Kreuz und Quer-Gottesdienst vom 24.02.2002
Thema: No risk - no life!

Hebräer, 11,1.8-10


Was für ein Typ bist du? Bist du eher ein vorsichtiger Typ, der kein unnötiges Risiko eingeht, der sich lieber alles ein paar Mal überlegt, bevor er handelt? Dann hättest du es sicher auch so wie die Holländerin Monique Koning gemacht. Vor ein paar Wochen gewann sie in einer Radioshow eine kleine tropische Insel in der Karibik. Sie verzichtete auf ihren Hauptgewinn. Das finanzielle Risiko erschien ihr zu groß. Die einsame Insel war zwar wunderschön aber man hätte einiges investieren müssen, um auf ihr wohnen zu können.

Oder bist du ein Typ, der kein Risiko scheut, der am liebsten mit dem Motorrad durch die Gegend braust und beim Skifahren die steilsten Hänge herunterbrettert? Dann hättest du es wohl auch wie Christoph Kolumbus gemacht, der aufs unbekannte Meer hinausgesegelt ist - und dabei Amerika entdeckt hat. Oder du wärest wohl auch wie Johann Suter im Jahre 1839 von der Schweiz nach Kalifornien ausgewandert. In wenigen Jahren wird er der reichste Mann der Welt, milliardenschwer. Doch in den Wirren des Goldrausches verliert er alles wieder. Und er stirbt bettelarm.

Tja, so ist es eben. Wer etwas riskiert, kann alles gewinnen, so wie Christoph Kolumbus, oder alles verlieren, wie Johann Suter. Es steckt eben in beiden Sprichwörtern Lebenserfahrung: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Und "Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach."

In dem Text, den ich eben vorgelesen habe, haben wir etwas von einem Mann gehört, der auch enorm viel riskiert hatte. Er verläßt seine Heimat, um ein neues, unbekanntes Land in Besitz zu nehmen. Es ist nicht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die ihn von zu hause wegtreibt. Viele Rußlanddeutsche verlassen ja aus diesem Grund ihre alte Heimat. Sie hoffen, daß es ihnen in Deutschland besser geht als in Kasachstan oder Sibirien.

Bei Abraham war das anders. Er hatte es in seinem Leben ja schon zu etwas gebracht. Abraham war reich. Er besaß große Viehherden. In seiner Heimat war er fest verwurzelt. Abraham ließ seine gesamte Verwandtschaft zurück, als er auswanderte. In seinem Alter unternahm man normalerweise keine strapaziösen und gefährlichen Reisen wie er. Abraham war schließlich schon 75 Jahre alt, als er noch einmal seinen Wohnort wechselte. Er war also nicht jung und unternehmungslustig.

Was war mit Abraham nur los? War es eine verspätete Midlifecrisis, die ihn ausflippen ließ? Nein! Es ist Gott, der in das Leben des Abraham hereinbricht und ihn dazu bewegt, von zu hause aufzubrechen. Gott spricht zu ihm, dem alten, reichen Patriarchen: "Geh fort aus deinem Land, verlaß deine Heimat und deine Verwandtschaft, und zieh in das Land, das ich dir zeigen werde!" Abraham hört eine Stimme - in all dem Stimmengewirr um in herum - und weiß genau: Diese Stimme meint mich, redet mich an. Es ist die Stimme Gottes.

Die Götter der Weltreligionen sind stumme Götzen. Es sind Spiegelbilder unserer eigenen Wünsche und Ängste. Der Gott der Bibel dagegen redet. Die häufigste Formulierung der Bibel lautet. "Und Gott sprach..." Gott redet wirklich. Immer wieder haben Menschen das Reden Gottes gehört, als sie in der Bibel lasen oder in einem Gottesdienst merkten. Jetzt spricht Gott zu mir.

Mit jedem von uns hier will Gott reden. Er will uns mitteilen, was er mit uns vorhat. Er will uns sagen, wo er uns helfen, führen oder korrigieren will.

Der Glaube fängt damit an, daß ich zuerst einmal die Stimme Gottes höre. Und mit dem Glauben fängt erst so richtig das Leben an. Denn ohne Gott zu leben ist kein richtiges Leben. Denken wir an Abraham. Von seinen ersten 75 Jahren berichtet uns die Bibel nichts. Dieser Mann wird erst dann erwähnenswert, als Gott in sein Leben hineintritt.

Ich denke auch an einen Mann wie Lew Wallace. Er hielt den christlichen Glauben für eine Lüge und wollte ein Buch schreiben, um das Christentum zu widerlegen. Dazu wollte er sich intensiv mit den Grundlagen des christlichen Glaubens beschäftigen, mit der Bibel. Er wollte Material gegen Gott sammeln. Doch beim Lesen dieses Buches wurden seine ganzen Vorurteile über den Haufen geworfen. Er merkte: In der Bibel spricht ihn Gott selber an und er wurde Christ.

