"Mit dem Kopf durch die Wand"

Liebe junge und jung gebliebene Freunde!

Der ganze Urwald war in Aufregung. Denn plötzlich, über Nacht, war eine riesige Mauer quer durch den Dschungel entstanden. Sie war hoch und breit und, soweit Twiga, die Giraffe es beurteilen konnte, überaus dick. "Alles Schöne unseres Landes ist auf der anderen Seite der Mauer", brüllte Simba, der Löwe. "Die grünen Bäume, die uns Schatten spenden, der große See mit seinem herrlich blauen Wasser un die frischen , kleinen Bäche, die von den hohen Bergen kommen."

"Es ist wahr", jammerte Twiga, "auf dieser Seite gibt es nur Dornen, Staub und Wüste. Und selbst die Wasserlöcher sind voll Schlamm!" Faru, das Nashorn will die Mauer, durchbrechen. Es möchte buchstäblich mit dem Kopf durch die Wand rennen. Doch es holt sich bei diesem Versuch nur ein verbogenes Horn und eine Beule auf der Stirn. Die Mauer ist zu dick. Jumbo, der Elefant, wirft sich ein paar mal mit seiner starken Schulter gegen die Mauer. Aber die Mauer gab nicht nach, nicht um die Breite seines Schwänzchens. Mbisi, die schlaue Hyäne, versucht einen Weg um die Mauer herum zu finden. Doch nach zwei Tagen kam Mbisi auf wunden Pfoten wieder angehinkt. "Es gibt keinen Weg um die Mauer herum," murmelte sie, "Sie hat weder Anfang noch Ende." Nzoka, die Schlange, verschwindet in einem Loch nahe der Mauer. Sie will einen Weg unter der Mauer finden. Einen ganzen Tag lang wühlte sie sich durch die Erde. "Seht, ich bin auf der anderen Seite der mauer!" verkündete sie stolz. Aber die anderen Tiere lachten sie nur aus: "Du bist immer noch wie wir alle auf der gleichen Seite der Mauer." Es gab keinen Weg unter dieser Mauer hindurch. Nyani, der Affe, rief: "Ich will darüber hinwegklettern!" Er kletterte höher und höher. Aber irgendwann verließen ihn seine Kräfte. Und er fiel wieder von der Mauer herunter. Selbst für ihn, den geschickten Kletterer, war sie zu hoch. Nun hatten die Tiere alles versucht. Aber sie hatten keinen Ausweg gefunden. Weder durch die Mauer noch über sie hinweg, weder um sie herum noch unter sie hindurch.

Nun leben wir nicht im Urwald, nicht einmal im Dschungel der Großstadt, auch wenn Bayreuth nicht mehr so bieder und brav ist wie in früheren Jahren. Aber auch durch unser Leben zieht sich eine Mauer. Nämlich eine Mauer, die aus den Steinen unserer Schuld gebaut ist. Sie trennt uns voneinander und - was noch viel schlimmer ist - von Gott! Und doch bauen wir fortgesetzt an dieser Mauer, setzen Stein für Stein auf sie. Jeder Wutausbruch, jede Lüge, jeder haßerfüllte Gedanke, jeder Betrug, jede Undankbarkeit, jede Unversöhnlichkeit, jeder neidische Blick, jede Lieblosigkeit, jeder Streit, jede Bosheit, jede Dickköpfigkeit ist so ein Stein! Und durch jeden dieser Steine wird die Mauer zwischen uns, unseren Mitmenschen und Gott, nur immer stärker, undurchdringlicher, unüberwindbarer! Wir wollen nun gemeinsam über die Mauer, die aus den Steinen unserer Schuld gebaut ist, nachdenken. Ihr habt euch sicher schon gefragt, was die Zettel auf dem Liedblatt sollen. Schreibt bitte mit einem Stichwort darauf, was uns von Gott und unseren Mitmenschen trennen kann. Die Zettel werden dann eingesammelt und auf unsere Schuldmauer, die vorne aufgebaut ist, aufgeklebt.

