"Zum 100. Mal" - Kreuz & Quer vom 16.11.2016, Römer 2,1-11

Ein Tag im Leben des Ego N. Kein besonderer Tag, ein Tag wie jeder andere. Ego N. verhält sich an diesem Tag so, wie er sich an vielen anderen Tagen verhalten hat. Er bricht an einem Tag wieder einmal sämtliche 10 Gebote. Genauer gesagt, er schafft es in exakt neun Stunden und 2 Minuten, von 7 Uhr 28 bis 16 Uhr 30.
Natürlich kann man wie Ego N. reden: "Na und? Es ist doch mein Leben. Das geht doch niemanden etwas an." Falsch! Einen geht es sehr wohl etwas an. Das ist Gott. Denn er hat es dir gegeben inklusive Gebrauchsanweisung. Das sind seine 10 Gebote. Und wer sich an diese Gebrauchsanweisung nicht hält, der macht sein Leben kaputt. Der zerstört auch die Beziehung zu Gott und seinem Mitmenschen.
Ego N., das ist kein fürchterlicher Schwerverbrecher. Ego heißt ich, und N. steht für Normalverbraucher. Ego N. hält uns allen einen Spiegel vor. Nicht dem, der neben dir sitzt, nicht dem, der heute Abend zu hause geblieben ist, sondern dir und mir.
Vor Gott sind wir alle gleich schuldig. So schrieb es auch der Apostel Paulus an die Römer im 2. Kapitel: (Vers 1 bis 6 nach der "Hoffnung für alle" vorlesen)
Wer hört schon gerne etwas von seiner Schuld? Von den Fehlern anderer hören wir ganz gern etwas, da fällt es uns auch nicht schwer uns zu empören und aufzuregen. Aber wenn es um die eigenen Fehler geht, sieht die Sache meist anders aus. Da fällt es uns oft sehr leicht, sie zu vertuschen, zu verkleinern, zu entschuldigen. Wir sind lieber Zeugen und Zuschauer als Angeklagte - so wie der König David in der Bibel.
Dieser hatte einmal auf ganz miese Art und Weise seine Macht missbraucht. Er bricht die Ehe mit einer Frau. Deren Mann, einen seiner Offiziere schickt er in den sicheren Soldatentod. Und dann heiratet er diese Frau. Eine ganz üble Geschichte!
Eines Tages kommt zum König David ein Mann, der Prophet Natan und erzählt ihm eine Geschichte. Er berichtet von einem Mann, der viele Schafe hatte. Eines Tages bekommt er Besuch. Doch er bringt es nicht über das Herz, eines seiner vielen Schafe für das Festessen zu schlachten. Er stiehlt das einzige Schaf eines armen Mannes und setzt es dem Gast vor.
David empört sich über das Verhalten des reichen Mannes. Doch da entgegnet ihm Natan: "Du bist der Mann! Denn du hast deinem Offizier seine Frau weggenommen!"
Wenn Gott redet, auch heute Vormittag, meint er immer dich, nicht den Nachbarn, der neben dir sitzt, nicht den, der heute nicht in den Gottesdienst gegangen ist, weil er etwas anderes vorhatte. Sondern du bist angesprochen. Du bist gemeint. Es geht um deine Schuld, und um deine Hilfe.
Wir haben eben recht deutliche Worte aus der Bibel gehört. Sie sind langweilig, wenn wir uns nicht betroffen fühlen. Doch sie werden auf einmal hochinteressant, wenn wir merken: Es geht um mich! Ich bin der Mann! Ich bin die Frau!