Was sollte nun mit dem gesammelten Material geschehen? Sein Frau riet ihm, ein ganz neues Buch zu schreiben, in dem er Jesus als den Retter der ganzen Welt darstellte. So machte sich Wallace an die Arbeit und schrieb ein ganz neues Buch. Es erhielt den Titel "Ben Hur" und wurde weltberühmt und später auch verfilmt.

Dieses Reden Gottes muß jeder von uns erfahren. Denn wenn wir ihn nicht hören, haben wir keine Verbindung mit ihm. Dann sind wir gar keine Christen. Wir bleiben allen möglichen anderen Stimmen von Menschen, Medien und aus unserem eigenen Ich ausgeliefert.

Wenn du diese Stimme Gottes hörst, wie heute in diesem Gottesdienst und in dieser Predigt, dann mußt du dich entscheiden. Hörst du auf sie, oder gehorchst du ihr nicht.

Diese Entscheidung hat dann auch Folgen. Wer die Stimme überhört oder nicht auf sie hört, bei dem bleibt alles beim Alten. Aber er verpaßt ein Leben mit Gott. Aber wenn er dieser Stimme gehorcht, dann verändert sich sein leben. Es kommt vielleicht ganz durcheinander aber in die richtige Richtung. Es kommt Segen in ein Leben hinein wie bei Abraham. Er wagt es, den entscheidenden Schritt aus seiner Heimat in ein unbekanntes Land zu tun.

Wir können von diesem Abraham lernen, was Glaube bedeutet. Er ist keine fromme Weltanschauung. Er bedeutet auch nicht oder nicht nur, daß man irgendwelche Bibelsprüche oder christliche Lehrsätze im Kopf hat.

Sondern Glaube vertraut dem lebendigen Gott und rechnet mit seinem Eingreifen. Wer glaubt, wagt immer etwas. Er ist bereit, etwas Altes aufzugeben und etwas Neues zu riskieren. Der Glaubende ist eigentlich immer im Aufbruch. Glaube ist nichts für Spießer, die alles gesichert haben wollen. Wer glaubt, läßt alte Denkgewohnheiten zurück und alte Vorurteile und Zweifel. Er findet sich auch nicht mit seinem egoistischen Ich ab, mit seinen Sünden. Sondern er ist bereit, sich von Gott in ein neues Leben führen zu lassen. Er hört auf Gott und seine Stimme, die ihm verspricht: "Siehe, ich mache alles neu!"

Bei vielen Dingen, die ich lernen will, muß ich auch etwas wagen. Fahrradfahren lerne ich nur dann, wenn ich auch einmal beide Füße auf die Pedale stelle und mich nicht mehr mit einem Fuß am Boden abstütze. Oder beim Schwimmen darf ich mich nicht bloß ängstlich am Beckenrand festklammern sondern ich muß mich einmal der Tragkraft des Wassers anvertrauen.

Zu dem englischen Prediger Spurgeon kam einmal ein Mann. Der klagte: "Ich kann nicht richtig glauben!" Spurgeon stellte einen Jungen, der in seinem Garten spielte, auf eine ziemlich hohe Steinsäule und forderte ihn auf: "Spring herab, mir in die Arme!" Der Junge traute sich nicht, sondern rutschte langsam herunter, wobei er ziemlich zerschunden unten ankam. Dann nahm Spurgeon eine zweiten Jungen und machte es ebenso. Dieser sprang ohne zu zögern herunter - in die Arme des Predigers. "Haben Sie den Unterschied gesehen?" fragte er darauf den Besucher. "Der erste Junge war ein fremdes Kind, der zweite aber mein eigener Sohn.!"

Weil der Junge seinen Vater kannte und ihm vertraute, sprang er in seine Arme. Und genauso dürfen wir es doch mit Gott machen. Wir können ihm völlig vertrauen, ihm kompromißlos gehorsam sein. Wir können ihm gewissermaßen in die Arme springen. Was soll uns dabei denn Schlimmes passieren? Er ist doch zu uns wie ein Vater, der uns gewiß nicht fallen läßt. Wer Gott vertraut, braucht keine Angst zu haben, daß er ihm dann nichts mehr gönnt, daß er einem alles verbietet, was einem Freude macht und wir nur noch das tun dürfen, was uns nicht gefällt. Manche stellen sich ja Gott so vor. Aber Gott ist doch kein Tyrann sondern ein liebender Vater.

