Jesus kam in eine kaputte Welt

Bei einer Weihnachtsfeier in einer Schule - irgendwo in Franken. Die Kinder führen gerade ein Weihnachtsstück auf. Da kriege ich am Rande mit, wie ein Junge, begleitet von Lehrern, die Aula verläßt. Hinterher erfahre ich, daß der Junge auf der Weihnachtsfeier einen Selbstmordversuch unternommen hatte. Ich kannte den Jungen nicht, auch nicht seine Motive für seine Tat. Ich weiß auch nicht, ob es sich um einen ernstgemeinten Selbstmordversuch handelte oder um einen Schrei nach Hilfe, oder um beides.

Aber auffallend ist schon, daß gerade in der Advents- und Weihnachtszeit viele Menschen gar nicht so froh gestimmt sind sondern viel mehr unter ihren Problemen leiden als sonst. Vielleicht hängt das mit der Vorstellung zusammen, wenigstens an Weihnachten müßte man etwas von einer heilen Welt merken. Und ist bitter enttäuscht, wenn man um so stärker mit seinen Problemen konfrontiert ist.

Aber deshalb feiern wir nicht Weihnachten, um uns eine heile Welt vorzugaukeln, um unsere Probleme unter den Tisch zu kehren. An Weihnachten feiern wir das Fest der Menschwerdung Gottes. Gott wird Mensch, weil er hinein will in unsere Probleme. Er kam, weil Familien von Haß zerrissen werden. Er starb für unsre Schuld. Erst dann feiern wir richtig Weihnachten, wenn wir diesen Jesus an unsere Probleme heranlassen. Wir brauchen unsere Einsamkeit, unsere sinnlos erscheinende Lage, unsere Wut, unseren Groll und unseren Familienstreit nicht zu verdrängen.

Wir mögen bedauern, daß unsere Welt so viele Probleme hat. Aber genau dies ist ja der Grund, daß Weihnachten passierte. Jesus sucht nicht eine heile Welt. Er sucht eine kaputte Welt. Er sucht solche Menschen, die mit ihrer Kaputtheit zu ihm kommen. Er ruft sie mit den Worten zu sich: "Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen sein; ich will euch erquicken!"

-do