Wenn es um die eigenen Fehler geht – damit wollen wir uns nicht so genau befassen, die wollen wir gar nicht so genau anschauen. Aber Gott möchte, dass wir genau hinschauen und nicht oberflächlich über alles hinweggehen. Warum? Will er uns quälen, fertig machen, unser sowieso schon geringes Selbstwertgefühl gar ganz zerstören? Nein, im Gegenteil! Er will uns befreien, uns total heil machen! Der Vers 4 lautet: „Weißt du nicht, dass Gottes Güte dich zur Umkehr leitet?“ Gottes Güte ist es, die den Finger auf die wunden Punkte unseres Lebens legt. Er kann nicht Fünf gerade sein lassen und einfach über alles Sündhafte unseres Lebens hinwegsehen. Und zwar aus dem einen Grund: Er möchte uns verändern, er möchte unser Leben heil und ganz machen. Aber das geht eben nur, wenn wir auch Bescheid wissen, was genau nicht in Ordnung ist bei uns, was uns kaputt macht und krank, was unsere Beziehung zu Gott und unseren Mitmenschen zerstört. Heute bittet uns Gott, jetzt, in diesem Augenblick und sagt: Ich möchte, dass du einmal genau hinschaust und dein Leben mit meinen Augen betrachtest. Ich habe euch Menschen gute Ordnungen gegeben, damit die Beziehungen zu mir und untereinander gut und segensreich sind. Prüf dich doch bitte einmal ganz ehrlich, wie du mit diesen Ordnungen umgegangen bist!
1. Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“ Gott, der Herr, spricht zu dir: "Auf was blickst du? Auf das Sichtbare, auf Menschen, die dir viel bedeuten, denen zuliebe du alles tust, (oder auf Maskottchen, auf dein Horoskop)? Siehst du überall nur Probleme und machst dir Sorgen oder vertraust du mir, dass ich mich um die großen und kleinen Dinge deines Lebens kümmere? Blickst du auf mich, der ich zwar unsichtbar, aber dennoch erfahrbar bin? Hast du einen Blick für mein Wort? Nimmst du das, was ich dir sage, ernst?"
2. Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn deines Gottes nicht unnütz gebrauchen, denn Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“ Gott, der Herr, spricht zu dir: "Wenn du betest, blickst du dann eigentlich auf mich, d.h. weißt du, dass du dann mit mir redest oder siehst du dann in deinem Innern alle möglichen Bilder, sprichst dein Gebet nur mechanisch herunter und bist mit deinem Herzen gar nicht bei der Sache?"
3.Gebot: „Du sollst den Feiertag heiligen!“ Gott, der Herr spricht zu dir: "Was denkst du, wenn du sonntags auf die Uhr schaust? Denkst du: keine Zeit für den Gottesdienst, weil ich ausschlafen muss oder etwas anderes vorhabe?"
4. Gebot: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass dir`s wohlgehe und du lange lebest auf Erden.“ Gott, der Herr, spricht zu dir: "Mit welchen Blicken begegnest du deinen Eltern oder Kindern? Mit geringschätzigen, ärgerlichen, verächtlichen oder gleichgültigen? Senkst du am liebsten deinen Blick, wenn sie deine Hilfe brauchen?"
5. Gebot: „Du sollst nicht töten!“ Gott, der Herr, spricht zu dir: "Kennst du das auch: hasserfüllte Blicke, zornige Blicke, empfindliche Blicke, beleidigte Blicke? Siehst du am liebsten weg, wenn jemand deine Hilfe braucht?"
Das waren jetzt mal nur die ersten fünf Gebote – und wenn wir uns ehrlich diesen Fragen stellen, dann merken wir doch: da bin ich überall schuldig geworden. Was nun?
