Kreuz&Quer-Gottesdienst vom 28.2.2002 (Gründonnerstag)
über Markus 14, 32-36; Pfarrer Dieter Opitz

Liebe Gemeinde!

Ein Schlachtschiff ist unterwegs auf Manöver bei schwerem Seegang. Die Sicht ist schlecht. Da entdeckt man direkt vor dem Schiff Positionslichter. Der Kapitän rief den Signalmann an: "Signalisieren Sie dem Schiff: Wir sind auf Kollisonskurs, rate Ihnen, Kurs um zwanzig Grad zu ändern." Kam das Signal zurück: "Ratsam für Sie, Kurs um zwanzig Grad zu ändern." Der Kapitän: "Signalisieren Sie: Ich bin Kapitän, ändern Sie den Kurs um zwanzig Grad." "Ich bin einfacher Seemann", kam die Antwort. "Besser für Sie, Kurs um zwanzig Grad zu ändern." Jetzt war der Kapitän wütend geworden. Er schnaubte: "Signalisieren Sie: Ich bin ein Schlachtschiff. Ändern Sie den Kurs um zwanzig Grad."

Nun kam folgendes Lichtsignal: "Ich bin ein Leuchtturm."

Das Schiff änderte nun natürlich den Kurs. Witzige Geschichte, die eine traurige Wahrheit wiedergibt. Wieviel Gespräche haben wir geführt, die so ähnlich abliefen: "Ich habe recht! Der andre soll gefälligst nachgeben! Schließlich bin doch viel älter, schlauer, meine Meinung ist die richtige, und der andere hat unrecht!" - "Mein Wille geschehe!" Es ist gut so, wenn wir wie der Kapitän in der Geschichte rechtzeitig merken, daß wir buchstäblich auf dem "falschen Dampfer" sind, daß wir auch einmal nachgeben müssen, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Unser Wille ist eben nicht immer der beste. Natürlich hat auch nicht der andre immer recht, mit dem wir gerade im Clinch liegen. Es gibt nur einen, der immer recht hat, dessen Wille immer der beste ist. Das ist Gott. Deshalb ist eine Bitte aus dem Vaterunser für ein gelungenes Leben sehr wichtig: Dein Wille geschehe! Diese Bitte stammt von Jesus. Er selbst hat sie einmal in einer sehr harten Situation seines Lebens gesprochen. Jesus ist mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane. Er weiß. Die Soldaten, die ihn verhaften, foltern und schließlich hinrichten werden, sind bereits unterwegs. Was soll er tun? Die Gelegenheit zur Flucht nutzen? Oder bleiben? Jesus betet: "Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst!" (Markus 14,36) Ich nehme an, wir wissen, wie die Geschichte weitergegangen ist. Jesus ist verhaftet und am nächsten Tag gekreuzigt worden. Es war der Wille Gottes, daß sein Sohn stirbt. Das klingt auf unsere modernen Ohren ziemlich schockierend und scheint alle Vorurteile zu bestätigen, die Menschen gegen das christliche Gottesbild haben: Dieser Gott meint es nicht gut mit uns. Er will uns nur unglücklich machen und das Leben vermiesen. Wir wollen keinen Gott, der uns weh tut. Wir wollen unseren Spaß haben.

Sicher, ein Leben, das sich nicht nach dem Wille Gottes richtet, kann eine Menge Spaß bereiten. Denken wir an den König David. Eines Tages entdeckt er von seinem Palast aus eine wunderschöne Frau. Sie war mit einem anderen verheiratet. Trotzdem bittet er sie zu sich und verbringt die Nacht mit ihr. Es hat ihm sicher Spaß gemacht, die Ehe zu brechen. Aber die Folgen waren verheerend. David wird zum Mörder, um die Folgen seines Ehebruches zu vertuschen. Der Mann seiner Geliebten muß sterben, damit er sie heiraten kann.

Der Prophet Natan sagt dem König die Wahrheit. David machten diese Worte, die er sich anhören mußte, bestimmt keinen Spaß. Doch er gibt Natan recht, er gibt sich schuldig, er bekommt Vergebung, darf neu anfangen und will nun auch wieder das tun, was Gott gefällt. David merkt: Der Wille Gottes ist doch der beste.

