"Je su(i)s Diener"  Anspiel Kreuz und Quer 2.4.2015

 

(1 Studentin und 2 Studenten sitzen um einen Tisch. Ein 4. Stuhl ist frei. Studentin pflegt ihr Make Up, evtl. mit Spiegel, Wimperntusche, Lippenstift, Rouge, etc. 1.Student spielt mit seinem Smartphone. 2. Student hat ein aufgeschlagenes Buch vor sich liegen, das er eifrig studiert. 2. Studentin hat eine Schürze umgebunden, räumt Teller, Besteck und Gläser auf ein Tablett. Sie wirkt sehr "geladen" und verteilt immer wieder giftige Blicke. Als sie fertig ist, lässt sie demonstrativ den letzten Teller auf die anderen Teller fallen. Es scheppert. Die Studenten zucken zusammen. )

 

Streber:           He, was soll der Krach? Ich muss lernen!

Spieler:            Ich hab mich jetzt vertippt. Jetzt hab ich verloren. (wirft unwillig das                              

Smartphone auf den Tisch. )

Dame.             (schaut zur Studentin mit der Schürze) Du machst einen Stress! Das ist nicht                  

gut für meinen Teint.

Dienerin:         Jetzt ist Feierabend.

Streber:           Feierabend? Ich muss noch die ganze Nacht lernen.

Dienerin:         Ich habe Feierabend. Es ist Freitag, 20 Uhr. Meine Arbeitswoche für euch ist                 

zu ende. Jetzt ist ein anderer von euch dran: mit Essenmachen, Essen                              

einkaufen, aufspülen, Wohnzimmer sauber halten, Müll rausbringen,                               

Einkaufen, Kehrwoche im Haus. (Die 3 am Tisch schauen kurz erstaunt auf                    

und machen dann ungerührt mit ihren Tätigkeiten weiter. Keiner sagt ein Wort.)

Dienerin:         (forsch) Also was ist jetzt?

Spieler:            Schon wieder Wochenende? So schnell vergeht die Zeit.

Dienerin:         Deine philosophischen Ergüsse helfen dir jetzt auch nicht weiter.

Spieler:            Ich wollte nur sagen: Irgendwie bin ich noch nicht auf Küchendienst und die                 

ganzen Sachen eingestellt.

Dienerin:         Meinst du damit, dass du dich wieder drücken willst, so wie das letzte Mal und             

das vorletzte Mal?

Spieler:            Moment, Moment, das habe ich ganz anders in Erinnerung. Beim letzten mal                  

hab ich mir beim Abspülen in den Finger geschnitten, gleich beim ersten Mal.                 

Und beim vorletzten Mal, da war ich, glaube ich, krank, oder?

Dienerin:         Das vorletzte mal, mein lieber Freund, ist schon so lange her, da kann selbst                   

ich mich nicht mehr darin erinnern, welche Ausrede du verwendet hast.

Spieler:            Keine Unterstellungen bitte!

Dame:             Also ich war ja vor zwei Wochen dran.

Dienerin:         Und da hast du so gut wie gar nichts gemacht. Das Geschirr der ganzen Woche             

war in der Spüle. Da hab ich mich Freitag Nacht hingestellt und alles sauber                   

gemacht.

Dame:             Ich hätte es schon noch gemacht…

Dienerin:         Ja wann denn? Du Küche hat gepicht. Die hab ich auch geputzt. Den Müll hast              

du nicht rausgetragen. Die ganze Woche nicht. Im Biomüll war eine Ratte!                     

Eine Ratte! So was Ekliges hab ich noch nie gesehen! Abgesehen vom Klo!                    

Das…

Streber:           Erspar uns die Einzelheiten. Wir haben es alle gesehen und ..gerochen.

Dienerin:         (zum Streber) Du wärest auch schon lange dran. Das letzte mal habe ich den                  

Dienst für dich gemacht, auch schon zum zweiten Mal.

Streber:           Weil ich für diese Klausur lernen musste.

Dienerin:         Die ist aber jetzt vorbei.

Streber:           Meine Güte, ich hab halt mal ein hartes Studium. Wenn ich meine Zeit mit                     

Küchendienst verplempert hätte, hätte ich schon längst aufhören müssen.

Dienerin:         Ich studiere zufälligerweise auch! Und mach hier auch noch für euch die                        

Drecksarbeit in der WG. Ich allein, in den letzten Wochen! Mir reicht's! Ab                    

jetzt ist jemand anders dran! Ich bin doch nicht eure Sklavin! (legt die Schürze              

ab und wirft sie wütend auf den Tisch. Verlässt den Raum.) Tschüss!

