Predigt über 2. Petrus 1, 16-21
Bayreuth, den 20.1.02

Liebe Gemeinde!

In den Tagen und Wochen nach dem 11. September wurde die westliche Welt tief erschüttert. Auch die Welt des Internets. Vorher war der meistgesuchteste Begriff "Sex". In den Tagen nach dem Attentat war es der Begriff "Nostradamus". Die Bibel rangierte nur auf Platz 23, hinter der Schauspielerin Pamela Anderson und vor den Pokemons. Traurig aber wahr: Auch in Krisenzeiten wollen die meisten Menschen nichts von der Bibel wissen. Viel mehr interessiert es sie, ob nicht der Wahrsager Nostradamus in seinen vieldeutigen Prophezeiungen etwas über die Katastrophe des 11. September vorhergesagt hat.

Dabei gibt es kein Buch, das uns mehr Hilfe, mehr Orientierung, mehr Klarheit über unser Leben und unsere Welt geben kann wie die Bibel. Durch die Bibel entdecken wir eine neue Welt. Diese Welt ist interessant, ja aufregend und vor allen Dingen wahr. Ohne an die Wahrheiten der Bibel zu glauben ist ein Leben grau und leer. Aber mit ihm ist es bunt und voller Farbe. Es wird erst so richtig schön.

Doch viele Menschen denken wie die Bewohner des 1000 Farbenlandes, von dem uns eine Geschichte erzählt. Dieses Land ist wunderschön. Es funkelt in den schönsten Farben. Doch die Leute haben eine Sonnenbrille auf und sind durch nichts zu bewegen, sie abzunehmen. Es wäre so leicht für sie, die Welt der Farben zu entdecken. Aber sie glauben nicht, daß hinter dem Grau ihrer Sonnenbrille es ein saftiges Grün, oder ein tiefes Blau oder ein leuchtendes Rot gibt. Sie sehnen sich zwar nach Farbe, aber sie sind in ihren Vorurteilen gefangen. Es kann doch nicht so einfach sein, daß man nur die Sonnenbrille abnimmt und dann sieht man Farben!

Ähnlich denken ja viel Menschen über die Bibel: Es kann doch einfach nicht wahr sein, was in der Bibel steht! Das ist doch viel zu primitiv, so etwas anzunehmen! Wir sind doch moderne, aufgeklärte, naturwissenschaftlich gebildete Menschen! Lieber glaubt man an Nostradamus, an Astrologie oder an das Pendel oder an anderen Unfug. Aber mit der Bibel ist man fertig, vor allen Dingen mit ihren Wunderberichten. Man liest es im "Stern" oder im "Spiegel", hört es zum Teil auch aus dem Mund von Religionslehrern oder Pfarrern: Jesus kann doch nicht Gottes Sohn gewesen sein und natürlich erst recht nicht von der Jungfrau Maria geboren. Das kann doch nur ein Mythos sein. Und bei den Wunderberichten haben die Apostel ganz gewiß kräftig übertrieben. Und überhaupt ist die Bibel ein wenig vertrauenswürdiges Bündel von seltsamen Texten.

Petrus, dessen Worte ich eben vorgelesen habe, redet aber ganz anders. Deutlich sagt er: "Wir haben euch keine schönen Märchen erzählt". Das, was die Bibel über Jesus berichtet, sind keine ausgedachten Geschichten. Sie sind Tatsachen. Warum sich Petrus seiner Sache nur so sicher? Ganz einfach: Er war ja bei all den Wundern dabei, die Jesus getan hatte. Er hat mit seinen eigenen Augen gesehen, wie Jesus Kranke geheilt, Tote hat auferstehen lassen, wie er als Auferstandener nach der Kreuzigung sich den Jüngern gezeigt hat. Petrus war ein Augenzeuge.

Wenn ich diese Worte, die ich eben vorgelesen habe, ernst nehme bleiben mir nur zwei Möglichkeiten: Entweder halte ich den Schreiber für einen Betrüger oder aber ich nehme seine Aussagen für bare Münze.

Natürlich kann jetzt einer auch sagen: Der Petrus kann leicht voller Überzeugung schreiben. Er hat mit seinen eigenen Augen gesehen, was Jesus getan hatte und wer er war. Aber ich, ich war ja nicht dabei. Die Jesusgeschichten sind 2000 Jahre alt. Es ist doch etwas anderes, ob ich selber etwas erlebt habe, oder ob ich nur aus zweiter Hand etwas erfahren habe, und wenn der Zeuge noch so glaubwürdig ist.

