"Bet(e) and win" Kreuz und Quer 28.5.2017
 

Anspiel zu Lukas 11,5-13
 

(Auf der Bühne Tisch und Stuhl, auf dem Tisch liegt ein Handy. Es klingelt, - sehr lange. Die Treppe kommt ein Mann hoch gewankt, sichtlich verschlafen, Haare zerzaust, im Schlafanzug oder mit Bademantel oder Ähnliches. Er nimmt das Handy.)

 

Daniel:                        Ja, was ist?

Mike:                          (aus dem Off) Ich bins, Mike. Ich brauch deine Hilfe, ich …

Daniel:                        (unterbricht ihn) Du weißt schon, wie viel Uhr es ist.

Mike:                          Natürlich, 2 Uhr.

Daniel:                        Hat das nicht bis heute früh noch Zeit? Es ist mitten in der Nacht. Ich
                                   bin hundemüde und muss um sechs Uhr früh raus.

Mike:                          Es ist dringend, sehr dringend. Ich brauche deine Hilfe, jetzt.

Daniel:                        Ist dir nicht gut? Musst du ins Krankenhaus, oder was ist?

Mike:                          Nein, ich krieg Besuch, in einer Stunde.

Daniel:                        Mitten in der Nacht?

Mike:                          Ja, mein Bruder. Du weißt doch, der in den USA lebt. Der ist gerade in
                                   Deutschland. Von seiner Firma aus. Und jetzt hat er angerufen. Er hat
                                  ein paar Stunden Zeit, bevor er wieder zurückfliegt. Und er hat gefragt,
                                  ob er kommen kann. Hab natürlich Ja gesagt. Ich hab ihn ja das letzte
                                   mal vor ein paar Jahren gesehen.

Daniel:                        Und was hat das mit mir zu tun?

Mike:                          Sehr viel. Hast du Nudeln?

Daniel:                        Wie bitte?

Mike:                          Ob du Nudeln im Haus hast?

Daniel:                        Ich denke schon.

Mike:                          Fussili?

Daniel.:                       Jaja.

Mike:                          Wunderbar! Ich brauche eine Packung, oder am besten zwei.

Daniel:                        (entgeistert) Und deshalb rufst du mich nachts um zwei Uhr an? Wegen

                                   einer Packung Nudeln?

Mike:                          Fussili-Nudeln.

Daniel:                        Ich fass es nicht.

Mike:                          Ich brauch sie dringend. Ich hab nichts im Haus, kein Brot, keine
                                  Nudeln, nichts. Bin gerade erst vom Urlaub zurückgekommen.

Daniel:                        Dann geh halt in eine Tankstelle. Dort kannst du was zum Essen kaufen.

Mike:                          Ich brauche Nudeln. Fussili-Nudeln. Mein Bruder liebt sie. Ich brauch                            

                                  sie unbedingt. Ich bezahl sie dir auch. Du kriegst fünf Euro pro Packung.

Daniel:                        Du spinnst doch. Ich will keine fünf Euro. Ich will nur weiterschlafen.

Mike:                          Zwei Packungen Fussili-Nudeln. Ich bitte dich. Bitte.

Daniel:                        Also gut. Damit du wieder Ruhe gibst. Ähm, weil du es bist, wollte ich sagen.

Mike:                          Und hast du noch ein paar Zutaten Schinken und Käse, für Schinkennudeln?

Daniel:                        Ja, habe ich auch.

Mike:                          Und vielleicht noch eine Flasche Rotwein?

Daniel:                        Ist auch da, unten im Keller.

Mike:                          Wunderbar. Ich hab's doch gewusst. Du bist mein bester Freund. Kannst

                                   du die Sachen gleich bringen?

Daniel:                        Bringen?

Mike:                          Ja, du weißt doch, ich hab kein Auto. Und Busse fahren auch nicht.

Daniel:                         Du meinst, ich soll mich jetzt anziehen, mein Auto aus der Garage
                                    holen, quer durch die Stadt fahren und dir die Sachen bringen?

Mike:                          (verzweifelt) Es geht nicht anders. Es ist doch mein Bruder, der…

Daniel:                         Ja, ja, ich weiß, der liebt Nudeln.

Mike:                          Und Rotwein. Hast du noch diesen guten französischen, den wir letzte
                                   Woche getrunken haben?

Daniel:                         Ja, ja, hab ich noch.

Mike:                          Dann bring den mit.

Daniel:                        Du weißt schon, was du verlangst?

Mike:                          Ja, sicher. Wenn ich nicht wüsste, dass du mein bester Freund bist, hätte
                                   ich dich nicht angerufen. Glaub mir!

Daniel:                         (resigniert) Ist gut, ist gut. Ich komme. Ich hoffe nur, dass ich meine
                                   Frau und meine Kinder nicht aufwecke.

Mike:                          Danke! Du bist wirklich ein Freund, auf den man sich verlassen kann.

Daniel:                         Und du bist auch ein Freund, der … ach lassen's wir. Also ich komm.

(Daniel legt auf)

Daniel:                         Ein Freund, der einem auf die Nerven fällt. (seufzt) Also, auf geht's.
 

(wankt wieder die Treppe hinunter und seufzt) Fussili-Nudeln.

 

© Dieter Opitz