt, so fängt es an, so fängt ein Weg an, wir dürfen uns auf den Weg machen in Gottes neue Welt!

Und das ist doch ganz klar: wo alles licht und schön und hellglänzend ist, da passt nichts Finsteres hinein. Ein schönes neues Haus wird ja normalerweise auch nicht mit Pappkartons oder Gegenständen vom Sperrmüll eingerichtet, sondern wer sich ein schönes Haus bauen kann, der kauft sich auch schöne Möbel dazu. Genauso ist es auch im Reich Gottes: Es passen nur Menschen hinein, die frei von der Sünde und Gott von ganzem Herzen gehorsam geworden sind.

Wir können nicht denken: Hauptsache, ich glaube an Jesus, alles andere ist egal. Das hieße am Anfang des Glaubensweges stehen bleiben. Jesus nimmt uns so an, wie wir sind, aber er will uns nicht so bleiben lassen, wie wir sind, er will uns verändern. Die Betonung liegt dabei auf ER.

Wir selber können uns nicht von unseren unguten Eigenschaften, von Gewohnheitssünden und Charakterschwächen befreien. Aber Jesus kann! Er verspricht es uns in der wunderbaren Verheißung in V.5: „Siehe, ich mache alles neu!“ und gleich danach steht als Bestätigung: „Diese Worte sind wahrhaftig und gewiss.“ Deshalb haben wir nicht das Recht, an dieser Verheißung zu zweifeln, sondern wir können uns absolut auf diese Zusage verlassen!

Jeder Christ erlebt auf dem Weg ans Ziel viele Niederlagen, macht Fehler und versagt. Aber gerade dann, wenn wir wieder einmal von uns enttäuscht sind, gerade dann sollen und dürfen wir erst recht glauben: Und trotzdem macht er alles neu in meinem Leben!

Mehr verlangt Jesus nicht von uns als dies, dass wir nicht lockerlassen im Vertrauen auf seine Liebe und seine verändernde Kraft. Dass wir es täglich neu glauben und dafür danken: „Siehe, ich mache alles neu!“

Alles neu, was für ein mutmachendes Wort! Gott macht neu. Er macht alles neu. Der Gott, der am Ende aller Zeiten Himmel und Erde erneuern wird, der wird auch dich verändern können. Und wird jetzt schon damit anfangen, wenn du ihm vertraust. Jetzt schon will er deine inneren Verletzungen heilen, dich trösten, dir vergeben, dir Mut geben, um ein Dasein zu bestehen, und auch die nötige Liebe für deine Mitmenschen. In all dem sind Jesu erneuernde Kräfte am Werk. Laß sie doch an dir wirken! Bitte ihn, daß er auch bei dir alles neu macht, und danke ihm, daß er es auch ganz bestimmt tut.

Er hat schon viele Menschen verändert: Aus Feiglingen wurden Mutige, aus Mördern Missionare, aus Traurigen fröhliche Menschen, aus Zweiflern Gläubige, aus Habgierigen Freigebige, aus kalten Egoisten liebevolle Menschen.

Vielleicht gibt es in deinem Leben einen Punkt, unter dem du besonders leidest, irgendeine Charaktereigenschaft, irgendein Wesenszug von dir. Glaub mir: Gerade aus diesem dunkelsten Punkt deines Lebens kann Jesus gerade das Hellste und Wunderbarste bei dir machen. Warum? Wo du in deinen eigenen Augen ein Nichts bist, kann er bei dir alles werden, wenn du es ihm nur zutraust!



Amen