Die Steine unserer Schuldmauer haben Namen bekommen. Ich sehe da z.B. ....(vorlesen) All das. was ich vorgelesen habe, belastet ja wirklich unser Leben und unsere Beziehung zu Gott und unserem Mitmenschen. Wie wichtig ist es deshalb, daß wir einen Weg finden, um diese Mauer zu überwinden! "Der Mann, der durch die Wand gehen konnte", so hieß einmal ein Film mit dem unvergessenen Heinz Rühmann. Diese Fähigkeit, durch die Wand gehen zu können, hat man nur in Fantasyfilmen. Aber in der Wirklichkeit würden wir uns nur Beulen holen wie das Nashorn Faru oder eine zerschundene Schulter wie der Elefant Jumbo. Ebenso kommen wir nicht durch die Mauer der Schuld aus eigener Kraft. Ein aussichtsloser Versuch! Wie will ich das auch schaffen, mich selbst mit meiner Vergangenheit loszuwerden! Genauso könnte ich versuchen, meinem Schatten zu entfliehen. Andere stehen gleichgültig vor der Mauer ihrer Schuld. "Ich bin halt so!" sagen sie. "Ich muß zu meiner Schuld stehen! Die anderen sind ja auch nicht besser!" Aber die Mauer bleibt. Sie wollen überhaupt nicht an ihr rütteln. Man kann sich auch wie die Schlange Nzoka vorgaukeln: Ich hab’s geschafft. Ich bin durch die Mauer gekommen. Meditation, Yoga, Psychotechniken, Esoterik machen dem Menschen das vor. Doch sie bleiben nur bei sich selbst. Erleichtert wird nicht die Seele sondern nur der Geldbeutel. Wieder ander wollen durch Drogen oder Alkohol ausbrechen und in das Land ihrer Träume fliehen. Sie wollen wie der Affe Nyani die Schuldmauer nach oben hinauf klettern, immer höher und höher, - bis sie schließlich wieder abstürzen. Die Flucht in Alkohol und Drogen wird oft mit der Gesundheit oder gar mit dem Leben bezahlt.

Der große Durchbruch ist von uns aus einfach nicht zu schaffen! Ist denn das so schlimm? Liebe Freunde, wer von dicken Mauern eingeschlossen ist, der ist eigentlich verloren! Wie jene Krankenschwester, die 1945 bei einem furchtbaren Bombenangriff auf Nürnberg verschüttet wurde. Die Decke des Luftschutzkellers - in dem sie sich geflüchtet hatte - war unter der Last des bombardierten Hauses zusammengebrochen. Von gewaltigen Steinmassen eingschlossen war sie lebendig begraben. Keiner würde ihr Schreien hören, ja überhaupt nach ihr graben!

In ihrer Todesangst betete sie aber immer wieder eine Zeile aus einem Weihanchtslied: "Du Kind, dem alle Engel dienen, bring Licht in meine Dunkelheit!" Da hörte sie nach Stunden bangen Wartens von ferne Geräusche. Suchtrupps gruben nach Verschütteten! Zunächst fiel nur ein schwacher Lichtstrahl in ihre Todeszelle, aber der signalisierte: Retter waren unterwegs zu ihr! Und die holten sie dann, zwar verletzt, aber lebend heraus!

Liebe Freunde! Wir wären heute noch von den dicken Mauern unserer Schuld, unserer Hilf- und Hoffnungslosigkeit eingeschlossen, wenn Gott sich nicht auf die Suche nach uns verschütteten, verlorenen Leuten gemacht, uns einen Retter gesandt und damit die Mauer durchbrochen hätte! Seitdem Jesus in diese Welt gekommen ist, gibt es ein Tor in dieser Mauer. Jesus, der Sohn Gottes, sagt: "Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht, wird gerettet werden." Die Mauer, die uns von Gott trennt, ist nicht nur eine Gefängnismauer. Sie ist auch eine Todesmauer! Sie trennt uns hier schon von einem Leben mit Gott und erst recht einmal in der Ewigkeit von einem Leben bei Gott! Wenn da nicht an dieser Mauer ein Kreuz wäre! Da ist einer verblutet! Da ist einer grausam von Menschen getötet worden! Da hat einer unter Einsatz seines Lebens diese Mauer durchbrochen! Dies alles geschah am Kreuz. Deshalb hat die Tür in der Mauer die Form eines Kreuzes. Wir wollen euch das einmal plastisch vor Augen führen!

