Mittendrin statt nur dabei - Anspiel K&Q am 24.7.11

 

(Mutter und Tochter betreten das Wohnzimmer von Opa.)

 

Tochter:          Opa! Opa! (lauter) Opa!!!

Opa:                (kommt auf die Bühne mit einer umgehängten E-Gitarre, Perücke mit langen
                        Haaren, eventuell zu einem Schwänzchen gebunden,  Lederjacke, Typ
                        "Altrocker") Ja, wie kommt denn ihr hier rein?

Mutter:            Wir haben Sturm geklingelt und du hast nicht aufgemacht. Da sind wir über die
                        Veranda rein. Zum Glück war die Tür offen.

Opa:                Ich hab euch nicht gehört. Hab für unser Comeback geprobt. Jetzt, wo ich
                        Rentner geworden bin, habe ich wieder mehr Zeit.

Mutter:            (seufzt) ist schon gut, Vati. (laut) Erst mal herzlichen Glückwunsch zum 65.

Opa:                Danke, danke. Kaum zu glauben, dass ich schon so alt bin.

Tochter:          (leiser) Ja, Opi, herzlichen Glückwunsch.

Opa:                Hä?

Tochter:          (lauter) Herzlichen Glückwunsch!

Opa:                Danke, danke. Aber setzt euch erst mal.

Tochter:          Wie geht's dir denn?

Opa:                Ich kann noch sehr gut sehen.

Tochter:          (lauter) Wie es dir geht, habe ich gefragt.

Opa:                Ach so, wie es mir geht. Sehr gut. Weißt du, der Toni, der Willy, der Achim
                       und ich wir planen unser fettes Comeback. Du weißt schon, unser alte                        
                       Hardrock-Gruppe "Freddy and the Dynamites"

Mutter:            Meine Güte! Wann habt ihr denn das letzte mal zusammen gespielt?

Opa:                Naja, das wird schon 30 Jahre her sein. Aber mir kommt's vor wie gestern.
                       Waren das wilde Zeiten! Unsere Musik hat einen wirklich umgehauen.

Mutter:            Und dir das Gehör ruiniert.

Opa:                Wie?

Mutter:            Ich meine: Du hörst halt leider nicht mehr so gut.

Opa:                Ist nicht so schlimm.  Wir spielen schon laut genug, damit wir uns hören.

Mutter:            Ähm, wir haben dir übrigens was mitgebracht. Ich bin mir sicher, du freust
                      dich darüber.

Opa:                Na, da bin ich aber gespannt.

Tochter:          Ich hab's dir gekauft. Wir haben alle zusammengelegt.

Opa:                (geschockt) Wen habt ihr umgelegt?

Tochter:          Wir haben zusammengelegt, zusammengelegt. Die ganze Familie. Hier bitte.

                        (überreicht ein Kuvert)

Opa:                (öffnet Kuvert) Wow, ich fasse es nicht. 2 Eintrittskarten für die "Howling
                       Bones" Phantastisch! Danke!

Tochter.          (stolz) Ich habe gerade noch die letzten Karten für das Konzert in München
                       bekommen. Habe ich im Internet bestellt.

Opa:                (schaut sich die Karten an, stutzt) Das steht "Barcelona" drauf.

Tochter.          Zeig mal. (sieht sich die Karten an, kleinlaut) Du hast recht. Das Konzert ist in
                       Barcelona und nicht in München. Wie konnte mir das nur passieren!

Opa:                Ist doch egal. Für die Bones laufe ich auch barfuss nach Barcelona.

Tochter:          Du läufst?

Opa:                Ich trampe natürlich, wie in alten Zeiten. Ich habe ja jetzt Zeit. Und einer von                
                       euch muss mit.

Mutter:            Das ist ganz lieb, Papa, aber das Konzert ist doch eher was für deine
                       Altersklasse. Einer von deiner Band zum Beispiel.

Opa:                (enttäuscht) Ach nö. Magst du wohl nicht die Bones nicht?

Mutter:            (etwas verlegen) Also wenn ich ehrlich bin stehe ich eher auf Florian                               
                        Bügeleisen.

