"Alles beim Alten" - Kreuz & Quer vom 22.07.2018, Johannes 21,1-14

Als persönliche Begrüßung vor dem Gebet:
Freiluftgottesdienste sind eine tolle Sache. Ich habe schon einige gehalten: in luftigen Höhen, in einem Wirtsgarten, im Sommer bei strahlendem Sonnenschein und auch im dunklen Winter, abends in der Adventszeit.
Hier an diesem See habe ich auch schon Gottesdienste gehalten. Das war im Rahmen der Landesgartenschau. Zugegeben: dieser "Hammerstädter See" ist kein echter See, eher ein Weiher. Doch dieser Platz hat etwas, was Menschen anzieht. Auch ich bin gerne hier. Bin auch gern hier zum spazieren und joggen gewesen. Und habe mich jetzt auch auf diesen Gottesdienst gefreut.

(Die Geschichte, die wir eben gehört haben, findet auch an einem See statt, an einem richtigen See allerdings. Wo man Boot fahren und nicht nur außen rum laufen kann, wo man wie Petrus schwimmen und nicht bloß reinschauen kann, wo man Fische fangen kann und nicht nur Frösche / Mücken erschlagen.)


Liebe Gemeinde!

Fischen, Schwimmen Grillen. Und Liebe. Die Liebe Jesu,, das alles kommt tatsächlich in dieser Geschichte vor.
Wieso geht es hier um Liebe? Liebe möchte mit dem geliebten Menschen reden. Will ihm helfen, beistehen, Gutes tun. Genau das macht hier auch Jesus. Die Geschichte spielt nach seiner Auferstehung. Der Auferstandene hat sich den Jüngern immer wieder gezeigt. Und hat mit ihnen geredet, ihnen wichtige Dinge erklärt. Auch in dieser Geschichte zeigt sich Jesus den Jüngern. Um ihnen zu zeigen, dass er für sie da ist. Um ihnen seine Liebe zu zeigen. Und das ist heute genauso. Er will dir heute Abend seine Liebe zeigen. Durch das was du jetzt hörst.
Christsein heißt ja mehr als bestimmte Überzeugungen zu haben, auch mehr als an Gott, an die Wahrheit der Bibel und an Jesus zu glauben, mehr als Gutes tun. Sondern das Entscheidende ist, eine persönliche Beziehung zu Jesus zu haben. Das war nicht nur damals vor 2000 Jahren so, als man Jesus sehen und direkt mit ihm reden konnte, so wie die Jünger. Sondern das ist auch heute noch so. Denn Jesus ist auferstanden. Er ist durch die Jahrhunderte bis auf den heutigen Tag der Lebendige geblieben, mit dem ich eine Beziehung haben kann. Ich kann ihn nicht mehr sehen. Trotzdem kann ich mit ihm Kontakt aufnehmen, durch sein Wort. Dadurch entsteht die Verbindung mit ihm, durch das Wort der Bibel oder dort, wo Menschen in seinem Auftrag von ihm reden.
Vor ein paar Wochen besuchte ich die so genannte "Bibelwelt" in Salzburg. Dort ein Automat, genannt "Gnadenautomat". Man konnte einige Wünsche anklicken, die jeweils einen bestimmten Betrag kosteten. Man musste allerdings nur 50 Cent einwerfen.
dann kam der Zettel in Form eines Kassenbons heraus. Darauf stand:

"Bist du verrückt?
Glaubst du, ich bin ein Automat,
der sich freundlich stimmen lässt
durch Münzen
gute Taten
oder Gebet?
Ich sehne mich nach einer
Beziehung
mit dir,
aber nicht nach einer
Geschäftemacherei,