Die Erlebnisse der Jünger vor 2000 Jahren mit Jesus haben wir natürlich nicht. Aber wir haben die Bibel. Wir haben das Wort Gottes. Und wer sich auf es einläßt, der wird etwas mit Gott erleben, ähnliches wie die Apostel. Ohne die Bibel werden, ohne sein Wort, werden wir Gott nicht finden. Wir brauchen sie als Hilfe auf dem Weg zu Gott

Wer in einer fremden Stadt unterwegs ist, ist angewiesen auf Wegweiser oder Navigationssysteme. Solche Navigationssysteme sind etwas Wunderbares. Sie geben das Ziel ein, und der Computer gibt Ihnen die nötigen Hinweise, wie Sie zu fahren haben. - Aber alles kommt darauf an, daß das Navigationssystem zuverlässig und lückenlos funktioniert, oder - ohne Elektronik - daß die Beschilderung korrekt und eindeutig ist. Wer falschen oder mißverständlichen Hinweisen folgt, wird sich verfahren.

So ist es auch, wenn es um den Glauben geht und um den Weg zu Gott. Wir brauchen dazu ein zuverlässiges Navigationssystem. Das können keine menschlichen Gedanken sein, so klug und tief sie auch sein mögen. Denn Menschen können irren. Unser Glaube basiert überhaupt nicht auf dem, was Menschen dachten oder was Menschen taten sondern auf dem, was Gott getan hat. Die Grundlage des christlichen Glaubens liegt darin, daß Gott gehandelt hat, sichtbar, hörbar, in Raum und zeit. Daß Jesus über diese Erde ging. Daß er als Sohn Gottes Wunder tat. Daß er gestorben und auferstanden ist. Das sind nicht Meinungen sondern Tatsachen. Und für die gibt es Augen- und Ohrenzeugen, die ihre Berichte aufgeschrieben haben. Diese Berichte sind die Grundlage des Neuen Testaments. Diese Zeugnisse von Jesus sind also ein zuverlässiges Navigationssystem. Durch sie findet man sich sicher im Glauben zurecht. Durch sie findet man sicher zu Jesus.

Aber auch das Alte Testament ist zuverlässig. Unzählige Voraussagen der Propheten haben durch die Geschehnisse um Jesus eine klare Bestätigung gefunden. Ich glaube, die meisten Christen wissen gar nicht, wie kostbar für uns die Bibel ist. Denn: Was wäre, wenn wir sie nicht hätten?

Petrus sagt: Die Bibel: Das sind nicht Spekulationen, sondern zuverlässige Tatsachen. Halt' dich daran! Das heißt auch: Tu das, was dir das Wort Gottes sagt! Die Bibel bietet nicht nur interessante Informationen, die wir zur Kenntnis nehmen können, sondern durch sie spricht Gott uns persönlich an. Gott will mit dir reden, um dir den Weg zu zeigen. Hörst du auch auf ihn? Folgst du ihm? Ein Navigationssystem kann noch so zuverlässig sein - wenn ich ihm nicht folge, werde ich auch nicht ankommen.

Wem folgst du eigentlich? Auf was hörst du? Auf irgendwelche Menschen, auf Medien, auf dich selbst? Nimmst du dir auch Zeit für Gott und sein Wort und bist vor allen Dingen auch bereit, dein Leben dementsprechend auszurichten? Wer sein Leben am Wort Gottes orientiert, der wird ein anderer Mensch.

So erlebte es ein Afrikaner. Ein Mitarbeiter der Bibelgesellschaft in Zimbabwe bot ihm eine Bibel zum lesen an. Selbstbewußt gab ihm der Mann zur Antwort: "Wenn Sie mir dieses Neue Testament unbedingt aufdrängen wollen, werde ich mir aus jeder einzelnen Seite eine Zigarette drehen." "Nun gut", gab ihm der Mitarbeiter der Bibelgesellschaft zur Antwort. "Das können Sie meinetwegen machen. Aber Sie müssen mir versprechen, das Neue Testament zu lesen, bevor Sie es rauchen."

Der Mann willigt ein, packte die Bibel und machte sich aus dem Staub. Jahre später erzählte dieser Mann, was er mit dem Buch erlebte: "Ich rauchte Matthäus, ich rauchte Markus, ich rauchte Lukas. Aber dann stieß ich im dritten Kapitel des Johannesevangeliums auf den 16. Vers: Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, daß er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht verlorengehen, sondern das ewige Leben haben. Von jenem Moment an konnte ich nicht mehr weiterrauchen, und mein Leben änderte sich von Grund auf."

Heute ist der ehemalige Bibelraucher Pfarrer in Zimbabwe.

Dieser Mann hat Gott beim Wort genommen. Er hat seinen Zusagen Glauben geschenkt. Das kannst du auch tun. Du kannst ihn sogar auf sein Wort festnageln! In den Verheißungen der Bibel verspricht Gott dir alles, was du zu einem Leben als Christ brauchst. Nimm das doch in Anspruch!

