Hoffnung für alle
Anspiel Kreuz&Quer 5. Mai 2002

(Familie Schulze sitzt zusammen und spielt Uno Sie wechseln ein paar belanglose Bemerkungen zum Spielverlauf. Der Sohn freut sich schon auf seinen Sieg. Dann muß er eine 4 plus Karte ziehen..)

Sohn:Jetzt muß ich schon wieder 4 karten ziehen! Ihr seid so gemein!
Mutter: (will ihm übers Haar streichen. Der Junge weicht trotzig zurück.) Ist doch nur ein Spiel!
Sohn: Trotzdem seid ihr so gemein! Im nächsten Zug hätte ich gewonnen!
Tochter: Woher willst du das denn wissen? Bist du ein Hellseher?
Sohn: Ich hätte gewonnen, ganz bestimmt.
Vater: Heul nicht so rum. Du weißt genau, wie mir dein Gejammere auf die Nerven geht!
Sohn: Du denkst auch bloß an dich. Wie's mir geht, daran denkst du nie! Ich habe heute abend noch kein einziges Spiel gewonnen. Kein einziges!
Tochter: Ich kann dir auch sagen, warum.
Sohn: So?
Tochter: Du bist einfach zu dämlich zum Kartenspielen.
Mutter: Jetzt ärger doch nicht andauernd den Kleinen.
Tochter: (ungerührt) Doch, du bist zu blöd zum Kartenspielen. Du bist ein hoffnungsloser Fall.
Bruder: Ich bin nicht blöd! Ich bin jetzt auch ins Gymnasium gekommen!
Tochter: Das heißt heutzutage überhaupt nichts.
Vater: (zum Sohn) Jetzt halt' doch wenigstens deine Karten gescheit. Kann doch jeder reinschauen.
Sohn: Wie soll ich sie denn halten?
Vater: So! (korrigiert die Kartenhaltung des Sohnes und seufzt) Ich glaub, deine Schwester hat recht. Ein hoffnungsloser Fall fürs Kartenspielen!
Mutter: Jetzt hack' doch nicht auch noch auf den Kleinen herum!
Sohn: (den Tränen nahe) Jetzt muß ich schon wieder 4 Karten ziehen!
Tochter: (lacht) Du bist wirklich zu blöd! Du hättest deine 4 plus Karte drauflegenkönnen. Dann hätte der Papa 8Karten ziehen müssen.
Sohn: Du schaust schon wieder in meine Karten! Außerdem darf ich mit meine Karten machen, was ich will!
Tochter: Bitte, Aber so gewinnst du nie! Nie! Du bist wirklich ein hoffnungsloser Fall!
Vater: Apropos hoffnungsloser Fall. Wie geht's denn dem Nachbarn, dem Huber?
Mutter: Heute früh war die Brauerei schon wieder da. Zwei Kästen Bier hat er bekommen. Ich hab's vom Fenster aus genau gesehen.
Tochter: Na und?
Mutter: Na und, sagst du? Letzte Woche hat er auch zwei Kästen genommen. Und vorletzte Woche auch zwei! Weißt du, was das heißt? Er trinkt so sein sechs Flaschen Bier am Tag. Er allein! Seine Frau trinkt keinen Tropfgen Alkohol und seine zwei kleinen Kinder auch nicht.
Tochter: Das ist wirklich nicht mehr normal.
Sohn: Der trinkt ja fast soviel wie der Papa!
Vater: Wie bitte?
Sohn: Du trinkst sieben Flaschen, hast du erst gestern gesagt!
Vater: In der Woche, mein Sohn, in der Woche, nicht am Tag. Das ist etwas ganz anderes.
Sohn: Ach so.
Mutter: Kein Wunder, daß die Frau Huber so traurig aussieht und die Kinder auch. Hoffentlich schlägt er sie nicht. Dabei hat der Herr Huber doch mit dem Trinken aufgehört, habe ich gedacht.
Vater: Der Huber trinkt schon, seit ich ihn kenne, schon seit 20 Jahren.
Mutter: Ja, aber da muß man doch etwas machen. Der Nachbar macht sich doch kaputt - und seine Familie auch noch!
Vater: Der Huber war schon ein paar mal auf Entziehung. Hat alles nichts genützt. Ein hoffnungsloser Fall.
Sohn: Das hat unser Mathelehrer vom Heiner auch gesagt. Gestern hat er seinen dritten Mathefünfer herausbekommen, knapp an der Sechs vorbei.
Tochter: Dann soll er halt wieder zurück auf die Hauptschule. Hat meine Freundin auch gemacht. Die hatte auch Probleme mit Mathe.
Mutter: Meinst du die Susi?
Tochter: Ja.
Mutter: Geht sie eigentlich noch mit dem Gerhard?
Tochter: I wo! Die ist auch so ein hoffnungsloser Fall! Die verliebt sich immer in den Falschen.
Mutter: Vielleicht findet sie ja doch mal den Richtigen.
Tochter: Das glaub ich nicht. Die kriegt nie einen.
Mutter: Lade sie doch einmal in einen eurer Jugendgottesdienste ein. Da kann sie doch bestimmt einen netten jungen Mann finden.
Tochter: Was meinst du, wie oft ich das schon gemacht habe! Immer hat sie eine andere Ausrede! (seufzt) Ein hoffnungsloser Fall.
(Die Familie spielt weiter. Der Sohn strahlt immer mehr.)
Sohn: Uno!
(Die Familie spielt weiter)
Sohn: Uno, uno! Ich hab' gewonnen! Ich hab' doch gewonnen!
Vater: Das gibt's doch nicht!
Tochter: Du hast doch gar keine Chance gehabt. Ich hab' doch noch zwei Farbkarten!
Sohn: Siehst du, ich bin doch kein hoffnungsloser Fall wie der Heiner!
Vater: Der Heiner? Naja, wer weiß, vielleicht ist er auch kein hoffnungsloser Fall!
Mutter: Und was ist dann mit dem Huber?
Vater: (zuckt mit den Achseln) Was weiß ich.
Mutter: Und mit der Susi?
Tochter: (zuckt mit den Achseln)
Sohn: Man soll nie die Hoffnung aufgeben, gell Mama?