Welcher vernünftige Vater würde denn sein Kind quälen und ihm alles verbieten, woran es Freude hat, wenn es ihm vertraut und gehorcht. Er würde ihm doch im Gegenteil alles Gute tun. Genauso auch Gott. Sicher wird er nicht immer alles tun, was uns gefällt. Aber er wird uns nie im Stich lassen und uns wunderbare Wege wie den Abraham führen. Wer das Risiko scheut, sich nur auf das Wort Gottes und seine Führung zu verlassen, muß in seinem alten, kleinkarierten, christlich gefärbten, aber verlorenen Leben bleiben.

Abraham machte sich also auf den Weg in ein unbekanntes Land. Es war nicht immer einfach für ihn. Gott versprach ihm einen Sohn. Aber Abraham blieb zunächst kinderlos. Gott versprach ihm Land, das er in Besitz nehmen durfte. Aber er wohnte in Israel in Zelten als Fremdling.

Im Leben eines Glaubenden sieht es oft so chaotisch wie auf einer Großbaustelle aus: Riesenkräne, hundert Leute, Berge von Material, ungezählte Maschinen, Halden voller Abfall, Gerüste, Container, riesige Erdlöcher, halbfertige Mauern, unbeschreiblicher Lärm, Fahrzeuge, die anfahren und abfahren, Staubwolken bei Trockenheit, Schlammwege nach Regenfällen. Dem Betrachter bietet sich ein Bild der scheinbar sinnlosen Unordnung und des verworrenen Durcheinanders.

Aber im Büro der Bauleitung liegen die Pläne für das Bauvorhaben auf dem Tisch. Sie sind klar und präzise, sinnvoll und eindeutig. Nach ihnen wird gebaut. Und was so verwirrend und unordentlich scheint, sind planmäßige und gezielte, sinnvolle und richtige Ausführungen.

Manche Tage eines Glaubenden gleichen so einer Baustelle. Da erscheint manches ungeordnet und chaotisch. Doch dann darf er an die Bauleitung denken. Dort ist Gott planmäßig und zielbewußt am Werk. Ganz in Ruhe ordnet er an und läßt seinen Willen ausführen. Und so nimmt das Leben Gestalt an. Das Durcheinander von Ereignissen und Erlebnissen, verwirrenden Eindrücken und Gefühlen täuschen. In Gottes Baubüro ist alles klar und ordentlich, sinnvoll und richtig. Warten wir es ab und vertrauen ihm, so wie Abraham.

Abraham war kein perfekter Heiliger. Er hatte viel Fehler wie wir auch. Aber er glaubte, er vertraute Gott und seinen Zusagen. Und das gefiel Gott an ihm. Schließlich belohnt er Abrahams Glauben. Er bekam einen Sohn, auf den er so lange warten mußte. Seine Nachkommen durften das Land in Besitz nehmen, das Gott versprochen hatte.

Gott lügt nicht, wenn er spricht. Auf ihn und seine Zusagen können wir uns absolut verlassen.

Ein alter Seemann erzählt: "Als junger Matrose hatte ich Angst, wenn ich Sternschnuppen sah. Ich dachte: Wenn einer von den Sternen runterfällt, die auf meiner Karte sind, was dann? Nun bin ich über 20 Jahre zur See gefahren. Auf allen Meeren habe ich Sternschnuppen fallen sehen. Noch nie ist aber ein Stern gefallen, der auf der Karte steht. Das, wonach wir steuern müssen, hält und steht fest."

So sind auch die Versprechen Gottes. Sie sind keine Sternschnuppen. Sondern sie sind Sterne, nach denen wir unser Leben ausrichten können. Wenn du das tust, fährst du immer gut im Leben. Ich möchte dir deshalb einen guten Ratschlag geben: Wag' es Gott zu vertrauen, absolut zu vertrauen. Du wirst es nicht bereuen. Thomas Morus sagte einmal: "Es gibt ein Argument, das man allen Spitzfindigkeiten der Glaubenslosen entgegenhalten kann. Noch niemand hat je auf dem Sterbebett bereut, ein Christ zu sein." Ich persönlich bin fest davon überzeugt, daß sie im Gegenteil nach dem Tod sich zutiefst freuen werden. Denn dann werden sie das sehen, was Gottes Wort ihnen versprochen hat: Gottes Reich. An verschiedenen Stellen der Bibel und auch hier in unserem Text wird es mit einer Stadt verglichen. Gott wohnt in ihr und alle, die ein Leben lang ihm vertraut haben. Eine schönere Zukunft kann ich mir nicht vorstellen. Einmal mit Gott zusammen zu sein und mit den vielen Menschen, die an Jesus geglaubt haben. Ich stelle mir das sehr aufregend vor!

Wer glaubt, weiß, wohin er geht. Auf die ewige Stadt Gottes zu. Dort brauche ich keine bessere Zukunft mehr erhoffen. Dort ist Gottes Zukunft für mich verwirklicht.

Amen



(C) Dieter Opitz, Bayreuth