Hudson Taylor war schon eine Zeitlang Missionar in China, da machte er die einschneidendste Erfahrung seines Lebens. Er erkannte: "Die Sünden, die ich begangen hatte, waren klein und nichtig, gemessen an der Sünde des Unglaubens, dem Grundübel, das Gott nicht bei seinem Wort nimmt und ihn eher zum Lügner stempelt. Ich fühlte, daß Unglaube die schlimmste Sünde ist, - und doch beging ich sie." In Zukunft wagte er es, die Brille des Unglaubens abzunehmen und dem Wort Gottes total zu vertrauen. Eine neue Welt tat sich ihm auf, unbeschreiblich schön und abenteuerlich. Denn der erlebt wirklich Abenteuer mit Gott, der ihn ganz und gar bei seinem Wort nimmt. Ich denke auch an den "Waisenvater von Bristol", Georg Müller. Er hatte für viele Waisenkinder zu sorgen. Oft wußte er nicht, was er ihnen am nächsten Tag zu essen geben konnte. Denn es war nichts da. Doch er vertraute den Zusagen der Bibel, anstatt sich Sorgen zu machen und zu zweifeln. Sein Vertrauen wurde nie enttäuscht. Nie!

In kleinen und großen Schwierigkeiten meines Lebens habe ich es oft so erlebt: Ich bat Gott um Hilfe. Doch er griff nicht sofort ein. Sondern er gab mir erst ein Wort. Entweder las ich in der Bibel und ich wußte: In diesem Wort redet Gott jetzt dich ganz persönlich in deiner Situation an. Oder mir fiel ein Bibelwort oder ein Liedvers ein, die eine Antwort auf meine Fragen bedeuteten. Jedesmal erwiesen sich diese Wort nicht als Einbildung sondern als Wahrheit.

Einmal, als junger Pfarrer, hatte ich in einer Woche besonders viel zu tun. Ich wußte gar nicht, wie ich das alles schaffen sollte. Ich betete um Hilfe. Da fiel mir das Psalmwort ein: "Der HERR legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch." In dieser Woche schaffte ich all meine Arbeit viel schneller wie sonst. Freitagnachmittag war ich mit allen Vorbereitungen fertig und hatte sogar noch freie Zeit.

Nun kann einer fragen: Woher weiß ich denn, daß Gott mich in seinem Wort anspricht, und daß ich mir alles nicht nur einbilde? Liest nicht der eine dies und der andre jenes aus der Bibel heraus? Ist nicht alles Auslegungssache? Und mancher hat beim Lesen der Bibel nur "Bahnhof" verstanden und sie entmutigt beiseite gelegt.

Dazu gibt uns Petrus einen Tip: Du brauchst ein bestimmtes Instrument, um das Wort Gottes aufzuschließen. Das ist der Geist Gottes.

Um einen Geldschrank aufzuschließen, brauche ich auch den richtigen Schlüssel und den richtigen Code. Natürlich kann ich den Geldschrank auch anders knacken. Es gibt da gewisse Spezialisten, die versuchen das bei Nacht und Nebel mit einem Schweißapparat. In den Micky Maus Heften heißen sie die Panzerknacker. Doch bei diesem kriminellen Vorgehen wird der Geldschrank zerstört. Oft werden dabei auch die Geldscheine angesengt und wertlos.

So ähnlich kann man auch an die Bibel herangehen, um den eigentlichen Kern zu finden. Aber bei all diesen Versuchen wird das Gefäß zerstört und das Wenige, was man zu finden meint, ist angesengt und wertlos.

Keiner kann das Wort Gottes eigenständig mit seinen eigenen Mitteln verstehen. Wenn du mit deinem eigenen Verstand an die Bibel herangehst, wird dir vieles verschlossen bleiben. Die Bibel ist eben kein Buch wie jedes andere.

Deshalb sagt uns Petrus. Benutzt nicht den Schneidbrenner! Versucht nicht, euch den Sinn der Bibel selbst zurechtzulegen! Das könnt ihr nicht!

Das müßt ihr auch nicht. Der Heilige Geist will euch dabei helfen! Der Heilige Geist war ja schon beteiligt bei der Abfassung der Bibel, sozusagen als "Ghostwriter". Zwar ist die Bibel von "normalen" Menschen geschrieben worden, aber sie haben nicht nur ihre eigenen Gedanken dargelegt, sondern der Heilige Geist hat sie dabei geführt und angeleitet. Darum kann er am besten vermitteln, wie die Bibel zu verstehen ist.

Wenn du vor deiner Bibel sitzt und sie sagt dir nichts, denk dran: Duz mußt dich nicht abmühen. Der Schlüssel zur Bibel ist für jeden Christen schon da: Der Geist Gottes! Er will das alte Wort taufrisch und für dich aktuell machen!

Deshalb ein Tip zum Schluß: Wenn du deine Bibel liest, tu es mit Gebet, mit Gebet um den Heiligen Geist. Dann wirst du sein Wort recht verstehen und nicht mißverstehen. Es wird für dich aktuell und persönlich. Manchmal unangenehm aktuell, wenn dir nämlich Sünde gezeigt wird. Aber oft beglückend aktuell, wenn du einen Trost bekommst oder dir Hilfe zugesagt wird. Auf jeden Fall werden dir Dinge aufgehen, die du vorher gar nicht wahrgenommen hast. Hinter dem Grau entdeckst du auf einmal Farbe.

Amen