„Ich war’s nicht!“ Anspiel Kreuz und Quer Gottesdienst am 17.11. 2010

 

Mitspieler:        4 Männer in Sträflingskleidung, ein Gefängniswärter in Uniform, Friedrich der Große ebenfalls in Uniform, möglichst mit Dreispitz und Gehstock

 

(4 Männer in Sträflingsuniform stehen gelangweilt in einer Reihe auf der Bühne und beschäftigen sich irgendwie. Der Gefängniswärter betritt die Bühne und wendet sich den einzelnen Gefangenen zu:)

 

Wärter:            (tritt zu Gefangenen 1 und angewidert wieder zurück) Du stinkst! Hast du dich heute nicht gewaschen? Was soll nur der König von dir denken?

Gefangener 1:   Selbstverständlich habe ich mich heute gewaschen. Oder war’s gestern?

Wärter:            (geht kopfschüttelnd zu Gefangenen 2) Fingernägel nicht geschnitten!

Gefangener 2:   Kein Problem! Wird gleich erledigt! (kaut an den Fingernägeln herum)

Wärter:            (zu Gefangener 3) Was soll denn dieser Fleck auf der Hose?

Gefangener 3:   Der geht nicht mehr raus!

Wärter:            Immer diese Ausreden! (zu Gefangener 4) Du musst deine Haare kämmen. Seine Majestät muss jeden Augenblick kommen!

Gefangener 4:   (holt Kamm aus der Hosentasche und kämmt sich) Schon passiert.

Wärter:            (schaut ihn erstaunt an) Keine Widerrede? Ganz was Neues.

 

(König Friedrich betritt die Bühne)

 

Wärter:            (verbeugt sich vor ihm) Seine Majestät, Friedrich der Zweite von Preußen, seien Sie herzlich willkommen in unserem .. äh Etablissement.

König:              Gefängnis, wollte er sagen.

Wärter:            Natürlich, seine Majestät.

König:              Stelle er mir diese Herren vor.

Wärter:            Selbstverständlich, seine Majestät. Es sind lauter Gauner und Spitzbuben, ..äh... ich meine, lauter preußische Staatsbürger, die mehrere Jahre hier in diesem Etablissse... äh in diesem Gefängnis als Gäste verbringen:

König:              Unfreiwillig, nehme ich an.

Wärter:            Selbstverständlich, unfreiwillig, als Gefangene gewissermaßen.

König:              (deutet auf Gefangenen 1) Trete er hervor! (Gefangener 1 tritt einen oder zwei Schritte vor)

König:              ( zum Wärter) Wieso ist er hier?

Wärter:            (zögerlich) Er ist wegen Diebstahls verurteilt. Auf dem Markt der Stadt war als Taschendieb unterwegs. Er ist auf frischer Tat erwischt worden. Er wollte ausgerechnet den Bürgermeister beklauen.

König:              (zum Gefangener 1) Was sagt er dazu?

Gefangener 1:   Seine Majestät, ich versichere Ihnen, es ist ein Irrtum, ein Justizirrtum. Ich bin unschuldig! Ich wollte den Bürgermeister nicht bestehlen. Ich habe ihn nur zufällig angerempelt. Da fiel seine Geldbörse auf den Boden und ich wollte sie ihm geben.

Wärter:            Man hat, so viel ich weiß, das Geld in seiner Hosentasche gefunden.

Gefangener 1:   Ich weiß auch nicht, wie das Geld in meine Tasche gekommen ist. Das muss mir jemand zugesteckt haben! Ich bin unschuldig! Majestät, Sie müssen mir glauben! Legen Sie ein gutes Wort für mich ein!

König:              (räuspert sich) Trete er wieder zurück. (deutet auf Gefangenen 2) Trete er hervor! (Gefangener  tritt einen oder zwei Schritte vor)

König:              (zum Wärter) Was ist diesem Herrn vorgeworfen worden?

Wärter:            Unterschlagung von ungefähr 1000 Talern.  Er war Buchhalter bei einem Kaufmann und hat seine Bücher gefälscht. Da ein paar Einnahmen zu wenig gebucht, dort ein paar Ausgaben zu viel.

König:              (zum Gefangenen 2) Erkläre er sich!

Gefangener 2:   Seine Majestät, ich kann Ihnen alles erklären. Ich habe zu hause eine Frau und vier kleine Kinderlein. Wissen Sie, was das heißt, so eine große Familie zu haben? Mein Herr hat mir einen Hungerlohn bezahlt. Was ich gemacht habe, war sozusagen ein gerechter Ausgleich.

Wärter:            Man sagt, er hatte nicht nur eine Familie sondern auch eine ... äh ... Geliebte.

König:              Oh! ( zu Gefangenen 3) Trete er zurück. (deutet auf Gefangenen 3) Trete er hervor! (Gefangener  tritt einen oder zwei Schritte vor)

König:              (zum Wärter) Und wieso ist dieser Herr hier?

Wärter:            Körperverletzung. Er hat bei einer Wirtshausschlägerei jemanden die Kinnlade gebrochen und drei Zähne ausgeschlagen.

Gefangener 3:   Es waren nur zwei Zähne! Außerdem hat er angefangen! Es war Notwehr! Er hätte noch eine größere Abreibung verdient!

König:              Habe ich ihn gefragt? Trete er wieder zurück.

Gefangener 3:   Aber ich bin der friedlichste Mensch vom ganzen Königreich Preußen. (packt Gefangenen 2 beim Kragen und schüttelt ihn) Das kann mein Freund Ihnen bestätigen. Das kannst Du doch, oder?

Gefangener 2:   (verängstigt) Ja, sicher.

König:              Trete er zurück, habe ich gesagt. (deutet auf Gefangenen 4) Trete er hervor! (Gefangener 4 tritt einen oder zwei Schritte vor)

König:              (zum Wärter) Wieso ist dieser preußische Bürger im Gefängnis?

Wärter:            Er ist ein Betrüger. Er ist Metzger und hat seine Waage manipuliert, zum wiederholten Male, übrigens.

König:              (zu Gefangenen 4) Und, was hat dieser ehrenwerte Bürger zu seiner Entschuldigung vorzubringen?

Gefangener 4:   Ich bin kein ehrenwerter Bürger. Ich bin ein Lump. Und was ich getan ist absolut unentschuldbar.

König:              Das ist hier ja mal ganz was Neues.

Gefangener 4:   Ich habe aus Habgier gehandelt. Ich hätte so genug verdient. Aber ich wollte noch mehr. Ich sitze hier vollkommen zurecht meine Schuld ab.

König:              (in gespielter Empörung) Was? Ein richtiger Verbrecher hier diesem ehrenwerten Haus? Unglaublich! Er kann gehen!

Gefangener 4: (tritt zurück)

König:              Er hat seinen König falsch verstehen. Er kann gehen!

Gefangener 4:   (stammelt) Ich verstehe nicht...

König:              (brüllt) Raus hier aus diesem Gefängnis! Wie kann ich zulassen, dass er diese ehrenwerte Leute hier verderbe? Er möge mir nie mehr ein Gefängnis betreten!

Gefangener 4:   (strahlt) Danke, Majestät, danke! (macht eine Verbeugung und rennt weg.)

 

© Dieter Opitz