Jesus hätte seinen Kopf noch aus der Schlinge ziehen können. Er hätte sich vielleicht noch einen Spaß daraus machen können, seine Verfolger an der Nase herumzuführen. Wenn er gewollt hätte, hätte er nicht so jung sterben müssen. Er wäre alt geworden und in einem Bett gestorben. Doch er wollte nicht. Denn dann hätte sein Leben keinen Sinn gehabt. Er hätte am Willen Gottes vorbeigelebt. Es gäbe dann keinen Heiland, keinen Retter, der am Kreuz für die Sünden der Menschen gestorben wäre. Es gäbe dann auch keinen Auferstandenen, zu dem wir beten können und der uns beistehen kann. Lieber sterben als nicht den Willen Gottes tun, so dachte Jesus. Wir sind nicht Jesus. Gott verlangt von uns nicht, für die Sünden anderer zu sterben. Dazu sind wir nicht geschaffen. Aber wir sind wie er dazu da, um nach dem Willen Gottes zu leben, - auch wenn es uns nicht paßt. Wir können auch anders. Gott zwingt ja niemanden so zu leben, wie er es sich für uns gedacht hat. Wir können auch das tun, was uns gefällt. So ein Leben kann uns eine Menge Spaß bereiten. Aber war ein sinnloses Leben. Denn es hat sich nur um uns gedreht. Es war ein egoistisches Leben, das sich nur um uns gedreht hat, um unsere Triebe und Leidenschaften, um unseren Ehrgeiz und unser Erfolgsdenken. In diesem Leben fehlt das Entscheidende. Das ist Gott.

So ein Leben befriedigt uns auf die Dauer auch nicht. Wenn ich immer nur meinen Spaß haben will, dann ödet mich das irgendwann einmal an. Ich mag mir selber noch so ehrgeizige Ziele setzen und sie vielleicht auch erreichen. Aber selbst das wird mich nicht ausfüllen. Ich brauche immer mehr, immer mehr Spaß, Erfolg, Ruhm. Mit anderen Worten gesprochen: Das Drehen um das eigene Ich wird immer schneller, immer rasender - und immer unbefriedigter.

Der spätere Kirchenvater Augustin lebte lange Zeit so. Er genoß das Leben, war ein Playboy und machte auch Karriere. Aber je länger, je mehr, ödete ihn dieses Leben an. Er wurde Christ und fand den Frieden, den er suchte. In seiner Autobiographie schrieb er deshalb den Satz: "Unser Herz ist unruhig, bis es Ruhe findet in dir, o Herr."

Wie lebst du eigentlich? Lebst du nach der Devise: "Was bringt mir ein Leben mit Gott? Ohne ihn lebt's sich doch viel bequemer."? Du denkst vielleicht: "Zu denen gehöre ich nicht. Sonst wäre ich ja nicht hier." Aber prüfe dich einmal, wie dein Leben in Wirklichkeit aussieht. Steht da wirklich Gott im Mittelpunkt oder doch das eigene Ich? Welchen Stellenwert hat für dich z. B. Gottes Wort? Liest du überhaupt in der Bibel? Liest du regelmäßig? Wie wichtig ist für dich der Gottesdienst? Kommst du, wenn du Lust und Zeit hast, wenn du gerade nichts anderes vor hast und ansonsten planst du dein Wochenende, wie du es für richtig hältst? Setzt du auch das, was du in der Bibel gelesen und im Gottesdienst gehört hast, in dein Leben um? Oder handelst du nach dem Motto: In mein Privatleben lasse ich mir von niemanden hereinreden? Wenn du z. B. eine Urlaubsreise vorhast oder eine berufliche Entscheidung ansteht oder eine Freundschaft schließt oder in der Freizeit etwas vorhast: Machst du dann das, was du für richtig hältst oder betest du auch einmal um Klarheit, was Gott eigentlich will? Wer seine Entscheidungen ohne Gott trifft, der lebt auch so, wie er es selbst für richtig hält. Der lebt auch ohne Gott.

Und wie geht das nun: ein Leben mit Gott führen? Es funktioniert nur, wenn du ihn so kennenlernst, wie er wirklich ist. Viele stellen sich, vielleicht unbewußt, Gott falsch vor. Sie meinen, Gott gönnt einem nichts. Und wenn ich ihm gehorche, dann muß ich nur lauter Dinge tun, die mir nicht gefallen. Ja, eigentlich steckt dieses Mißtrauen Gott gegenüber ganz tief in jedem Herzen drin. Doch diese negative Einstellung zu ihm ist nicht gerechtfertigt. Denn Gott ist ganz anders. Er hat im Gegenteil kein größeres Interesse daran, als dir eine Freude zu bereiten. Dazu hat er ja diese Welt geschaffen. Er will, daß du dich an all den guten Gaben seiner Schöpfung erfreust, daß du auch deine Gaben und Fähigkeiten, die er dir gegeben hat, einsetzt. Um dir Freude zu bereiten, hat er auch Jesus in diese Welt geschickt. Er ist für dich ans Kreuz gegangen, damit deine Schuld dir vergeben werden kann und damit du wieder in Verbindung mit Gott und seiner Liebe treten kannst. Dieser Gott, der so etwas für dich getan hat, kann es nur gut mit dir meinen. Aus eine ungeheuren Liebe heraus will er für dich nur dein Bestes.

