Mission Possible III K&Q 21.1.07

 

Vater:                          (hält eine Wetterstation in der Hand) Eine halbe Stunde tu ich jetzt schon mit der Wetterstation rum. Leicht zu installieren. Von wegen. So jetzt müsste die Temperaturanzeige kommen. (wartet) Jetzt komm schon. (triumphierend) Jawohl! (skeptisch) Wie bitte? 71,6 Grad Innentemperatur? Das ist ja wie in der Sauna.  Jetzt weiß ich, warum mir immer so warm ist. Und 32 Grad Außentemperatur? Jetzt im Winter. Das kann nur die Klimaerwärmung sein. Oder: Das stimmt was nicht. (ruft) Kevin!! Ich brauch dich!

Sohn:               (kommt) Was gibt’s denn?

Vater:              Die Wetterstation misst 71,6 Grad Innentemperatur und 32 Grad Außentemperatur. Stimmt das?

Sohn:               Gib mal her. Du hast das Gerät nicht in Celsius sondern in Fahrenheit eingestellt. Musst noch einmal alles eintippen. Klar? Ich muss wieder an meinen Computer. Wirst schon allein zurecht kommen. (verschwindet wieder)

Vater:              Nocheinmal alles eintippen. Na gut. Ist ja erst das vierte Mal. (liest) „Drücken Sie fünfmal kurz  auf die „Modetaste“ und dreimal lang auf die „Memorytaste“. Ist das ein Morsegerät? Also gut, fünfmal kurz und dreimal lang. So jetzt haben wir sogar die Uhrzeit. 0 Uhr 10. Mensch, ist das spät geworden! –In Bagdad ist es so spät.(wütend)  Ich werde noch wahnsinnig!! Ich könnte das Ding an die Wand werfen!

Mutter:             (kommt wütend zu Tür rein) Ich werde noch wahnsinnig.

Vater:              So, du auch?

Mutter:             Das Badezimmer sieht wieder aus wie ein Saustall.

Vater:              Ich war nicht die Sau.

Mutter:             Die Handtücher liegen auf dem Boden rum. Alles ist pitschnass. Die Kämme voller Haare. Und drei Zahnpastatuben liegen offen rum.

Vater:              Und deswegen regst du dich so auf?

Mutter:             Du regst dich doch auch. Man hört dich im ganzen Haus brüllen, schon fast eine halbe Stunde tut’s einen Brüller von dir, das alles wackelt.

Vater:              Das ist ja auch zum Verrücktwerden mit der Wetterstation.

Mutter:             Du mit deiner Wetterstation.

Vater:              Was heißt hier meine? Die ist für uns alle! Du wollest doch immer wissen, wie warm oder kalt es draußen ist.

Mutter:             Aber das ist doch nicht so wichtig.

Vater:              So, aber das Badezimmer ist wichtig.

Mutter:             Wichtiger wie deine Wetterstation auf jeden Fall.

Tochter:           (kommt rein, setzt sich deprimiert an den Tisch)

Mutter:             Was ist denn mit dir los?

Tochter:           Der Frederick hat mit mir Schluss gemacht.

Mutter:             Was?

Tochter:           Ausgerechnet die Susi hat ihn mir ausgespannt, meine beste Freundin.

Vater:              Der „schöne Frederick“? Sei froh, das du den los bist. Der sammelt doch Freundinnen wie ein anderer Briefmarken.

Tochter:           Was verstehst du schon von meinem Frederick!

Vater:              Der hat mir noch nie gefallen. Schon von Anfang an nicht.

Tochter:           Aber mir hat er gefallen und gefällt mir immer noch.

Mutter:             Du kriegst schon wieder einen anderen.

Tochter:           (wütend) Aber ich will keinen anderen. Ohne ihn kann ich nicht leben.

Mutter:             Sag nicht so was.

Tochter:           (trotzig) Ich will meinen Frederick.