Dame:             (Rümpft die Nase und fasst mit spitzen Fingern die Schürze an.) Sieht die eklig             

aus. So was zieh ich nicht an. (wirft sie dem "Spieler" zu)

Spieler:            Die ist ja gar nicht mehr so nett, wie in den Wochen vorher. Diesmal scheint                   

sie es ernst zu meinen. Tja, da muss wohl unser "Streber" mal ran. (wirft die                    

Schürze ihm zu.)

Streber:           Kommt gar nicht in Frage. Ich muss für die nächste Klausur lernen. (wirft sie                 

wieder zur "Dame") So schlecht steht dir die Schürze nicht, wie du meinst.

Dame:             Spar dir Deine Chauvi-Sprüche! Schürzen stehen durchaus auch Männern!

Spieler:            Schon gut.

Streber:           Irgendwie sollten wir uns doch einigen, wer den Wochendienst macht,                           

nachdem unsere Haussklavin streikt.

Dame:             Wir würfeln's aus. Wer die niedrigste Zahl hat muss ran. Einverstanden? (alle                 

nicken) Also gut, ich hol mal einen Würfel. (steht auf und holt irgendwoher                   

einen Würfel)

Dame:             Ich fang an. (würfelt) Sechs! (aufatmend) Das sieht ja mal gut aus!

Streber:           (würfelt) Sechs! (reicht triumphierend dem "Spieler" den Würfel) Sieht so aus,               

als ob du nächste Woche nicht mehr so oft zocken kannst.

Spieler:            (zuckt mit den Achseln und würfelt) Sechs! Ich hab auch die Sechs! (tanzt wie              

wild herum) I am the Champion!

Dame:             Na dann eben nochmal.

Spieler:            Stopp! Alle drei die "Sechs"! Wisst ihr, was das bedeutet?

Streber.           Wie, was soll das bedeuten?

Spieler:            Wir sind alle drei dran. Vorschlag zur Güte: Wir teilen uns die Arbeit auf.                      

(deutet auf die Dame) Du machst die Küche. (deutet auf den Streber) Du kaufst                       

ein und putzt die Treppe und ich mach den Rest.

Streber.           Und was ist der Rest?

Spieler:            Den Müll raustragen.

Dame:             Kommt überhaupt nicht in Frage. Du machst ja dann fast gar nichts und wir alles.

Spieler:            (seufzt) Ich seh das zwar anders wie du. Aber gut: Andere Vorschläge?

Streber:           Passt auf: Jeder von uns hat die Sechs gewürfelt. Das kann man ja auch anders              

interpretieren. Und zwar so: Kein einziger von muss Wochendienst machen!

Dame:             Wer soll dann die Drecksarbeit machen?

Streber:           Wir bezahlen jemand. So teuer kann das ja nicht sein. (zur Dame) Hol mal die                

Zeitung!

Dame:             Bin ich jetzt wohl euer neuer Sklave? (steht widerwillig auf und holt eine                       

Zeitung) Bitte!

Streber:           Na, dann schauen wir mal. Hier sind die Anzeigen. Da, die wäre doch geradezu             

ideal! (liest vor) "Suche Tätigkeit als Haushaltshilfe - auch in WGs"!                                

Telefonnummer (wählt) So: (wartet) Und hier Hofmann. Wir rufen an wegen                 

Ihrer Anzeige. Wir sind eine WG und suchen eine Haushaltshilfe. Zumindest                 

vorübergehend. - Sie hätten Interesse? - Sie wollen gleich vorbeikommen?  -                   

Super! - Also wir wohnen… - Sie brauchen unsere Adresse nicht? - Das                          

verstehe ich …

Dienerin:         (kommt wieder, in der einen Hand einen Koffer, in der anderen ihr Handy)                    

Hier bin ich. Wie viel zahlt ihr?

Streber:           Du hast das Inserat in Zeitung gesetzt?

Dienerin:         Sieht so aus.

Streber.           Aber warum denn? Und was hast du mit dem Koffer vor? Verreist du?

Dienerin:         Nein, ich zieh aus. Hab ein günstiges Zimmer gefunden, für mich alleine, seit                 

gestern.

Streber.           Und das Inserat?

Dienerin:         So ein Zimmer für einen alleine ist natürlich teurer als das in einer WG. Und da              

will ich mir was dazuverdienen. Und Saubermachen, Kochen, Einkaufen habe               

ich bei euch ganz gut gelernt. Das kann ich. Ich wäre bereit, für euch zu                          

arbeiten. Wie viel zahlt ihr mir?

Streber:           Das geht mir alles ein bisschen zu plötzlich.

Dienerin:         Okay. Also dann nochmals Tschüss. Vielleicht bis später. Meine Nummer habt               

ihr ja. Ach ja, und die Schürze gehört ja auch mir. Die nimm ich mit.!

                        (verlässt den Raum. Die Drei schauen ihr entgeistert nach.)

Pfarrer:            Moment, das ist meine Schürze! (nimmt ihr die Schürze und geht zur Kanzel.)

 

©  Dieter Opitz