Voll normal?!, Predigt vom 20.4.2000 (Gründonnerstag)  (1. Korinther 4,10)

Wer an Jesus glaubt und zu seinem Glauben steht, kann schon als einer hingestellt werden, der nicht mehr richtig tickt. Man kann sich vorkommen wie ein Clown, den keiner ernst nimmt. Doch auch ein Clown kann Lebenswichtiges zu sagen haben.

Auf einem freien Platz in einem abgeernteten Kornfeld, in der Nähe eines Dorfes, wird ein Zirkuszelt aufgebaut. Plötzlich bricht ein Feuer aus. Die Zirkusleute versuchen zu löschen, doch ohne Aussicht auf Erfolg. Was macht der Direktor? Er schickt den Clown ins Dorf. Dieser ist bereits für seinen Auftritt geschminkt und kostümiert. Er soll Hilfe holen und die Dorfbewohner vor dem Feuer warnen. Doch die nehmen ihn überhaupt nicht ernst. Sie halten sein Hilfegeschrei für einen Werbegag des Zirkus. Sie applaudieren und lachen zu Tränen. Je verzweifelter der Clown die Dorfbewohner beschwört, seinen Worten zu glauben, desto mehr lachen sie ihn aus. Die Folgen sind verheerend. Nicht nur der Zirkus wird eingeäschert, sondern auch das umliegende Kornfeld und das ganze Dorf.

Diese Geschichte stammt von Sören Kierkegaard. Das war ein Däne, der vor 150 Jahren lebte, ein kluger und frommer Mann. Er prangerte das oberflächliche Christentum seiner Heimatstadt Kopenhagen an. Die Christen, so sagte er, wollten zwar gerne fromme Sprüche hören, aber Jesus nachfolgen, das wollten sie nicht. Als "Schundausgabe" bezeichnete er das Christentum Kopenhagens. Aber Kierkegaard erntete nur Hohn und Spott wie der Clown in seiner Geschichte. Was Kierkegaard damals sagte, ist heute genau so aktuell. Eine "Lightausgabe" des Christentums ist heute wie zu allen Zeiten gefragt. Ein Christsein, in dem man schon gerne von der Liebe und Fürsorge Gottes hört, aber ein Christsein ohne Umkehr, ohne Sündenerkenntnis, ohne Hölle, ohne konsequente Nachfolge, eben Christsein "light", leicht zu genießen, leicht zu verdauen. Nur nicht übertreiben! Man will ja schließlich normal bleiben!

Frömmigkeit ohne Konsequenz ist wie gesagt nicht erst eine Erfindung unserer Tage. Es gab sie schon zu allen Zeiten. Und die Boten Gottes, die den ganzen, oft auch unbequemen Willen Gottes verkündigten, wurden häufig wie Narren behandelt. Der alttestamentliche Prophet Jeremia kündigte die Zerstörung Jerusalems als Strafe Gottes an. Man nahm ihn nicht ernst. Doch es erwies sich als Wahrheit, was er sagte.

Wie erging es Jesus? Mit ihm kam der Himmel auf die Erde. Er heilte Kranke, vergab Sünden, lud ein in seine Nachfolge. Zunächst waren viele von ihm begeistert. Doch dann liefen die meisten wieder weg, als sie merkten, worauf Jesus hinaus wollte, nämlich ihm sein Leben ganz und gar anzuvertrauen. Das Ende ist bekannt: Jesus stirbt am Kreuz, verhöhnt, verlacht, nicht ernst genommen wie ein Clown.

Als Clown, den niemand ernstnahm, so kam sich auch manchmal der Apostel Paulus vor. Denn er schrieb einmal im 1. Korintherbrief, Kapitel 4, Vers 10 folgenden Satz: "Wir - damit meinte er die Prediger des Evangeliums - sind Narren um Christi willen."

