"Einmal Himmel und zurück"

Liebe Gemeinde!

Bei einem Volksfest gab es eine Schaubude, die einen "Blick ins Jenseits" versprach. Viele Leute strömten in das kleine Zelt. Was mochte da wohl zu sehen sein? Einen Blick ins Jenseits möchten wir wohl alle gerne tun. Wie sieht die jenseitige Welt aus? Heute an Christi Himmelfahrt geht es ja auch um diese Frage. Denn wenn die Bibel vom Himmel spricht, dann meint sie ja die andere, jenseitige Wirklichkeit Gottes.

Wie ist also der Himmel? Und wo ist er? Er ist nicht einfach über uns, über den Wolken, dort wie die Riesenvögel der Neuzeit ihre Bahnen ziehen. Auch nicht noch weiter draußen, wo Satelliten und Raumschiffe kreisen. Nicht einmal in den fernen Regionen des Kosmos, deren faszinierende Bilder wir uns mit den Radioteleskopen auf die Erde holen.

Viele Menschen haben ja dieses Mißverständnis vom Himmel und machen sich deshalb über die Himmelfahrtsgeschichte lustig. Der Russe Gagarin, der erste Mann im All, spottete ja nach seinem Weltraumausflug: "Jetzt war ich im Himmel. Aber gesehen habe ich Gott dort nicht!" Aber wo ist dann der Himmel? Den Himmel auf Erden versprechen uns manche, wenn wir ihr Produkt kaufen. Manche Automobile sind angeblich im Paradies hergestellt worden. Die Gaumenfreuden, die man bei irgendeiner Schleckerei empfindet, wird als himmlisch angepriesen. In den Hochglanzprospekten der Reiseunternehmen sehen wir die Paradiese dieser Welt. Und viele machen sich auf und suchen den Himmel auf Erden in einem fernen Land. Aber den Himmel kann ich nicht kaufen, weder in einem Autohaus, noch in Schlemmerlokal oder in einem Reisebüro. Ich erwische nur etwas sehr Vergängliches.

Auch in der Ekstase finde ich nicht den Himmel. Viele wollen "high" werden durch Drogen oder dröhnende Discomusik. Frisch Verliebte schweben im 7. Himmel, werden aber meist sehr schnell wieder auf den Boden der nüchternen Tatsachen zurückgeholt. In immer neuen Freizeitbeschäftigungen wollen sich manche den "ultimativen Kick" holen, - bis sie etwas anderes noch neueres, noch ausgefalleneres reizt.

Und erst recht nicht kommt mir der Himmel in der Esoterik nahe. Die "Bravo" preist zwar alle paar Jahre an, wie wunderbar Pendeln, Kartenlegen oder das Empfangen von Jenseitsbotschaften durch Tischerücken ist. Und viele junge Leute sind wirklich so dumm, daß sie auf diesen gefährlichen Unsinn hereinfallen. Sie bezahlten ihre Neugierde oft mit Angst, mit unheimlichen Erlebnissen, Selbstmordgedanken und -versuchen.

Wenn man vor 2000 Jahren die Jünger gefragt hätte, wo der Himmel ist, hätten sie wohl geantwortet: "Der Himmel ist da, wo Jesus ist." So hatten sie es erlebt, es aufgeschrieben und anderen weitererzählt. Sie hatten mit ihren eigenen Augen gesehen, wie Jesus Blinde heilte, Lahme gehen ließ, einen Sturm zum Schweigen brachte, sogar Tote auferweckte. Jesus stand sogar von den Toten auf. Sie wußten: Es war keine Einbildung. Denn sie sahen ihn nicht nur, sondern redeten mit ihm und betasteten ihn. Es gehört schon eine gehörige Portion Frechheit oder Unwissenheit dazu, zu leugnen, daß Jesus von den Toten auferstanden ist. Wenn ich die Berichte von der Auferstehung nüchtern prüfe, dann kann ich nur zu dem Schluß kommen: Jesus ist auferstanden.

Es gab für die Jünger keinen Zweifel: Durch die Person Jesu kam der Himmel auf Erden zu ihnen. Es müssen wunderbare Jahre gewesen sein, die sie mit Jesus verbrachten. Und vor allen Dingen müssen es faszinierende Wochen zwischen seiner Auferstehung und seiner Himmelfahrt gewesen sein. Doch nun standen die Jünger auf dem Ölberg und mußten Abschied nehmen. Eine schöne, intensive Zeit ging zu Ende. Der Himmel auf Erden verabschiedet sich von ihnen. Und jetzt, wie geht's weiter?

