Bayreuth, den 21.1.00, Johannes 4, 5-18.25-30

Liebe Gemeinde!

In Trier passierte vor einiger Zeit Folgendes: Als einige Haushalte in der Nachbarschaft einer Sektkellerei den Wasserhahn aufdrehten, floß statt einfachem Wasser edler Sekt in Strömen. Was war geschehen? Rund 2500 Liter des perlenden Getränks waren bei einem "Betriebsunfall" in der Kellerei in Wasserleitungen der Stadtwerke geflossen. Ursache dafür sei ein mechanischer Defekt am Rückstoßventil der Abfüllanlage gewesen.
Für ein paar Minuten herrschten in diesen Wohnungen Zustände wie im Schlaraffenland. Sekt aus der Wasserleitung! Nur, wenn ich jeden Tag auf diese Weise Sekt bekäme, würde er mir bald zum Hals heraushängen. Überfluß schafft Überdruß. Es ist doch gut, daß aus unseren Wasserhähnen Wasser herauskommt. Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Wir brauchen es zum Leben. Ja, es ist das Leben.
Um Wasser dreht sich auch die Geschichte, die ich eben vorgelesen habe. Eine Frau geht in der glühenden Mittagshitze zum Brunnen vor der Stadt. Sie möchte von anderen möglichst nicht bemerkt werden. Deswegen meidet sie die kühle Morgen- und Abendzeit, wenn alle anderen Wasser holen. Zu oft haben sie sie geschnitten, zu oft über ihr Vorleben und ihren Lebensstil gelästert. Sie hat es satt.
Aber als sie sich dem alten Jakobsbrunnen nähert, bemerkt sie, daß sie doch nicht allein ist. Da sitzt ein Fremder. Und er spricht sie auch an! Er ein Jude eine verachtete samaritische Frau! Überhaupt war es ungewöhnlich, daß ein Mann mit einer Frau auf der Straße redete. Für viele Menschen war sie nur ein Stück Dreck. Und dieser Mann scheint ihr eine tiefe Wertschätzung entgegenzubringen.
So ist Jesus. Er achtet jeden Menschen, ja liebt ihn, egal, wer er ist, ob er an ihn glaubt oder ihn leidenschaftlich ablehnt, ob er ein Zweifelnder ist oder ein Suchender. Er will mit jedem ins Gespräch kommen, auch heute noch. Und heute wie damals bietet er lebendiges Wasser an. Lebendiges Wasser! So nannte man damals quellfrisches Wasser. Bei diesen Worten horcht die Frau auf. Denn das ist es, was sie sucht, auch wenn sie Jesus zunächst mißversteht.
    Bei diesem Angebot müßten wir alle auch aufhorchen. Denn wir alle haben Durst, Durst nach Leben. Dieser Durst scheint riesengroß zu sein, gerade heute.
Mit allem möglichen wollen wir diesen Durst stillen. Wir ziehen in uns hinein, was nur hineinpaßt: Action, Spaß, Erfolg Karriere, Freundin, Nobelkarosse, Musik, Sport, Fitneß und immer mehr, mehr, mehr. Der Mensch kann gar nicht genug davon kriegen. So ist es auch kein Wunder, daß ihm früher oder später übel wird. Denn das alles, was ich aufgezählt habe, stillt meinen Durst nach Leben nicht.
Auch die Samariterin am Brunnen stillte ihren Durst nach Leben an einer Quelle, die gar keine war. Sie sehnte sich nach Liebe, oder besser nach dem, was man so nannte, nach Zärtlichkeit und Hautnähe. Fünf Liebhaber hat sie gehabt und lebte nun mit einem Mann zusammen, mit dem sie nicht verheiratet war. Aber ihr ungeheurer Durst nach Leben bleibt ungestillt. Das heißt nicht, daß sie diesen Durst in sich gemerkt haben muß. Viele leben so dahin, oberflächlich, letztlich ohne Sinn und Ziel, und wissen gar nicht, was ihnen fehlt. Erst wenn sie Jesus gefunden haben, merken sie, daß er allein es ist, der ein erfülltes Leben schenken kann.
Der berlin-brandenburgische Bischof Wolfgang Huber sagte in seiner Predigt im Berliner Dom am Tag nach der Love Parade: "Eine Million Menschen hat am 8. Juli hier in der Mitte der Stadt die Freiheit gefeiert, sich in Ekstase gesteigert. Ich wünschte, darunter wären manche gewesen, die wissen: Feiern können wir selbst, aber die Freiheit verschaffen können wir nicht selbst. Sie kommt auf uns zu. Sie hat einen Namen. Sie hat ein Gesicht. Der Gekreuzigte sieht uns an. Er ist unser Fürsprecher, er versöhnt mit Gott" Wahres Leben finden wir bei Jesus Christus. Und wo finde ich Jesus? In der Kirche?
