"Die Ohrtat am Tatort" Anspiel Kreuz und Quer 5.4.12

 

(Tisch mit drei Stühle auf der Bühne)

 

Jannik:            (kommt mit Gehhilfen auf die Bühne, hüpft auf einem Bein, am verletzten

                      Bein Socken, trägt Jogginganzug)

Carolin:           (ängstlich) Nicht so schnell! Pass auf! Du musst dir den anderen Fuß

                       nicht auch noch brechen!

Jannik:            (lässt sich auf einen Stuhl fallen) Ich pass schon auf. Setzt euch doch.

Daniel:            Warum sind wir denn nicht in deinem Zimmer geblieben?

Jannik:            Hier haben wir etwas mehr Ruhe. Wisst ihr, (senkt die Stimme) mein

                      Zimmernachbar ist ein bisschen seltsam. Der redet kein Wort.

Daniel:            Ist er Ausländer? Versteht er dich nicht?

Jannik:            Psst, nicht so laut.

Patient:           (läuft mir Kopfverband, nur Augen, Mund und Nasenlöcher sind frei, vorbei)

Jannik:            Hallo.

Patient:           (nickt und verschwindet wieder)

Daniel:            Voll die Mumie. Und grüßen kann er auch nicht.

Carolin:          (mitleidig) Läster nicht so. Dem ist bestimmt was Schlimmes passiert.

Jannik:            Schlägerei in der Disko, sagen die auf der Station.  Ging um ein Mädchen,

                      glaub ich. Mehr weiß ich auch nicht.

Daniel:            Im Galaxy?

Jannik:            Kann sein.

Daniel:            (geheimnisvoll) Ich glaub, ich weiß mehr.

Carolin:           Wieso?

Daniel:             Hab dir die heutige Zeitung mitgebracht. Damit dir nicht so langweilig ist.

                       (schlägt auf) Und was lesen wir da? (schaut triumphierend um sich und fängt

                       an zu lesen) "Schlägerei in der Disko. In einer Diskothek im Osten der Stadt…"

                       - Da gibt's nur das "Galaxy". - Also: "In einer Diskothek im Osten der

                       Stadt kam es Sonntagfrüh um 2 Uhr zu einer Schlägerei. (Die jungen Leute

                       stecken die Köpfe zusammen, um mitlesen zu können. Währenddessen kommt

                       unbemerkt der Patient und stellt sich hinter die drei und hört zu..) Nach

                       Aussagen eines jungen Mannes aus dem Landkreis hat ein Mann aus Bayreuth

                       seine Freundin belästigt und ging mit den Fäusten auf ihn los. Der junge Mann

                       aus dem Landkreis erlitt Verletzungen am Kopf und musste notfallmäßig

                       behandelt werden." - Tja, dumm gelaufen.

Carolin:           Wenigstens wollte er seine Freundin verteidigen.

Daniel:            Der war besoffen, sag ich dir.

Patient:           (schnappt sich von hinten die Zeitung und geht weg.)

Carolin:          (kreischt)

Daniel:            He, was soll das?

Patient:           (zuckt die Achseln)

Daniel:            Das ist meine Zeitung! (steht auf und will mit der Gehhilfe von Jannik auf den

                      Patienten losgehen)

Patient:           (geht in Verteidigungsstellung und schnappt sich schnell die andere Gehhilfe.)

Daniel:            Ich fordere dich zum Duell! (Hebt Gehhilfe wie einen Degen)

Jannik:            (zu Daniel) Hör auf mit dem Quatsch!

Carolin:           (steht auf und drückt Daniel wieder in seinen Stuhl) Ist doch nur ne Zeitung!

Jannik:            Du kannst die Zeitung schon lesen. Mein Freund hat sie mir mitgebracht. Leg

                      sie, wenn du sie gelesen hast, auf mein Nachtkästchen. Okay?

Patient:           (nickt und geht schweigend weg)

Daniel:            (empört) So ein Primitivling!

Jannik:            Der ist wirklich ein Spinner.

Daniel:            Nimmt mir einfach meine Zeitung weg!

Carolin:           Er hat sich angegriffen gefühlt. Wie würdest du reagieren, wenn jemand deine

                       Schandtaten aus der Zeitung vorliest?

Daniel:            Jetzt verteidige ihn nicht auch noch. Wer ist denn der Schlägertyp, der oder ich?

Carolin:           Du kannst auch ganz schön austeilen.

Daniel.            So, wo denn?

Carolin:           Ich denke da nur an das Fakeprofil von Christoph. Das warst doch du, oder?

Daniel:            Der hat das verdient. Außerdem kann mir keiner was nachweisen.

Jannik:            Wir alle wissen, dass du es warst.

Daniel:            Ich versteh nicht, wieso ihr jetzt alle auf mich rumhackt.

Carolin:           Du hast mich nur was gefragt und ich habe dir geantwortet.

Daniel:            Nie um eine Antwort verlegen, genau wie bei der Maria.

Carolin:           Wieso kramst du die alte Geschichte heraus?

Daniel:             Du hast die ja so runtergemacht, nur weil sie über deine Klamotten gelästert hat.

Carolin:           Wer mich beleidigt, der kann mich eben kennenlernen.

Daniel:            Weißt du, dass die Maria immer noch auf dich sauer ist?

Carolin:           Das ist doch schon ein Jahr her.

Jannik:            (langt an seinen Fuß) So ein Fuß heilt in ein paar Wochen. Andere Wunden

                       brauchen ein bisschen länger oder heilen gar nicht.

Carolin:           (spöttisch) Jannik, unser großer Psychologe.

Patient:           (kommt wieder und legt die Zeitung wieder hin. Übergibt Jannik einen Zettel

                       und deutet drauf. Bleibt stehen.)

Jannik:            Soll ich das lesen?

Patient:           (nickt)

Jannik:            Liest: "Entschuldigung, dass ich euch die Zeitung weggenommen habe. Da

                      habe ich überreagiert. Übrigens: Ich bin nicht der Typ von der Disko. Ich bin

                      der auf der Seite 11 links unten.

Jannik:            (schaut ihn erstaunt an, blättert in der Zeitung und liest) "Zivilcourage an der

                      Bushaltestelle .-  Eine Gruppe von jungen Rowdys pöbelte einen alten Mann an

                      und warf ihn zu Boden. Ein 20jähriger Mann griff ein, um dem Opfer zu

                      helfen. Die Gruppe ging mit Fausthieben auf den jungen Mann los. Er musste

                      mit schweren Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. "

Patient:           (übereicht einen weiteren Zettel; Jannik liest) "Der Arzt hat mir verboten zu

                       reden. Meine Mundwinkel mussten genäht werden."

Patient 2:        (kommt auf die Bühne mit Kopfverband wie Patient 1 und läuft schweigend vorbei)

(Carolin, Daniel, Jannik starren den Auftritt an schweigen verlegen.)

Jannik:            Da gibt's hier tatsächlich noch so einen mit einem Kopfverband..

Daniel:            (verlegen zu Patient 1) Ähm, ja dann gute Besserung.

 

© Dieter Opitz