Abschiednehmen, das kennen wir ja alle. Von der Kindheit, von der Jugend, von den Eltern, von anderen lieben Menschen. Vielleicht blicken auch manche unter uns auch wehmütig auf Zeiten zurück, in denen ihnen Gott besonders nahe schien. "Ja früher", so denken sie, "da habe ich noch mehr mit Gott erlebt. Aber jetzt..." Man erzählt gerne von alten Zeiten und schwelgt in Erinnerungen. Aber in der Vergangenheit kann man nicht leben. Damit können wir die Gegenwart nicht meistern.

Und auch in der Zukunft kann man nicht leben, daß man nur auf bessere Zeiten hofft, auch darauf, daß der Himmel wieder auf die Erde kommt, daß Jesus wiederkommt, wie er es selbst versprochen hat.

Der Himmel ist nicht nur Vergangenheit, er ist auch nicht nur Zukunft. Er ist Gegenwart, jetzt und hier erfahrbar.

Eine Wolke verhüllte Jesus bei seiner Himmelfahrt. Das heißt für uns: Der direkte Einblick in den Himmel ist uns verwehrt. Wir können Jesus nicht sehen. Aber ist trotzdem unsichtbar da, "Siehe, ich bin euch alle Tage bis an der Welt Ende!" so hat er es allen, die ihm vertrauen, versprochen. Der Himmel ist nicht weit weg. Sondern er umgibt uns, er umhüllt uns wie eine Atmosphäre. Seit seiner Himmelfahrt ist Jesus jedem überall zu jeder Zeit gleich nah. Dieser Himmel ist nichts Vergängliches. Sondern er ist unser ganzes Leben lang da. Auch nach unserem Tod. Dann werden wir in der Ewigkeit den Himmel Gottes sehen können. Sind das nicht wunderbare Aussichten?

"Ihr werdet die Kraft die heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird..." versprach Jesus seinen Jüngern. Wo der Heilige Geist wirksam ist, da ist Jesus gegenwärtig, da ist auch der Himmel. Den Heiligen Geist empfangen wir dann, wenn wir Jesus unser Leben anvertrauen, ihn um Vergebung bitten und ihm die Verfügungsgewalt über uns einräumen. Der Himmel beginnt für dich da, wo du dich der Wirklichkeit des lebendigen Gottes auslieferst und dein Leben in die Hände des Mannes am Kreuz legst. Da werden wir auch immer wieder die Erfahrung des Himmels auf Erden machen.

Im Himmel waren sicher schon einige unter uns. Ich meine jetzt den sichtbaren Himmel. Über den Wolken in 10000 Metern Höhe zu schweben, im Bauch eines Jumbo- Jets, das ist schon ein besonderes Erlebnis. Letztes Jahr, als ich nach Israel flog, da kam ich in den Genuß dieser Erfahrung. Zuerst ging's durch die Gepäckabfertigung. Hunderte von Koffern wanderten in den Bauch des Jumbos, unglaublich, aber wahr. Dann kommt die Paßkontrolle. Ohne gültige Papiere wird man erbarmungslos zurückgewiesen. Dann darf man einsteigen und Platz nehmen - auf einem für einen ganz persönlich bestimmten Platz - Anweisungen der Stewardeß - anschnallen - Geheul der riesigen Motoren - Start - wahnsinnige Beschleunigung - und schließlich erhebt sich der Riesenvogel machtvoll immer höher und höher in die Weite des Himmels...

Was muß man tun, um in den Himmel zu kommen? Das Gleichnis vom Jumbo zeigt es uns. Du mußt eigentlich gar nichts tun. Du mußt in ihm sein, in Christus. Christus hat alles für uns getan. Er bringt uns sicher zum Ziel. "In ihm" dürfen wir uns darauf freuen! Nur: Sind die Papiere in Ordnung, deine Sünden vergeben in Jesu Namen? Hast du das Gepäck deiner Vergangenheit, deine Schuld, schon bei Jesus abgegeben? Und bist du schon bei ihm eingestiegen?

Komm doch, nimm doch Platz - im Himmel! Das Ticket ist für dich schon bezahlt! Und dann geht's los zu einer aufregenden Reise mit einem phantastischen Ziel!

Bis wir dorthin ankommen, hat uns Jesus mit einer speziellen Aufgabe betreut: Wir sollen selber anderen Menschen den Himmel auf Erden bringen. Wir dürfen seine Zeugen sein. Zeugen sind Menschen, die eine Vorgang miterlebt haben und darüber berichten können. So können sie dazu beitragen, daß die Wahrheit gefunden wird.

Wenn wir mit Jesus leben, gilt sein Auftrag auch uns. Wir haben Erfahrungen mit ihm gemacht, und nun ist es unsere Aufgabe, andere einzuladen, damit sie wie wir Jesus kennenlernen können.