Gott

Bitte entnehmen Sie Ihr Geld"
Jesus ist leidenschaftlich an einer persönlichen Beziehung mit ihm interessiert, und zwar nicht auf Geschäftsebene, dass wir etwas für ihn tun und er steht uns dann bei.
Ich frag jetzt mal ganz persönlich: Wie sieht es mit deiner Beziehung zu Jesus aus? Hast du eigentlich Verbindung mit ihm? Oder hast du gar keine Verbindung? Ist Jesus nur für dich ein leeres Wort oder eine frommes Wort, aber Verbindung hast du nicht mit ihm?
Ob du nun auf diese Frage mit "Ja" oder "Nein" antwortest, auf jeden Fall kann jeder dort Jesus finden, wo sein Wort klar und deutlich verkündet wird. Auch heute Abend. Du kannst ihn kennenlernen durch wunderbare Worte, die in der Bibel stehen oder auch durch Menschen dir gesagt werden, Wort, die du sonst nirgendwo hörst.
Da ist zum Beispiel dieser wunderbare Satz: "Sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben!" Denn das braucht ja jeder Mensch: Vergebung. Egal, ob du viel oder wenig gesündigt hast. Sünde trennt dich von Gott. Und der Zuspruch der Vergebung beseitigt sie. Und das Wunderbare ist: Wer um Vergebung bittet, dem gibt sie Jesus. Wer Vergebung erfahren hat, der kennt Jesus, der kennt seine Liebe.
Dann gibt es auch den Satz, den Jesus einmal gesagt hat: "Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende." Jeder, der Vergebung einer Sünden erfahren hat, darf glauben: Jesus lässt mich nicht alleine. Mit ihm bin ich nie alleine. Er hat alle Macht. Das heißt, es gibt keine Situation, in der er nicht helfen könnte. Es gibt für ihn keine aussichtslosen Lagen. Er ist der Gott der Wunder tun kann.
Und schließlich möchte ich den wunderbaren Satz erwähnen: "Alle eure Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch." Wenn ich nicht mehr weiter weiß, wie es in meinem Leben weitergeht, in meinem Beruf, der Schule, in meiner Beziehung, in der Familie, mit meiner Gesundheit: Ich darf darauf vertrauen, dass Jesus weiß, wie es weitergeht, dass er einen Plan für mein Leben hat und er nur das Beste für mich will.
Jesus gibt dir in deinem ganz persönlichen Leben Vergebung, Hilfe, Geborgenheit. Das darf jeder erfahren, der Jesus kennengelernt hat. Auch die Jünger, gerade nach seiner Auferstehung. Da erlebten sie seine Nähe in dem Zuspruch der Vergebung, der Hilfe und der Geborgenheit. In Jerusalem haben sie den Auferstandenen gesehen und er hat mit ihnen gesprochen.
Aber wie ging es mit ihnen nun weiter? Die Jünger kehren wieder nach Galiläa zurück. Dort haben sie früher gelebt. Und nun sind sie wieder am See Genezareth. Und nichts geschieht. An ihrer Lebenssituation hat sich nichts geändert. Alles beim Alten. Sieben seiner Jünger gehen wieder ihrer gewohnten Beschäftigung nach, dem Fischen. Das können sie. Das haben sie gelernt. Das haben sie auch die Jahre über getan, bevor sie Jesus kennengelernt haben. Alles alte, gewohnte Beschäftigungen. Dafür, das sie jetzt wieder fischen gehen, hätte Jesus nicht auferstehen müssen. Wo ist er denn überhaupt? Von Jesus ist nichts zu hören und zu sehen. Er ist nicht da. Zumindest scheint es so. Ich denke: Das war das Irritierende in dieser Situation für die Jünger.
