"Nach der Hilfe glaube weiter" - Kreuz & Quer vom 29.01.2017, Johannes 4,46-54

Dreimal taucht hier in dieser Geschichte das Stichwort "Glaube" auf. Und jedes Mal im Zusammenhang mit dem königlichen Beamten. Dreimal. Und es ist jedes Mal etwas Anderes gemeint. Glaube ist eben nicht gleich Glaube.
Viele meinen ja: Hauptsache, man glaubt an irgendetwas, an irgendein höheres Wesen, an irgendeinen Herrgott. Mehr ist nicht nötig. Aber das ist ein gewaltiger Irrtum.
An einem Flughafen war Passkontrolle. Ein Mann zeigt dem Flughafenbeamten seinen Reisepass und will dann schnell weitergehen. Doch der Beamte hält ihn fest: "Moment mal, Ihr Pass ist abgelaufen." "Ach, das ist doch egal, Hauptsache, ich habe überhaupt einen Pass." "Nein," widersprach der Beamte mit Bestimmtheit, "Hauptsache, Sie haben einen gültigen Pass."
So reicht es auch nicht aus, wenn ich irgendeinen Glauben habe. Ich brauche einen "gültigen". Es zählt nur der Glaube, der vor Gott gilt.
Ich zeige euch mal meinen Schlüsselbund. Da hängen viele Schlüssel. Einige sehen ganz ähnlich aus. Die beiden zum Beispiel sind sich zum Verwechseln ähnlich. Aber nur einer von beiden passt in meine Haustür. Der andere schließt unser Jugendzentrum "FLUX" auf.
Mit dem Glauben ist es ähnlich. Es gibt nur einen, der die Tür zu Gott öffnet. Die anderen passen nicht. Dabei können sie sich täuschend ähnlich sein. Wir müssen schon genau hinschauen, um die Unterschiede zu erkennen.
Da gibt es zum Beispiel einen Glauben, der aus der Not geboren ist. So war es bei dem königlichen Beamten in unserer Geschichte. Sein Sohn war todkrank. Da hörte er von Jesus, dass er ein Wunderheiler ist, der vielleicht seinen Sohn wieder gesund machen kann. Und er macht sich auf den Weg zu ihm, um ihn zu bitten, ob er ihm vielleicht helfen kann.
Unzählige Menschen verhalten sich ganz ähnlich. Sie geraten in eine schwierige oder gar menschlich gesehen aussichtslose Lage. Zum Beispiel überfällt sie oder einen nahen Verwandten eine Krankheit, bei der die Schulmedizin nicht oder nur unzureichend helfen kann. Man wendet sich in seiner Verzweiflung an Menschen, die vielleicht helfen können, die angeblich heilende Kräfte haben oder andere alternative Heilmethoden anwenden. Viele besinnen sich dann auch darauf, dass man doch beten kann und wenden sich in ihrer Not an Gott.
Eine Geschichte erzählt von einem Mann: Dieser stürzte von einer Klippe in eine tiefe Schlucht. Beim Absturz konnte er sich gerade noch an einem Zweig festhalten. Dort hing er über der dreihundert Meter tiefen Schlucht. Voller Angst sah er den winzigen Zweig, den riesigen Abgrund und spürte, wie seine Kräfte nachließen. In seiner Todesangst schrie er zu Gott: "Gott, wenn es dich gibt, rette mich, und ich will an dich glauben!" Nach einer Weile hörte er eine mächtige Stimme durch die Schlucht dröhnen: "Das sagen alle Menschen, wenn sie in großer Not sind." - "Nein, Gott", rief der Mann, "ich bin nicht wie die anderen, ich will wirklich an dich glauben; hilf mir doch bitte!" - "Gut, ich werde dich retten", ertönte die Stimme, "lass den Zweig los, ich werde dich auffangen und bewahren!" - "Den Zweig loslassen? Bin ich verrückt?" schrie der Mann. Diese Geschichte ist sicher ausgedacht. Aber der Schreiber hat das Herz des Menschen gekannt. In der Not ruft er Gott. Aber dann alle menschlichen Sicherungen loslassen, auch wenn sie ihm auf Dauer nicht helfen können und allein auf Gott vertrauen, das erscheint ihm doch zu verrückt.
Mit so einem Glauben kam der königliche Beamte zu Jesus. Dieser kennt die Menschen. Er weiß auch um die Einstellung dieses Hilfesuchenden. Deshalb sagt er zu ihm: "Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht." Er will dem königlichen Beamten klar machen: Ein Gebet in der Not ist noch kein rechter Glaube. Da muss noch viel mehr an dir geschehen. Dadurch, dass du ein Wunder von mir erbittest, hast du noch keinen rechten Glauben. Da muss noch viel mehr an dir geschehen.