(Michael geht durch die Mauer. Eine Tür in Form eines Kreuzes entsteht.)

Was das bedeutet? Ungeheuer viel! Nämlich: Wenn in die Todesmauer meines Lebens sein Kreuz gebrochen ist, dann kann ich ja hindurchgehen! Und du ebenfalls! Dann steht uns ja die ganze Welt Gottes offen. Das ist nicht bloß ein frommer Wunsch sondern ein geschichtliches Ereignis! An Karfreitag im Jahr 33 ist das passiert - vor den Toren Jerusalems, auf dem Hügel Golgatha! Dort hat einer seine Rettungstat mit seinem Leben bezahlt, damit wir nicht den verdienten Tod erleiden müssen. Damit uns vergebgen werden kann. Jetzt brauchst du nur noch eines zu tun: Zu glauben, daß diese Tür in der mauer drin ist und durch sie hindurchgehen! Dann wird Vergebung in deinem Leben Wirklichkeit. Quälende Anklagen, Lasten von Schuld fallen dann von dir ab. Du kannst befreit aufatmen, dich wieder - vielleicht zum ersten Mal sogar! - richtig freuen. Sorgen, Nöte, Ängste verlieren für dich ihre Schrecken, weil du ja nun weißt, daß Gott bei dir ist.

Durch Gottes >Liebe und Nähe bekommt dein Leben überhaupt erst einen echten Sinn und ein lohnendes Ziel! Wird es richtig spannend und aufregend, weil es von Taten und Wundern Gottes begleitet wird! Wer glaubt darf erleben, was in der Bibel steht: "Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen!"

Mit seiner Hilfe, seiner Kraft ist das möglich! Du kannst etwa über die Mauer des Schweigens hinwegkommen, an der man oft mit baut! Auf einmal bekommst du Mut, die eigene Feigheit oder Gleichgültigkeit zu überwinden und tapfer den Mund für andere oder für Gott selber aufzutun! Du kannst auch lernen, mauern von Ablehnung einzureißen. Denn du siehst jetzt unbequeme, unsympathische Leute mit den Augen der Liebe Gottes! Oder du kannst auch Mauern der Isolation durchstoßen, endlich aus sich herausgehen, auf andere zugehen, weil Gott einem die Kraft dazu gibt! Auch die stärkste Mauer unseres Lebens, die des Todes, ist durchbrochen worden! Dies geschah an Ostern, als Jesus sogar stärker als der Tod war. Auch wenn du sterben mußt, kannst du durch diese Mauer des Todes hindurchgehen, und du bekomst das ewige Leben! Jeder von uns, wer er auch ist, auch wenn er noch so viel Schuld auf sich geladen hat, und wenn er der größte Kotzbrocken in diesem Raum ist, er darf auf Jesus schauen, darf an seine Liebe und Vergebung glauben. Wenn du das wirklich glaubst, dann kann es für dich nur noch eines geben: Jesus für seine ungeheure Liebe zu danken! Fangen wir doch noch heute damit an - mit dem Danken für seine Vergebung, die uns gehört, für seine Liebe, die uns gilt, für seine Treue, die uns begleitet! Gehen wir nachher doch dankbar zum Abendmahl. Brot und Wein stehen für uns bereit. Jesus will uns dadurch neu Vergebung, Geborgenheit, Kraft und Freude schenken.

Wenn ihr dann zum Abendmahl geht, geht bitte durch dieses Kreuz. Und denkt dann daran: Nur durch das Kreuz, den Kreuzestod jesu, ist der Zugang zu Gott und zu seiner Vergebung und Liebe wieder frei. Und gehen wir später ebenso dankbart nach hause, weil er mit uns geht, Jesus. Und vergessen wir dort keinenTag, keine Stunde, ihn für alles Gute zu danken, was er uns schon getan hat und noch tun wird! Eine solche Dankbarkeit würde unser ganzes Leben verändern.

Amen

(c) Dieter Opitz, Bayreuth

(c) Dieter Opitz, Bayreuth

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