So eine Situation kennt jeder Christ, jeder, der Jesus kennengelernt hat. Er hat mit Jesus etwas erlebt, wie Vergebung, Hilfe, oft wunderbares Eingreifen auf ein Gebet hin, Geborgenheit in schwierigen Lagen. Aber auf einmal ist alles wieder ganz anders. Du hast die Nähe Gottes in der Vergebung erfahren. Aber nun entdeckst du: Du machst die gleichen Fehler wie vorher, vielleicht sogar noch schlimmere. Und du denkst: Hat sich doch nichts verändert. Ich bin der gleiche wie vorher. Oder du hast die Hilfe Gottes in einer bestimmten Lage erlebt, vielleicht sogar auf wunderbare und unglaubliche Art und Weise. Aber kurze Zeit später bist du in einer anderen schwierigen Lage. Und da greift Jesus nicht ein, zumindest nicht so, wie du es dir vorstellst. Und du denkst: Bin ich doch alleine? Habe ich mir das alles nur eingebildet? Wo ist denn Jesus jetzt? Und du machst dir gleichen Sorgen wie vorher, vielleicht sogar noch größere. Von Geborgenheit keine Spur.
Dann kann es dir so wie den Jüngern in unserer Geschichte gehen: Selbst die einfachsten Sachen klappen nicht mehr. Die Jünger tun das, was sie eigentlich gut können. Sie gehen fischen. Sie tun es am richtigen Ort, am Ufer. Sie tun es zum richtigen Zeitpunkt, in der Nacht. Aber es tut sich nichts. Sie fangen keinen einzigen Fisch.
Ein aufschlussreicher Satz steht zu Beginn der Geschichte. Da sagt Petrus: "Ich will fischen gehen!" Das klingt harmlos. Aber bei diesem Satz steckt wohl mehr dahinter als dass jemand etwas vorhat. Sondern so ein Satz ist "typisch Petrus". Wir kennen ihn ja als den Jünger, der unternehmungslustig ist, der tatkräftig ist, der spontan redet und handelt. Der dies aber oft auch tut, ohne sich zu fragen, ob Gott das auch will. Der auch oft in seinem eigenen Auftrag handelt aber nicht im Auftrag Gottes. Ich meine, das war auch der Fall, als er sagte: "Ich will fischen gehen." Ich!
Dieses Vorhaben klappte ja auch nicht. Die Jünger fingen keinen Fisch, obwohl sie das ja konnten. Sie waren ja vom Fach, Fischer vom See Genezareth. Aber sie rechneten nicht mit Jesus. Obwohl er die ganze Zeit da. Sie sahen ihn nur nicht. Sie waren nur auf ihre Arbeit fixiert. Aber Jesus nahmen sie nicht wahr. Da stand zwar dieser Mann am Ufer, der ihnen etwas zurief. Aber erkannten Jesus trotzdem nicht. Warum nicht? Weil sie nicht mit ihm rechneten.
Machst du das? Ziehst du Jesus in allen Lagen deines Lebens mit ein? Fragst du ihn im Gebet immer um Rat?
Wenn das nicht so ist, dann habe ich trotzdem eine gute Nachricht für dich. Sie ist in einem Lied so formuliert:
"Jesus hat für dich Vergebung. Ein Wort von ihm, und du bist frei. Was immer auch in deinem Leben bisher geschah, du musst nicht verloren sein. Jesus lädt dich ein."
Wir hören dieses Lied.