Auf unsere Schuld wollen wir nicht gerne angesprochen werden. Und wenn wir unsere Schuld nicht leugnen können, dann gebrauchen wir gerne einen Trick, um sie los zu werden: wir entschuldigen uns und versuchen, uns irgendwie herauszureden. Da macht z.B. ein Vorgesetzter seinen Untergebenen mit Worten fertig oder Eltern ihre Kinder und dann entschuldigt man sich: „Das waren die Nerven!“
Sehr beliebt ist auch das Schuld-Verschiebe-Spiel, erfunden wurde es im Paradies. Als Gott Adam und Eva fragt: „Warum habt ihr von der verbotenen Frucht gegessen?“ antwortet Adam: „Die Eva war schuld!“ und Eva erwidert: „Die Schlange ist schuld!“ Und so reden sich bis auf den heutigen Tag Menschen heraus: „Nicht ich bin schuld, sondern meine Eltern, meine Gene, die Umstände, die anderen Menschen!“
Und ganz schlimm ist es, wenn man sich falsch beruhigt mit der Aussage: „Alles nicht so schlimm. Gott ist doch Liebe. So genau wird er es schon nicht nehmen. Und außerdem bin ich doch getauft und konfirmiert und halte mich zur Kirche.“ Aber wer so redet, der kennt nur die eine Seite Gottes. Stellt euch mal einen 10-Euro.Schein vor, der nur auf einer Seite bedruckt ist: das ist Falschgeld.. Und genau so handelt es sich um ein falsches Christentum, wenn man nur von der einen Seite Gottes, von seiner Liebe spricht, aber die andere Seite, seine Heiligkeit verschweigt. Gott ist auf der einen Seite Liebe. Aber auf der anderen Seite ist er auch heilig und gerecht. Gott wird jeden von uns einmal richten, ob es uns passt oder nicht! Und an diesem Gerichtstag lässt Gott sich nicht mit Entschuldigungsformeln abspeisen. Er rechnet mit Ergebnissen. Bei Gott zählen einmal nicht unsere Entschuldigungen und guten Vorsätze, sondern da geht es um die Fakten unseres Lebens!
Und jetzt geht es um radikale Ehrlichkeit. Ich kann es nur von mir so sagen: Die Fakten meines Lebens sprechen gegen mich. Wer diesen Beichtspiegel, den ich vorgelesen habe, ernst nimmt, der kann doch nur erschrecken. Denn da merke ich: Ich lebe ja an keinem Tag so wie Gott es eigentlich von mir haben möchte. Um alles mögliche kreisen meine Gedanken, aber nicht um Gott und sein Wort. Um alles mögliche mache ich mir Sorgen – anstatt zu beten und zu vertrauen. Und am Sonntag liege ich vielleicht tatsächlich lieber im Bett, als aufzustehen! Wenn wir über uns erschrecken, dann ist das gut so. Mit dem erschrockenen Gewissen, fängt lebendiges Christentum nämlich an und so geht es auch weiter. Bei echten Kindern Gottes geht es immer wieder durch ein Gnaden-Gericht zu ihren Lebzeiten hindurch. Wer eine echte Verbindung zu dem lebendigen Gott hat, den mahnt der Geist Gottes, da legt er den Finger auf die wunden Punkte und da ist es ganz wichtig, dass wir dann nicht oberflächlich darüber hinweggehen, sondern wirklich uns beugen und um Vergebung bitten.
Wenn wir denken: So, jetzt bin ich bekehrt, jetzt bin ich ein wiedergeborener Christ, jetzt befinde ich mich schon auf einer höheren Stufe – das ist total verkehrt. So spricht der Mensch ohne Gott, der immer besser werden will. Der biblische Weg ist genau anders. Da wird man in den eigenen Augen nicht immer besser, sondern immer verkehrter, d.h. man ist immer mehr auf die Gnade und Vergebung angewiesen. Aber durch diese Erkenntnis, dass ich ein sündiger Mensch bin, werde ich nicht niedergeschlagen und traurig, sondern dann darf ich doch Buße tun: das heißt: ich bekenne meine Schuld, bitte um Vergebung und glaube die Vergebung. Und dann ist alles weg, ich bin frei und es steht nichts mehr zwischen mir und Gott. Und ich werde ganz fröhlich und getrost! Luther sagte einmal: „Buße tun ist ein fröhliches Geschäft!“ Warum? Genau deshalb, weil ich, wenn ich meine Schuld erkenne und bekenne, ja dann sofort auch die Gnade und Vergebung glauben darf. Ich muss nicht erst einige Tage mit einem traurigen Gesicht herumlaufen, sondern das kann ganz schnell gehen. Wenn ich zu Jesus komme und sage: Herr, vergib mir das oder das! Dann wird dieses Gebet sofort erhört! So unglaublich gnädig ist er! Wir müssen seine Liebe und Vergebung nur in Anspruch nehmen!
Wir können gottlos dahintrotten, wenn wir denken: Ich lebe so, wie ich will. Ich lasse mir von niemandem Vorschriften machen! Oder falsch fromm, wenn wir denken: Ich bin doch schon auf dem rechten Weg. Wieso sollte ich umkehren? Das Ergebnis von solchem Dahintrotten ist immer Schrott! Wir alle haben es nötig, jeden Tag zu Gott umzukehren.