Opa:                Ist das ein deutscher Hardrocker?

Mutter:            Nö, Volksmusik.

Opa:                Volksmusik? Das ist ja nicht zu fassen. Habe ich in meiner Erziehung so
                        versagt?

Mutter:            Natürlich nicht, Papa. Aber die Geschmäcker sind halt verschieden.

Opa:                Na gut. Und was ist mir dir Kristina? Auf was stehst du? Doch sicher auf Rock
                       wie dein Opa!

Tochter:          Nö Opa, bin Fan von Justin Schieber.

Opa:                Ist das der, der so treuherzig schaut wie ein Rauhaardackel?

Tochter:          (entrüstet) Opa! Der Justin ist einfach süß!

Opa:                Tss, Tss, Tss. Ich sag's ja, die heutige Jugend. Schwärmt für jeden Milchbubi.

Tochter:          Der Justin ist kein Milchbubi. Für den würde ich barfuss nach Barcelona
                       laufen.

Sohn:              (betritt die Bühne und macht mit einer Fußballtröte eine nervtötenden Lärm.
                       Singt) Happy Birthday to you…

Mutter.            Das klingt schrecklich. Jan, hör bitte auf.

Sohn:              (beleidigt) Na gut.

Opa:                (entzückt)  Nein, nein! Bitte noch einmal. Direkt ins Ohr!

Sohn:              (tut ihm den Gefallen und bläst ins Ohr)

Opa:                Hat das gut getan! Das hat meine Gehörgänge mal wieder so richtig
                       durchgeblasen! Du könntest auch in meiner Band mitspielen.

Sohn:              Nö, nö Opa, bin absolut unmusikalisch. Ich benutze das Ding nur bei
                      Fußballspielen wie heute beim FC Bayern. (singt absolut falsch) FC Bayern,
                      Stern des Südens…

Opa:                (enttäuscht) Dann begleitest du mich auch nicht nach Barcelona. Hab zwei Karten …

Sohn:              (aufgeregt) Zum FC Barcelona? Du hast zwei Karten? Klar fahr ich mit. Messi,              
                       Iniesta, Xavi, Villa! Genial!

Opa:                (umarmt seinen Enkel) Du bist ein guter Junge! (stutzt dann) Was waren das
                        für Namen? Spielen die im Vorprogramm von ded "Howling Bones"?

Sohn:              Opa! Messi, Inista, Xavi, Villa gehören zu den besten Fußballspielern der
                       Welt. Die spielen beim FC Barcelona. (bläst in die Tröte)

Opa:                Aha, FC Barcelona. Dafür habe ich keine Karten. Ich hab zwei für die
                       "Howling Bones" Die spielen in Barcelona.

Sohn:              "Howling Bones"? Nie gehört. Wo spielen die? In der 2. englischen Liga?

Opa:                (feierlich) Die "Howling Bones" sind die tollste Band dieses Planeten-

Sohn:              Ach so. Nö, Opa, das ist nichts für mich. Da musst du dir schon einen anderen
                       Begleiter suchen.

Opa:                So was lässt man sich doch nicht entgehen. Die "Howling Bones" kennt man
                       noch in 100 Jahren.

Sohn:              Die kennt doch jetzt schon keiner mehr. Aber die Bayern wird's immer und
                       ewig geben.

Mutter:            (skeptisch) Ewig?

Sohn:              Naja, ewig ist gar nichts auf der Welt. Nicht einmal dein Sebastian Goldeisen
                       und (zur Schwester) dein Justin Schieber. Das sagt man halt so: immer und ewig.

Tochter:          Aber das wäre doch wirklich cool, wenn es was gäbe, das es "immer und ewig"
                      gibt. Wovon man noch in 1000 Jahren redet, was sag ich: Solange es uns Menschen gibt.

Opa:                Wozu denn? Ich habe meine "Howling Bones", du deinen Justin Schieber, du                
                       deinen Florian Bügeleisen und du die Bayern. Das reicht doch. Oder?

 

© Dieter Opitz