Teil 2
Nun hält Jesus den Jüngern eine Predigt ohne Worte, aber eine Predigt, die sie sicher nicht wieder vergessen haben. Auf sein Wort hin werfen sie die Netze noch einmal aus und fangen soviel Fische, dass sie sie gar nicht ins Boot ziehen konnten.
Die Botschaft dieser „Fischfang-Predigt“ lautete: „Ihr könnt nichts ohne mich. Ihr könnt nicht einmal fischen ohne mich.“
Und was können wir? Ohne Jesus können wir auch nichts tun. Sogar die einfachsten Sachen können uns misslingen. Wir sind in allen Dingen auf die Hilfe, auf die Kraft und auf den Segen Jesu angewiesen. Auf seine Nähe.
Es ist wichtig, nicht zu vergessen: Jesus ist immer da, auch wenn wir meinen, er ist weit weg. Auch wenn wir denken: Es hat sich nichts in unserem Leben geändert. Alles beim Alten. Das stimmt nicht. Manchmal müssen wir auf sein Eingreifen warten. Manchmal längere Zeit beten, bis er hilft. Und dann nicht aufhören mit dem Warten und Beten.
Niemand soll natürlich die Hände in die Hosentaschen stecken und darauf warten, bis Gott etwas tut. Nein, die Jünger haben ja auch gehandelt. Sie waren dem Befehl Jesu gehorsam und haben mit ihren eigenen Händen die Netze ausgeworfen. Stillsein und Tun, beides gehört zusammen. Dazu eine Geschichte:
Drei Schmiedegesellen wanderten von Borkum aus bei Ebbe auf das Wattenmeer hinaus. Von einer Minute zur anderen überfiel die Männer dichte Nebel. Sie verloren die Orientierung und konnten das rettende Ufer nicht finden. In der aufsteigenden Flut kämpften die Männer um ihr Leben. Dann sagte einer von ihnen: „Jetzt sind wir ganz still, halten den Atem an, rühren uns nicht!“ Mit dem Finger tastend und den Ohren horchend prüfte er die Richtung des Wassers, denn bei Flut läuft das Wasser auf das Ufer zu. Nach dem Horchen rannten sie ein kurzes Stück. Dann wieder Stille und Horchen, dann wieder laufen. So erreichten sie schließlich doch das rettende Ufer.
Was hat sie gerettet? Das Stillsein oder das Laufen? Beides hat sie bewahrt. Einfach nur laufen hilft nicht weiter, wenn man die Richtung nicht findet. Einfach nur stille sein und warten bedeutet den Untergang. Nur in der Spannung und Ergänzung von Horchen und Handeln liegt eine Überlebenschance.
So ist es auch im Leben. Wir müssen Anhalten und Horchen, Losgehen und Gehorchen. Wir nehmen uns Zeit zum stille werden und hören auf Gottes Weisung. Und dann gehen wir los und tun, was er gesagt hat.
„Werft das Netz aus!“ Das hat Jesus zu den Jüngern gesagt. Sie gehorchten. Und die Netze wurden randvoll. "Werft das Netz aus!" Das sagt Jesus auch zu uns. Auch wenn wir keine Fischer sind und keine Netze haben, dieses Wort gilt auch uns. „Werft das Netz aus!“ Wag es doch, im Alltag, dort wo du bist und stehst, dem Wort Jesu zu vertrauen!“ Und du wirst nicht der Blamierte sein. Sondern du wirst eher noch mehr von Jesus bekommen, als du dir erträumt hast.
Ich denke an eine bestimmte Situation in meinem Leben. Nach dem Abitur studierte ich Theologie. Dazu musste ich einen Hebräischkurs in Erlangen besuchen. Doch dieser Kurs war schon voll. Ich stand auf einer Warteliste an 20. Stelle. Eigentlich aussichtslos, in den Kurs hineinzukommen. Doch ich betete. Ein lieber Freund riet mir: Fahr doch trotzdem nach Erlangen. Am Abend vor Kursbeginn wurde mir klar: Du sollst nach Erlangen fahren. Gott will das so.
Ich tat es am nächsten Morgen, setzte mich in den Kurs hinein. Die Namen wurden vorgelesen. Meiner war nicht dabei. Aber einer, der auf der Liste war, war nicht da. Niemand von der Warteliste konnte verständigt werden. Aber ich war ja da und konnte den Platz des Fehlenden einnehmen.
Ich blamierte mich also nicht sondern erlebte Wunderbares. Manch einer mag mein Erlebnis als Zufall deuten. Aber es war keiner. Es war ein Eingreifen Gottes, wie ich es immer wieder in meinem Leben erfahren habe.
So kannst du es auch erleben. Vertrauen wird belohnt. Wag doch einen kleinen Schritt in die richtige Richtung! Frage Jesus in deiner Situation: Was soll ich tun? Er wird dir antworten. Aber sei auch bereit, ihm zu gehorchen. Wieso sollte er dann sonst mit dir reden?
Die Geschichte geht noch weiter. Die Jünger kommen an Land. Da ist schon ein Feuer angezündet, und Fisch liegt darauf. Jesus lädt seine Jünger ein zum Mahl. Er nimmt zwar die Fische in Empfang, die die Jünger gefangen haben. Aber er ist der Einladende. Er ist nicht auf das angewiesen, was seine Jünger ihm bringen. Sie haben in seinem Auftrag gearbeitet, aber nun gönnt er ihnen ein deftiges Frühstück. Jesus ist kein Ausbeuter, der seine Leute arbeiten lässt, bis sie nicht mehr können.
Nein, er gönnt ihnen auch Verschnaufpausen, in denen sie sich ausruhen und neu stärken können.
Er kann uns stärken durch sein Wort, stärken durch die Gemeinschaft mit ihm und anderen Christen, stärken durch das Wort der Vergebung und durch die Hoffnung, die wir im Glauben an Jesus haben.
Der bekannte französische Bildhauer Rodin hatte ein Lebensmotto, das lautete: „Arbeiten! Nichts als arbeiten!“ Er hat nicht recht. Das Leben ist mehr als Arbeit. Es ist auch zur Ruhe kommen und zu dem kommen, der gesagt hat: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“
Das Angebot, uns zu stärken, macht er tagtäglich durch sein Wort, jeden Sonntag im Gottesdienst. Kein Mensch muss vergeblich nach Vergebung, Hilfe und Trost hungern. In dem Wort Gottes ist das alles da. Er darf sich an der Liebe Gottes sattessen.
Ist es nicht wunderbar, dass Jesus ein Herr ist, der immer wieder seine Jünger stärken wird?
Gestärkt mit seiner Liebe und seinen Zusagen und mit dem Wissen, dass er immer bei uns ist, dürfen wir auch heute wieder nach hause gehen – und dann an die Arbeit, in die Jesus uns hineingestellt hat.

Amen

© 2018 Dieter Opitz