Viele winken ab, wenn sie das Wort Kirche hören. Sie erleben christliche Kirchen wie die Elbe bei Cuxhaven: braune Brühe mündet in die Nordsee, man möchte nicht einmal darin baden, geschweige denn daraus trinken. Ihr Quellwasser im Riesengebirge dagegen ist so rein und klar, daß man gerne daraus trinkt.
Auf dem langen Weg ihrer 2000jährigen Geschichte wurde die Kirche zu einem mächtigen, alles mitreißenden Strom, nur quellklar und einladend scheint sie kaum noch zu sein. Es ist Zeit, sich wieder auf den Ursprung zu besinnen, auf die Quelle! In seinen Worten, die er in der Bibel sprach, findest du dieses quellfrische Wasser, d. h. erfülltes Leben.
    Doch wie sieht nun dieses erfüllte Leben aus? Man kann Jesus in dieser Beziehung total mißverstehen, so wie es auch die Samariterin am Brunnen zunächst tut. Er spricht von lebendigem Wasser. Wer es trinkt, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Und die Frau meint, er spricht von wirklichem Wasser. Sie denkt noch immer an ihr Brunnenwasser und vermutet, sie kriegt jetzt so eine Art Zaubertrank, und damit hat sich das tägliche Gerenne zum Brunnen und das Wasserschleppen erledigt.
Ein typisches Mißverständnis! Viele Menschen denken: Der liebe Gott ist dazu da, um uns ein gutes Auskommen zu schenken, ein bequemes Leben, keine Not, und vor allen Dingen darf er mich nicht krank werden lassen.
Aber Jesus will für uns kein Schlaraffenland, in dem einem die gebratenen Hähnchen in den Mund fliegen. Er will uns nicht verwöhnen sondern versöhnen. Er will uns unsere Schuld vergeben, damit er uns das ewige Leben geben kann.
Natürlich muß er uns erst einmal klar machen, daß wir Vergebung brauchen. Die Samariterin bittet Jesus: "Gib mir das Wasser!". Doch er muß erst mal die Sünde aus dem Weg räumen, damit die Frau das Wasser trinken kann. Sie hat nämlich sozusagen noch was im Hals, was sie daran hindert, das Wasser von Jesus zu schlucken. Und das, was ihr im Hals steckt, muß erst mal raus. Die Sünde, die sie in sich trägt, muß erkannt, bekannt, ausgespuckt, ausgesprochen werden. Als die Frau also sagt: "Gib mir dieses Wasser", da schießt Jesus einen Pfeil ab. Er sagt: "Gut, geh und hol deinen Mann. Dann kommt beide hierher." Der Pfeil sitzt im Zentrum. Die Frau fühlt sich im Innersten getroffen, aber sie gibt es nicht zu und antwortet ohne mit der Wimper zu zucken ganz cool: "Ich bin nicht verheiratet." Damit denkt sie, hat sie die Kurve gekratzt und das peinliche Thema abgewendet. Aber Jesus läßt nicht locker. Er antwortet: "Das stimmt, verheiratet bist du nicht. Fünf Männer hast du gehabt, und der, mit dem du jetzt zusammen lebst, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt."
Fünf Männer oder Mädchen gehabt zu haben und mit einem Partner zusammenzuleben, mit dem man nicht verheiratet ist, ist heute nichts Besonderes - aber es ist etwas Besonderes, daß es einen Mann gibt, der das nicht für normal hält. Er sagt, normal ist das, was den Normen Gottes entspricht. Das sind die 10 Gebote. Und die haben sich bis heute nicht geändert. Auch das Gebot nicht: "Du sollst nicht ehebrechen."
Es spielt überhaupt keine Rolle, welche Normen wir Menschen uns zusammengebastelt haben. Es zählen nur die Normen Gottes, seine Gebote, die er uns gegeben hat. Anhand ihnen sollen wir unser Leben einmal überprüfen und zwar nicht oberflächlich, sondern gründlich und mit der Bitte, daß Gott mir einmal zeigt, wer ich bin, das heißt, daß wir uns einmal so sehen, wie Gott uns sieht.