Und das Beste, was du tun kannst, ist nun ein Leben mit diesem Gott zu führen. Heute in diesem Gottesdienst ist eine gute Gelegenheit dafür, dies neu oder zum ersten Mal zu tun. Bei der Beichte kannst du ihm deine Schuld bekennen und dann die Vergebung glauben. Beim Abendmahl kommt er mit seiner Liebe zu dir. Du brauchst sie nur herunterschlucken, dich von ihr beschenken zu lassen.

Mit so einem Gott, der dich mit seiner Vergebung, seiner Hilfe, seinem Trost, seiner Kraft und schließlich auch mit dem ewigen Leben beschenkt, lohnt es sich zu leben. Der meint es gut mit dir, und dessen Wille ist der beste für dich. Das muß nicht immer das sein, was wir wollen: Denn wir denken in der Regel kurzsichtig. Wir wünschen uns etwas und wollen es dann unbedingt, ohne zu bedenken, was für Folgen unsere Wünsche haben. Oft wissen wir es auch nicht, weil wir nicht in die Zukunft blicken können. Aber Gott hat den Weitblick. Er weiß, was gut für uns ist, auch wenn wir vom Gegenteil überzeugt sind. Deshalb kann uns Gottes Wille manchmal hart und unverständlich vorkommen. Wir wissen ja nicht, welche wunderbaren Pläne für uns Gott in der Zukunft noch hat.

Auch Jesus erschien sein Schicksal hart. Er hätte sich lieber ein anderes gewünscht. Trotzdem vertraut er. Er möchte, daß der Wille Gottes in seinem Leben geschieht. Diese Entscheidung gab ihm wieder neue Kraft und Zuversicht.

Eine Frau wie Hedwig von Redern vertraute auch Gott in schweren Zeiten ihres Lebens und dichtete das Lied, das heute noch viele Menschen tröstet: "Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl. Das macht die Seele still und friedevoll."

Wir beten oft so: "Herr, gibt mir dies, gib mir das. Mach es so. Hilf mir..." Wir wünschen uns gute Noten, eine gute Arbeitsstelle, einen Freund oder eine Frau, Gesundheit oder ein neues Auto. Und dann wundern wir uns, wenn Gott einmal unsere Gebete nicht erhört. Sicher dürfen wir um all diese Dinge beten. Selbst Jesus betet ja: "Nimm diesen Kelch von mir!" Er bittet seinen Vater, ihm das Kreuz zu ersparen. Jesus betet auch um die Veränderung seiner Situation, der Verhältnisse. Aber Jesu Gebet hat einen entscheidenden Nachsatz: "Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!" Das ist der entscheidende Punkt: Er schreibt Gott nicht nichts vor. Er will Gott gehorsam sein. Häufig wollen wir, daß Gott unsere Situation verändert. Gott will aber in erster Linie, daß sich unser Herz verändert. Machen wir es doch wie Jesus: "Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!" Gott will das Beste für dich. Und du kannst auch seinen Willen erkennen. Ganz allgemein gesprochen kann ich seinen Willen der Bibel entnehmen. Ich denke da an die zehn Gebote. Was ihnen widerspricht, kann nicht der Wille Gottes sein. In ganz bestimmten Situationen kannst du Gott bitten, daß er dir seinen Willen zeigt. Wie er dies tut, kann ganz verschieden sein. Manch einem ist durch eine Predigt klar geworden, was er zu tun und was er zu lassen hat. Ein anderer liest in der Bibel, und ein Wort, das er dort liest, spricht direkt zu ihm. Einen dritten spricht Gott direkt in seinen Gedanken an. Da wird zum Beispiel einem jungen Mann klar, daß er eine alte Frau besuchen soll. Es ist wie eine innerer zwang. Und gehorcht auch. Er geht zu der Frau und es kommt zu einem guten Gespräch mit ihr. Da stellt sich heraus, daß die Frau darum gebetet hatte, daß Gott ihr einen Menschen schickt, der sie trösten kann.

Für viele ist hilfreich, wenn sie erfahrene Christen um Rat fragen, wenn sie selber nicht wissen, was der Wille Gottes ist. Und manchmal kann ich einfach nur das tun, was mir vernünftig erscheint und darauf vertrauen, daß Gott falsche Wege verhindert.

Wer gar nicht bereit ist, Gott zu gehorchen, dem wird Gott auch nicht zeigen, was er zu tun und zu lassen hat. Wer aber nur den Willen Gottes tun möchte, der wird nicht ohne Antwort bleiben. Vertraue ihm nur, daß er dich durch dieses Leben gut führt. Und habe keine Angst, daß er dir etwas zumutet, was du nicht aushältst. Er kennt dich doch. Und er weiß ganz genau, viel besser als du, was du ertragen kannst und was nicht. Er wird dich wunderbar führen und wirst ihm einmal dafür danken, daß sein Wille in deinem Leben geschehen ist.

Amen