Vater:              Reg dich nicht wegen so einer Kleinigkeit auf.

Mutter:             Und du regst dich wohl nicht wegen Kleinigkeiten auf?

Vater:              Nö, nur wegen dieser Wetterstation könnte ich in die Luft gehen.

Mutter:             Und die Wetterstation ist wohl keine Kleinigkeit?

Vater:              Das ist keine Kleinigkeit.

Tochter:           Du denkst doch auch nur an dein Zeug. Wie es anderen geht, ist dir doch egal.

Vater:              So eine Wetterstation ist nicht bloß „mein Zeug“. Die verbessert die Wohnqualität von uns allen, - wenn sie mal geht.

Mutter:             Momentan vermiest du nur allen die Stimmung.

Sohn:               (kommt wütend ins Zimmer) Jetzt hat sie’s zerrissen! Jetzt hat sie’s zerrissen!

Mutter:             (entsetzt) Fehlt dir was, Bub? Ist was bei dir nicht in Ordnung?

Sohn:               Alles ist kaputt! Alles!

Mutter:             Sollen wir einen Arzt holen?

Sohn:               Quatsch, der kann auch nicht helfen.

Mutter:             (verzweifelt) Ist es so schlimm?

Tochter:           (gelangweilt) Seine Festplatte ist kaputt.

Mutter:             Sag halt gleich, dass dir was am Kopf fehlt. Brauchst du einen Verband?

Sohn:               Ich brauch keinen Verband. Die Festplatte von meinem Computer ist kaputt. Weißt du was das heißt?

Mutter:             (schüttelt den Kopf)

Sohn:               Alle Spielstände der letzten Wochen sind weg, alle! Das Netzwerkturnier mit meinen Kumpels kann ich jetzt vergessen. Und den Video, den ich gestern runtergeladen habe, kann ich auch vergessen.

Mutter:             Ja, ist das so schlimm?

Sohn:               Schlimm ist gar kein Ausdruck. Das ist eine Katastrophe. Mutter, ich will nicht mehr leben.

Mutter:             Bloß wegen so einer Hartplatten?

Tochter:           Festplatte.

Sohn:               (theatralisch) Der Computer ist mein Leben. Ich kann und will nicht mehr. Ich, (überlegt) ich halt die Luft an, bis ich ersticke. (hält die Luft an)

Mutter:             (hysterisch) Kevin!!! Das machst du nicht.

Vater:              (mit seiner Wetterstation beschäftigt) Der hört schon wieder auf.

Mutter:             Ja, wenn er tot ist. Kevin, hör auf!

Sohn:               (schüttelt den Kopf)

Tochter:           Kevin, das ist eine gute Idee. Ich mach’s wie du! Sagt dem Frederick einen letzten Gruß von mir. Sagt ihm: Ohne dich kann ich nicht mehr leben! (hält die Luft an)

Mutter:             Ja, spinnt ihr jetzt alle? Vater, sag doch was. Deine Kinder bringen sich um, und du sitzt ruhig daneben.

Vater:              Ruhig? Ich bin überhaupt nicht ruhig! Die blöde Wetterstation...

Mutter:             (weint) Ich halt’s nicht mehr aus.

Vater:              Dann halt halt auch die Luft an.

Mutter:             Ich? Na gut! Mit dir allein und ohne die Kinder halt ich es eh nicht aus. Kommt, wir gehen ins Wohnzimmer, weg von diesem, diesem Monster! (hält die Luft an)

Vater:              (allein auf der Bühne, bastelt an der Wetterstation herum, schiebt sie wütend weg, schaut sich nach einer Weile um)  Wo sind’s denn? Halten die jetzt wirklich alle die Luft an? (überlegt) Ist eigentlich keine schlechte Idee. Dann muss ich mich wegen der blöden Wetterstation wenigstens nicht mehr rumärgern. Mutter, Kevin, Susi! Ich komm auch! (hält die Luft an und verlässt die Bühne)