Jesus weiß alles von dir. Er kennt alle deine Sünden. Aber er macht dich deswegen nicht fertig, sondern er macht dir ein Angebot: Wasser des Lebens, Reinigung von deiner Schuld, Vergebung deiner Sünde. Jesus verurteilt uns nicht, obwohl er alles von uns weiß! Jesus ist nicht in die Welt gekommen, um uns zu verurteilen. Er ist gekommen, um uns zu retten. Wir sind ja bereits wegen unserer Sünde verurteilt. Aber Jesus hat unsere Strafe auf sich genommen, hat an unserer Stelle die Strafe abgebüßt, hat für unsere Schuld mit seinem Leben bezahlt. Das ist Liebe! Denn einer muß deine Schuld bezahlen: entweder du - oder Jesus. Und da sagt er: Komm, laß mich mal. Ich mach das für dich.
Auf dem Jahrmarkt der Weltanschauungen hören wir von allen möglichen Ideologien und Heilslehren. Das, was Jesus dir anbietet, ist ein Angebot unter vielen, aber ein ganz besonderes. "Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, der wird nie wieder Durst bekommen. Dieses Wasser wird in ihm zu einer Quelle, die bis ins ewige Leben hinein fließt." Damit meint Jesus: Ich kann deinen Lebensdurst stillen. Wenn du zu mir kommst, ist die Suche vorbei, die Sucht zu Ende, die Sehnsucht erfüllt. Dann bist du am Ziel, dann bist du zu Hause. Geborgen, Im Frieden. Zufrieden.
Heute kannst du heimkommen, wenn du Jesus annimmst. Sag ihm: "Jesus, ich nehme dein Angebot an. Vergib mir meine Schuld. Gib mir das ewige Leben."
Am Ende der Bibel, im allerletzten Satz, den Jesus sagt, da sagt er: "Wer Durst hat, der komme, und wer will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst." Das ist buchstäblich de letzte Wille Jesu: deinen Lebensdurst löschen. Er will. Die Frage ist jetzt: Willst du?
Jesus stillt unseren Lebensdurst. Dann brauchst du nicht mehr nach Leben zu suchen, z. B. in dem, was man Liebe nennt, und ist doch nur oberflächliche Liebelei, oder in Karriere, oder Arbeit, Ehre, Glück, Vergnügen. Er löscht den Durst ganz und gar. Du hast es dann nicht nötig, deinen Durst doch noch woanders zu stillen. Laß das sein, wenn du es tust! Das paßt doch nicht zusammen: Von der Quelle des Lebens und gleichzeitig aus irgendwelchen Drecklöchern zu trinken!
Du brauchst nicht nur etwas vom Leben zu haben, du kannst das Leben selbst haben: Jesus Christus! Der Lebensdurst wird gelöscht. Ja, noch mehr. Dein Leben wird zur Quelle! Du bekommst soviel Leben, daß es für andere reicht! Du brauchst nicht Wasser zu bunkern. Nur Kamele speichern alles Wasser für sich selbst!
Wir alle haben schon vom See Genezareth und vom Toten Meer gehört. Das erste Gewässer ist sehr fischreich. Beim Toten Meer holt man vielleicht höchstens eine verrostete Sardinenbüchse heraus. Warum der Unterschied? Ganz einfach. Der See Genezareth hat einen Zu- und einen Abfluß. Der Jordan fließt durch ihn hindurch. Das Tote Meer ist ohne jeden Abfluß. Der Jordan mündet in ihm.
Dies ist ein Gleichnis für unsere Beziehung zu Jesus und unseren Mitmenschen. Wer nur nimmt, lebendiges Wasser hamstern will, der gleicht dem Toten Meer, einem abgestorbenen Gewässer. Wer aber das, was Jesus ihm gibt, weiterreicht, der gleicht dem See Genezareth. Sein Leben ist nicht unfruchtbar und steril, sondern wird zum Segen für andere und letztlich auch wieder für sich.
Natürlich hören wir alle gern von der Liebe Gottes zu uns. Wir haben sie ja auch immer wieder bitter für uns nötig. Aber die anderen um uns herum haben sie auch nötig! Jesus gibt uns soviel von ihr, daß wir sie ohne weiteres, ohne selbst zu kurz zu kommen, von ihr abgeben können.
Wie wir das machen können? Indem wir wie die Samariterin anderen von diesem Jesus weitererzählen. Indem wir im Namen Jesu Gutes tun. Nicht um uns den Himmel damit zu verdienen. Sondern weil er es von uns haben will. Weil seine Liebe uns dazu bewegt.
Das ist ein erfülltes Leben: Jesu Liebe bekommen und sie weitergeben.

Amen

(c) Dieter Optiz, Bayreuth