Umsonst

Es wird erzählt, dass ein Mann in den USA einst ein sehr ungewöhnliches Experiment durchführte. Er nahm sich vor, in einem bestimmten Wohnviertel an verschiedene Haushalte täglich $100 zu verschenken.

Als er das erste Mal den Bewohnern den $100-Schein geben wollte,  war es richtig schwierig sie davon zu überzeugen, dass er wirklich keine Gegenleistung verlangte. Manchen nahmen die $100 gar nicht erst an, weil sie irgendetwas dahinter vermuteten. Der Rest nahm es nur zögerlich an und fragte sich, was das wohl für ein Irrer sein mag, der $100-Scheine an wildfremde Leute verschenkt. Am zweiten Tag waren die Reaktionen ähnlich. Nach drei, vier Tagen hatten die ersten Leute das Geld zur Bank gebracht und festgestellt, dass es tatsächlich echt war. Seit dem nahm jeder bereitwillig die $100-Scheine entgegen. In der zweiten Woche standen die Leute schon vor der Tür, um den Geldgeber auch ja nicht zu verpassen. In der dritten Woche trat jedoch eine Veränderung ein: Die Leute hatten sich schon so an den täglichen Geldsegen gewöhnt, dass sie das Geld ohne große Regungen entgegennahmen und die Tür wieder schnell hinter sich verschlossen. Die vierte Woche verlief ähnlich.

In der fünften Woche ging der Mann durch die Straßen ohne auch nur einen einzigen Geldschein zu verteilen. Da kamen die Leute zu ihm und beschwerten sich: "Wo bleibt mein Geld?!" und "Sie, wie kommen sie dazu, mir meine $100 heute nicht zu geben?!"

Eine komische Reaktion der Leute, nicht? Sie hatten sich mit der Zeit so an das Geschenk gewöhnt, dass sie dachten, sie haben nun einen Anspruch auf diese Leistung. Das wirklich traurige an der Geschichte ist: Genauso machen wir es auch mit Gott. Er schenkt uns Freude, Talente, Gesundheit, einen Job, Perspektiven, etc. - doch wir danken ihm kaum oder gar nicht dafür, weil uns dieses Geschenk schon so selbstverständlich vorkommt. Nimmt er uns etwas davon und kommt Leid über uns, dann bohrt in uns wieder die unlösbare Frage "Wie kann Gott das nur zulassen?". Warum fragen wir uns nicht auch einmal: "Warum ist Gott so gütig zu mir?", wenn es uns gut geht?

-mz