Anspiel Kreuz und Quer 27.01.2013

"Ich weiss nicht was ich will"

 

Das Anspiel spielt auf einer Abi-Feier. 2 Freunde stehen an einem Bistrotisch, Sektgläser in der Hand. Auf dem Tisch eine Flasche Sekt. Lukas hat gerade so sein Abi geschafft, ein absolut "chilliger" Typ, Markus hat gute Durchschnittsnoten. Er wirkt nervös und unsicher. Was soll er machen? Später stellt sich Antonia, Klassenbeste, herablassend, Streberin, zu den beiden. Alle drei in entsprechendem festlichen Outfit.

 

Lukas.:            Hier endlich mal ein freier Tisch.

Markus:          (schaut sich um) Sollen wir nicht zu den anderen? Da hinten stehen der Erik,
                       der Patrick und der Stefan (winkt schüchtern imaginären Personen zu)

Lukas:             Ach was. Jetzt stoßen wir mal gemeinsam an.

Markus:           Meinst du?

Lukas:             Jetzt sind wir 9 Jahre gemeinsam an dieser Schule durch dick und dünn
                       gegangen. Wir haben gemeinsam eine Klasse wiederholt. Wir haben
                       gemeinsam den Meyer geärgert, haben gemeinsam bei der Hacker geschlafen,
                       haben gemeinsam beim Lutz "Schiffe versenken" gespielt. Jetzt stoßen wir
                       auch gemeinsam auf unser bestandenes Abi an! (hält Glas in der Hand)

Markus:           Du hast halt schon immer gewusst, was du willst. Im Gegensatz zu mir.

Lukas:             Deshalb habe ich auch mehr Verweise wie du bekommen. (stolz) Die meisten
                       von euch allen. Alle hart erarbeitet und keinen unverdient.

Markus:           Du hast dir nie was gefallen lassen. Dafür hab ich dich immer bewundert.

Lukas:             (gönnerhaft) Ja, ja, der Markus mein größter Fan. (hält immer noch das Glas in
                       der Hand) Also jetzt Prost. Der Sekt wird sonst noch warm.

Markus:           (hält unentschlossen das Glas in der Hand und weicht sogar dem Glas von
                        Lukas aus. Dessen Hand geht ins Leere.)

Lukas:             (ungläubig) He, was soll das?

Markus:           Sollen wir wirklich anstoßen?

Lukas:             Na klar.

Markus:           Worauf eigentlich?

Lukas:             Auf unser Abi vielleicht?

Markus:           Abi schön und gut. Aber wie geht's jetzt' weiter? Ich weiß nicht, was ich machen soll!

Lukas:             Wie ist dein Schnitt?

Markus:           Eins Komma fünf.

Lukas:             Damit kannst du machen, was du willst! Mit den Noten! Musst nicht BWL studieren.

Markus:           Eben. Ich könnte vielleicht sogar Medizin studieren, oder Psychologie, oder
                       irgendwelchen anderen coolen Sachen. Oder gleich was verdienen.

Lukas:             Eben, und darauf stoßen wir an.

Markus:           Darauf, dass ich nicht weiß, was ich will?

Lukas:             (stöhnt) Dir ist nicht zu helfen.

Markus:           Du hast leicht reden. Du hast ja Vier Komma Null.

Lukas:             (stolz) Vier Komma Null. Das muss mir einmal einer nachmachen. Das war eine
                       Punklandung. Kein Punkt zu viel. Bei der letzten Matheklausur habe ich sogar leer
                       abgegeben.

Markus:           (entgeistert) Du hast leer abgegeben? Warst du wahnsinnig?

Lukas:             Ich habe mir alles genau vorher ausgerechnet. Wieso soll ich eine Stunde
                       zuviel lernen, wenn es so auch geht?

Markus:           Aha. Dann müssen wir wirklich auf dein Abi anstoßen. (Bewegt das Glas

                       Richtung Lukas. Jetzt zieht dieser zurück)

Lukas:             Moment mal: Wieso hast du gesagt: Du hast mit Vier Komma Null leicht reden?