Und vielleicht hilft es ja auch anderen. Ein Rabbi übernachtete einmal in deinem Dorfgasthaus. Er las in einem frommen Buch und entdeckte die Stelle: "Ganz Israel bürgt füreinander." Da gab er sich schuldig, stellvertretend für sein Volk. Laut sprach er: "Du Sünder, was hast du alles getan!" Und er zählte Sünde um Sünde auf und brachte sie mit Schmerzen der Reue vor Gott.
Der Wirt stand hinter der Tür und belauschte den frommen Mann. Bestürzt hörte er genau seine Sünden. Und er bereute sie und kehrte wieder zu Gott um. Wenn wir uns Gott ganz hingeben, wird das vielleicht auch die Stunde der Umkehr für einen anderen.
Umkehren. Es ist doch wunderbar, dass wir es dürfen. Denken wir an den verlorenen Sohn. Wie froh war er, als er endlich wieder beim Vater war. Dieser machte ihm keine Vorwürfe, sondern nahm ihn in seine Arme und alles war gut. So ist Gott.
Er wartet auf uns, dass wir uns endlich auf den Weg machen und wieder zu ihm zurückkehren, wo wir zuhause sind.
Es ist sicher unangenehm, wenn wir erkennen, dass wir Gott aus den Augen verloren haben und unsere eigenen Wege gegangen sind. Aber es ist heilsam, denn sonst würden wir nicht umkehren.
Zu Gott umkehren – das ist sein großes Angebot an alle Menschen. Zu Gott umkehren, das heißt zu ihm kommen und alles von ihm erwarten. Wer zu Gott umkehrt, der braucht nichts vorweisen an guten Taten. Er kann so kommen, wie er ist, wenn er nur Gott um Erbarmen bittet. Und Gott erwartet auch keine guten Vorsätze oder Versprechen wie: Von nun an wird alles anders! Sondern er wartet nur auf unsere Bitte: „Herr, mache du mich neu! Gib mir deinen Heiligen Geist und mach du den Menschen aus mir, den du haben möchtest!“
Es geht niemals um das, was wir Menschen tun oder getan haben, sondern das Entscheidende ist, was Jesus tut und getan hat.
Getan hat er, vollbracht hat er die Vergebung und Erlösung als er für uns am Kreuz starb. Und tun wird er: dass Er uns neu macht, wenn wir ihn darum bitten, wenn wir seinen Heiligen Geist an uns wirken lassen.
Zu Gott umkehren ist keine kümmerliche, demütigende Angelegenheit, sondern ist Grund zur Freude. Als der verlorene Sohn heimkehrte, da feierte der Vater ein rauschendes Fest. Genau so ist Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut. Wenn wir also dem ganzen Himmel eine Freude machen wollen, brauchen wir nur Buße tun, das heißt Umdenken: Statt zu denken: ich bin doch recht, nur alle anderen sollten sich ändern, denke ich jetzt: Ich habe alle Gebote Gottes übertreten, der Nächste neben mir hat auch nicht mehr übertreten. Ich brauche Vergebung und Erbarmen Gottes und der andere neben mir auch. Und dann darf ich tatsächlich von der Vergebung, Barmherzigkeit und Geduld Gottes leben. Wenn ich die Vergebung für mich glaube, wirklich glaube, dann geht es mir gut. Dann muss ich mich nicht mehr selber quälen: Ach hätte ich doch, oder hätte ich doch nicht, sondern dann darf ich alles fallen lassen und getrost vergessen, was an Dummheiten und Versagen in meinem Leben vorgekommen ist. Es ist erledigt, es geht mich und andere nichts mehr an!
Und wenn ich selber nun vom Erbarmen Gottes lebe, dann kann ich doch auch mit den Menschen um mich herum barmherzig sein und ihnen ihre Fehler vergeben. So werden Beziehungen heil unter den Menschen, wenn jeder sich über seine eigene Schuld beugt, Vergebung für sich glaubt und Vergebung an den andern weitergibt.

© 2016 Dieter Opitz