„Eigentlich bin ich ganz anders – ich komm nur selten dazu“ Anspiel Kreuz und Quer 16.5.2010

 

Mitwirkende: Kevin, Mutter, Schwester, Innerer Schweinehund (I S)

 

Kevin:                          (macht es sich auf einem Sofa, Sessel o.Ä. bequem. Er beschäftigt sich mit seinem Laptop.)

Mutter:             (Stimme aus dem Off) Kevin!

Kevin:              (reagiert nicht)

Mutter:             (lauter) Kevvinnn!

Kevin:              (genervt) Ja?

Mutter:             Könntest du mal in die Küche kommen?

Kevin:              (reagiert nicht)

I S                   Gut gemacht.

Kevin:              (schaut sich verwundert um, sieht unter das Sofa) Wer spricht hier denn? Ist doch niemand da.

I S                   Du kannst mich auch nicht sehen.

Kevin:              Warum nicht?

I S                   Ich bin in dir.

Kevin:              (schaut erschrocken in sein T-Shirt oder Hemd oder Pullover) In mir?

I S                   In dir, nicht auf dir, habe ich gesagt.

Kevin:              Ich verstehe nicht.

I S.                  Aber ich verstehe dich. Ich bin nämlich dein innerer Schweinhund.

Kevin:              Hä?

I S                   Dein innerer Schweinehund, auf lateinisch canis porci interior.

Kevin:              Ach so.

I S:                  Also, das hast du wirklich gut gemacht.

Kevin:              (verwirrt) Gemacht? Ich hab doch nichts gemacht.

I S:                  Eben. Deine Mutter hat nach dir gerufen. Und du hast erst einmal nicht reagiert. Gut. Sehr gut sogar. Vieles erledigt sich ja selbst. Und außerdem bist ja nicht der Hilfsknecht deiner Mutter. Oder?

Kevin:              (immer noch verwirrt) Natürlich nicht.

Mutter:             Kommst du jetzt?

Kevin:              (zum inneren Schweinehund) Was soll ich jetzt sagen?

I S:                  Na, was du immer sagst.

Kevin:              (laut) Ich habe keine Zeit!

Mutter.            Aber es ist wichtig!

Kevin:              Es geht gerade nicht.

I S.                  Bravo! Und wie fühlst du dich?

Kevin:              Eigentlich nicht so gut. Ich komme mir irgendwie schäbig und faul vor.

I S:                  Macht nichts. Hauptsache mir geht’s gut. (verlegen) Äh, ich meine, wenn es mir gut geht, dann geht es dir auch irgendwann gut. Nur Mut! Immer so weiter. Dir wird’s gleich besser gehen.

Kevin:              Wenn du meinst.

I S:                  Weißt du, ich bin dein bester Freund. Ich meine es immer gut mit dir. Die anderen wollen immer was von dir. Tu dies, mach das, lass jenes und dieses. Ich sag dir: Du brauchst gar nichts machen. Nur die Ruhe. Lass dich nicht von den anderen so herumhetzen. Sonst bekommst du noch einen Herzinfarkt.

Kevin:              Herzinfarkt?

I S:                  Na jetzt noch nicht. Aber später, vielleicht. Also entspann dich erst einmal, wenn jemand was von dir und sag. Nein. Probier’s mal.

Kevin:              Was?

I S:                  Sag „Nein“!

Kevin:              Nein.

I S:                  Lauter!

Kevin:              Nein!!!

I S:                  Sehr gut!

Schwester:       (Stimme aus dem Off) Ich brauch deine Hilfe! Hast du mal Zeit!

Kevin:              Nein!!!

I S.                  Super! Und wie geht’s dir?

Kevin:              Naja, schon besser wie vorhin.

I S.:                 Na siehst du.

Kevin:              (wendet sich wieder seinem Laptop zu) Jetzt hab ich endlich wieder Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens.

I S:                  Eben. Du brauchst Zeit für dich, um dich zu entspannen. Nur kein Stress. Das tut dir nicht gut.

Kevin:              Stimmt. (stutzt) Aber meinst du nicht, dass man auch einmal an andere denken muss?

I S:                  Eigentlich schon. Aber warum denn gerade jetzt, wo es hier so gemütlich ist?

Kevin:              Ich meine, jetzt habe ich schon Mami nichts zum Muttertag geschenkt, weil mal wieder zu bequem war. Und jetzt ruft sich nach mir....

I S:                  Wenn es wirklich wichtig war, ruft sie schon mal.

Kevin:              Und...

I S :                 ...Und deine Schwester auch, wenn du das sagen wolltest.

Kevin:              Dafür, dass du mein innerer Schweinehund bist, bist du ganz schön fit im Finden von Ausreden.

I S:                  Im Finden von guten Argumenten wolltest du sagen. Weißt du, ich vereine die besten Eigenschaften von Schwein und Hund.

Kevin:              Und die wären?

I S:                  Die Intelligenz vom Schwein und die Treue eines Hundes seinem Besitzer gegenüber.

Schwester:       (Stimme aus dem Off) Kevin!

Kevin:              (genervt) Was ist denn jetzt schon wieder?

Schwester:       Du brauchst nicht mehr zu bemühen. Ich habe die Pizza selber zerteilt. War lecker.

Kevin:              Was?

Schwester:       Na, die Pizza hat gut geschmeckt.

Mutter:             Ich brauche dich nicht mehr. Wir haben die Pizza auch alleine geschafft. Es ist nur noch ein kleines Stückchen...

Kevin:              (wütend,  zum inneren Schweinehund) Du Miststück!

I S.                  (ruhig) Nur keine Beleidigungen. Ich habe auch meine Schweinehundehre.

Kevin:              Du hast mich betrogen. Du hast gesagt, du bist nur auf mein Wohl bedacht.

I S:                  (betont gelassen) Was kann ich dafür, wenn du freiwillig auf deine Pizza verzichtest?

Kevin:              Nur weil du gesagt hast, ich soll hier bleiben.

I S:                  Ich hab nur gesagt, dass du kein Hilfsknecht bist. Das stimmt doch, oder?

Kevin:              Ja, , aber ich hab doch nicht gedacht ....,

I S:                  Dass man dir deine Pizza wegisst? Da bist du schon selbst dran schuld.

Kevin:              Ich war ein Idiot, dass ich auf dich gehört habe. (stürmt weg) He, lasst mir das letzte Stück Pizza!

I S.:                 (für sich) Ein Idiot? Da hat er recht.

Kevin:              (dreht sich noch mal um) Ich höre nie mehr auf dich!

I S:                  Sag nicht so was. Wir sprechen heute Abend noch mal miteinander. Tschüss, bis bald!

 

 

© Dieter Opitz