Uns fehlt der Mut dazu? Keine Angst, wir sind nicht allein, wenn wir uns zu Jesus bekennen. Er läßt uns nicht im Stich. Er hilft uns sogar das zu sagen, was gerade das Richtige ist.

Uns fehlen die Möglichkeiten, Zeuge Jesu zu sein? Oft reichen schon Kleinigkeiten aus: Bei einem Krankenbesuch oder beim Geburtstag einmal ein christliches Buch schenken, ein kurzes, mutmachendes Wort sagen, einfach so leben, wie Gott es haben will, nicht lügen, nicht betrügen, auch in kleinen Dingen auf seine Lebenswandel achten. Auch scheinbar Kleines kann Großes bewirken, wen es in seinem Namen geschieht.

Es werden nachher in der Apostelgeschichte seltsame Dinge von diesen Jüngern erzählt: Furchtlos stellten sie sich den Drohungen des Hohen Rates der Juden gegenüber. In Gefängnissen singen sie Loblieder: Getröstet gehen sie in den Tod. Mutig erobern sie das römische Imperium für das Evangelium.

Das kann man nur begreifen, wenn man versteht: Sie wußten, daß Jesus sie bei ihrer Aufgabe nicht alleine läßt. Und so konnten sie Großes tun.

Ganz schön riskant, ist man versucht zu sagen, was Jesus hier tat. Die Jünger sollen dafür sorgen, daß seine Erlösung, die er am Kreuz geschaffen hat, aller Welt bekannt wird. Nicht sündlosen Engeln gab er diesen Auftrag, in alle Welt zu gehen und das Evangelium zu verkündigen. Sondern er betraute mit dieser Aufgabe fehlerhafte und schwache Menschen. Und wenn sie versagten? Allein auf sich gestellt, müßten sie versagen. Aber sie durften ja jederzeit mit der Kraft Jesu rechnen. Sie brauchten auch keine Angst zu haben, etwas Falsches und Dummes zu machen. Jesus versprach ihnen, daß ihnen zur rechten Zeit das Rechte einfallen würde. Jesus hatte sich nicht auf sein himmlisches Altenteil zurückgezogen und ließ seine Jünger nun allein dahinwursteln. Er war für sie nicht i.R. im Sinne von "im Ruhestand", sondern i.R. im Sinne von "in Reichweite".

Jesus will für die Verkündigung seiner Botschaft keine Engel, da will er uns haben.

Dazu eine lustige und zugleich sehr tiefsinnige Geschichte:

Zu Beginn des Jahrhunderts lebte im Schwabenland ein Schmied mir dem Namen Huschwadel. Der war stark wie ein Bär und hatte große Hände. Wenn er mit leeren Händen durch die Straßen ging, meinte man, er trüge zwei Handkoffer.

Als Geselle begab er sich auf die Wanderschaft und kam in ein kleines Städtchen in Thüringen. Dort suchte er sich Arbeit, und auf dem Weg zur Herberge sah er ein Plakat: "Heute abend um 20 Uhr spricht Herr Professor X aus Berlin im Hinterstübchen des ‘Ochsen’ zu dem Thema: Warum es Gott nicht geben kann!" Huschwadel denkt bei sich: "Warum es Gott nicht geben kann? Ich habe doch eben noch mit ihm gesprochen!" So findet er sich interessiert um 20 Uhr im Hinterstübchen des "Ochsen" ein und muß mit anhören, wie ein kleine Mann aus Berlin eine ganze Stunde auf gotteslästerliche Weise über Gott herzieht. Seine Schimpf- und Spottreden gipfeln in dem Satz: "Liebe Leute, wenn es Gott wirklich gäbe, dann müßte er nach so viel Hohn und Spott jetzt einen Engel schicken, der mir vor Ihren Augen eine Ohrfeige gibt."

Huschwadel erhebt sich, geht in aller Ruhe auf die Bühne und sagt: "Eine schönen Gruß von Gott, für solche Banausen wie dich schickt er keine Engel, das kann der Huschwadel auch besorgen!" Und dann legt er ihm die Hand an die Backe. Denn er zugehauen hätte, wäre der Mann wohl hingewesen.

Für viele Aufgaben schickt Gott keine Engel. Vieles können auch wir besorgen: Trösten und Raten, Helfen und Lindern, aber auch Warnen und Mahnen.

Jesus sagte vor seiner Himmelfahrt: "Ihr werdet aber die Kraft des heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein!" (Apostelgeschichte 1,8) Diese Zusage und dieser Auftrag gilt auch uns!

Amen

(c) Dieter Opitz, Bayreuth