Markus:           Na, weil von vornherein so viel für dich wegfällt. Du musst nicht zwischen so
                       viel Sachen entscheiden wie ich, klar?

Lukas:             Meine Güte, machst du dir einen Stress! Du redest immer nur von entscheiden!

                        Ich lass alles erst mal langsam angehen.

Markus:           Wie meinst du das?

Lukas:             Ich mach erst mal gar nichts: Party, Party, Party!

Markus:           Und dann?

Lukas:             Dann kommt die große Weltreise.

Markus.           Du weißt halt immer, was du willst.

Lukas:             Naja, so genau auch nicht. Ich weiß nicht, ob die Reise ein halbes Jahr, oder
                       ein Jahr oder zwei Jahre dauern soll.

Antonia:          (kommt mit einem Glas Sekt an dem Tisch vorbei. Herablassend:) Na, geht's
                       wohl um Pläne für eure Zukunft?

Lukas:             Nicht so neugierig!

Antonia:          (verschnupft) Man wird ja wohl noch fragen dürfen!

Markus:           Was hast denn du vor?

Antonia:          (stolz) Erst mal Auslandsstudium in Harvard, hab dafür ja ein Stipendium. Die
                       nehmen mich mit Kusshand.

Lukas:             Dann sehen wir uns sicherlich.

Antonia:          Wie bitte?

Lukas:             Na, bei meiner Auslandsreise. USA ist sicherlich auch mit dabei. Ich besuch
                      dich mal. Mann, werden wir beide schwitzen! Du bei deinem Studium und ich
                      am Strand in Florida.

Antonia:          Interessant. Und was hast du so vor, Markus?

Markus:           Keine Ahnung. Vielleicht Medizin. Aber weiß ich, ob ich ein guter Arzt
                       werde? Oder Musiker.

Antonia:          Musiker?

Lukas:             Weißt du nicht, dass Markus ein Wahnsinnsklavierspieler ist? So ein richtiges
                       Genie.

Antonia:          Also willst du so was wie Barpianist werden?

Markus:           Eben nicht. Ich weiß es einfach nicht. Woher wisst denn ihr, was richtig für euch ist?

Lukas:             Was für dich richtig ist, musst du schon selbst wissen. Für mich ist richtig, dass
                       ich Spaß habe. Wenn ich Spaß daran habe, der Antonia eine Sektdusche zu
                       verabreichen, (deutet mit dem Glas die entsprechende Bewegung an) dann ist
                       es für mich richtig.

Antonia:          (ungerührt) Unser Spaßvogel hat wieder mal gesprochen.

Markus:           (zu Antonia) Und was ist für dich richtig?

Antonia:          Na, was mich vorwärtsbringt. Ich will mein Leben doch nicht vergammeln wie
                       (schaut Lukas verächtlich an) gewisse Typen.

Lukas:             Man kann sich auch zu Tode schuften.

Markus:           (seufzt) Ich glaube, ihr könnt mir auch nicht helfen.

Lukas:             Stoß erst mal mit mir an!

Markus:           Gut! (hält das Glas in der Hand, will anstoßen, schaut sich dabei um, hält in der
                       Bewegung inne) Oh, da ist ja Paula, Entschuldigung, muss mal schnell weg.

Lukas              Hey, erst mal anstoßen.

Markus:           Meinst du?

Lukas:             (genervt) Vergiss es. Brauchst deine Paula nicht warten lassen.

Markus:           Bin gleich wieder da. Kann auch ein bisschen länger dauern - oder kürzer.
                       (verschwindet)

Lukas:             (schüttelt den Kopf) Weiß eben nicht, was er will.

Antonia:          Scheint so. Na dann mal Tschüss und noch viel Spaß. (geht)

Lukas:             Ich weiß schon, was ich will. (trinkt das Glas auf Ex aus, will nachgießen,
                       überlegt etwas, trinkt dann aus der Flasche und geht mit ihr weg.)

 

© Dieter Opitz