Und da kann auch was geschehen wie bei jenem königlichen Beamten und bei einem, von dem ich erzählen möchte. Dieser machte mit seiner Familie einen Ausflug ins Gebirge. Allein ersteigt er einen der hohen Berge. Auf dem Gipfel war plötzlich eine dichte Wolke da, und es begann kräftig zu schneien. So war der Abstieg nicht möglich. Der Schneefall hörte nicht auf. Der Mann geriet in große Aufregung. Für einen längeren Aufenthalt hier oben war er nicht ausgerüstet. Er dachte: "Meine Frau und meine Kinder werden warten, und ich liege hier oben erfroren und zugeschneit." Da erinnerte er sich plötzlich, dass sie einst im Kindergarten beteten. Das wollte er nun auch tun. Der Mann betete zum ersten Mal seit seiner frühen Kindheit wieder. "Gott, ich kenne dich nicht. Aber hilf mir, auch wegen meiner Familie!" Fast im selben Augenblick war die unversehens gekommene Wolke wieder weg. Trotz Neuschnee war der Weg gerade noch zu erkennen. Er eilte. Und ehe es wieder zu schneien anfing, errichte er das weniger gefährliche Wegstück. Er war gerettet.
Aber damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Er und seine Frau beschlossen, den unbekannten Gott zu suchen, der ihnen geholfen hatte. Sie gingen in Zukunft zu den Gottesdiensten einer Gemeinde und wurden dann Stück für Stück, Stufe für Stufe zum rechten Glauben geführt, zu einem Glauben an Jesus.
Der Beamte in unserer Geschichte lässt sich auch so führen, zu einer weiteren Stufe des Glaubens geführt. Er vertraut dem Wort Jesu: "Geh hin, dein Sohn lebt!" Allerdings bezieht sich dieser Glaube nur auf den einen Punkt, auf die Heilung seines Sohnes.
Das ist ein Glaube, den auch viele Menschen haben. Man vertraut schon Gott, betet vielleicht regelmäßig, hält sich auch zur Gemeinde und zum Wort Gottes. Aber dieses Vertrauen ist nur auf Dinge des alltäglichen Lebens ausgerichtet. Man erwartet Hilfe von Gott in Problemen, die man hat. Wenn es in beruflichen Angelegenheiten Schwierigkeiten gibt, betet man zu Gott, dass er hilft. Ebenso wenn ich eine Reise unternehme, oder wenn ich in Geldschwierigkeiten bin oder familiäre Probleme habe.
Es ist ja gut, wenn wir das tun. Aber dieser Glaube ist auch noch nicht der Glaube, den Gott von uns erwarten kann. Denn bei diesem Glauben dreht sich alles nur um das eigene Ich. Ich möchte dies, ich möchte jenes, ich will dieses oder jenes nicht. Und Gott soll mir bei der Beschaffung helfen. Und wehe, er tut es nicht! Wenn Gott einmal nicht so handelt, wie man will, wenn man das nicht bekommt, was man sich sehnlichst wünscht, dann ist man schnell enttäuscht, dann wirft man diese Art Glauben schnell wieder weg.
Und wenn Gott hilft? Dann kann die Hilfe schnell für selbstverständlich genommen werden. Es verändert sich nichts am Verhältnis zu Gott.
Ich denke an das, was ein Pfarrer zu einem Mann gesagt hat, der ein offensichtliches Wunder erlebt hatte und sich mit diesem Erlebnis brüstete: "Sicher, wunderbar! Aber wenn Sie sich dadurch nicht zum Glauben an Gott heute, zum Leben mit Jesus heute anleiten lassen, dann wird Ihnen einmal diese große Erfahrung sogar noch zur Anklage."
Wenn jemand etwas mit Gott erlebt hat, braucht er sich gar nichts darauf einbilden. Das sagt noch gar nichts über seinen Glauben aus. Entscheidend ist nur, dass ihn das Erlebte zu Christus selber hinführt, und er sein Leben ihm ganz und gar anvertraut.
Dies geschieht auch bei dem königlichen Beamten. Er kommt nach hause und erfährt, dass sein Sohn gesund ist, und zwar genau zu der Stunde, in der er mit Jesus geredet hatte. Da glaubte er. Hatte er das vorher nicht auch schon getan? Ja, aber jetzt wurde aus dem Glauben etwas Dauerhaftes. Jetzt geschah es, dass er sein ganzes Leben Jesus anvertraute.
