„Mir egal“ Anspiel „Kreuz und Quer“ 25.1.09

 

Kevin:              (sitzt auf einem Stuhl und ist mit einem Blatt Papier beschäftigt)

Mutter:             (schreit aus einem anderem Raum) Kevin!

Kevin:              (reagiert nicht)

Mutter:             Kevin!

Kevin:              (malt ungerührt weiter)

Mutter:             Keevinn! (kommt ins Zimmer) Ich schreie mir die Seele aus dem Leib und du sitzt hier ruhig rum!

Kevin:              (gelangweilt) Was gibt’s denn?

Mutter:             Das Essen ist fertig.

Kevin:              Ach so.

Mutter:             Kommst du nicht?

Kevin:              Hab zu tun, siehst doch.

Mutter:             Alle warten auf dich.

Kevin:              Fangt halt ohne mich an.

Mutter:             Es gibt Bratwürste. Die werden doch kalt.

Kevin:              Mir egal.

Mutter:             Der Papa hat mit dir was zu besprechen.

Kevin:              Ist mir auch egal.

Vater:              (steht in der Tür) Ich muss mit dir reden.

Kevin:              Hat die Mama schon gesagt.

Vater:              Wieso kommst du nicht runter?

Kevin:              Keine Lust.

Vater:              Dann reden wir halt hier miteinander.

Kevin:              Wenn du willst.

Vater:              Es ist heute wieder ein Verweis gekommen, von deinem Mathelehrer.

Kevin:              Mir egal.

Vater:               (liest vor) „Kevin hat sein Unwissen auf provozierende Art und Weise demonstriert.“ Kannst du mir das einmal erklären?

Kevin:              Na, ich war an der Tafel. Sollte was vorrechnen. Da hab ich ein Strichmännchen mit Sonnenbrille und Krone gemalt.

Vater:              Aha. Ist das alles, was du zu sagen hast?

Kevin:              (zuckt mit den Schultern)

Vater:              Vor zwei Wochen hast du in Deutsch einen Verweis bekommen, weil du deinem Lehrer ein Blatt Papier mit einem Strichmännchen drauf hinten aufs Jackett geklebt hast.

Kevin:              ... mit einer Sonnenbrille und einer Krone.

Vater:              Vor fünf Wochen hast du von deiner Englischlehrerin einen Verweis bekommen, weil du seit zwei Monaten keine Hausaufgaben mehr machst sondern in dein Heft nur noch diese Strichmännchen malst. Und vor zwei Monaten hast du von deinem Lateinlehrer einen Verweis bekommen, weil du den Sechser in der Schulaufgabe mit drei Strichmännchen selber unterschrieben hast.

Kevin:              Ist doch cool.

Vater:              Das ist nicht cool. Das ist lächerlich.

Kevin:              (bockig) Das ist cool.

Mutter:             Cool sind jetzt auf jeden Fall unsere Bratwürste. Die sind sogar eiskalt.

Vater:              Ein Getue mit deinen Bratwürsten. Das ist doch jetzt egal.

Mutter:             Jetzt fängst du auch schon mit dem „mir egal“ an!

Vater:              Jetzt geht es doch um Wichtigeres als um kalte Bratwürste.

Mutter:             (entsetzt) Mensch, Vater!

Vater:              Was denn?

Mutter:             Ja schau dich doch einmal an! Da vorne auf deiner Hose ist ein Fleck, pritschbraat! Sag bloß, so warst du den ganzen Tag auf der Arbeit?

Vater:              Was weiß denn ich? Kann schon sein!

Mutter:             Kann schon sein! Das ist dir wohl auch egal, wenn deine Kollegen und dein Chef den ganzen Tag deine dreckige Hose sehen! Kein Wunder, dass du nicht befördert wirst!

Vater:              Das geht jetzt aber zu weit!

Susi:                 (kommt in das Zimmer) Was ist denn da für ein Geschrei! Wir schreiben morgen Mathe. Ich muss noch lernen und kann mich überhaupt nicht konzentrieren!

Vater:              (zu Kevin) Nimm dir ein Beispiel an deiner Schwester. Die lernt und malt nicht bloß Strichmännchen.

Kevin:              Streberin.

Vater:              (zu Kevin) Also so geht es nicht weiter mit dir. Du musst was tun, und zwar in Mathe, Englisch und Latein, sonst fällst du durch. Und sag bloß nicht: „Mir egal!“

Kevin:              Dann sag ich’s halt nicht.

Vater.              Susi, du könntest doch deinem kleinen Bruder Nachhilfeunterricht geben.

Susi:                 (seufzt) Wenn’s sein muss. Aber ich fürchte, das hat wenig Sinn. Genauso gut könnte ich unserem Hund das Fahrradfahren beibringen.

Vater:              Ja, was sollen wir denn dann machen?

Mutter             Jetzt mache ich dir erst einmal den Fleck weg. Ich kann das nicht mehr sehen. (fummelt an der Hose vom Vater herum.)

Vater:              Jetzt lass mich doch in Ruhe!

Mutter:             (beleidigt) Bitte, wenn du unbedingt wie ein Landstreicher rumlaufen willst.

Kevin:              Ich habe einen Vorschlag. Die Mutter lässt den Vater in Ruhe. Der Vater lässt mich in Ruhe und lässt auch die Susi in Ruhe. Jeder sorgt für sich. Und wenn jeder für sich sorgt, dann ist doch jedem geholfen.

Susi:                 Na gut, aber komm mir nie mehr, dass du von mir eine CD ausleihen willst. (geht)

Mutter:             (eingeschnappt) Wenn der Herr Sohn das so will, dann kriegt eben seine Bratwürste der Bello. (geht)

Vater:              (setzt an, will was sagen, dann doch resigniert) Also gut. Mach, was du willst. (geht)

Kevin:              (erstaunt) Alle weg. Denen bin ich wohl egal!

 

© Dieter Opitz 2009