Vielen Menschen, die im Auftrag dieses Gekreuzigten seine Botschaft weitersagten, ging es ähnlich. Das Gleichnis, das die Sonja vorgelesen hat, hat uns davon erzählt. Sie luden ein wie zu einer Hochzeit, aber die geladenen Gäste nahmen sie nicht ernst.

Der Grund für Spott, Verleumdung, Verfolgung war in der Regel immer der gleiche: die Botschaft von dem gekreuzigten Christus.

Eine der ersten Karikaturen, die wir kennen, hat man im alten Rom gefunden. An irgendeiner Wand hat jemand die Zeichnung eines gekreuzigten Mannes mit einem Eselskopf gefunden. Darunter stand: Alexamenos betet seinen Gott an. Auf diese Art und Weise hat man schon im alten Rom das Evangelium verspottet.

Roland Werner, Vorsitzender des Christivals 96 hat einmal Folgendes erlebt. Als Student bekam er von einem Pfarrer ein knallgelbes Auto geschenkt. Auf dem stand mit riesigen blauen Buchstaben: Wir gehören Jesus Christus. Eine ältere Nachbarin redete ihn daraufhin neugierig an: "Darf ich Ihnen einmal eine Frage stellen? In welcher Sekte sind Sie eigentlich?" Werner: "In der größten Sekte Deutschlands!" Große Augen bei ihr. Werner: "In der evangelischen Kirche." Die Nachbarin: "Ich meinte nur, wegen Jesus Christus und so." Werner versicherte ihr, daß es im Glaubensbekenntnis - übrigens nicht nur in dem von seiner "Sekte", sondern in dem der christlichen Kirchen allgemein - heißt: "Ich glaube an Jesus Christus."

Manche Gottesdienstbesucher meinten, ich sei ganz schön konservativ. Warum? Weil ich immer noch an der Meinung festhalte, daß Jesus der einzige Weg zu Gott sei. Ist es konservativ, wenn man an einer Wahrheit festhält?

Wir alle haben schon mal was von Pythagoras gehört. Der lebte vor 2500 Jahren auf der griechischen Insel Samos. Weltberühmt wurde er durch seinen Lehrsatz: In einem rechtwinkligem Dreieck ist das Quadrat der Hypotenuse gleich dem Quadrat der Katheten. Ganz schön konservativ, wer diesen Satz immer noch glaubt. Denn er ist ja immerhin schon 2500 Jahre alt. Aber er bleibt trotzdem wahr. Und auch was Jesus gesagt hat, bleibt wahr, auch wenn es 2000 Jahre alt ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben - durch alle Zeiten hindurch, für jeden Menschen. Und deshalb wollen wir heute abend von Jesus reden!

Komisch ist es schon: Wenn einer deutlich sich zu Jesus Christus bekennt, dann erregt er Anstoß, sogar bei Theologen. Unter einer meiner Examensarbeiten schrieb ein korrigierender Theologieprofessor als Kritikpunkt: Christomonismus. Für die Nichttheologen unter uns heißt das übersetzt: Er hat ausschließlich von Jesus gesprochen.

Im Unterricht sagte ein Schüler zu mir: "Bei Ihnen läuft alles immer wieder auf das Gleiche hinaus. Immer reden Sie von Gott und Jesus!" Dahinter steckte unausgesprochen die Meinung dahinter: Ganz schön beschränkt der Knabe! Dem fällt nichts anderes ein, als immer wieder mit diesem Jesus anzufangen.

Eigentlich ist das ja ein Kompliment. Denn wenn das stimmt, befinde ich mich in allerbester Gesellschaft. Auch Paulus sagte von sich: "Ich weiß nichts anderes als den Gekreuzigten."