Was ist da passiert? Ich nehme an, das Gleiche, was auch viele Menschen so oder ähnlich erlebt haben. Ihr Leben hat sich verändert. Es dreht sich nicht mehr nur um das eigene Ich und um die eigenen Interessen. Das eigene Ich ist nun nicht mehr der offensichtliche oder heimliche Herrscher sondern es ist als Regierungschef abgesetzt worden. Wer glaubt, hat einen neuen Chef: Jesus Christus.
Das ist das größte Wunder, das geschehen kann, noch größer als eine Krankenheilung. Denn normalerweise schätzen wir unsere eigene Art ungemein. Wir denken gar nicht daran, dass wir in unserem Leben einen Herrschaftswechsel brauchen. Wir wissen doch selber ganz genau, was gut oder schlecht für uns ist.
Einer, der an Jesus glaubt, der hat dagegen erkannt: Da weiß ich gerade nicht. Und vor allen Dingen tue ich nicht das Gute!
Der rechte Glaube beginnt mit einer erschreckenden Erkenntnis. Erschrocken muss der Glaubende erkennen: "Ich bin gar nicht so, wie ich sein sollte. Ich entspreche nicht den Normen, die Gott gegeben hat, den 10 Geboten." Und er merkt vor allen Dingen: "So wie ich bin, wie ich lebe, passe ich nicht in sein Reich hinein. Wenn ich sterben würde, käme ich nicht hinein."
Er horcht deshalb auf, wenn er von einem hört, der ihm alle Schuld vergeben, der sein Leben verändern und zu einem neuen Menschen machen kann. Vielleicht hat er vorher die Botschaft von Jesus Christus auch schon gehört. Doch er hat sich nicht für sie interessiert. Jetzt aber wird sie ihm auf einmal lebenswichtig. Es ist die Botschaft, die in Johannes 3 Vers 16 in folgende Worte gefasst ist: "Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn dahingab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden sondern das ewige Leben haben."
Diesen Satz hat Jesus einem frommen Mann wie Nikodemus gesagt. Er hat ihm nicht gesagt: "Bemühe dich nur, recht brav und anständig zu leben, bete ein wenig und sei ein wenig fromm." Jesus geht es um etwas anderes: Er will dir seine Liebe schenken, seine Vergebung, die Kraft ein anderes Leben zu führen. Das alles wird dir als Geschenk angeboten, das du im Glauben nehmen darfst.
Gott kann Dinge bewegen, schwierige Situationen ändern, und er kann auch verkorkste Menschen zurechtbringen.
Wo geglaubt wird, da geschehen immer wieder Eingreifen Gottes, da bleibt nicht alles beim Alten sondern es ändern sich scheinbar hoffnungslose Lagen. Und auch Menschen, die ein gottloses Leben geführt haben, können durch Gottes Kraft wie umgewandelt werden.
Wieso sollte dies nicht auch in unserem Leben möglich sein, in welcher Not wir auch stecken? Vielleicht denkt jetzt jemand: „Ich schaffe es nicht, zu glauben, dass Gott mir in meiner Lage helfen wird!“ Wir können tatsächlich in solche Situationen hineinkommen, wo wir meinen, nicht mehr weiterzukönnen, wo wir meinen, jetzt ist alles aus, jetzt kann dir keiner mehr helfen. Es kommen auf jeden Christen Zeiten zu, in denen er meint, nicht mehr glauben zu können.
Aber das kann er tun: In welcher Lage er auch ist, ob er total verzweifelt oder voller Zweifel ist, er kann seufzen und bitten: „Herr, ich will glauben, auch wenn ich voller Unglauben bin.“ So ein Glaube, und wenn er noch so schwach ist, wird auch von Jesus gnädig angesehen und erlebt das Eingreifen Gottes. Das glaube, und du wirst erfahren, dass es auch bei dir so eintrifft.
Es kommt nicht darauf an, wer wir sind, wie unsere Vergangenheit ausgesehen hat, aus welchen Verhältnissen wir gekommen sind, wie erblich wir vorbelastet sind, was wir selber alles falsch gemacht haben. Entscheidend ist nur, ob wir dieses alte Leben nicht mehr haben wollen, weil es uns zum Hals heraushängt, und ob wir nun wollen, dass Jesus über uns bestimmt, dass er unser persönlicher Heiland wird, der alles Kaputte in unserem Leben wieder heil macht.
Und so darf ich jeden von uns bitten: Glaube an die totale Vergebung deiner Sünden, die immer größer ist alle Schuld. Glaube, dass Jesus dein Leben neu macht. Wenn du so glaubst, nicht nur einmal, sondern immer wieder, dann bringt dich Gott auch einmal an das große Ziel des Lebens, in sein ewiges Reich.

Amen

© 2017 Dieter Opitz