Bekannt ist ja das Erlebnis des Jugendpfarrers Busch: Er trifft auf der Straße zwei Männer, Bergleute aus seiner Gemeinde. Der eine sagte zum anderen: "Das ist also der Jugendpfarrer! Ein ganz ordentlicher Mann! Nur - er hat leider einen Vogel!" Busch fährt empört hoch: "Was habe ich? Einen Vogel?" Der Bergmann beachtete den Einwand gar nicht, sondern wiederholte ganz gemächlich: "Also - ein ordentlicher Mann - nur eben - er hat ‘nen Vogel. Er spricht immer von Jesus." "Mann!" rief Busch erfreut. "Was Sie da sagen, das ist für mich, als wenn Sie mir einen Orden verliehen hätten! Ja, den Ruhm möchte ich haben: Er spricht immer von Jesus! Nur - leider - habe ich diesen Orden gar nicht verdient. Wie oft habe ich dummes Zeug geschwatzt. Aber - wissen Sie! Jesus ist es tatsächlich wert, daß man immer von ihm spricht. Sagen Sie mir: Kennen Sie Jesus?" Da wandte sich der Bergmann lachend an den andern: "Siehst du, nun fängt er schon wieder an ...!"

Wieso ist es denn so wichtig, immer von diesem Jesus zu reden? Die Prediger und Pfarrer könnten ihren Job doch viel leichter tun, wenn sie nicht so oft von ihm reden würden. Manchen Spott und manchen Ärger könnten sie sich ersparen. Ich will euch sagen, warum es so wichtig ist: Weil Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist. Und weil man nur zu Gott kommt und nicht in der Hölle landet, wenn man an diesen Jesus glaubt. Ganz schön einseitig, kann man dagegen halten. Doch Jesus hat es selbst so gesagt. Kannst du mir etwas besseres und schöneres vorschlagen, als an diesen Jesus Christus zu glauben?

In Holland soll einmal folgendes passiert sein: Auf einer der belebtesten Straßen Amsterdams ging ein junger Mann auf und ab. Vor der Brust und auf dem Rücken trug er einen großen Pappkarton, dessen Inschrift keiner übersehen konnte. Wer ihm entgegenkam, las auf der Brustseite den Satz: "Ich bin ein Narr um Christi willen." Man kann sich vorstellen, welche Reaktionen dieser junge Mann hervorrief: schallendes Gelächter, überhebliches Grinsen. Wer an ihm vorübergegangen war und sich umdrehte, las auf seinem Rücken die Frage: "Wessen Narr bist du?" Wie erzählt wurde, sei das Gelächter und das spottende Reden im Rücken dieses jungen Mannes schlagartig verstummt. Wir alle sind Narren, fragt sich nur nach wessen Pfeife wir tanzen. Nach der Pfeife irgendwelcher Rattenfänger, nach der unserer Clique, nach unserer eigenen, oder ob wir auf den hören, der allein uns ein vollwertiges Leben geben kann.

Vielleicht haben wir noch den Refrain von dem Rap im Ohr:

"Alles, willst du alles vom Leben? Soll es heute pulsieren? Keine Zeit zu verlieren! Alles! Was könnte schöner sein? Komm, nimm dir das Leben, laß Jesus rein!"

Alles vom Leben dürfen wir uns heute abend nehmen. Jesus lädt dich heute abend jetzt in dieser Predigt und dann in der Beichte und im Abendmahl zu sich ein. Wer diese Einladung ausschlägt, stellt sich außerhalb des Reiches Gottes. Wer sie annimmt, der gehört zu Gott. Denn Jesus bietet dir seine Vergebung an, für alle deine Sünden. Er will dir auch seine Kraft, seinen Heiligen Geist, schenken, der dich dazu befähigt, ein Leben zu führen, wie Gott es haben will.

Es ist ja schön, daß ihr alle da seid und zum Abendmahl gehen wollt. Aber lasse sich trotzdem ein jeder von euch fragen: Nimmst du das Angebot Gottes, das seiner Vergebung und eines neuen Lebens mit ihm wirklich ernst? Oder gehst du nur deshalb zum Abendmahl, weil du meinst, das gehöre sich so als guter Christ? Einmal im Jahr müsse man sich schon beim lieben Gott blicken lassen?

Weißt du, wie das ist, wenn du so oder ähnlich denkst? Das ist genau so, wie wenn einer einen Lottoschein abgibt, macht den Hauptgewinn und - holt ihn nicht ab. Ganz schön dumm, oder? Aber unzählige Menschen leben tatsächlich so. Sie leben weit unterhalb ihrer Lebensverhältnisse. Sie haben ein gut gefülltes Konto, aber heben nichts ab. Sie sind wie ein Lottogewinner, der seine Millionen nicht abholt.

Das Leben kann oft so kümmerlich, schwach, klein und armselig sein. Wir sind resigniert, frustriert, ausgebrannt, schleppen uns mit unseren Ängsten, Sorgen und vor allen Dingen mit unserer Schuld dahin. Wißt ihr warum? Weil wir zu bescheiden sind, zu geringe Ansprüche ans Leben stellen!

Besinnen wir uns einmal auf den Reichtum, den wir besitzen. Denn wir haben das große Los gezogen. Nur, haben wir den Gewinn auch schon abgeholt? Leben wir doch noch wie Bettler, obwohl wir Millionäre sind?

Wir haben in Gott einen Herrn, dem alle Macht gegeben ist, - ein Kapital, von dessen Zinsen wir leben können. Dieser Herr ist in Jesus Christus unser Freund geworden. In ihm haben wir einen Helfer für unser Leben; einen Lastenträger im Leid; einen Sieger über alle Begrenztheiten; einen Erlöser für Schuld und Sünde; einen Tröster in Tränen und eine Hoffnung im Sterben.

Allein die Bilder der Bibel über Christus gleichen einem Hauptgewinn: Licht der Welt, Brot des Lebens, guter Hirte, Weg, Wahrheit, Leben ... Hier gibt es alles, was das Herz begehrt, was unser Leben reich und unsere Hoffnung groß macht. Christus ist alles in allem. Mehr gibt es nicht. Aber weniger sollte es nicht sein. Sonst wäre unser Leben eine einzige verpaßte Gelegenheit. Das Ja zu Christus ist der Volltreffer zum Leben! Wer nicht zu ihm kommt, verpaßt das Leben.

Komm deshalb noch heute abend zu ihm und hole dir deinen Hauptgewinn ab! Laß dich doch von Gott beschenken! Nimm sein Angebot im Abendmahl an! Greif jetzt zu, wenn dir Gottes Liebe, seine Vergebung, seine Hilfe und seine Kraft für ein neues Leben angeboten wird!

Ein Narr ist der, der Gott nicht ernst nimmt, der ihn nicht bei seinem Wort nimmt. Gott lädt uns beim Abendmahl zu einem Festessen ein, zum Festbankett seiner Vergebung. Der Tisch ist gedeckt, die Teller sind voll. Wir brauchen nur noch eines tun: Uns hinsetzen und unseren Hunger stillen. Tun wir es doch bitte auch! Das heißt glauben wir auch, daß uns Jesus im Abendmahl heute ganz besonders begegnen will, daß wir Vergebung bekommen, neue Liebe zu Gott und unseren Mitmenschen, Geborgenheit, neuen Mut und Kraft. Der Zweifel geht immer leer aus. Wer zweifelt, bekommt nichts. Nur wer glaubt, wird reich beschenkt. Wer jetzt noch daran zweifelt, ob das mit Jesus stimmt, den möchte ich fragen: Brauchst du denn keine Vergebung? Keine Liebe zu Gott und deinen Mitmenschen? Keine Hilfe? Wenn du das auch alles nötig hast, dann greif doch jetzt beim Abendmahl zu. Da bekommst du das, wonach du dich sehnst. Ich gebe dir die Garantie dafür.

Amen

(c) Dieter Opitz, Bayreuth